Durch Phishing, Malware oder Datenpannen können sensible Informationen schneller in falsche Hände gelangen, als viele denken. Erfahren Sie hier, wie Sie mögliche Schäden minimieren können und welche Maßnahmen ihre digitalen Daten schützen.
Das Darknet ist wie ein weitverzweigtes Spinnennetz, das tief unter der Oberfläche des Internets lauert. In den schattigen Ecken und dunklen Fäden verbergen sich krumme Geschäfte und gefährliche Kontakte.
(Bild: Canva / KI-generiert)
In der digitalen Welt von heute werden persönliche Informationen durch Online-Shopping, Streaming-Abonnements und App-Downloads an immer mehr Orten gespeichert. Diese Fülle an Daten macht digitale Identitäten für Cyberkriminelle im Darknet äußerst wertvoll. Doch wie groß ist die tatsächliche Gefahr? Wie gelangen die Daten überhaupt ins Darknet? Was ist im Ernstfall zu tun und welche Maßnahmen können ergriffen werden, um solche Vorfälle zu verhindern?
Ein Blick ins Dunkle: Cyberkriminalität im Darknet
Zunächst ein Realitätscheck: Das Darknet ist nicht nur ein Ort der Kriminalität, sondern auch ein Mittel gegen Zensur und zum Schutz der Privatsphäre. Es zieht jedoch Cyberkriminelle an, die in Foren und Marktplätzen mit Software-Schwachstellen, Drogen, Waffen und gestohlenen Daten handeln. Dazu gehören Passwörter, Kreditkartendaten und Authentifizierungs-Tokens, die es Angreifern ermöglichen, Logins zu übernehmen und Zwei-Faktor-Authentifizierungen zu umgehen, oft über infizierte Geräte.
Michael Klatte, Cybersicherheitsexperte bei Eset, bestätigt diese Entwicklung: „Wir sehen, dass Angreifer längst nicht mehr nur Passwörter stehlen. Session-Cookies oder Authentifizierungs-Tokens ermöglichen es ihnen, bestehende Logins zu übernehmen. Das kann sogar eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aushebeln. Für Betroffene ist das besonders tückisch, weil es zunächst völlig unauffällig bleibt.“
Im Darknet sind Finanzdaten wie Kreditkartennummern und Bankkontoinformationen besonders begehrt. Auch personenbezogene Daten wie Name, Geburtsdatum und Sozialversicherungsnummern sind von hohem Wert, da Kriminelle damit unter falscher Identität Kredite aufnehmen oder Verträge abschließen können. Zugangsdaten für Online-Konten, wie E-Mail-Adressen und Profile in sozialen Netzwerken, sind ebenfalls gefragt, da sie für Social Engineering genutzt werden können. Besonders problematisch sind geleakte biometrische Daten wie Fingerabdrücke, die sich nicht zurücksetzen lassen und dauerhaft gefährdet sind.
Ein einzelnes Datenleck ist heute selten ein isolierter Vorfall. Gestohlene Zugangsdaten sind der Rohstoff für weitere Angriffe. Sie werden gesammelt, automatisiert ausprobiert und öffnen Angreifern oft Tür um Tür zu weiteren Konten.
Michael Klatte, Cybersicherheitsexperte bei Eset
Wie gelangen ihre Daten ins Darknet?
Es gibt zahlreiche Wege, auf denen persönliche oder finanzielle Informationen in die Hände von Kriminellen geraten können. Das größte Problem dabei: oft bemerken es die Betroffenen nicht einmal. Doch wie gelangen Daten eigentlich ins Darknet?
Datenlecks und Hacking-Vorfälle: Wer heute online einkauft, sich bei einem Dienst anmeldet oder Apps nutzt, gibt persönliche Daten weiter. Und diese Daten landen bei Unternehmen, die immer wieder zum Ziel von Ransomware und Erpressung werden. Großangelegte Sicherheitsvorfälle sind deshalb eine der häufigsten Ursachen.
Infostealer-Malware: Schadprogramme wie RedLine oder Lumma Stealer sind längst als „as-a-Service“-Tools verfügbar und sehr einfach einzusetzen. Sie spähen Zugangsdaten, Cookies und gespeicherte Logins über manipulierte Webseiten, infizierte Downloads oder Phishing-Anhänge aus. Die gesammelten Daten landen anschließend zum Verkauf im Darknet.
Phishing: Phishing war schon immer eine gängige Methode, um Informationen zu stehlen. Angreifer sind nun allerdings dazu übergegangen, KI für ihre Angriffe zu verwenden. Hiermit gestalten sie ihre Nachrichten authentisch, sprachlich einwandfrei und passen sie individuell an. Wer auf eine solche Nachricht hereinfällt und seine Daten preisgibt, riskiert, dass diese an Kriminelle weiterverkauft werden.
Fehlkonfigurationen und Leaks in der Cloud: Immer wieder führen schlecht abgesicherte Datenbanken dazu, dass vertrauliche Informationen offen im Internet zugänglich sind, zum Beispiel, wenn keine Passwortabfrage aktiviert wurde. Cyberkriminelle gehen gezielt auf die Jagd nach solchen Schwachstellen, um Daten gewinnbringend zu verkaufen.
Supply-Chain-Angriffe: Oft sind es nicht die großen Unternehmen selbst, sondern deren Dienstleister oder Partner, die angegriffen werden. Diese besitzen häufig sensible Kundendaten, aber nicht die gleichen Schutzmaßnahmen.
Risikofaktor „Data Broker“: Auch sogenannte Data Broker tragen zur Verbreitung bei. Sie sammeln personenbezogene Informationen auf legalem Weg – etwa durch Webtracking – schützen diese aber nicht immer ausreichend.
Schnelles Handeln ist entscheidend, wenn Sie von einem Identitätsschutzdienst erfahren, dass Ihre Daten im Darknet kursieren. Hier eine kurzer Leitfaden:
Ändern Sie sofort alle Passwörter, die mit dem Vorfall in Verbindung stehen, und nutzen Sie dabei einzigartige, starke Passwörter für jeden Dienst, idealerweise unterstützt von einem Passwortmanager.
Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) auf allen Onlinekonten und verwenden Sie Authenticator-Apps oder physische Sicherheitsschlüssel anstelle von SMS-Codes. Wenn ein Dienst keine 2FA anbietet, sollten Sie davon absehen, ihn zu nutzen.
Melden Sie sich auf allen Geräten und aktiven Sitzungen Ihrer betroffenen Konten ab, um unbefugten Zugriff zu verhindern.
Bei betroffenen Bankdaten sollten Sie sofort Ihre Bank kontaktieren, Karten sperren lassen und Kontobewegungen überprüfen.
Überprüfen Sie alle Geräte mit einer aktuellen Sicherheitslösung auf Infostealer-Malware und ungewöhnliches Verhalten.
Schließlich sollten Sie den Vorfall bei der Polizei melden, entweder direkt oder über die Onlinewache.
Um persönliche Daten langfristig vor den Gefahren des Darknets zu bewahren, ist es unerlässlich, proaktive Maßnahmen zu ergreifen und ein Bewusstsein für digitale Sicherheit zu schaffen. Hier einige Strategien die dabei helfen können, Ihre sensiblen Informationen zu sichern und Ihre digitale Identität zu schützen.
Minimieren Sie die Weitergabe persönlicher Daten: Geben Sie nur so viele persönliche Informationen wie nötig weiter. Vermeiden Sie es, Kundenkonten bei Onlineshops anzulegen, wenn es nicht zwingend erforderlich ist. Wählen Sie beim Einkauf stattdessen die Option „Als Gast bestellen“, um keine dauerhaft gespeicherten persönlichen Daten zu hinterlassen.
Halten Sie Ihre Geräte aktuell: Halten Sie Ihre Geräte jederzeit auf dem neuesten Stand. Aktivieren Sie automatische Betriebssystem- und Softwareupdates oder lassen Sie diese Funktion aktiv. Verwenden Sie ausschließlich Anwendungen aus offiziellen App-Stores. Ergänzen Sie diese Maßnahmen durch eine vertrauenswürdige Sicherheitslösung, die auch Infostealer erkennt.
Praktizieren Sie digitale Hygiene: Achten Sie im Alltag auf digitale Hygiene. Öffnen Sie keine Links oder Anhänge aus unbekannten E-Mails, SMS oder Direktnachrichten, auch wenn die Absender auf den ersten Blick vertrauenswürdig erscheinen. Seien Sie besonders vorsichtig bei unerwarteten Nachrichten, die künstlichen Zeitdruck erzeugen oder Geld verlangen.
Reduzieren Sie Ihren digitalen Fußabdruck: Verringern Sie Ihren digitalen Fußabdruck im Netz. Stellen Sie soziale Netzwerke auf „privat“, entfernen Sie veraltete Informationen aus Onlineprofilen und recherchieren Sie regelmäßig, welche Daten öffentlich über Sie auffindbar sind. Tools wie People-Search-Dienste oder Google Alerts helfen dabei, problematische Einträge frühzeitig zu entdecken.
Nutzen Sie Ihr Recht auf Datenschutz: Nehmen Sie Ihr Recht auf Datenschutz aktiv wahr. Fordern Sie bei Datenhändlern und Plattformen die Löschung Ihrer Informationen ein. Nutzen Sie das in der EU verankerte „Recht auf Vergessenwerden“ und setzen Sie auf spezialisierte Dienste, die diese Anfragen automatisieren.
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