Update: Google setzt auf Eigenreparatur Teil I: Nachhaltige Smartphones, geht das?

Von Ann-Marie Struck

Nachhaltigkeit ist aktuell in aller Munde. Insbesondere werben viele Smartphone-Hersteller mit dem Buzzword. Doch wie nachhaltig ist die proklamierte Nachhaltigkeit wirklich und was verstehen die einzelnen Hersteller darunter. Wir geben einen Überblick.

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Recycling, Reparatur, kurze Lieferketten sowie bestimmte Materialien – es gibt einige Möglichkeiten, Smartphones nachhaltiger zu machen.
Recycling, Reparatur, kurze Lieferketten sowie bestimmte Materialien – es gibt einige Möglichkeiten, Smartphones nachhaltiger zu machen.
(Bild: thodonal - stock.adobe.com)

Klimafreundlich, regional oder ressourcenschonend – die Produktwerbung ist voll von diesen Schlagwörtern. Nachhaltigkeit ist Trend und immer mehr Konsumenten interessieren sich, wie und wo Konsumgüter produziert werden. Das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für IT-Produkte.

So werben immer mehr Smartphone-Hersteller mit dem Label „Nachhaltigkeit“. Dabei gibt es viele Ansatzpunkte: beim Strom, bei der Auswahl der Materialien, bei der Produktion, der Produktlebensdauer, der Verpackung und dem Recycling.

Ist nachhaltig gleich Umweltschutz?

Aktuell kursieren die unterschiedlichsten Schlagwörter in den Medien: Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder CO2-neutral. Und oft werden sie synonym verwendet. Doch nachhaltig ist nicht gleich umweltfreundlich. Laut Duden wird unter „Nachhaltigkeit“ ein Prinzip verstanden, nach dem nicht mehr Ressourcen verbraucht werden dürfen, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden können. Das Prinzip umfasst im Wesentlichen drei Bereiche: die ökonomische, die ökologische und die soziale Nachhaltigkeit.

Beim „Umwelt- oder Klimaschutz“ beschreibt der Name die Agenda: Der Schutz der Umwelt und des Klimas. Zwar gibt es bei beiden Begriffen eine Schnittmenge. Umweltschutz ist jedoch nicht gleich nachhaltig und umgekehrt.

Ein Beispiel: Strohhalme aus Glas gelten als umweltfreundlich. Werden sie bei einem regionalen Händler, der zu Fuß erreichbar ist, der darauf achtet, dass die Waren fair verkauft und produziert und zudem nicht verpackt werden, sind die Glasstrohhalme nachhaltig. Kauft man sie jedoch online bei dem günstigsten Anbieter aus Übersee, ist das Produkt möglicherweise noch umweltfreundlich, aber im strengen Sinne nicht mehr nachhaltig.

Der Begriff CO2-Neutralität ist hingegen umstritten, da Kohlendioxid nur eines der Treibhausgase ist, das für das Klima relevant ist. Einem Beitrag der Tagesschau zufolge ist treibhausgasneutral der umfassendere Begriff. Gleichzeitig ist das wiederum, wie bei der Nachhaltigkeit, nur eine Stellschraube für das übergeordnete Ziel Umweltschutz.

Genauere Begriffserklärungen

Umweltschutz und Nachhaltigkeit gestalten sich bei Smartphones durchaus komplex. Dem Umweltbundesamt zufolge verursacht die Produktion die größten Umweltauswirkungen. Folglich wäre es am nachhaltigsten und umweltfreundlichsten, gar kein Smartphone herzustellen. Die Geräte regional zu produzieren, ist eine Möglichkeit, nachhaltiger und umweltfreundlicher zu sein. Jedoch kann ein Smartphone nicht vollständig in Deutschland hergestellt werden. Es werden viele Materialien, Prozessoren sowie Edel- und Sondermetalle benötigt, die aus anderen Ländern importiert werden müssen. So kommt beispielsweise Coltan aus dem Kongo oder Gold aus Peru. Neben der Produktion und den Lieferketten, sind Recycling und Reparatur weitere Regulatoren, um ein Smartphone nachhaltiger zu machen.

In zwei Teilen haben wir bekannte Player und ihre Konzepte für nachhaltigere Smartphones genauer unter die Lupe genommen.

Update: Google setzt auf Eigenreparatur

Nachhaltigkeit ist seit Kurzem ein zentrales Thema bei viele Tech-Riesen. So hat sich auch Google viele Werte und Ziele auf die Fahne geschrieben. Die Pixel-Smartphones sind ein Teil der nachhaltigen Strategie des US-Riesens. Ferner sollen nicht nur nachhaltigere Materialien verwendet, sondern auch den Fokus auf die Reparatur gelegt werden. Einfach ist dabei relativ, denn viele Komponenten sind verklebt und Akkus fest verbaut, was die Reparatur für Laien schwierig macht.

Seit der ersten Auflage der Pixel-Phones vor fünf Jahren können die Geräte in speziellen Werkstätten repariert werden. Das ist leider oft sehr kostspielig und je nach alter des Geräts für viele Anwender eine Nutzen-Kosten-Frage.

Jetzt hat Google eine Partnerschaft mit iFixit angekündigt, die „später in diesem Jahr“ starten soll. Das US-Amerikanisches Unternehmen stellt, über eine gleichnamige Homepage, Anleitungen zur Verfügung wie man IT-Geräte, Haushaltsgeräte, Fahrzeuge und weitere Dinge reparieren kann. Durch die Zusammenarbeit sollen Nutzern nun die Möglichkeit haben, einige Komponenten nun selbst auszutauschen. Dazu zählen unter anderem Akkus, Displays und Kameras.

Gigaset: Made in Germany

Der Hersteller Gigaset ist im ITK-Channel bekannt für seine Telefone sowie das Gütesiegel „Made in Germany“, das auch für die Smartphones des Herstellers gilt. Jedoch werden auch dabei einige Komponenten aus anderen Ländern benötigt, weshalb sich das Siegel auch nur auf die Produktion bezieht. Seit 1941 produziert Gigaset in Bocholt (NRW). Dabei setzt das Unternehmen auf modernste Technologien sowie grünen Strom. Notgedrungen kommen viele Komponenten für ein Gigaset-Smartphone aus Asien, was Andreas Merker, Head of Mobile bei Gigaset bedauert. „Wir wünschten, die Abhängigkeit wäre kleiner.“

Die Produktion in Deutschland hat aber den Vorteil von kürzeren Lieferwegen zu regionalen Partnern sowie die Einhaltung von gesetzlichen Umweltansprüchen an produzierende Unternehmen in Deutschland. Außerdem herrschen in Deutschland andere Arbeitsbedingungen als beispielsweise in Asien, wo die meisten der bekannten Smartphones produziert werden. „Wir schaffen dafür wertvolle Arbeitsplätze in Deutschland“, kommentiert Merker. Immerhin sind von den gesamt 900 Mitarbeitern eigenen Angaben zufolge über 600 Arbeitsplätze durch Gigaset in Deutschland gesichert. Der Gigaset-Manager verweist auch gerne auf die Automatisierung der Produktion, bei der „Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten“. In Lieferketten oder Produktionswege in Zulieferländern greift der Hersteller hingegen nicht ein und verwendet nicht nachweisbar ausschließlich faire Rohstoffe.

Bei Produkten setzt Gigaset auf Langlebigkeit, deshalb kommt das Gigaset GS5 mit einem Wechsel-Akku, der vom Nutzer ausgetauscht werden kann. Außerdem soll die „Battery Save Initiative“ mit einer voreingestellten Ladegrenze von 90 Prozent den Akku schützen und die Gesamtlebensdauer des Geräts verlängern. Des Weiteren wird das Smartphone nur verschraubt und nicht verklebt, so dass sich die Reparatur einfacher gestaltet.

Das begünstigt das Credo des Herstellers „Reparatur vor Austausch“. Dafür können Verbraucher einen Reparatur-Service in den eigenen Werkstätten nutzen. Zudem besteht die Verpackung aus Wellpappe, die ressourcenschonend sei und später wieder der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden kann. Bereits in der Vergangenheit hat Gigaset für seine Verpackungen Materialien verwendet, die den FSC-Standards entsprechen – nun wurde dieser Standard von „Mix“ auf „Recycled“ erweitert. Ferner komme keinerlei Styropor und nur so viel Plastik wie nötig zum Einsatz, weshalb inzwischen bei vielen Produkten Kabelbinder und Plastiktüten durch Papierbanderolen und Papiertüten ersetzt wurden.

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Soziales und Gerechtes mit Fairphone

Ein Smartphone-Hersteller, dessen Konzept und dessen Marktidee schon im Namen mitschwingt, ist Fairphone. Es geht um Fairness. Der Fokus des niederländischen Unternehmen liegt seit der Gründung 2013 auf der fairen Produktion von Elektrogeräten. So achtet Fairphone eigenen Aussagen zufolge bei den Materialien auf nachhaltige und faire Quellen und sorgt sich um die sozialen Arbeitsbedingungen, wie faire Löhne und keine Kinderarbeit.

Die 14 Materialien, die im neuesten Modell Fairphone 4 verbaut sind, stammen aus fairen Quellen. Darunter sind Fairtrade-zertifiziertes Gold, Aluminium von Lieferanten, die nach dem Aluminium Stewardship Initiative (ASI) Performance Standard zertifiziert sind, faires Wolfram aus Ruanda sowie recyceltes Zinn, seltene Erden und Kunststoffe.

Bei jeder Fairphone-Generation hat das Unternehmen versucht, neue Ziele zu verwirklichen. Beim Fairphone 1 stand die Reparatur im Fokus, weshalb alle Ersatzteile im Onlineshop verfügbar waren. Die zweite Generation erschien bereits mit einem modularen Aufbau. Dieser soll die Reparierbarkeit erleichtern und somit die Langlebigkeit steigern.

Mit dem vierten Modell rückt die Umwelt in den Fokus, denn das Fairphone 4 soll Elektromüll-neutral sein. Fairphone versteht darunter, dass für jedes verkaufte Fairphone 4 je ein Mobiltelefon oder die gleiche Menge an Elektronikmüll verantwortungsbewusst recycelt wird. Alternativ dazu werde laut Fairphone die Produktion eines neuen Telefons verhindert, indem für jedes verkaufte Fairphone ein altes Gerät generalüberholt wird und somit wieder verwendet werden kann. Geräte, die für das Recycling-Programm verwendet werden, stammen aus europäischen Rücknahme-Aktionen des Unternehmens oder aus Ländern ohne offizielle Recycling-Infrastruktur und werden zum umweltgerechten Recycling nach Europa gebracht.

Des Weiteren möchte das Social Business Nutzer dazu ermutigen, Mobiltelefone länger zu nutzen, weswegen das Unternehmen eine langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen und dauerhaften Software-Support garantiert.

Neben einem austauschbarem Akku sowie einem modularen Aufbau, besteht das Backcover des Fairphone 4 eigenen Angaben zufolge vollständig aus recyceltem Polycarbonat. Deshalb ist die vierte Generation des Fairphone auch TCO-zertifiziert, die weltweite Nachhaltigkeitszertifizierung für grüne IT-Produkte.

Doch damit nicht genug. Es gibt noch mehr Unternehmen, die versuchen ihre Smartphones nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten. In Teil 2 geht es weiter mit Mobilcom-Debitel und Shiftphone.

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