Sparmaßnahmen beim Softwarekauf Taumelnde Wirtschaft sorgt für Gebrauchtsoftware-Nachfrageschub

Von Dr. Stefan Riedl 8 min Lesedauer

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Selten hat ein Trend nur einen treibenden Faktor und oft gibt es gegenläufige Dynamiken. Den Gebrauchtsoftwarehandel treiben wirtschaftliche Unsicherheiten voran, während der Cloud-Boom andere Lizenzmodelle forciert. Insgesamt steigt die Nachfrage.

Kostendruck sorgt für steigende Nachfrage nach günstigen Gebraucht-Lizenzen.(Bild:  KI-generiert)
Kostendruck sorgt für steigende Nachfrage nach günstigen Gebraucht-Lizenzen.
(Bild: KI-generiert)

Die Unsicherheit ist ein Riesenthema im aktuellen Marktgeschehen. Melanie Achten, Geschäftsführerin bei MRM Distribution bringt es auf den Punkt: „So richtig weiß niemand, wohin es mit der deutschen Wirtschaft geht.“ Da fällt es naturgemäß nicht leicht, Geld für IT auszugeben und Projekte werden auf Eis gelegt, so ihre Analyse. Das spürt man bei MRM insofern, als dass Unternehmen jetzt besonders hinschauen, wo sie sparen können. Bei Microsoft-Lizenzen sei das ein einfacher Hebel, erläutert die Managerin: „Nicht neu oder im Cloud-Abo beziehen, sondern als gebrauchte Volumenlizenz.“ Von diesem Hebel würden ihrer Beobachtung nach immer mehr IT-Leiter Gebrauch machen und die Wiederverwendung von Software als strategisches Instrument nutzen, welches sie in die Lage versetzt, Projekte überhaupt noch umzusetzen. Häufig mündet das in hybriden Szenarien, nämlich On-Premises ergänzt um gezielte Cloud-Dienste oder vice versa. Für solche Setups bietet MRM die Lizenzen, aber auch die Beratung, um es audit-sicher umzusetzen.

So richtig weiß niemand, wohin es mit der deutschen Wirtschaft geht. Da fällt es naturgemäß nicht leicht, Geld für IT auszugeben und Projekte werden auf Eis gelegt.

Melanie Achten, Geschäftsführerin MRM Distribution

Kein Grund, gebrauchte Software einzustampfen

Melanie Achten, Geschäftsführerin, MRM Distribution(Bild:  MRM Distribution)
Melanie Achten, Geschäftsführerin, MRM Distribution
(Bild: MRM Distribution)

Cloud Computing ist auf dem Vormarsch. Die Zukunftsperspektiven für den Gebrauchtsoftware-Markt beurteilt Achten vor diesem Hintergrund „ganz pragmatisch“, wie sie sagt: „Cloud Computing ist kein Grund, gebrauchte Software einzustampfen. Es geht nicht um Entweder-Oder, sondern um den optimalen Mix.“ Für On-Premises sprechen demnach nach wie vor viele Gründe: Teile der Infrastruktur lokal zu halten, das ist im produzierenden Gewerbe genauso gesetzt wie im öffentlichen Sektor oder bei sensiblen Daten. „Mit Blick auf die Gebärden aus der USA dürfte das mittelfristig auch so bleiben“, sagt Achten. Wichtig sei in diesen Zeiten, dass Systemhäuser ihren Kunden ein bezahlbares zukunftsfähiges Lösungspaket anbieten. „Das schließt unweigerlich wiederverwendete Lizenzen ein, weil die einfach günstig sind – selbst bei der neuesten Version“, findet die Managerin. An einer gebrauchten Office 2024 oder Windows Server 2025 von MRM sparen ihren Angaben zufolge Unternehmen 30 bis 40 Prozent.

Hintergrund

Die Abkehr von der ewigen Lizenz

Der britische Universalgelehrte John Ruskin wird mit dem Satz zitiert „Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten“. In der Gebrauchtsoftwarebranche sieht man das naturgemäß anders. Es ist eine Binsenweisheit, dass sich Software nicht abnutzt, vorausgesetzt es werden Updates gefahren und im Rahmen von Erneuerungsprojekten kommen Volumenlizenzpakete auf den Markt, die Lizenzhändler aufsplitten und neu verkaufen. Doch „die Cloud“, Subscription-Modelle und einhergehend eine schleichende Abkehr von der „ewigen Lizenz“ trüben die Aussichten etwas. Die Metapher von den dunklen Clouds, die aufziehen, liegt nahe.

Erweitertes Geschäftsmodell

Die Frage nach der Zukunft der Branche in Cloud-Zeiten stellt sich dennoch. „Als ich im letzten August die Geschäftsleitung der MRM Distribution übernommen habe, haben wir uns zusammengesetzt und sehr bewusst dafür entschieden, unser Geschäftsmodell zu erweitern“, berichtet die Geschäftsführerin in diesem Zusammenhang. Seit Anfang dieses Jahres zählt MRM Distribution zur Riege der Microsoft CSP-Partner. Das heißt aus ihrer Perspektive: „Wir können klassische Volumenlizenzen liefern und auch Cloud- und Abo-Modelle direkt abbilden – inklusive Lizenzberatung.“ Letztlich gehe es um die richtige Lizenz zur richtigen Anforderung. Das könne gebraucht, neu, hybrid oder cloudbasiert sein. Hauptsache sei, dass es technisch, wirtschaftlich und lizenzrechtlich passe.

Hintergrund

Gebrauchtsoftware-Dokumentation

Damit im Auditfall möglichst keine Fragen offen bleiben, erhält der Käufer von seriösen Gebrauchtsoftware-Händlern eine umfangreiche Dokumentation, deren Bestandteile teilweise rechtlich geboten sind, aber teilweise darüber hinaus gehen können. Die juristisch gebotenen Bestandteile sind:

  • Kopien des relevanten Microsoft-Vertrags,
  • Kopien der Product Use Rights (PURs),
  • Löschbestätigung des Vorbesitzers,
  • Dokumentation der Lizenzhistorie,
  • Lieferschein und Rechnung.

Freiwillige Zusatzkomponenten (nicht abschließend):

  • Bestätigung der Info über den Lizenztransfer an den Hersteller,
  • Rücktrittsrecht vom Vertrag für den Käufer,
  • und Haftungsfreistellungsklausel.

Wenn der Auditor zweimal klingelt

„Der Markt der Gebrauchtsoftware-Anbieter ist in den letzten Jahren stark gewachsen“, sagt Achten. Leider würden nicht alle mit der nötigen Sorgfalt handeln, die aber notwendig sei, denn beispielsweise Microsoft führt zur Überprüfung Audits durch – „egal, ob wiederverwendete Software genutzt wird oder neue.“ Solche Fälle begleitet MRM zwei bis dreimal im Jahr. „Zuletzt Ende 2024 bei einem großen Gerätehersteller, der unsere Lizenzen über sein Systemhaus eingekauft hatte.“ Im Rahmen einer Wirtschaftsprüfung wurde alles offengelegt, blickt die Managerin zurück. Die von MRM übermittelten Dokumente waren demnach vollständig und lückenlos belegbar, das Audit war in wenigen Tagen durch – ohne Rückfragen.

Hintergrund

Der Erschöpfungsgrundsatz

Wenn man so will, wurde vor etwa einem Jahrzehnt mit einem langjährigen und kostspieligen Gerichtsverfahren in der EU eine ganze Branche eröffnet: das Gebrauchtsoftware-Business. Eine große Rolle spielte der Begriff „Erschöpfungsgrundsatz“, auf den der Handel mit Gebrauchtsoftware basiert. Dieser „Erschöpfungsgrundsatz des Urheberrechts“ sagt im Grunde aus, dass sich das alleinige Verbreitungsrecht des Herstellers in dem Moment erschöpft hat, wenn eine Lizenz erstmalig von ihm oder mit seiner Zustimmung verkauft wurde. Anschließend hat der Hersteller laut EuGH-Urteil keinen direkten Einfluss mehr auf die weiteren Besitzverhältnisse und der Weiterverkauf der „ewigen Lizenzen“ kann damit ohne Zustimmung von Herstellern wie Adobe, Oracle oder Microsoft erfolgen. Doch bis es zu dieser Rechtsprechung kam, musste eine „Bumpy Road“ durch die Gerichte beschritten werden.

Anfrageschub nach Neuversionierung

Seit Microsoft neue Produktversionen veröffentlicht hat, konkret für die Produkte Office, Project und Visio 2024 sowie für Windows Server 2025, gab es bei MRM Distribution laut Achten einen echten Anfrageschub – auch in sehr hohen Stückzahlen. „Zuletzt zwischen 1.300 und 5.000 Stück. Gerade ist mein Team sehr damit beschäftigt, Lizenzpakete in diesen Dimensionen einzukaufen“, verrät die Geschäftsführerin.

Gleichzeitig merke man, dass wiederverwendbare Software mittlerweile ein sehr gutes Standing habe. Der Markt hat sich demnach gewandelt und Kunden würden heute besser wissen, was sie brauchen. „Sie erwarten ein Full-Service-Angebot, nicht nur eine einfache Lizenz. Auch deshalb die Ausweitung unseres Geschäftsmodells“, sagt die Managerin.

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Hintergrund

Geschäftsmodelle ändern sich

Vor rund 100 Jahren war „radioaktive Zahnpasta“ ein Verkaufsschlager. 50 Jahre zuvor waren Hochräder „the next big thing“ und weitere 50 Jahre vorher, im Jahr 1820 verkaufte Johnnie Walker erstmals seinen schottischen Whisky. Zwei der drei genannten Produkte haben sich nicht durchgesetzt. Aktuell stellt sich die Frage, ob es für gebrauchte Software eine Zukunft gibt, denn Cloud Computing, das Subscription-Modell und „Software as a Service“ könnten den Markt für Kauflizenzen (aus dem sich Gebrauchtlizenzen speisen) obsolet machen. Fragt man Gebrauchtsoftwarehändler, wie sie sich vor diesem Hintergrund für die Zukunft rüsten, wird einerseits bezweifelt, dass der Markt für Gebrauchtlizenzen wegbrechen könnte, andererseits stellen sie bereits ihr Geschäftsmodell um, hin zu mehr allgemeiner Lizenzberatung und Softwaredistribution.

KI ist ein Kind der Cloud

Künstliche Intelligenz ist laut Achten ein großes Thema. Und viele KI-Anwendungen sind nur in Cloud-Infrastrukturen möglich: „Bei Microsoft ist das etwa Copilot, für den Unternehmen M365-Pläne benötigen. Dahingehend verändert sich die Nachfrage.“ Gleichzeitig ist ihrer Einschätzung nach in vielen Unternehmen noch unklar, wie sich KI konkret auf deren IT-Strategie auswirkt. Das mache hybride Lizenzmodelle, die sowohl gebrauchte als auch Cloud-basierte Komponenten enthalten, umso attraktiver.

Hintergrund

Künstliche Intelligenz treibt Cloud Computing vor sich her

KI treibt Cloud Computing voran, weil KI-Anwendungen enorme Rechenleistung und große Datenmengen benötigen. Die Cloud bietet die nötige Infrastruktur, um diese Ressourcen flexibel und kosteneffizient bereitzustellen. Unternehmen können so KI-Modelle trainieren und nutzen, ohne teure eigene Hardware zu betreiben. Gleichzeitig profitieren Cloud-Anbieter von der steigenden Nachfrage nach leistungsfähigen Servern und spezialisierten KI-Diensten. Dadurch entwickeln sich beide Technologien gemeinsam weiter.

Das Brot- und Buttergeschäft

Die absoluten Bestseller bei MRM Distribution sind nach wie vor die Microsoft Office Pakete – insbesondere Office Standard 2024 und Office Professional 2024. Dazu kommen Visio, Project und Windows Server 2025, sowohl in der Standard- als auch in der Datacenter-Variante. Sehr stark nachgefragt sind entsprechend auch die zugehörigen Client Access Licenses (CALs), „Wir bieten ältere Versionen bis zu 70 Prozent günstiger an als bei Neukauf. Und selbst bei den ganz neuen Programmen aus 2024 und 2025 sparen unsere Kunden schon um die 30 Prozent ein. Das sind in wirtschaftlich angespannten Zeiten echte Argumente für gebraucht kaufen“, führt die Managerin aus.

Hintergrund

Ein Gedankenspiel über schwarze Schafe und Dokumentationen

Angenommen, ein Händler von gebrauchter Software kauft 1.000 Nutzungsrechte einer Software und hat dies gut dokumentiert. Doch woher weiß der Endkunde, dass dieser Händler auch nur maximal 1.000 Stück weiterverkauft? Nehmen wir an, er verkauft jeweils 200 an Kunde A, B, C, D und E. Jedem gibt er jeweils eine Kopie seiner Dokumentation über den Erwerb der 1.000 Nutzungsrechte. Damit ist er eigentlich fertig. Alles ist verkauft. Aber wer hindert ihn daran, nochmal 200 Lizenzen an Kunde F mitsamt einer weiteren Kopie seiner Dokumentation zu verkaufen? Ab dem Zeitpunkt wäre der Gebrauchtsoftwareverkauf nicht mehr legal und für den Käufer wäre das nicht transparent. Daher sind beim Vertrieb gebrauchter Volumenlizenzen Absicherungsprozesse und Dokumentationen sinnvoll, die seriöse Anbieter zu leisten imstande sind. Dazu können unter anderem zählen: Vernichtungserklärung des verkaufenden Unternehmens, Offizielles License-Statement vom Lizenzgeber, Auszug aus dem Volume Licensing Service Center, Lizenzvertragskopien sowie Rechnung vom Lizenzgeber.

Zusammenarbeit mit IT-Systemhäusern

Über 6.000 Systemhäuser in der DACH-Region und ganz Europa arbeiten mit MRM zusammen, sagt die Chefin des Unternehmens. Systemhäuser profitieren dabei von Vermittlungsprovisionen mit bis zu zweistelligen Prozentzahlen, von Boni-Programmen und vom Lizenzwissen – sowohl im Bereich Gebrauchtsoftware als auch im Neugeschäft via Microsoft CSP. Kaum ein Systemhaus oder Dienstleister befasse sich ja so wie wir ausschließlich mit der Microsoft-Lizenzierung, sagt Achten. „Das können MRM-Partner nutzen, indem sie uns in die Lizenzberatung ihrer Kunden einbeziehen. Für unsere Partner bedeutet das: Entlastung, kein Risiko, Top-Service – und am Ende bleiben ein ordentlicher Deckungsbeitrag und zufriedene Kunden.“ Wenn MRM dabei auch noch auf nicht mehr benötigte Alt-Lizenzen stößt und diese aufkaufen kann, schafft das beim veräußernden Unternehmen Budgets für neue IT-Projekte – und damit neues Auftragsgeschäft für beteiligte Partner.

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