SThree-Umfrage Scheinselbstständig oder nicht?

Redakteur: Heidi Schuster

In einer Umfrage beleuchtet SThree die Arbeitsrealität von Freelancern. Dabei zeigt sich, dass Freiberufler oft länger an einem Projekt arbeiten, als sie ursprünglich kalkuliert haben und es Unsicherheit gegenüber einer möglichen Scheinselbstständigkeit gibt.

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Freie Mitarbeit oder scheinselbständig? Freelancer berichten von verlorenen Aufträgen, weil der Kunde unsicher war.
Freie Mitarbeit oder scheinselbständig? Freelancer berichten von verlorenen Aufträgen, weil der Kunde unsicher war.
(Bild: andyller - stock.adobe.com)

Freelancer sind aus Unternehmenssicht unverzichtbar, um Projekte termingerecht fertigzustellen. Zudem bringen sie Knowhow mit, das entsprechend der spezifischen Projektanforderungen mit ihnen ins Unternehmen geholt werden kann.

Gleichzeitig tragen Freelancer für sich selbst Sorge. Das wird nicht zuletzt in der Corona-Pandemie mehr als deutlich, da sie kein (finanzielles) „Sicherheitsnetz“ eines Arbeitgebers auffängt. Sie arbeiten auf eigenes Risiko und sind für ihre Altersvorsorge, Sozialabgaben und Krankenversicherung selbst verantwortlich. „Das sind alles Aspekte, die bei der Kalkulation des Honorars zu berücksichtigen sind. Als Freelancer ist es deshalb ratsam, sowohl das Lohnniveau ähnlicher Positionen sowie die Marktlage permanent zu beobachten“, empfiehlt Timo Lehne, Geschäftsführer von SThree.

Abrechnung nach Stundensatz

Blickt man auf die Studienergebnisse, so zeigt sich deutlich: Mehr als die Hälfte der Freelancer (54 %) bevorzugt die Abrechnung eines Projektes nach Stundensätzen. Davon gefolgt finden Tagessätze insbesondere bei IT-Freelancern (26 %) und Engineering-Freelancern (24 %) Anklang. Im Vergleich dazu setzen Freiberufler anderer Branchen auf eine projektbasierte Abrechnung (31 %).

„Bei einigen Aufträgen beobachten wir, dass das Projekt von Kundenseite verlängert wird, da es mehr Ressourcen benötigt als zuerst angenommen. Deshalb lohnt sich in jedem Fall ein umfängliches Briefing vor dem Projektstart, bereits während des Interview-Prozesses, bei dem der Kunde sowie der beauftragte Freelancer ihre Anforderungen und Erwartungen abstimmen können“, so Timo Lehne. Dies belegt auch die „So arbeitet Deutschland“-Studie: 68 Prozent der Befragten sehen klare Absprachen als Erfolgsrezept bei der Zusammenarbeit und hinsichtlich der Produktivitäts-Steigerung im Job-Alltag. Freiberufler ist nicht gleich Mitarbeiter!

Große Unsicherheiten bezüglich Scheinselbstständigkeit

Um die Auftraggeber sofort unterstützen zu können, müssen Freelancer bestimmte Kriterien für den Status als Selbstständiger erfüllen. Und ein Großteil der Befragten (78 %) ist überzeugt, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Bei 21 Prozent herrscht aber Unsicherheit. Scheinselbständigkeit ist kein Kavaliersdelikt und kann laut den Befragten Konsequenzen nach sich ziehen: Kündigung der aktuellen Projekte durch den Auftraggeber (27 %), strafrechtliche Konsequenzen (25 %) und Geldstrafen (22 %).

Dennoch bleibt festzuhalten: Freelancer in Deutschland machen vorwiegend sehr positive Erfahrungen mit ihren Auftraggebern. 77 Prozent arbeiten mit Unternehmen zusammen, die den Unterschied zwischen Freiberuflern und internen Mitarbeitern in der Organisation entsprechend abbilden. Ein paar schwarze Schafe gibt es leider dennoch: Fast jeder Vierte (23 %) trifft auf Auftraggeber, die nicht angemessen zwischen Mitarbeitern und Freelancern unterscheiden. „Manchmal sollten Unternehmen noch genauer hinsehen – darf ein Externer beispielsweise zur Weihnachtsfeier eingeladen werden? Ist es erlaubt, ihn in ein Büro zusammen mit festangestellten Mitarbeitern zu setzen? Hier gilt: Wer die Antworten auf solche und weitere Fragen nicht kennt, sollte sich gründlich informieren und möglicherweise auch beraten lassen“, so Lehne. Solche Unsicherheiten treffen Freelancer der MINT-Branche massiv: 25 Prozent der IT-Freelancer und 31 Prozent der Engineering-Freelancer haben bereits Aufträge verloren, weil ihr Kunde Angst vor Scheinselbständigkeit hatte.

Spaß und Kommunikation

Gut informiert fühlen sich 71 Prozent der Freelancer über die Compliance-Richtlinien ihres Auftraggebers und 41 Prozent sehen keinen Bedarf für eine stärkere Überprüfung hinsichtlich der Regeleinhaltung. Laut 38 Prozent sollten bei Mobbing und Diskriminierung stärkere Kontrollen erfolgen.

Neben moralischen, steuerlichen und rechtlichen Aspekten, spielen auch das eigene Projekt- und Zeitmanagement bei Freelancern eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Zukunft als eigener Chef. Für einen produktiven Arbeitsalltag sorgen Spaß an der Aufgabe (71 %), klare Absprachen und Verantwortlichkeiten (68 %) sowie regelmäßiges Feedback (28 %). Ein zusätzlicher Produktivitäts-Booster sind materielle Anreize (31 %).

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