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Digital Transformation

Digitale Zugriffe auf SAP-Systeme

SAP regelt ­Lizenzierung neu

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Immer mehr Bots und digitale Systeme nutzen SAP-Software.
Immer mehr Bots und digitale Systeme nutzen SAP-Software. (Bild: joebakal - stock.adobe.com)

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Nicht nur menschliche Anwender nutzen SAP-Systeme, sondern über Schnittstellen eine tendenziell wachsende Anzahl an digitalen Entitäten wie Fremdsysteme oder Bots. Nun wird das Lizenzmodell fit für die Zukunft gemacht.

SAP hat ein neues Vertriebs-, Audit- und Preismodell vorgestellt, das die sogenannte „indirekte Nutzung“ klarer regeln soll. Bisher orientierte sich das Lizenzmodell für SAP ERP an der Zahl der Nutzer (User), teilt SAP mit. Inzwischen finden aber immer mehr digitale Zugriffe auf SAP-Systeme statt. Zukünftig wird sauber getrennt zwischen so genanntem „Human Access“, bei dem die Lizenzierung nach Anzahl der (menschlichen) User berechnet wird und „Digital Access“. Das neue SAP-Modell greift sowohl für den digitalen Kern – SAP S/4HANA und SAP S/4HANA Cloud – als auch für SAP ERP.

Diese digitalen Zugriffe kommen beispielsweise von Fremdsystemen (wie Salesforce), aus dem „Internet of Things“-Umfeld von Bots und anderen „digitalen Zugängen, die auf Basis der vom System selbst verarbeiteten Transaktionen/Dokumente lizenziert werden können“, wie es aus dem Hause SAP heißt.

Einheitliche Regelung in Sicht

Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support und stellvertretender Vorstandsvorsitzender, stellt klar: „Lizenzrechtliche Regelungen für die indirekte Nutzung gibt es seit Jahrzehnten, allerdings sind Begrifflichkeiten und Vorgänge im Laufe der Zeit verschieden interpretiert worden.“ Zugriffe über Drittsysteme – nehmen wir als Beispiel eine Order via Salesforce – waren daher bisher auch kostenpflichtig, denn „entweder waren diese Vorgänge über andere Lizenzen abgedeckt oder mussten erworben werden – nun steht eine einheitliche Regelung an, die auch in Hinblick auf die stark steigenden Zugriffe durch Bots oder IoT-Anwendungen eine verlässliche Grundlage bieten“, so Oczko.

DSAG: ein optionales Lizenzmodell

Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support
Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support (Bild: DSAG)

Der Vorstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) in Walldorf betont: „Es handelt sich um ein optionales Lizenzmodell, sprich kein Anwender wird gezwungen darauf umzuschwenken.“ Oczko eräutert: „Vom Grundsatz her gibt es gewisse Dokument-Typen, die im Rahmen von indirekter Nutzung erzeugt werden. Abhängig vom konkreten Vertrag ist dann beispielsweise die Erzeugung von einer Million dieser Dokumente – um einfach mal eine Zahl zu nennen - abgegolten und wenn es darüber hinaus geht, wird gegebenenfalls nachlizenziert.“

Neun Dokumententypen

Konkret wird unterschieden zwischen neun Dokumententypen, die bei Erzeugung durch einen „digitalen Zugriff“ entweder mit dem Faktor 1 oder mit dem Faktor 0,2 gewichtet werden. Mit dem Faktor 1,0 fließen in die Berechnung ein:

  • Sales Documents (beispielsweise Bestellungen)
  • Invoice Documents (Rechnungen)
  • Purchase Documents (Kauf)
  • Service & Maintenance Documents (Wartungsaufträge)
  • Manufacturing Documents (Prozessdokumente aus der Fertigung)
  • Quality Management Documents
  • Time Management Documents (Zeitwirtschaft)

Mit dem Faktor 0,2 fließen ein:

  • Financial Documents (Finanzbelege)
  • Material Documents (Materialwirtschaft)

SAP plant Messwerkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit denen Kunden in die Lage versetzt werden, ihren eigenen User- und Lizenz-Verbrauch jederzeit selbst zu überwachen.

Unterlizenzierung wegen digitaler Zugriffe

Bestandskunden können wahlweise beim bisherigen Modell bleiben oder auf das neue dokumentenbasierte Preismodell wechseln – je nachdem, welches Modell besser zu ihren SAP- und Drittanwendungen passt. Es wird auch Konversionsangebote geben, mit deren Hilfe die SAP-Kunden vom bestehenden auf das neue Preismodell wechseln können.

Christian Klein, Chief Operating Officer und Mitglied des Vorstands der SAP SE kommentiert: „Angesichts der digitalen Transformation haben wir die Herausforderungen unserer Kunden beim Thema Unterlizenzierung verstanden und daher die nötige Anpassung vorgenommen. Indem wir ein neues Preis- und Lizenzmodell vorstellen, sorgen wir bei unseren Kunden für höhere Transparenz, Vorhersagbarkeit und Konsistenz.“

Wie es aus dem hause SAP heißt, kommt es immer wieder zu Differenzen zwischen Kunden und SAP, wie ältere Vertragswerke hinsichtlich der neuen digitalen Anforderungen zu interpretieren sind. Dies wirkt sich teilweise negativ auf parallel verlaufende Gespräche zur Neuanschaffung von Software aus. Die organisatorischen Änderungen auf SAP-Seite erlauben nun die Trennung dieser Sachverhalte und ermöglichen unabhängige Diskussionen.

DSAG: Preismodell muss sich erst bewähren

Aus Sicht der „User-Lobby“ DSAG muss sich das neue Preismodell erst noch in der Realität bewähren. Dennoch sei es ein guter Auftakt, in Bezug auf die Lizenzierung und die indirekte Nutzung eine für alle ansprechende Lösung zu schaffen. Weitere Schritte und Anpassungen müssen aber folgen, so der DSAG-Standpunkt. „Für Neukunden grundsätzlich interessant, muss das neue Modell in der Praxis zeigen, ob es auch für die Bestandskunden wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar sein wird. Wobei zu beachten ist, dass mit dem neuen Ansatz nur die Lizenzen für die indirekte Nutzung adressiert werden und nicht das gesamte Lizenzmodell.“ Wichtig in dem Zusammenhang ist aus Sicht der DSAG zudem, dass SAP, falls notwendig, individuelle Gespräche mit einzelnen Kunden sucht, um zeitnah eine tragfähige und faire Lösung für die indirekte Nutzung unter Berücksichtigung der Altverträge und der Historie zu finden. „Diese Vereinbarungen müssen legal verbindlich, für beide Seiten nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll sein und einen Schlussstrich unter dieses Thema ziehen. Die Wahlmöglichkeit zwischen ‚Alles bleibt wie es ist‘ und dem neuen Lizenzmodell ist nicht in jedem Fall ausreichend“, ergänzt Andreas Oczko.

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