Beim PC-Gaming mussten Hersteller und Handel im vergangenen Jahr einen satten Umsatzrückgang hinnehmen und momentan ist die Lage eher düster. Allerdings soll es ab dem Ende des Jahres wieder aufwärts gehen. Das verkünden zumindest die Marktforscher von Jon Peddie Research.
Momentan ähnelt das Geschäft mit Gaming-Hardware eher einem dystopischen Science-Fiction-Game: unübersichtlich und eher bedrohlich. Aber mit den richtigen Spielzügen kann man am Ende erfolgreich sein.
(Bild: Damian Sobczyk - stock.adobe.com)
Viele Computerspiele sind in dystopischen Welten angesiedelt: In Szenarien nach einem großen Krieg, einer Alien-Invasion oder in chaotischen Megastädten, in denen Verbrechen und Gewalt regieren. Für die Spieler bieten diese Settings Raum für Abenteuer und Bewährungsproben, denen man sich im wahren Leben ganz sicher nicht stellen will.
In Richtung Dystopie geht derzeit auch das Geschäft mit Gaming-Hardware. Die weltweiten Verkäufe betrugen 2022 nur 42 Milliarden US-Dollar – im Vorjahr waren es laut Untersuchungen von Jon Peddie Research (JPR) noch 68 Milliarden US-Dollar. Während der Corona-Pandemie sind die Verkäufe steil nach oben gegangen, da viele Freizeitaktivitäten nicht möglich waren und Zeit sowie Geld in das PC-Gaming flossen. Nun konkurriert das Spielen am Rechner oder Konsole wieder mit anderen Beschäftigungen.
Zudem sitzt angesichts der wirtschaftlichen Situation mit Preissteigerungen für Energie und Lebensmitteln das Geld für Gaming-Hardware nicht mehr so locker. Und die Gamer, die noch 2021 viel Geld in Hardware wie Prozessoren, Grafikkarten und andere Komponenten investiert haben, kommen von der Leistung her noch gut aus. Die Aussichten für das laufende Jahr sind daher alles andere als rosig. So ist zum Beispiel, wieder laut JPR, die Auslieferung von Desktop-Grafikkarten im ersten Quartal 2023 gegenüber Q4/2022 um 12,6 Prozent gesunken. In Q1/2022 lag sie noch um 38,2 Prozent höher.
Konsolen hängen Gaming-PCs und Notebooks weiter ab
Beliebtestes Gaming-Device bleibt das Smartphone. Auch die meisten Tablets dienen eher dem Casual-Gaming. Menschen die Gaming „ernsthaft“ betreiben und entsprechend Geld in Hardware investieren, tun dies immer noch mit dem Gaming-PC, dem Notebook oder der Spielekonsole. Gerade Konsolen wie die Xbox One, die Nintendo Switch und die Playstation 5 nehmen dem PC-Gaming immer mehr User ab. Gründe sind die gestiegene Leistung und Bildqualität, vor allem aber der viel geringere Preis dieser Geräte. Dass viele Games auf dem PC flüssiger laufen und vor allem besser aussehen können, insbesondere durch Raytracing, ist für viele Spieler wenig relevant. Denn dafür sind schnelle Rechner nötig, die entsprechend viel kosten. Ein Segen für Hardware-Hersteller sind daher die Core-Gamer, die in ihre Leidenschaft entsprechend Geld investieren und auch bereit sind, 2.000 Euro für eine Geforce RTX 4090 bezahlen. Aber die Hersteller von Rechnern und Komponenten können es sich langfristig nicht erlauben, auf das Geschäft mit weniger solventen Spielern zu verzichten. Die Anbieter von Monitoren und Zubehör wie Controllern und Headsets haben weniger Probleme: Sie adressieren auch den Konsolen-Markt.
PCs und Notebooks fallen bei der Nutzung weiter hinter den Konsolen zurück.
(Bild: game Verband)
Grafikkarten: Mittelklassemodelle sind vielen Gamern zu teuer
Diese Schwäche wird sich wohl weiter fortsetzen, da die neuen Mittelklassekarten von Nvida, also Geforce RTX 4060 und 4060 Ti, von vielen Gamern als zu teuer eingeschätzt werden, gemessen an ihrer Leistung auf RTX-3070-Niveau und nur 8 GB VRAM. Die RTX 4060 Ti mit 16 GB Grafikspeicher kostet mindestens 530 Euro und ist so für viele potenzielle Käufer zu teuer.
AMD hat in diesem Sektor noch gar nichts zu bieten. Die RX 7600 ist mit Preisen um die 300 Euro zwar günstiger, enttäuscht aber bei der Leistung, die kaum über der des Vorgängers liegt. Schnellere Mittelklassekarten von AMD auf Basis der Navi-32-GPU sollen ab September kommen. Intels Arc 750 und 770 mit Alchemiest-GPU, letztere gibt es auch mit 16 GB Speicher, sind zwar vergleichsweise günstig, kämpfen aber mit einer inkonsistenten Leistung und einem im Desktop-Betrieb zu hohem Energiehunger.
Bei Prozessoren und Mainboards sowie teilweise auch bei Gaming-Notebooks beklagen viele Kunden ebenfalls zu hohe Preise für Produkte im Midrange-Segment. Dabei hat es AMD stärker getroffen, als Intel. Denn die AM5-Plattform von AMD für Ryzen-7000-Prozessoren benötigt zwingend kostspieligere DDR5-Speicher. Auch die Mainboards mit X670- oder B650-Chipsatz waren kostspieliger als vergleichbare Platinen für Intel-Prozessoren. Intel Raptor Lake arbeitet auch mit DDR4, was vor allem Upgrades von älteren Plattformen günstiger macht. Das hat sich auch im Verkauf der CPUs niedergeschlagen, bei denen AMD im Q2 / 2023 mit einem Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent bei Client-CPUs stärker verloren hat, als Intel, die 12 Prozent verloren haben. Allerdings sind jetzt günstigere, aber dafür schmaler ausgestattete A620-Mainboards für AMDs Ryzen 7000 auf den Markt gekommen.
Stand: 08.12.2025
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Ambitionierte Gamer sind weiterhin bereit, viel Geld für Rechner und passende Peripherie auszugeben.
(Bild: AntonioDiaz - stock.adobe.com)
Gaming-Handhelds als neue Geräterkategorie
Während ambitionierte Gamer oft noch den Desktop-PC bevorzugen, der eine höhere Maximalleistung und Upgrades ermöglicht, spielen laut einer Untersuchung von Statista Consumer Insights inzwischen insgesamt mit 44 Prozent der Befragten mehr Menschen auf dem Notebook als auf dem Desktop-PC (40 %). Allerdings waren Gaming-Notebooks vom laut IDC zweistelligen Rückgang des PC-Verkaufs im zweiten Quartal dieses Jahres ebenfalls betroffen. Einige Hersteller reagieren mit günstigeren Geräten, um die Kauflaune der Kunden wieder anzukurbeln.
Zusätzliche Nachfrage soll eine Gerätekategorie generieren, die bisher nur von wenigen Herstellern angeboten wurde, bei der jetzt aber immer mehr Firmen aufspringen: Gaming-Handhelds. Pioniere sind hier Nintendo mit der Switch und Valve mit dem Steam Deck. Letztere läuft unter Linux und funktioniert nur in Verbindung mit der Steam-Plattform für Games.
Mit Asus hat nun ein erster großer PC-Hersteller ein eigenes Gerät dieser Kategorie auf den Markt gebracht: den ROG Ally. Das 800-Euro-Gerät basiert ebenso wie das Steam Deck auf einer AMD-APU, nutzt aber einen stärkeren Chip und bietet einen 7 Zoll grooßen Full-HD- statt eines 800p-Touchscreens. Als Betriebssystem dient Windows 11. Lenovo soll ebenfalls an solch einem Windows-Gaming-Handheld arbeiten, das auf den Namen „Legion Go“ hört.
Einen anderen Weg bei Gaming-Handhelds gehen Logitech und Razer: Sie bieten Android-Geräte mit integrieren Controllern an, die für das Game-Streaming ausgelegt sind. Auch Sony soll an einem Handheld für PS5-Streaming arbeiten.
Monitore werden größer
Bei den Gaming-Monitoren geht der Trend zu größeren Diagonalen und höheren Bildwiederholraten weiter. Bei den Auflösungen gibt es zwei gegenläufige Trends: Casual-Gamer bevorzugen eher QHD oder 4K, sofern die Grafikkarte flott genug ist. Spieler mit eSports-Ambitionen ziehen immer noch die Full-HD oder allenfalls QHD-Auflösung vor, dafür aber mit maximaler Refresh-Rate.
Auf dem Markt gibt es inzwischen Full-HD-Monitore mit 144 Hz oder mehr auch für weniger als 200 Euro. Teurer wird es, wenn höhere Auflösungen und ein gekrümmtes Panel gefragt sind. Kostspielig sind weiterhin ultrabreite Monitore, die beispielsweise bei Games wie Flugsimulationen oder Strategiespielen Vorteile bieten.
PC-Gaming als teures Hobby
Felix Falk, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Games-Branche zur Entwicklung beim PC-Gaming und den Aussichten für VR-Lösungen.
Felix Falk ist Geschäftsführer des Game – Verband der deutschen Games-Branche.
(Bild: game Verband / Dirk Mathesius)
ITB: Wie sehen Sie die Entwicklung beim PC-Gaming? Setzt sich der momentane Abschwung noch fort?
Falk: Beim PC-Gaming sehen wir aktuell zwei Entwicklungen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken: Einerseits sind die Umsätze mit entsprechender PC-Gaming-Hardware in den vergangenen Jahren teils sehr stark gestiegen. Andererseits sehen wir, dass der PC als Spiele-Plattform nun schon über mehrere Jahre Spielende verliert. Dabei hängt das starke Marktwachstum unter anderem mit den Preissteigerungen in einzelnen Produktgruppen wie Grafikkarten zusammen, bei denen Preise jenseits der 1.000 Euro heute keine Seltenheit mehr sind. Teils geht diese Entwicklung auf die schlechte Verfügbarkeit zurück, teils auf externe Faktoren wie die stark gestiegene Nachfrage durch den Crypto-Boom. Auch die Pandemie hat zu einem zusätzlichen Nachfrageschub beigetragen. So ist der Umsatz mit Gaming-PCs und -Laptops vor allem auch deswegen gestiegen, weil PC-Gamerinnen und -Gamer heute im Schnitt mehr Geld für ihr Hobby ausgeben.
ITB: Erwarten Sie ein steigendes Interesse an Virtual-Reality-Lösungen für den Gaming-Sektor?
Falk: Nach dem ersten großen Hype um Virtual Reality um 2016 herum, erleben wir derzeit einen besonders spannenden Zeitpunkt für die Technologie: Die Veröffentlichung der PSVR2 von Sony zeigt, dass Virtual Reality auch in den neuen Konsolengenerationen eine wichtige Rolle spielt. Auch die neue Quest 3 von Meta, die im Herbst erscheinen soll, wird dem Gaming-Markt rund um Virtual Reality einen zusätzlichen Schwung verleihen. Der Qualitätssprung der neuen Modelle zu ihren Vorgängern ist dabei sehr beachtlich. Hinzu kommt die Vision Pro von Apple. Diese erscheint zwar erst kommendes Jahr in den USA zu einem Preis, der nur für die wenigsten Gamerinnen und Gamer spannend ist. Insgesamt schafft der Vorstoß von Apple in diesen Markt aber zusätzliche Aufmerksamkeit.
VR-Brillen bleiben in der Nische
In der Nische hingegen bleiben VR-Brillen fürs PC-Gaming. Microsofts Versuch, zusammen mit Partnern wie Acer, Asus, HP oder Lenovo eine größere Nachfrage nach Datenbrillen zu generieren, ist weitgehend gescheitert. Lediglich HP hat mit der Reverb G2 ein aktuelles Modell mit hoher Auflösung im Portfolio. Ein wichtiger Player ist zudem HTC mit Vive. Die populäre Oculus Rift wird von Meta nicht mehr produziert, sondern durch die Standalone-Geräte der Quest-Serie ersetzt.
Aber genug der Dystopie: Zwar geht JPR im laufenden Jahr für den weltweiten PC-Gaming-Hardware-Markt von einem weiteren Umsatzrückgang aus. 2024 soll aber einen Umschwung bringen.
Gamescom 2023
Volles Haus bei der Gamescom 2022 – auch dieses Jahr werden wieder Massen von Gaming-Fans nach Köln strömen.
(Bild: Koelnmesse, Harald Fleissner)
Am 23. August 2023 öffnet die Gamescom in Köln ihre Pforten. Die Gaming-Messe erwartet dieses Jahr mehr Aussteller aus mehr Ländern, denen insgesamt 230.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen werden. Im Zentrum der von der Koelnmesse und dem Game-Verband der deutschen Games-Branche veranstalteten Messe stehen zwar die Spiele, aber auch Hersteller von Gaming-Hardware präsentieren sich in Köln. Ein Zuschauermagnet auf der Gamescom werden sicher wieder die eSports-Events sein.
Für Hardware-Hersteller und den Channel ist eSports als Marketinginstrument unverändert wichtig. Schließlich zieht es Hunderttausende von Fans an, die gern mit derselben Hardware spielen, wie ihre Helden. Mit Wortmann und Cherry sind kürzlich auch zwei deutsche Hersteller in das Sponsoring entsprechender Teams eingestiegen, um damit ihr Gaming-Engagement bekannter zu machen.