Channel Fokus: Smart Home Noch kein Erfolg in Sicht

Autor: Ann-Marie Struck

Seit Jahren predigen Experten den Durchbruch von Smart Home. Die vernetzen Geräte seien reif für den Massenmarkt und versprechen Umsätze in Millionenhöhe. Doch der Erfolg für den Channel lässt noch auf sich warten, wie die Ergebnisse des IT-BUSINESS Panels zeigen.

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Mit unserem IT-BUSINESS Panel sammeln wir Meinungen, Wünsche und Einschätzungen aus dem ITK-Channel zu aktuellen Branchen-Themen.
Mit unserem IT-BUSINESS Panel sammeln wir Meinungen, Wünsche und Einschätzungen aus dem ITK-Channel zu aktuellen Branchen-Themen.
(Bild: apinan - stock.adobe.com)

Komfort, Sicherheit und Lebensqualität: Das macht das vernetzte Heim aus, in dem alle Geräte miteinander kommunizieren. Und die deutschen Haushalte sind smart. Laut den Daten des Statista „Digital Market Outlooks“ sind die weit verbreitetsten Geräte in deutschen Haushalten smarte Lautsprecher. Rund fünf Millionen Geräte in der Kategorie „Vernetzung und Steuerung“ sind schon in deutschen Wohnungen zu finden. Smarte Glühlampen, Rollläden und Jalousien, die zur Kategorie „Komfort & Licht“ gehören, bekommen knapp dahinter den zweiten Platz mit 4,9 Millionen Geräten.

Auf Platz drei liegt die Kategorie „Energy Management.“ 3,6 Millionen Produkte und Dienstleistungen zur Kontrolle und Steuerung der Raumtemperatur sowie des Energieverbrauchs wie Heizkörperventile oder Thermostate sind bereits in deutschen Wohnungen angekommen.

Doch trotz der genannten Vorteile hakt das Smart-Home-Geschäft für den ITK-­Channel noch, wie die Ergebnisse des IT-BUSINESS-Panels zeigen. Zwar bewerten 46 Prozent der befragten ITK- und Elek­tro-Fachhändler Smart-Home-Produkte als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ für ihr ­Geschäft. Doch ebenso viele halten es für unwichtig. Denn der Markt mit den smarten Geräten gestaltet sich für den Fachhandel schwer, da die Systeme oft zu komplex sind, wie Marco Puchalski, ­Geschäftsführer bei Tpn Service erklärt. Carsten Henninger, CEO bei Oceancom findet: „Die Systeme sind noch zu uneinheitlich, sodass vorrangig nur ein bis zwei Hersteller angeboten werden können. Mehr Hersteller bedeuten erhöhten Schulungsaufwand der Mitarbeiter, der sich aber aufgrund der doch geringen Nachfrage kaum rentiert.“

Doch wieso besteht bei Unternehmen keine hohe Anfrage, scheinen die Consumer doch auf smarte Geräte zu setzen? Die ­Antwort hat Rene Schoppe, Principal ­Solution Advisor IT-Security bei Softwareone: „Weil es sich zumeist um bauliche Maßnahmen handelt. Insoweit ist erster Anlaufpunkt oftmals der Handwerker, im Speziellen der Elektriker.“

Elektriker und Handwerker werden zunehmend für ein intelligentes Gebäude-­Management benötigt. Denn Smart Buildings sparen nicht nur Energiekosten, sondern punkten auch beim Thema Nachhaltigkeit. Deshalb bewerten 52 Prozent der befragten ITK- und Elektro-Fachhändler Produkte für das Energie-Management als „wichtig“ für ihr Portfolio. Das sehen die befragten Distributoren und Hersteller ähnlich: für 62 Prozent spielen sie eine wichtige Rolle in ihrem Angebot.

IT-BUSINESS Panel 2021: Smart Home
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Das Geschäft mit dem smarten Heim

Die Auswahl an smarten Produkten ist vielfältig, so auch das Portfolio des ITK-Channels. Auf dem ersten Platz des aktuellen Angebots steht bei beiden Umfragegruppen die Heimvernetzung (ITK- / Elektro-Fachhändler 85 %; Distributoren / Hersteller 56 %). Platz zwei belegt die Beratung und Konzeption (ITK- / Elektro-Fachhändler 53 %; Distributoren / Hersteller 55 %). Kein Wunder, denn die vernetzen Systeme sind komplex. Den dritten Platz im Portfolio der Teilnehmer bekommt die Haussteuerung (ITK- / Elektro-Fachhändler 50 %; Distributoren / Hersteller 54 %). Bei KI- und Sprachsteuerung unterscheiden sich hingegen die Meinungen. Bisher haben nur 25 Prozent der ITK- / Elektro-Fachhändler solche Lösungen im Angebot, dafür bereits 50 Prozent der Distributoren / Hersteller.

Top drei Wachstumspotenziale

Bei der Frage, wie die Zukunft des Markts mit Smart Home aussehen wird, sind sich die Umfrageteilnehmer uneinig. 67 Prozent der befragten ITK- / Elektro-Fachhändler sehen sowohl hohe Wachstumschancen in der Hausüberwachung also auch beim Energie-Management. Zwar sind 61 Prozent der befragten Distributoren und Hersteller auch dieser Ansicht. Vielmehr sehen sie künftig eine erhöhte Nachfrage nach Lösungen der Haussteuerung (66 %). Diese belegt bei den ITK- / Elektro-Fachhändlern mit 60 Prozent den zweiten Platz. Für ebenso wichtig halten sie weiterhin die klassische Heimvernetzung (60 %). Dieser Meinung sind auch 54 Prozent der Distributoren/Hersteller, ihr Platz vier. Den dritten Platz der künftigen Wachstumssegmente der ITK- / Elektro-Fachhändler bekommt mit 57 Prozent Beratung und Konzeption.

Installation nur für Technikfreaks

Die Vorteile von Smart Home liegen auf der Hand. Jedoch sind die Geräte nicht einfach zu installieren, und die Inbetriebnahme gestaltet sich umständlich. Außerdem sind oft bauliche Maßnahmen notwendig, um die Möglichkeiten des smarten Zuhauses vollständig ausschöpfen zu können. Da muss der Fachmann her. Und bei Smart Home sind 65 Prozent der befragten ITK- / Elektro-Fachhändler der Ansicht, dass das das Handwerk ist. Erst auf Platz zwei mit 57 Prozent kommt der ITK-Fachhandel, gefolgt vom Elektro-Fachhandel mit 50 Prozent.

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Über den Autor

 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin, Vogel IT-Medien