In der IT-Branche gehört der Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit inzwischen zum guten Ton. Und tatsächlich gibt es hier viele positive Entwicklungen. Aber ausgerechnet die KI wird durch ihren enormen Stromverbrauch zunehmend zum Störfaktor.
Ob neue Richtlinien, recycelte Materialien, energieeffiziente Produktion und Rechenzentren oder Reparierbarkeit: Nachhaltigkeit hat sich in der IT-Branche zu dem Top-Thema entwickelt.
(Bild: diloomi - stock.adobe.com)
Nachhaltigkeit hat sich zu einem der Top-Themen in der IT-Branche gemausert: Praktisch alle Hersteller betonen, wie nachhaltig ihre Produkte und Services sind und verweisen dabei auf den Einsatz von Recycling-Materialien, ihr Engagement für die Kreislaufwirtschaft und die Energieeffizienz der Geräte. Tatsächlich sind eine ressourcenschonende Produktion, ein langer Lebenszyklus und ein energiesparender Betrieb wichtige Bausteine für eine nachhaltige Wirtschaft, aber eben nicht alle. Zusätzlich spielen noch ein energieeffizienter Geschäftsbetrieb, soziale Faktoren und die Unternehmensführung eine große Rolle. Hier geht es etwa um eine faire Behandlung aller Beschäftigten, Diversität und Inklusion sowie eine nachhaltige Lieferkette. Zudem erfordert Nachhaltigkeit auch Transparenz und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung.
Unterstützung bei der CSRD
Für die Transparenz sorgt zunehmend der Gesetzgeber: Am 22. März dieses Jahres hat das Bundesjustizministerium einen Referentenentwurf des Gesetzes zur Umsetzung der CSRD veröffentlicht. Mit der CSRD weitet die EU die Vorschriften für die Berichterstattung über die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Mensch und Umwelt aus. Um dieser Berichterstattungspflicht Herr zu werden, kann eine entsprechende Software herangezogen werden, z.B. von Verso. Aktuell ist der Software-Hersteller „auf dem Weg, zu einer KI-driven Plattform“ zu werden, erklärt Nuvia Maslo, CCO bei Verso. Der Einsatz kann deutliche Erleichterung schaffen. Maslo zählt als Vorteile auf: „Die Komplexität der Thematik die CSRD, ESG und Co. mit sich bringen raus zu nehmen, Abläufe und Wissensvermittlung zu vereinfachen und verdaubare Schritte zu schaffen.“ Die KI setzt hier bei der doppelten Wesentlichkeit an, insbesondere bei der Impact-Materialität. Das bedeutet nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels auf ein Unternehmen, sondern die Auswirkungen des Unternehmens auf den Klimawandel werden betrachtet. Die KI verarbeitet die angegebenen Daten, stellt fortführende Fragen und zählt die möglichen Wesentlichkeiten auf. „Der GenAI-Einsatz hat starke Effekte auf die Produktivität, aber auch Qualität der Berichterstattung“, weiß Maslo. Denn mit Hilfe von Technologie wird plötzlich die bürokratische Last reduziert. „Es ist trotzdem Arbeit, denn nicht alles ist vollständig automatisierbar.“ Dennoch könnten sich Nachhaltigkeitsbeauftragte dadurch mehr auf Kerninhalte fokussieren.
Die eine Lösung gibt es nicht. Es wird immer Zielkonflikte geben, die es zu balancieren gilt.
Nuvia Maslo, CCO bei Verso
Verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen und Materialien
In der Kommunikation mit den Kunden geht es trotzdem primär um Produkte und Services. Notebooks und PCs sind in den letzten Jahren tatsächlich nachhaltiger geworden. Zunächst wurden Recyclingmaterialien nur bei einigen Leuchtturmprodukten oder speziellen Serien eingesetzt. So nutzte Dell „Meeresplastik“ bei XPS-Notebooks und Acer bei den Vero-Produkten, bei denen anfangs die Einsprengsel des Recyclingkunststoffs im Gehäuse sogar ein Designelement waren. Inzwischen kommt beim Gros der Geräte Material aus dem Recycling zum Einsatz. Und zwar nicht nur Kunststoff, sondern auch Aluminium und Magnesium. Für dessen Fabrikation wählen die Gerätehersteller Firmen aus, die ihrerseits energiesparender und nachhaltiger arbeiten. Mehr Reycling-Material findet man auch in Monitoren, Peripheriegeräten und Druckern sowie MFPs. Letztere sind zudem sparsamer geworden und das Recycling von Tonerkartuschen und Tintenpatronen hat Fortschritte gemacht. Zudem kommen bei immer mehr Tintendruckern Nachfüllsysteme mit Flaschen oder Beuteln zum Einsatz. Bei der Verpackung verzichten viele Unternehmen generell auf Styropor und andere Kunststoffe und nutzen stattdessen aus Altpapier gewonnene Pappe und Papier sowie nachwachsende Rohstoffe.
Volker Kaps, Leiter des Vertriebs bei Wortmann „Terra Clients sind auf dem aktuellen Stand der Technik der Chiphersteller. Wenn hier also effizientere Lösungen entwickelt werden, setzen wir diese mit ein.“
Bildquelle: WORTMANN AG
Einen weiteren Ansatz bieten die Produkte von Wortmann. Der Hersteller und Distributor brachte schon 1995 den ersten Terra Green PC auf den Markt. Dieser Gedanke wird fortgeführt, unter anderen mit der Greenline. Diese Geräte werden an einem Standort in Deutschland produziert. „Der zusätzliche Ressourcen- und umweltbelastende Weitertransport von Fertigungsstätten irgendwo in Europa zu weiteren Verteilzentren in Deutschland entfällt“, erklärt Volker Kaps, Vertriebsleiter bei Wortmann.
Stand: 08.12.2025
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Reparierbarkeit zur Verlängerung des Lebenszyklus
Fortschritte gibt es zudem bei der Reparierbarkeit der Geräte, oft sogar noch vor dem gesetzlich vorgeschriebenen Recht auf Reparatur. Verklebte Gehäuse, Displays oder Akkus gibt es bei Notebooks oder Tablets kaum noch, dafür Reparaturanleitungen zum Download und einfacheren Zugang zu Ersatzteilen. Das kommt auch der Refurbishing-Branche zugute. Bei Terra wird ebenfalls darauf geachtet – bei PCs, Notebooks als auch TFTs. „Verklebte Bauteile sind die absolute Ausnahme. Darüber hinaus verfügen fast alle Terra Devices über eine möglichst große Modularität mit Standardbauteilen“, konkretisiert Kaps. Ein Vor-Ort-Service ermögliche eine Vor-Ort-Reparatur ohne Einsendung. „Bei unklarer Fehleranalyse senden wir dem Servicepartner direkt mehrere Ersatzteile, um mehrfach Anfahrten zum Endkunden zu vermeiden“, ergänzt Kaps.
Wiederaufbereitung und das Recycling von Altgeräten, darauf setzt auch Also. Erst kürzlich hat der Broadliner zudem eine Hardware-Refresh-Aktion ins Leben gerufen. Notebooks aus recycelten Materialien finden sich außerdem im Sortiment. Dabei steige die Nachfrage nach Lösungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft, verrät Jürgen Brumbauer, Director Supply Business Also Deutschland. „Unsere Erfahrung zeigt: Immer mehr öffentliche Ausschreibungen beinhalten einen Anteil an Green-IT-Produkten, dies stellt jedoch (noch) nicht das Hauptentscheidungskriterium dar, sondern die technische Ausstattung.“ Ein Wermutstropfen ist daher das Support-Ende von Windows 10 im kommenden Jahr, das viele noch nutzbare Rechner, die von Windows 11 nicht mehr unterstützt werden, zu Elektroschrott degradiert.
Energieeffizienz in Rechenzentren
Ein weiteres wichtiges Thema für den IT-Channel ist die Nachhaltigkeit von Rechenzentren. Im November 2023 ist das Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) in Kraft getreten, das die Betreiber großer Datacenter zu einer höheren Energieeffizienz und umfangreichen Berichten verpflichtet. Unter Umständen kann das zu Umbauten der bestehenden Kühlung und Stromversorgung führen, wenn die vorgegebenen PUE-Werte (Power Usage Effectiveness) nicht erreichbar sind. Zudem müssen die Anlagen schon jetzt zu 50 Prozent durch Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Betreiber ab Mitte 2026 errichteter Datacenter sind verpflichtet, die Abwärme zu einem bestimmten Teil sinnvoll zu nutzen. Allerdings fließt die Abwärmenutzung nicht in die PUE-Berechnung ein. Aber auch Betreiber kleinerer Datacenter sollten den Energieverbrauch im Auge behalten, da er auch für die CSRD relevant ist.
Die Effizienz der Rechenzentren hat sich durch die gestiegene Leistung in den letzten 10 Jahren enorm verbessert.
Alexander Zäh, Lead Consultant for Hybrid IT und Datacenter Solutions, Fujitsu
Bei Wortmann würde daher moderne, stromsparende Hardware bevorzugt. „Zum Einsatz kommen Bauteile mit geringem TDP-Wert und hocheffiziente Netzteile, wie 80 Plus Gold, Platinum oder Titanium, die Energieverluste verringern und Betriebskosten senken“, nennt Kaps konkrete Beispiele. Mit effektiver Kühlung und angepasster Serverkonfiguration werde zudem der Energiebedarf zusätzlich verringert und durch Serverkonsolidierung mittels Virtualisierung physische Server eingespart. „Diese kombinierten Maßnahmen fördern die Senkung des Stromverbrauchs und die Steigerung der Effizienz“, so der Vertriebsleiter.
Jürgen Brumbauer, Director Supply Business Also Deutschland „Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge können einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.“
Bildquelle: ALSO
Wie Alexander Zäh, Lead Consultant für Hybrid IT und Datacenter Solutions bei Fujitsu, feststellt, ist die Leistung von Servern in den vergangenen 10 Jahren deutlich stärker gestiegen als der Energieverbrauch, sie arbeiten also effizienter. Eben das eröffnet die Chance, bei einer Neuanschaffung abgeschriebener Systeme durch die Serverkonsolidierung mit weniger Servern und Storage-Systemen auszukommen. Allerdings sind durch zusätzliche Anwendungen gleichzeitig die Anforderungen an die Serverinfrastruktur gestiegen. Wie Zäh ausführt, zeigen die Zahlen des Bitkom für deutsche Datacenter, dass der Stromverbrauch in traditionellen Rechenzentren seit 2010 nur moderat von 1.100 auf 1.360 MW gestiegen ist und tendenziell bis 2029 sogar sinken wird. Im gleichen Zeitraum hat allerdings die Cloud von 30 MW auf 880 MW zugelegt, mit einer Kurve, die immer steiler nach oben zeigt. Dafür ist zu einem guten Teil die steigende KI-Nutzung verantwortlich.
Ansatz für sparsame KI
Forscher an den US-amerikanischen Universitäten in Santa Cruz und Davi, der Universität Soochow in China und des chinesischen KI-Unternehmens LuxiTech haben gemeinsam einen Ansatz entwickelt, große Sprachmodelle mit deutlich geringerem Stromverbrauch zu betreiben. Er kommt ohne die sehr rechenintensiven Matrix-Multiplikationen aus, die bisher für die Transformer-Architekturen von Modellen wie GPT notwendig sind. Sie haben ein LLM entwickelt, das statt mit Fließkommazahlen mit einem Dreiwertesystem bestehend aus -1, 0 und 1 arbeitet. Die Matrix-Operationen werden durch einfache Additionen und Subtraktionen ersetzt, die auf sparsamen FPGAs laufen können. Der Test mit sehr großen Modellen steht aber noch aus.
KI: Hindernis oder Helfer?
So würden bei einer Anfrage an eine KI wie ChatGPT etwa drei Watt verbraucht, etwa zehnmal so viel wie bei einer herkömmlichen Suchmaschine. Das Problem liegt dabei vor allem im Training der großen Modelle, das eine enorme Rechenleistung und riesige Datenmengen erfordert. Dabei kommen leistungsstarke GPUs zum Einsatz, meist von Nvidia, die bis zu 700 Watt aufnehmen. Damit kommen auch die Nachhaltigkeitsziele der großen Hyperscaler ins Wanken, die daher große Mengen an CO2-Zertifikaten einkaufen und sich damit dem Vorwurf des Greenwashing aussetzen. Zäh und seine Kollegin Annette Brunsmeier, Strategy Lead UX & Sustainability bei Fujitsu, betonen daher den bewussten Einsatz von IT im Sinne der Nachhaltigkeit. Dazu zählen etwa der Einsatz von KI nur dort, wo die Vorteile die Nachteile durch den Energieverbrauch übersteigen, oder eine Datenstrategie, bei der veraltete, redundante oder sonst überflüssige Daten identifiziert und gelöscht, sowie „kalte“ Daten stromsparend archiviert werden. Zudem kann in Unternehmen durch simple Maßnahmen erheblich Energie gespart werden, erklärt Brunsmeier. Als Beispiele nennt sie Download-Links statt großer E-Mail-Anhänge, vor allem bei größeren Verteilern, oder den Verzicht auf Video bei Teams- oder Zoom-Calls. Hier können Partner in Firmen entsprechende Denkanstöße geben und, gemeinsam mit Beratern wie etwa denen bei Fujitsu, die Umsetzung übernehmen.
Um den KI-Leistungskonflikt weiß auch Maslo. „Die eine Lösung gibt es nicht. Es wird immer Zielkonflikte geben, die es zu balancieren gilt. In der gedanklichen Bilanz steht der negative dem positiven Impact gegenüber. Und für uns war klar: Das Positive überwiegt an dieser Stelle. Jetzt geht es darum, diesen positiven Impact maximal hochzufahren und den negativen maximal runter“, erklärt sie. Doch Verso habe schon vor dem KI-Einsatz auf Clean-Code gesetzt, versucht den ökologischen Impact gering zu halten und werde das auch weiter verfolgen.
Brumbauer offeriert eine Gegendarstellung. Denn KI und IoT könnten auch einen positiven Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten: „KI kann helfen, in großen Datenmengen Muster und Trends zu erkennen, die zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Senkung des Ressourcenverbrauchs genutzt werden können.“ Auch gebe es emissionsarme und energiereduzierte Rechenzentren, die KI-unterstützt betrieben werden. Und mithilfe von IoT-Geräten sei die Lieferung von Echtzeitdaten über ihren Betriebszustand und damit eine präzise Steuerung und effizientere Nutzung möglich.