Service Provider Summit 2026 KI und geopolitisches Powerplay

Von Alexander Siegert 5 min Lesedauer

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Von Rechenzentren im Orbit bis zur digitalen Resilienz Europas: Beim Service Provider Summit 2026 auf dem Petersberg standen KI, Digitale Souveränität und geopolitische Machtverschiebungen im Fokus – und die künftige Rolle der Service Provider.

Digitale Souveränität, KI und kritische Infrastrukturen im Fokus: Der Service Provider Summit 2026 vor der geschichtsträchtigen Kulisse des Grandhotels Steigenberger auf dem Petersberg.(Bild:  Werbefotografie Emme)
Digitale Souveränität, KI und kritische Infrastrukturen im Fokus: Der Service Provider Summit 2026 vor der geschichtsträchtigen Kulisse des Grandhotels Steigenberger auf dem Petersberg.
(Bild: Werbefotografie Emme)

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch Machtverhältnisse. Sie entscheidet über den Bau neuer Rechenzentren, den Zugang zu Energie, Digitale Souveränität und die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften. Genau dieses Spannungsfeld prägte den Service Provider Summit 2026 der Vogel IT-Akademie. Zwei Tage lang diskutierten die Teilnehmer auf dem Petersberg darüber, wie sich Innovation, Regulierung und Resilienz miteinander vereinbaren lassen.

Service Provider Summit 2026
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Der Blick aus dem Orbit

Schon am Vorabend konnten die Teilnehmer bei der Casino-Nacht der Echo eG mit Black Jack, Poker und Roulette ihr Glück versuchen. Am nächsten Tag zeigte sich dann: Die wirklich großen Einsätze liegen nicht am Spieltisch, sondern bei den strategischen Entscheidungen rund um Künstliche Intelligenz, Digitale Souveränität und die Zukunft der IT-Infrastruktur.

Den Auftakt machte Christoph Keese, der seinem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes einen Blick aus der Vogelperspektive eröffnete. Der Publizist ist unter anderem bei Seraphim Space tätig, einem Venture-Fonds für Space Tech. Er zeichnete zunächst den Weg nach, wie amerikanische Hyperscaler ihre führende Stellung nach der Dotcom-Blase mittels massiver Investitionen ausgebaut haben.

Was heute noch nach ferner Zukunft klingt, könnte seiner Einschätzung nach schon bald Realität werden: Rechenzentren von Hyperscalern im Orbit. Hintergrund ist der rasant steigende Energie- und Wasserbedarf von KI-Infrastrukturen, der sich auf der Erde langfristig kaum noch decken lasse.

Im Silicon Valley sei dies längst mehr als bloße Vision. Unternehmen wie Elon Musks SpaceX arbeiteten bereits daran, den Weltraum als neue Infrastruktur für die Digitale Wirtschaft zu erschließen und dort neue Nischen zu besetzen. Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase, nannte Musk kürzlich sogar „den Edison unserer Zeit“ – und auch wenn dem wohl nur die wenigsten zustimmen dürften, steht für Keese eines fest: KI sei eine Befähigungstechnologie, und unter Investoren herrsche derzeit „eine Stimmung wie beim kalifornischen Goldrausch.“

Der Blick ins All war dabei jedoch kein Selbstzweck. Keese schlug den Bogen zurück nach Europa und formulierte den eigentlichen Zielkonflikt des Summits: Produktivität oder Digitale Souveränität? Wer die leistungsfähigsten KI-Plattformen nutzen wolle, lande häufig bei amerikanischen Hyperscalern. Wer technologische Unabhängigkeit anstrebe, müsse eigene Alternativen schaffen – und dafür erhebliche Investitionen in tätigen. Hierzu müsse auch der Staat seine Rolle als Ankerkunde richtig verstehen.

Digitale Souveränität beginnt nicht im Rechenzentrum

Dass Digitale Souveränität weit mehr bedeutet als einen Serverstandort innerhalb Europas, wurde im weiteren Verlauf des Vormittags immer wieder deutlich.

Dr. Frank Dengler, Geschäftsführer von Audriga, warb für offene Standards und Open-Source-Technologien als Grundlage unabhängiger IT-Ökosysteme. Technologische Souveränität entstehe nicht durch Abschottung, sondern durch die Fähigkeit, Systeme kontrollieren und bei Bedarf wechseln zu können, um sich weniger erpressbar zu machen. Hierzu brauche es mehr mutige Anstoßgeber, wie zuletzt das Land Schleswig-Holstein. Ziel ist es dort, schrittweise proprietäre Software durch quelloffene Alternativen zu setzen.

Ähnlich argumentierte Günter Eggers von NTT Global Data Centers. Ein europäisches Rechenzentrum allein garantiere noch keine Digitale Souveränität. Entscheidend sei vielmehr, wer Infrastruktur, Betriebsprozesse und Daten tatsächlich kontrolliere. Gerade für Unternehmen mit kritischen Daten werde diese Frage zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Einen weiteren Aspekt brachte Dr. Maximilian Ahrens von der Deutschen Telekom ein. Er zeigte auf, welche Rolle Satellitenkommunikation künftig für resiliente Unternehmensnetze spielen könne. Weltrauminfrastruktur sei längst nicht mehr nur ein Thema für Raumfahrtunternehmen, sondern entwickle sich zu einem wichtigen Baustein moderner Kommunikationsnetze. Damit schloss sich der Kreis zum Auftakt von Christoph Keese.

KI braucht Geschäftsmodelle

Während der Vormittag von strategischen Fragen geprägt war, rückte am Nachmittag die praktische Umsetzung in den Mittelpunkt.

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Digital-Evangelist von Neuland AI Karl-Heinz Land machte deutlich, dass KI weit mehr sei als ein Werkzeug zur Prozessautomatisierung. Unternehmen stünden vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle neu zu denken. Wer Künstliche Intelligenz lediglich zur Effizienzsteigerung einsetze, schöpfe ihr Potenzial nicht aus.

Für MSPs eröffneten sich dadurch neue Geschäftsfelder. Nicht die Bereitstellung einzelner KI-Werkzeuge werde künftig den Unterschied machen, sondern die Fähigkeit, komplette Plattformen sicher, wirtschaftlich und rechtskonform zu betreiben.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigten mehrere Vorträge und Expert Sessions. Martin Mayr vom Systemhaus Ulm stellte souveräne KI-Lösungen für mittelständische Unternehmen vor. Hierzu müsse man „die eigene Fantasie zum Kunden tragen“, um zugeschnittene Lösungen zu liefern. Henrik Hasenkamp gewährte außerdem Einblicke in den Einsatz von KI-Agenten im im Kundensupport. Parallel diskutierten die Teilnehmer über moderne Backup-Strategien sowie den Aufbau KI-fähiger Infrastrukturen.

Auffällig war, dass kaum noch über Technologie gesprochen wurde. Im Mittelpunkt standen konkrete Services, neue Erlösmodelle und die Frage, wie sich KI dauerhaft in bestehende Managed Services integrieren lässt.

Regulierung als Wettbewerbsvorteil

Mit der wachsenden Bedeutung von KI steigen auch die regulatorischen Anforderungen. Dr. Jens Eckhardt ordnete den europäischen AI Act ein und plädierte dafür, die neue Regulierung nicht als Innovationsbremse zu verstehen. Vielmehr schaffe der Rechtsrahmen Vertrauen und Planungssicherheit – vorausgesetzt, Unternehmen beschäftigen sich frühzeitig mit den neuen Vorgaben.

Gerade für Managed Service Provider eröffnen sich daraus zusätzliche Beratungsaufgaben. Kunden erwarteten künftig nicht nur technische Lösungen, sondern auch Unterstützung bei Compliance, Datenschutz und Risikomanagement.

Am Abend stand dann die Verleihung der Service Provider Awards und ein BBQ auf dem Programm, bevor der Abend mit WM-Spiel Deutschland gegen Ecuador zu Ende ging.

Sicherheit und Geopolitik

Am zweiten Veranstaltungstag rückte schließlich die geopolitische Dimension der Digitalisierung stärker in den Fokus. Dr. Swantje Westpfahl machte deutlich, dass wirtschaftliche Konflikte zunehmend auch im Cyberraum ausgetragen werden. Digitale Lieferketten, Cloud-Infrastrukturen und Kommunikationsnetze seien längst Teil geopolitischer Auseinandersetzungen geworden.

Prof. Dr. Rafaela Kraus von der Universität der Bundeswehr München spannte den Bogen noch weiter. Service Provider seien heute weit mehr als klassische IT-Dienstleister. Sie entwickelten sich zu Betreibern kritischer Digitaler Infrastruktur und trügen damit eine wachsende Verantwortung für die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Inhalte der beiden Vorträge wurden anschließend noch in zwei weiteren Workshops vertieft.

MSPs werden zum Schlüsselakteur

Auch die Panels und Roundtables auf dem Service Provider Summit griffen die genannten Themen auf. Anders als bei klassischen Konferenzformaten blieb in den Gesprächsrunden jeweils ein Stuhl leer, der von einem Teilnehmer aus dem Publikum besetzt wurde. Diskutiert wurden unter anderem souveräne Cloud-Strategien, KI im Managed Service, Cyberresilienz und die Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen auf den deutschen IT-Markt.

Am Ende blieb der Eindruck, dass sich die Rolle der Service Provider grundlegend wandelt. Zwischen Innovation, Regulierung und geopolitischen Spannungen werden sie zu Schlüsselakteuren für die digitale Resilienz Europas – und damit weit über die reine IT hinaus relevant.

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