Kununu Kulturecho 2026 Innovation scheitert eher an Kultur als an Technik

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

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Arbeitgeber werben mit Innovation, Karriere und Zukunft – im Arbeitsalltag kommt davon wenig an. Das Kununu Kulturecho zeigt eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Erleben. Für KI-Projekte könnte das zum Problem werden.

89 Prozent der Arbeitgeber werben mit Innovation – nur 28 Prozent der Beschäftigten erleben sie im Arbeitsalltag.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
89 Prozent der Arbeitgeber werben mit Innovation – nur 28 Prozent der Beschäftigten erleben sie im Arbeitsalltag.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Fast neun von zehn Arbeitgebern schreiben sich Innovation und Transformation auf die Fahne. Doch nur 28 Prozent der Beschäftigten erkennen das im eigenen Unternehmen wieder. Das zeigt das neue Kununu Kulturecho – und wirft die Frage auf, wie tragfähig die Basis für KI-Vorhaben tatsächlich ist.

Die Bewertungsplattform Kununu hat für ihren Report „Kulturecho“ zwei Perspektiven gegenübergestellt: die Selbstbeschreibung von Arbeitgebern in ihren Kununu-Profilen und die Kulturwerte, die Mitarbeitende demselben Unternehmen zuschreiben. Grundlage sind rund 355.000 Bewertungen und 1.093 Arbeitgeberprofile aus Deutschland auf der Plattform. Das Ergebnis fällt in mehreren Themenfeldern deutlich aus.

Innovation und Transformation

Am auffälligsten ist die Lücke beim Thema Innovation und Transformation. 89 Prozent der untersuchten Arbeitgeberprofile werben damit. Doch nur 28 Prozent der Nutzer verbinden ihren Arbeitgeber mit passenden Kulturwerten wie „neue Dinge ausprobieren“ oder „Visionär sein“.

Künstliche Intelligenz gilt derzeit als das zentrale Zukunftsversprechen in der Arbeitgeberkommunikation. Sie verändert Prozesse, Rollen und Geschäftsmodelle. Die Zahlen legen nahe, dass gerade hier eine Lücke besteht und die kulturelle Grundlage dafür in vielen Betrieben schwächer ausgeprägt ist, als die Außendarstellung vermuten lässt.

Ein weiterer Wert aus dem Report stützt diese Lesart: Nur rund 52 Prozent der Arbeitgeber betonen in ihren Profilen Vertrauen und Freiraum. Unternehmen sprechen also deutlich häufiger über Innovation als über die Voraussetzungen dafür. Genau diese Faktoren entscheiden aber häufig darüber, ob Beschäftigte neue Werkzeuge annehmen, testen und weiterentwickeln – oder sie umgehen.

„Innovation beginnt nicht mit der Einführung einer neuen Technologie, sondern mit der Kultur, in der sie eingesetzt wird“, sagt Dario Wilding, Head of External Communications bei Kununu. Viele Arbeitgeber müssten zunächst die Lücke zwischen kommunizierter Innovationskultur und erlebtem Arbeitsalltag schließen. Das gelte für jede Transformation und besonders für den Einsatz von KI.

Karriere und Entwicklung

Noch größer ist der Abstand beim Thema Entwicklung. Über 95 Prozent der analysierten Profile werben mit Karriere, Entwicklung oder Perspektiven. Passende Kulturwerte wie „Mitarbeiter fördern“ oder „Neue Herausforderungen haben“ nennen jedoch nur 34 Prozent der Beschäftigten. Karriere ist damit das am häufigsten gegebene und am seltensten eingelöste Versprechen.

Ähnlich, wenn auch weniger ausgeprägt, sieht es bei Work-Life-Balance und Flexibilität aus. Mehr als 73 Prozent der Arbeitgeber heben diese Punkte hervor, rund 39 Prozent der Mitarbeitenden bestätigen sie.

Wo Anspruch und Realität zusammenpassen

Es gibt auch Themen mit geringerer Fallhöhe. 93 Prozent der Profile werben mit Teamgeist, Zusammenhalt oder Zusammenarbeit. Im Schnitt 53 Prozent der Beschäftigten nennen dazu passende Begriffe wie „Kollegen helfen“, „Sich kollegial verhalten“ oder „Kooperieren“. Teamkultur ist damit das am stärksten bestätigte Versprechen der Untersuchung.

Einen Sonderfall bildet die Transparenz. Sie ist der einzige untersuchte Wert, den Mitarbeitende häufiger nennen, als Arbeitgeber ihn kommunizieren: 28 Prozent gegenüber 23 Prozent der Profile. Gelebte Offenheit wird hier offenbar unter Wert verkauft.

Reifegrad prüfen

Für IT-Abteilungen liefert der Report ein bekanntes Muster mit neuen Zahlen: Technologieprojekte scheitern selten an der Technik. Sie scheitern an fehlender Akzeptanz, an unklaren Freiräumen und an Belegschaften, die Veränderung eher als Ankündigung denn als Erfahrung kennen. Wer beispielsweise KI-Werkzeuge ausrollt, sollte diesen Reifegrad vorher prüfen – nicht erst im Change-Management nach dem Go-live. „Nicht die ambitionierteste Botschaft schafft Vertrauen, sondern die größte Übereinstimmung zwischen Versprechen und gelebter Kultur. Der erste Schritt zu mehr Innovations- und Transformationsfähigkeit ist deshalb der ehrliche Abgleich mit der erlebten Mitarbeiterrealität“, rät Wilding.

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Zur Methodik

Ausgewertet wurden 1.093 deutsche Arbeitgeberprofile mit jeweils mindestens 100 Kulturangaben. Die Mitarbeiterperspektive basiert auf rund 355.000 Kulturbewertungen (1. Januar 2020 bis 31. März 2026) und der Frage, wie häufig Nutzer Werte nennen, die den Versprechen ihres Arbeitgebers entsprechen. Das gesamte Kulturecho umfasst rund 1,7 Millionen Kulturbewertungen und 42 Millionen Datenpunkte.

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