Big Data, Sicherheit und Datenschutz Ist Big Data Security überhaupt noch wichtig?

Autor / Redakteur: Dipl.-Phys. Oliver Schonschek / Nico Litzel

In Umfragen zählt Big Data nicht mehr zu den wesentlichen Treibern der Security. Wichtiger erscheinen Themen wie Cloud, Internet of Things (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI). Gleichzeitig sind Big-Data-Analysen für Unternehmen weiterhin sehr wichtig.

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Bei der IT-Security messen viele Unternehmen Cloud Computing, Künstliche Intelligenz und IoT eine größere Bedeutung zu. Dennoch darf Big Data Security nicht vernachlässigt werden.
Bei der IT-Security messen viele Unternehmen Cloud Computing, Künstliche Intelligenz und IoT eine größere Bedeutung zu. Dennoch darf Big Data Security nicht vernachlässigt werden.
(Bild: © kras99 - stock.adobe.com)

Einerseits zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom, dass 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland meinen, Big Data und Datenanalyse seien von sehr großer oder eher großer Bedeutung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Andererseits zeigt die Sicherheitsstudie 2020 des Verbands der Internetwirtschaft eco, dass Big Data nicht zu den Top-Treibern der Security in den nächsten Jahren gerechnet wird.

Bei Security erscheinen den Unternehmen dagegen Cloud Computing und die Abwehr der Internetkriminalität sehr wichtig, auch Künstliche Intelligenz (KI) und IoT (Internet der Dinge) werden als größere Treiber angesehen als Big Data. Da stellt sich die Frage: Ist Big Data bereits so sicher, ist es zur Selbstverständlichkeit geworden oder gibt es ein falsches Bild von Big Data Security?

Big Data Security: Die Aufmerksamkeit gilt anderen Bereichen

Big Data gehört nicht zu den größten Treibern der Security der nächsten Jahre, so eine Umfrage des Verbands der Internetwirtschaft eco. Trotzdem ist Big Data Security weiterhin sehr wichtig.
Big Data gehört nicht zu den größten Treibern der Security der nächsten Jahre, so eine Umfrage des Verbands der Internetwirtschaft eco. Trotzdem ist Big Data Security weiterhin sehr wichtig.
(Bild: eco)

Generell sollte man sich als Unternehmen davor hüten, nur an die sogenannten Hype-Themen zu denken, wenn es um die IT-Sicherheit geht. Angreifer haben kein Problem damit, auch schon lange bekannte Technologien und deren Schwachstellen als Hintertür zu nutzen. Immerhin gibt es nicht nur Sicherheitslücken in den ganz neuen Technologien, sondern auch in scheinbar altbekannten Lösungen.

Trotzdem ist es erst einmal verständlich, wenn Unternehmen Big Data Security nicht mehr so stark im Fokus haben. Zum Beispiel hat die EU-Agentur für Cybersicherheit ENISA die letzte größere Publikation zu Big Data Sicherheit im Jahr 2016 veröffentlicht. Themen wie Cloud, Cybercrime, IoT und KI dagegen sind ständig in den Schlagzeilen und Sicherheitsberichten. Allerdings sollte man genau überlegen, wie Big Data, Cloud, Internetkriminalität, KI und IoT zusammenhängen.

Bedeutung der sicheren Big-Data-Nutzung

Wenn man zum Beispiel Cloud-Sicherheit als besonders wichtig erachtet, sollte man nicht vergessen, dass Big Data eine wesentliche Ursache für die Nutzung von Cloud-Diensten ist, sowohl für die Speicherung als auch für die Analyse großer Datenmengen. Cloud-Sicherheit ist also auch deshalb so wichtig, weil Big-Data-Sicherheit so entscheidend ist.

Auch die Sorge vor der steigenden Internetkriminalität, die als wesentlicher Treiber in der Security der kommenden Jahre gesehen wird, hängt eng mit Big Data zusammen. So sind Datenansammlungen im Internet und in den Netzwerken so anziehend für Cyberkriminelle wie es Geldansammlungen in Banken für die klassische Kriminalität sind. Big Data braucht also besonderen Schutz, ähnlich wie Banken.

Die ebenfalls als wichtig angesehenen Security-Themen KI und IoT sind ebenfalls eng verknüpft mit Big Data. Bekanntlich ist das Internet der Dinge eine zentrale Quelle für Big Data, Big-Data-Analysen bilden die Grundlage vieler IoT-Services. Ohne sichere Daten kann es kein sicheres IoT geben. Zum Beispiel können manipulierte IoT-Daten bei IoT-Attacken genutzt werden.

Bei KI wird viel über die notwendige Transparenz der Algorithmen diskutiert, auch über die Gefahr, dass KI in den Händen der Angreifer zu einem höheren Erfolg der Cyberattacken beitragen kann. Basis der KI sind aber bekanntlich auch die Daten, mit denen die KI trainiert werden kann. Werden zum Beispiel die Trainingsdaten manipuliert, kann sich KI in eine falsche Richtung entwickeln. Offensichtlich müssen die Datenmengen, die KI benötigt, gut gegen Manipulationen geschützt werden.

Big Data und der Datenschutz

Auch in den Tätigkeitsberichten der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz wird Big Data nicht mehr so häufig genannt wie früher. Trotzdem sind große Datenmengen und deren Analyse ein hohes Risiko für den Datenschutz. Big-Data-Analysen müssen Grenzen gezogen werden, wie zum Beispiel ein aktuelles Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Data Mining und zur Antiterrordatei gezeigt hat.

Big Data ist nicht nur weiterhin ein Thema für den Datenschutz und die IT-Sicherheit, sondern die Bedeutung der Big Data Security steigt sogar, auch wenn man darüber weniger spricht als früher. Dafür stehen viele Technologien und Anwendungen im Mittelpunkt, die eng mit Big Data zusammenhängen.

Es zeigt sich: Big Data und die Sicherheit und der Datenschutz bei Big Data sind sehr wohl Treiber der Security der nächsten Jahre. Herausforderungen wie fristgerechtes Löschen, Manipulationssicherheit, Verschlüsselung und die Echt-Zeit-Analyse auch für Sicherheitsanwendungen bleiben bestehen und werden eher wichtiger.

Big Data Security steht weiterhin auf der Agenda. Wer dies nicht beachtet, könnte wichtige Schutzmaßnahmen vergessen, bei der Cloud, bei der Abwehr von Cybercrime, im IoT, bei KI und im Datenschutz.

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Über den Autor

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

IT-Fachjournalist, News Analyst und Commentator bei Insider Research