Google fokussiert sich bei den Neuankündigungen auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O auf KI-Funktionalitäten, die in seine Suchmaschine eingebettet werden. Highend-Funktionen in Gemini werden künftig bezahlpflichtig.
Smarte Shopping-Helfer sind eine der künftigen KI-Funktionen, die Google in seine Suchmaschine integrieren möchte.
Im Wettlauf der KI-Entwickler setzt Google auf eigene Stärken wie die führende Web-Suchmaschine. Sie soll das Vehikel werden, um User auch für die KI-Dienste zu begeistern. Viele der leistungsstärkeren neuen Fähigkeiten der Google-KI Gemini kommen hinter eine Bezahlschranke und sind zunächst hauptsächlich in den USA verfügbar.
Neue Suchmaske: Bilder, Daten, Videos
Google entwickelt seine über Jahrzehnte kaum veränderte Suchmaske für die Ära Künstlicher Intelligenz weiter. Unter anderem wird sich das Suchfeld nun nach Bedarf ausweiten, um längere Anfragen zu erlauben. Neben Text kann es auch mit Bildern, Dateien oder Videos befüllt werden. Zudem soll KI bei der Eingabe der Fragen über die bisherigen Ergänzungsvorschläge der Autovervollständigung hinausgehen und weit mehr leisten.
In den vergangenen Jahren wurde viel spekuliert, ob neue Rivalen, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz auf Anfragen eher Antworten statt Links liefern wollen, Googles führender Suchmaschine das Leben schwer machen könnten. Doch der Internet-Riese integrierte selbst solche Funktionen wie von Künstlicher Intelligenz erstellte Zusammenfassungen - und betont, dass die Suchfunktion dadurch mehr genutzt werde. Zugleich beklagen einige Webseiten-Betreiber, dass inzwischen weniger Nutzer über Google zu ihnen gelangen.
Die Google-Suche sei nun durch und durch eine KI-Suche, verkündete die zuständige Managerin Liz Reid auf der Entwicklerkonferenz Google I/O. Neben Zusammenfassungen soll die Suchmaschine künftig zum Beispiel bei komplexen Themen auch Erklärgrafiken generieren oder einen Fitness-Plan erstellen können. Idealerweise finde sie für jede Anfrage das passende individuelle Format, sagte Google-Manager Robby Stein.
Google lässt die Informations-Agenten los
Insgesamt fokussiert sich Google inzwischen stark auf Künstliche Intelligenz. Zu den Ankündigungen der I/O gehören auch neue sogenannte KI-Agenten: Programme, die für die Nutzer eine Abfolge von Aufgaben eigenständig erfüllen können. Hier konkurriert Google mit KI-Firmen wie dem ChatGPT-Erfinder OpenAI und Anthropic.
In der Suche etwa führt Google „Informations-Agenten“ ein. Sie sollen das Web laufend nach vorgegebenen Informationen durchforsten und den Nutzern Hinweise geben. Ist man etwa auf der Suche nach einer Wohnung mit bestimmten Vorgaben, könnte ein Google-Agent Bescheid geben, wenn etwas Passendes auftaucht. Gemini werde zu einem „universellen Assistenten“, sagte Google-Manager Josh Woodward.
Wie Google den Online-Einkauf umkrempeln will
Google hat zudem ambitionierte Pläne für den Online-Handel. Seit der Erfindung von KI-Agenten gibt es die Vision, dass sie eigenständig ins Netz losziehen könnten, um Dinge für Nutzer zu kaufen. Google will die Infrastruktur dafür entscheidend mitgestalten.
So stellte der Konzern einen „intelligenten“ digitalen Einkaufskorb vor, der quer über verschiedene Händler und Dienste funktionieren soll. Unter anderem soll er automatisch nach günstigeren Preisen und Sonderangeboten für ausgewählte Artikel suchen - oder Nutzer informieren, wenn etwas Ausverkauftes wieder verfügbar ist. Und wenn man etwa Bauteile für einen Computer zusammenstellt, soll dieser Einkaufskorb eine Warnung ausgeben, wenn sie nicht miteinander kompatibel sind.
Mit einem bei Google entwickelten technischen Protokoll sollen KI-Agenten in die Lage gebracht werden, für automatisierte Einkäufe im Auftrag der Nutzer auch selbst zu bezahlen. Man muss dafür vorgeben, welche Produkte welcher Marken erworben werden sollen - und wie viel sie kosten dürfen.
KI-Erkennungsfunktion
Google macht es - zunächst in der App für die hauseigene KI-Software Gemini, später auch in der Suche und im Webbrowser Chrome – außerdem einfacher, mit Hilfe Künstlicher Intelligenz erstellte oder bearbeitete Bilder zu erkennen. Wenn man etwa Zweifel hat, ob es sich um ein authentisches Foto oder Video handelt, wird man fragen können, ob KI mit im Spiel war. Anderen Diensten will Google eine Schnittstelle für eine KI-Erkennungsfunktion zur Verfügung stellen. Firmen wie Nvidia und OpenAI wollen Googles unsichtbare Wasserzeichen mit dem Namen SynthID künftig für Bilder und andere per KI erzeugte Inhalte verwenden.
KI ist teuer, künftig muss der User deshalb auch zahlen
Einige der neuen Funktionen erscheinen hinter Bezahlschranken. Dazu gehört etwa der leistungsstarke KI-Agent Spark, der mit weitreichendem Zugriff auf persönliche Daten das Leben seiner Nutzer organisieren können soll. Um Spark einsetzen zu können, braucht man das Ultra-KI-Abo für mindestens rund 100 Euro im Monat. Diese Preisgestaltung ist ein aktueller Trend bei allen großen KI-Anbietern. Künstliche Intelligenz erfordert riesige Kapazitäten in Rechenzentren - und die Unternehmen kommen trotz des teuren Ausbaus nicht hinterher bei der Nachfrage.
Das treffe auch für Google zu, sagte Konzernchef Sundar Pichai auf der I/O. Es gebe Engpässe auf breiter Front. Der Internet-Riese steuert mit gewaltigen Investitionen gegen. Die Google-Mutter Alphabet erhöhte die Spanne der voraussichtlichen Kapitalausgaben in diesem Jahr jüngst um 5 Milliarden auf nun 180 bis 190 Milliarden Dollar, mit der Aussicht auf noch „signifikant“ mehr 2027. Pichai gab zu bedenken, dass man angesichts steigender Preise für Bauteile inzwischen für das gleiche Geld weniger Rechenkapazität aufbauen könne als früher.
Stand: 08.12.2025
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Zwei KI-Brillen von Google als Meta-Konkurrenz
Google macht Metas KI-Brillen Konkurrenz. Im Herbst sollen zwei Modelle mit Kamera und Lautsprechern auf den Markt kommen. Sie wurden in Kooperation mit Samsung sowie den Brillenfirmen Gentle Monster und Warby Parker entworfen.
Die Kamera der Brillen liefert Informationen für Googles KI Gemini. Damit können Nutzer der Software zum Beispiel Fragen dazu stellen, was sie gerade vor sich haben. Dann kann Gemini etwa Bewertungen des Restaurants heraussuchen, vor dem man steht, oder eine ungewöhnliche Wolkenformation erklären. Außerdem können die Brillen Nachrichten vorlesen oder Navigationsanweisungen geben.
Der Facebook-Konzern Meta versucht schon seit mehreren Jahren, solche Brillen als Produktkategorie zu etablieren. Dank der Zusammenarbeit mit dem Brillen-Riesen EssilorLuxottica werden sie unter den Marken Ray-Ban und Oakley angeboten. Laut EssilorLuxottica wurden im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen Meta-Brillen verkauft.
Google könnte in dem Markt den Vorteil haben, dass der Konzern mit seiner KI auf die Informationen aus seiner Suchmaschine zurückgreifen kann - und zudem eine Vielzahl an Diensten von digitalen Karten bis hin zu E-Mail unter seinem Dach hat.
Bereits vor einem Jahr zeigte Google auf der damaligen I/O-Konferenz Prototypen einer KI-Brille mit einem kleinen Display, auf dem auch visuelle Informationen wie Übersetzungen oder Routen-Anweisungen eingeblendet werden können. Diesmal gab es bei der I/O keine konkreten Angaben dazu, wann solche Geräte auf den Markt kommen. Dem Finanzdienst Bloomberg zufolge wird ein Debüt im kommenden Jahr angepeilt. Medienberichten zufolge arbeitet auch Apple schon seit Jahren an solchen Brillen - könnte aber ebenfalls zunächst Modelle ohne Display herausbringen.