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Streit um 5G-Netz

Flächendeckendes 5G wird es (noch) nicht geben

| Autor: Sarah Böttcher

Die Vergabebedingungen für die 5G-Frequenzauktion im Frühjahr stehen fest. Flächendeckendes 5G wird es in naher Zukunft nicht geben.
Die Vergabebedingungen für die 5G-Frequenzauktion im Frühjahr stehen fest. Flächendeckendes 5G wird es in naher Zukunft nicht geben. (Bild: © kelly marken - stock.adobe.com - [M] Udo Scherlin)

Die Bundesnetzagentur hat die finalen Vergabebedingungen und -Regeln für die 5G-Frequenz­auktion im kommenden Frühjahr bekannt gegeben. Bis zum 25. Januar können Unternehmen Zulassungsanträge für die Auktion stellen. Vielen geht das Regelwerk jedoch gegen den Strich.

Schon mit dem finalen Entwurf der Bundesnetzagentur (BNetzA) für die 5G-Frequenzauktion im Frühjahr 2019 vom 16. November, fühlten sich die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica auf den Schlips getreten. Denn die Behörde hatte das Regelwerk, im Vergleich zum ersten Entwurf Mitte September, teilweise drastisch verschärft: Die endgültigen Vergabebedingungen und Auktionsregeln für die 5G-Frequenzauktion fordern so von den Netzriesen höhere Investitionsleistungen und folglich mehr Kosten. Die Behörde hat nun den Startschuss gegeben und das ­Zulassungsverfahren für die Versteigerung eröffnet. Bis 25. Januar 2019, 15:00 Uhr, können Unternehmen Zulassungsanträge stellen. Versteigert werden im Frühjahr die 5G-Frequenzen mit 2 und 3,6 GHz.

Bundesnetzagentur drängt auf Zusammenarbeit

Die Industrie sowie die Bundesregierung drängen auf eine schnelle sowie vor allem flächendeckende Einführung von 5G mit hohen Datenraten und geringen Latenzzeiten. Um möglichst wenig Geld für den Aufbau eines 5G-Netzes zu zahlen, wehren sich die Netzbetreiber jedoch gegen einen flächendeckenden Ausbau. Der Behörde zufolge wurden die wirtschaftlichen Belange der Netzbetreiber jedoch berücksichtigt. So haben Telecom & Co. die Möglichkeit, stärker mit Wettbewerbern zu kooperieren, um so zusätzlich „die wirtschaftliche Belastung im Rahmen“ zu halten. Die Behörde geht sogar noch einen Schritt weiter, ­indem sie Kooperationen von den Netzbetreibern regelrecht fordert: „Bei der Umsetzung der Versorgungsauflagen erwartet die Bundesnetzagentur eine Zusammenarbeit zwischen den Netzbetreibern in ­Gebieten, in denen sich der Ausbau durch einen Einzelnen wirtschaftlich nicht lohnt“, führt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, aus.

Zum Leidwesen vieler Unternehmen gibt das Regelwerk zwar klare Richtlinien für die Umsetzung eines 5G-Netzes. Doch keineswegs verpflichtet es die Netzbetreiber zu einer hundertprozentigen 5G-Abdeckung – Funklöcher sind somit auch zukünftig möglich. So macht die Bundesnetzagentur auch keine konkreten Angaben zur Flächenabdeckung. Zudem werden Mindestübertragungsraten von 50 beziehungsweise 100 Mbit/s gefordert, der Mobilfunkstandard 4G schafft Übertragungsraten von bis zu 150 Mbit/s. Die 5G-Technologie muss somit nicht zwangsweise überall zum Einsatz kommen. Laut der Behörde wird dies wohl erst ab 2025 kommen, wenn „Frequenzen frei werden, die sich besonders für die Flächenversorgung eignen“ und somit eine größere Reichweite ermöglichen.

Die Vergabebedingungen für die 5G-Frequenzauktion im Überblick

Die Vergabebedingungen bestimmen, dass bis Ende 2022

  • mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland (bisher nur 50 Mbit/s),
  • alle Bundesautobahnen,
  • die wichtigsten Bundesstraßen (zunächst aber keine Landstraßen) sowie
  • die wichtigsten Schienenwege

mit mindestens 100 Mbit/s versorgt werden. Das Regelwerk sieht weiterhin vor, dass bis Ende 2024

  • alle übrigen Bundesstraßen mit mindestens 100 Mbit/s,
  • alle Landes- und Staatsstraßen mit mindestens 50 Mbit/s,
  • die Seehäfen und wichtigste Wasserstraßen mit mindestens 50 Mbit/s sowie
  • alle übrigen Schienenwege mit mindestens 50 Mbit/s

versorgt werden. Darüber hinaus wird „für alle Bundesautobahnen und Bundesstraßen eine Latenz von 10 Millisekunden vorgeschrieben.“ Die geringe Latenzzeit ist vor allem beim Thema autonomes Fahren von Bedeutung. Durch eine geringe Verzögerung der Datenübertragung kann die Kommunikation zwischen den vernetzten Geräten untereinander sichergestellt werden. Und zusätzlich zu den Qualitätsvorgaben muss „jeder Betreiber 1.000 ‚5G-Basisstationen‘ und 500 Basisstationen in ‚weißen Flecken‘ bis Ende 2022 errichten.“

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„Verspargelung“ der Landschaft droht

Die Mobilfunktechnologie 5G hat einen großen Nachteil: die geringe Reichweite. Eine 5G-Netzabdeckung benötigt viel mehr Masten als ein flächendeckendes 4G-Netz und kostet die Betreiber somit auch mehr Geld. Diese warnen bereits vor einer „Verspargelung“ der Landschaft. Dem Digitalverband Bitkom zufolge müsste für ein flächendeckendes 5G-Netz im Abstand von je einem Kilometer das Land schachbrettmusterartig aufgebaggert oder aufgefräst und mit Funkmasten gespickt werden. Dagegen würden aktuell bereits die ersten Bürgerinitiativen entstehen.

Darüber hinaus stehen die Vergabebedingungen den Netzbetreibern zufolge in keinem Verhältnis zu den Kosten. Sie sind davon überzeugt, dass für Privatpersonen der Mobilfunkstandard 4G mehr als ausreichend ist. Die Industrie hält dagegen: Stand heute sei vielleicht die 5G-Technologie noch nicht zwingend für Privatpersonen notwendig, für viele IoT-Anlagen wie autonomes Fahren, Telemedizin oder Industrie 4.0 legt sie jedoch den Grundstein. Auch mittelständische Unternehmen auf dem Land fürchten ohne flächendeckende 5G-Versorgung wirtschaftlich abgehängt zu werden. Fest steht: Wird der ländliche Raum nicht abgedeckt, besteht die Gefahr eines „digitalen Flickenteppichs“, wie das bereits beim 4G-Ausbau der Fall ist.

Speziell für die Industrie reserviert die Bundesnetzagentur einen Teil der bundesweiten Frequenzen für die regionale und lokale Nutzung. So haben beispielsweise Daimler, Volkswagen und Siemens bereits Interesse daran bekundet, eigene Lizenzen zu erwerben und selbst ein Netz für ihren Industriestandort aufzubauen.

„Nationales Roaming“ wird nicht zur Pflicht

Auch das Thema „nationales Roaming“ bietet Diskussionsstoff. Für eventuelle Neueinsteiger, wie beispielsweise United Internet, wurden die Bedingungen im Vergleich zum Entwurf Mitte September zwar verbessert, jedoch „nicht konsequent genug.“ Ralph Dommermuth, CEO der United Internet AG, kritisiert vor allem, dass weiterhin kein „nationales Roaming“ vorgesehen ist. Um zu investieren, benötigen Neueinsteiger laut United Internet jedoch ein klares Zugeständnis der Behörde, auf das sie sich während der Aufbauphase eines 5G-Netzes verlassen können. Der Zugang zu bestehenden Netzen – Stichwort „nationales Roaming“ – sei „in vielen Ländern selbstverständlich und zwingende Voraussetzung für den Einstieg eines vierten Netzbetreibers“, so Dommermuth weiter.

Ein verpflichtendes „nationales Roaming“ würde die Netzriesen dazu zwingen, Mitbewerber ohne eigene Infrastruktur gegen Gebühr auf ihre Antennen zu lassen. Zwar spricht die Behörde in ihrem Regelwerk nicht von einer Pflicht, jedoch von einem „Verhandlungsgebot zu Kooperationen“. So wird eine Zusammenarbeit zwischen den Netzriesen und deren Wettbewerbern regelrecht erwartet.

Der Widerstand der Netzbetreiber ist auch hier enorm. Falls Telekom und Co. nicht oder nicht ausreichend kooperieren sollten, kann die Bundesnetzagentur als Schiedsrichter eingreifen und Buß- sowie Zwangsgelder verhängen. Die Netzriesen bezeichnen dieses Vorgehen als „rechtswidrig“ und drohten bereits mit einer ­„gerichtlichen Auseinandersetzung, die ­voraussichtlich zur Rückabwicklung des gesamten Vergabeverfahrens und damit zu einer massiven Verzögerung bei der Einführung von 5G führen würde.“

Kritische Stimmen

Auch Bitkom-Präsident Achim Berg kritisiert das finale Regelwerk der Bundesnetzagentur: „Die Auflagen konterkarieren ihr Ziel, 5G möglichst schnell zu den Menschen und den Unternehmen zu bringen. Wer Flächenausbau will, muss auch Flächenfrequenzen zur Verfügung stellen. Jetzt wird das Spektrum bei 3,6 GHz versteigert. Das ist allerdings wegen ungünstiger Ausbreitungsbedingungen für die Flächenversorgung gänzlich ungeeignet. Anstelle von 60.000 Funkmasten braucht man im 3,6er Band 800.000 Funkmasten um 98 Prozent der Haushalte mit 5G zu versorgen. Jeder will 5G, aber niemand will einen Funkmast vor seiner Tür. In Frequenzbändern unter 1 GHz bräuchte man nicht einmal jeden zehnten Funkmast. Die Politik sollte sich umgehend mit den Netzbetreibern auf eine konsistente Frequenzpolitik verständigen, anstatt scheibchenweise Spektrum zu versteigern.“

Auch dem Verhandlungsgebot für nationales Roaming steht Berg kritisch gegenüber: „Hier droht durch die Schiedsrichterrolle der Bundesnetzagentur eine Verpflichtung durch die Hintertür, die Netzinvestitionen hemmt und entwertet. Ein nationales Roaming führt zu einer Gleichmacherei der Netze und hebelt den Wettbewerb aus. Das schadet am Ende vor allem den Verbrauchern.“

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