Mission Accomplished Erfolgreich und resilient im New Normal

Autor / Redakteur: Prof. Dr. Rudolf Aunkhofer / Heidemarie Schuster

„Charakter zeigt sich in der Krise“ – dem Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt folgend, hat die Tech-Industrie pandemie-bedingte Lücken in der Supply Chain gemeistert, Lockdowns getrotzt und die Digitalisierung vorangebracht, wie dies in 2019 nur wenige vorhergesagt hatten.

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Der aktuellen Pandemie- wie Nachfragesituation wie auch dem Stimmungsbild der Tech-Industrie folgend, dürfte auch das Jahr 2021 erneut zu einer positiven Sonderkonjunktur für die gesamte Tech-Industrie – Hersteller, Distribution und Handel – führen.
Der aktuellen Pandemie- wie Nachfragesituation wie auch dem Stimmungsbild der Tech-Industrie folgend, dürfte auch das Jahr 2021 erneut zu einer positiven Sonderkonjunktur für die gesamte Tech-Industrie – Hersteller, Distribution und Handel – führen.
(Bild: oatawa - stock.adobe.com)

Covid-19-bedingt hat sich die Wirtschaftsstimmung in Deutschland beginnend mit dem ersten Lockdown deutlich eingetrübt. Trotz eines finanziell umfangreichen „Krisenpakets“ von Seiten des Bundes wie der einzelnen Länder verharrt die Wirtschaftsstimmung weiter auf niedrigem Niveau. Ganz anders dagegen die Stimmungslage der Tech-Industrie. Die Geschäftserwartungen sind im Frühjahr im Vergleich zur Wirtschaftsstimmung zwar stärker eingebrochen, haben sich aber beginnend mit April zeitnah und rasch wieder erholt und waren über vier Monate hinweg sogar im positiven Bereich.

Die Tech-Industrie hat der Pandemie erfolgreich getrotzt, Charakterstärke gezeigt und Deutschland in puncto Digitalisierung einen Quantensprung nach vorne gebracht.

Die Tech-Industrie schätzte ihre Geschäftserwartungen somit über das gesamte Jahr deutlich besser ein als es die Allgemeine Wirtschaftsstimmung auf den ersten Blick vermuten lassen würde. Auch die Einschätzung der monatlichen Tech-Geschäftslage spiegelt dies wider. Diese war nur im zweiten Quartal negativ und bewegt sich seitdem wieder im positiven Bereich. Die Tech-Industrie folgt somit einer Sonderkonjunktur und konnte aufgrund der vielfältigen Investments in digitale Technologien von der Verlagerung physischer hin zu virtuellen Aktivitäten unter dem Stichwort Everything@Home profitieren. Drei Basis-Nachfragewellen (Office@Home, Schooling@Home, Entertainment@Home), die zeitlich dicht aufeinander folgten, sich teilweise überlagerten, führten aufgrund des damit verbundenen starken Investments von Privatpersonen, Mittelstand wie Großunternehmen oder dem Staat für Tech-Hersteller, Netzinfrastrukturanbieter und digitale Serviceanbieter zu positiven Umsatzzahlen mit oftmals zweistelligen Zuwachsraten.

Die Tech-Geschäftslage und die allgemeine Wirtschaftsstimmung.
Die Tech-Geschäftslage und die allgemeine Wirtschaftsstimmung.
(Bild: iSCM)

Tech-Sonderkonjunktur in 2020 und 2021

Der aktuellen Pandemie- wie Nachfragesituation wie auch dem Stimmungsbild der Tech-Industrie folgend, dürfte auch das Jahr 2021 erneut zu einer positiven Sonderkonjunktur für die gesamte Tech-Industrie – Hersteller, Distribution und Handel – führen. Hierzu werden vor allem drei Faktoren beitragen: pandemiebedingte, begonnene Digitalisierungs-Projekte werden fortgesetzt und ausgebaut, zeitlich in die Zukunft verschobene Projekte werden begonnen beziehungsweise nach-geholt, und neue Projekte, deren finanzielle Vorteilhaftigkeit durch die Pandemie offensichtlich wurde, werden in Ergänzung begonnen. Hierbei verschieben sich allerdings die Nachfrageschwerpunkte in ihrer Tendenz von Benutzer-Hardware hin zu (vernetzten) Management- und Infrastrukturlösungen.

Digitalisierung per se in Aus- und Weiterbildung, bei Kommunikation wie Kollaboration, in Marketing und Vertrieb, vernetzte und mobile Technologien wie auch deren ( Remote-) Management gesamter Prozessketten mit dem Ziel, diese effizient wie kundenorientiert zu gestalten, werden die Top-Wachstumsfelder im Jahr 2021 sein. Die zum Teil sehr kurzfristige und in Einzelfällen etwas pragmatisch-hemdsärmelige Implementierung von Digitalisierungslösungen im Jahr 2020 sollte vor allem die Fortführung der täglichen Geschäftstätigkeit während des Lockdowns sicherstellen. Digitalisierungslösungen im Jahr 2021 werden aufgrund besserer Planbarkeit und der aktuell gemachten Erfahrungen auf Effizienz, Datenschutz- ( DSGVO) wie Security-Aspekte fokussieren. In Ergänzung werden eine Reihe von „2020er-Projekten“ diesbezüglich nachgebessert. Das Jahr 2020 ist von Digitalisierung, das Jahr 2021 wird von Digitaler Transformation geprägt.

Digitalisierung & Mobile Technologien

Top-Wachstumsfelder der vergangenen Jahre wie Data Management und Analytics, Virtualisierung oder Künstliche Intelligenz, werden weiter auf der Digitalisierungs-Agenda stehen. Im Vergleich zu den Top-Themenfeldern 2021 und vor dem Hintergrund eines pandemiebedingten Prioritäten-Shifts werden sie aber öfter mit dem Status „nice-to-have“ beschrieben werden. Die Bereitschaft, in diesen Themenfeldern standardisierte Lösungen zu implementieren, wird zu Lasten von individuellen Einzel-Lösungen merkbar ansteigen.

Die Wachstumspotenziale 2021 nach Themen.
Die Wachstumspotenziale 2021 nach Themen.
(Bild: iSCM)

Neben der öffentlichen Hand werden Großunternehmen aufgrund einer besseren Verfügbarkeit personeller wie finanzieller Ressourcen klarer Investitionsmotor im Jahr 2021 sein. Der Mittelstand wird noch deutlich punktueller und fokussierter investieren. Nur so kann er mit begrenzten Ressourcen einen zeitnahen, praxisorientierten wie professionellen Implementierungs- und Migrationsprozess sicherstellen.

Der hohe Digitalisierungsgrad sowie die Vernetzung von Hersteller, Distribution und Handel in Kollaboration, Kommunikation und Logistik entlang der gesamten Lieferkette war ein entscheidender Faktor für die Sonderkonjunktur der Tech-Industrie. Sie hat ihre Vorreiterrolle bestätigt.

Privatkunden fokussieren auf „smart“

Deutlich herausfordernder dürfte im Jahr 2021 dagegen das Geschäft mit den Privatkunden werden. X@Home wie auch der Verzicht auf vielfältige Freizeitaktivitäten hatte zur Folge, dass Konsumenten verstärkt in Technik investiert haben: Cocooning – Menschen machten sich ihr Zuhause so produktiv, angenehm und unterhaltsam wie möglich. Haushaltsausstattung wie Anzahl der Geräte pro Haushalt sind im Jahr 2020 für eine Vielzahl von Technikprodukten deutlich angestiegen. Die private Nachfrage wird sich daher im Jahr 2021 nachhaltig wandeln. Budgets werden sich in Richtung „ Freizeitaktivitäten“ zurück verlagern. Die im Jahr 2020 stark nachgefragten Technik-Kategorien werden eher verhaltene Nachfrage erfahren. Konsumenten werden – neben dem üblichen Replacement – fokussiert in smarte Technik investieren, in Produkte also, die entsprechend Spaß & Unterhaltung versprechen, die entsprechende vernetzte Infrastruktur bereitstellen und die indoor wie outdoor smart über Smartphones und Tablets steuerbar sind.

Die Wachstumspotenziale 2021 nach Märkten.
Die Wachstumspotenziale 2021 nach Märkten.
(Bild: iSCM)

Dem folgend sind die Branchen, die das größte Wachstumspotenzial versprechen, das Bildungs- und Gesundheitswesen, wie auch die öffentliche Verwaltung. Branchen, die also weiterhin entsprechenden starken Nachholbedarf in puncto Digitalisierung besitzen. Ergänzt werden diese Branchen von der Tech-Industrie selbst wie auch dem technischen Dienstleistungssektor. Beides Sektoren, die für die Digitalisierung notwendige Produkte und Services bereitstellen. Alle weiteren Branchen zeigen überall dort Potenzial, wo punktuell in den Ausbau oder die Weiterentwicklung bestehender Digitalisierungslösungen investiert wird, um den gewandelten Kundenbedürfnissen des New Normal gerecht zu werden.

Die Wachstumspotenziale 2021 nach Branchen.
Die Wachstumspotenziale 2021 nach Branchen.
(Bild: iSCM)

Hohe Zufriedenheit mit Herstellern und Distribution

Folglich stellt sich die Frage, wie Hersteller und Distribution die disruptiven Herausforderungen des Jahres 2020 gemeistert haben. Ihre Zufriedenheitswerte haben sich während und nach dem Lockdown weiter auf hohem Niveau, entsprechend dem Durchschnitt des Vorjahres bewegt. Ein signifikanter Einbruch war über die vergangenen Monate nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil: das hohe Engagement, die gezeigte Flexibilität und der Einsatzwille der in der Tech-Branche tätigen Menschen wie auch die Robustheit, Effizienz und Resilienz der in den letzten Jahren installierten Kommunikations-, Kollaborations- und Logistikprozesse führten dazu, dass die eingangs geschilderte Sonderkonjunktur möglich wurde, dass Kunden wie gewohnt bedient werden konnten, dass Deutschland einen Quantensprung in Richtung Digitalisierung vollziehen konnte.

Die Zufriedenheitswerte der Hersteller und der Distribution.
Die Zufriedenheitswerte der Hersteller und der Distribution.
(Bild: iSCM)

Das analoge Bild ergibt sich auch bei der Analyse der Zufriedenheitswerte getrennt nach Distributor-Typen, das heißt Vollsortiments, Spezial und Telekom Distributoren: die Lockdown-Herausforderungen wurden zeitnah und erfolgreich gelöst, die Strukturen sind resilient.

Die Zufriedenheitswerte der Distributor-Typen.
Die Zufriedenheitswerte der Distributor-Typen.
(Bild: iSCM)

Mission accomplished

Mission accomplished – Auftrag erfolgreich erfüllt, gilt im Allgemeinen für alle Mitarbeiter, die bei Herstellern, Distribution und im Handel mit unermüdlichem Einsatz ihren Beitrag geleistet haben, und natürlich im Besonderen für die Top 100 Channel VIPs, die es in das IT-Business Yearbook 2020/2021 geschafft haben! Die Branche hat in der Krise Charakter gezeigt! Die Abkopplung der Tech-Industrie von der allgemeinen Konjunkturstimmung in Deutschland wie auch die hohen Zufriedenheitswerte für Hersteller und Distributoren bestätigen, dass die Tech-Branche entsprechend gut auf die unerwartet disruptiven Herausforderungen vorbereitet war und die sich neu bietenden Gelegenheiten auch zu nutzen wusste. Sie ist somit auch bestens für das New Normal, das sich mit einer Fokussierung auf „Digital“ einstellt, bestens gerüstet. „Digital“ wird für die gesamte Tech-Industrie über das aktuelle Jahrzehnt hinweg eine Vielzahl von neuen Geschäftsmöglichkeiten bieten. Nutzen wir sie gemeinsam!

Prof. Dr. Rudolf Aunkofer
Gründer & Direktor des iSCM Instituts

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