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Mainframe-Studie von Forrester und Compuware

Digitalisierung & Mainframe

| Redakteur: Wilfried Platten

Neuer Wein (Digitalisierung) in alten Schläuchen (Mainframe)?
Neuer Wein (Digitalisierung) in alten Schläuchen (Mainframe)? (Bild: WavebreakmediaMicro - stock.adobe.com)

Ausgerechnet „altes Blech“ soll die Digitalisierung vorantreiben. Aber um diese Aufgabe stemmen zu können, benötigt der Mainframe technische und personelle Blutauffrischung.

Es ist fast schon eine „never ending story“: Irgendwann habe ich aufgehört, die Totenglöcklein für, und die Nachrufe auf den Mainframe zu zählen. Fakt ist: trotz Cloud Computing ist er nach wie vor zentrales Element in vielen Rechenzentren und IT-Infrastrukturen großer, größerer und ganz großer Unternehmen. Oder gerade deswegen?

Wenn man einer Studie glauben will, die Forrester im Auftrag des auf die „Big Blocks“ spezialisierten Software-Anbieters Compuware durchgeführt hat, soll die Bedeutung sogar noch weiter steigen. Befragt wurden vor allem Firmen aus den Segmenten Technologie, Gesundheit, Versicherung, Finanzdienstleistung und Handel.

Theorie und Praxis

Aktuell laufen geschäftskritische Anwendungen weltweit bei 57 Prozent der Studien-Teilnehmer auf dem Mainframe, hierzulande sind es „nur“ 46 Prozent. Schon im nächsten Jahr sollen es jedoch bereits 68 Prozent sein (weltweit 64 Prozent). Damit würden deutsche Firmen zu den am stärksten wachsenden Abnehmern von Mainframe-Power zählen. Grund für den wachsenden Bedarf sind laut Forrester typische Workloads wie „moderne Analyseprozesse, Blockchain und mobile Prozesse“.

Manfred Lackner, Chef der Profi AG in Darmstadt kann das aus der Praxiserfahrung nicht bestätigen: „Unser Mainframe-Geschäft ist zwar gewachsen, das liegt aber eher an der aktuellen Phase des typischen Drei-Jahres-Rhythmus. Blockchain-Projekte sehen wir gar nicht, dafür aber sehr viel Potenzial in der Migration auf Z Linux.“ Das sind nicht die in der Studie gepriesenen Digitalisierungs-Aufgaben. Ähnlich sieht das Michael Gosch, Leiter der Concat-Geschäftsstelle in Hamburg: „Das Problem ist die teilweise uralte Software für Mainframe-Anwendungen, die bislang noch nicht auf standardisierte virtuelle Cloud-Infrastrukturen migriert wurde. Deren Verfügbarkeit ist durchaus mit dem Mainframe vergleichbar. Letzte Mainframe-Bastion ist die Sicherheit, aber das hängt einfach an dessen Exotik und ist kein Grund darin zu verharren.“ Die Ergebnisse der Auftragsstudie von Forrester liegen hier mit dem Praxisstimmen über Kreuz.

Markus Bauer, Senior Partner Enterprise Projects, Isys
Markus Bauer, Senior Partner Enterprise Projects, Isys (Bild: Isys)

Eine Erklärung für die divergierenden Befunde liefert Markus Bauer, Senior Partner bei Isys: „Es gibt tatsächlich eine wachsende Belastung auf dem Mainframe. Die Ursache dafür liegt in den neuen Online-Applikationen. Deren Taktfrequenzen und Workloads sind um ein Vielfaches höher als bei traditionellen Anwendungen. Nehmen Sie zum Beispiel das Online-Banking. Es ist halt ein großer Unterschied, ob Sie einmal im Monat einen Kontoausdruck ziehen, oder im Fünf-Minutentakt per App ihre Kontodaten aufs Smartphone bekommen.“

Experten verzweifelt gesucht

Fatalerweise sinkt parallel dazu die Zahl der aktiven Mainframe-Experten ständig. Ein Fünftel von ihnen ist laut Studie in den letzten fünf Jahren aus den verschiedensten Gründen ausgeschieden, gut zwei Drittel von ihnen (exakt 67 Prozent) ohne Nachfolger – macht summa summarum einen Nettoverlust von fast 15 Prozent des Personals. Wie dieser Aderlass zu kompensieren ist? Kaum, denn Nachwuchs ist nur schwer zu finden, wie Michael Gosch bedauert: „Spezialisten sind praktisch nicht zu bekommen. Ähnlich sieht es beim Thema AS 400 aus. Wir bedienen uns deshalb zwangsläufig externer Ressourcen. Und bei unseren Kunden ist die personelle Situation nicht besser.“ Auch aus Sicht von Manfred Lackner ist der sukzessive Abschied der „Baby-Boomer“ ein Problem: „Wir selbst lösen das für uns mit Werkstudenten in Kooperation mit Universitäten. Und auch bei unseren Kunden tickt die Uhr. Zwar hilft der Produktivitätsfortschritt durch die Modernisierungen im Betriebssystem Z OS. Aber insbesondere bei mittelgroßen Firmen geht der Bedarf in Richtung IT-Architekten, die häufig fehlen.“

Das Zauberwort heißt deshalb Automatisierung, nicht nur auf Betriebssystemebene. Sie soll den primär (vor-)ruhestandsbedingten „Brain-drain“ nicht nur abfedern: „Firmen müssen notwendige moderne Tools implementieren, um nicht nur die Qualität, sondern auch die Geschwindigkeit und Effizienz ihres Mainframes zu verbessern sowie junge Talente für das Arbeiten mit dieser Plattform begeistern“, so Compuware-CEO Chris O’Malley. Für ihn sind es vor allem drei Automatisierungs-Funktionalitäten, die helfen können, das grassierende Personalproblem abzufedern:

  • •Automated Unit Testing: Dadurch wird verhindert, dass mit den Experten auch das Knowhow das Unternehmen verlässt.
  • Build and Deploy Automation: Es soll das Erzeugen und Verteilen von Code für die Entwickler vereinfachen und dadurch deren Effizienz erhöhen.
  • Modernized Development Environment and Processes: Sie sollen die Entwicklung von Mainframe-Software an moderne Standards anpassen und so attraktiver für junge Entwickler machen.

Just for free

Das Analyse-Tool zAdviser bietet Compuware aktuell kostenlos an. Es nutzt maschinelles Lernen, um kontinuierlich die Mainframe-DevOps-Prozesse und Entwicklungsergebnisse zu messen. Auf Basis von KPIs erfasst zAdviser die Qualität der Anwendungen, die Geschwindigkeit der Entwicklung und die Effizienz des Entwicklungsteams.

Compuware-Chef Chris O´Malley
Compuware-Chef Chris O´Malley (Bild: Compuware)

zAdviser nutzt analytische Modelle, um Korrelationen zwischen Verhaltensweisen von Mainframe-Entwicklern und Mainframe DevOps KPIs zu erkennen. Diese bilden die besten verfügbaren Nachweise für die Auswirkungen von Entscheidungen bei Prozessen, Trainings und Tools auf die Ergebnisse des digitalen Business. In Kombination mit entsprechenden Empfehlungen sollen so die Mainframe-DevOps-Prozesse deutlich beschleunigt und verbessert werden.

Den Channel sieht O’Malley in diesem Kontext als wichtigen Mittler und Berater: „Er spielt eine zentrale Rolle, bei der Modernisierungsstrategie von Mainframe-Anwendern.“

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