Die Metapher von Alice, die über einen Hasenbau ins Wunderland gelangt, wird oft stark strapaziert. Doch bei Cloud Computing, wo Zugang zu immer neuen Technologien geboten wird, wie Blockchain-Services, Künstliche Intelligenz oder Quantencomputing, scheint sie durchaus angebracht zu sein.
KI und Cloud scheinen wie füreinander gemacht.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
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Der Hype-Zyklus, den die Marktforscher von Gartner eingeführt haben, beschreibt, wie sich die Aufmerksamkeit für eine Technologie im Laufe der Zeit entwickelt. Ausgehend von einem technologischen Impuls wie die Eisenbahn, das Internet oder die Blockchain, steigt die erregte Aufmerksamkeit zu Beginn auf den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“, fällt dann gleich ins „Tal der Enttäuschungen“, um sich dann über den „Pfad der Erleuchtung“ auf dem „Plateau der Produktivität“ einzupendeln.
Mannigfaltige Plattform-Dienste
Cloud Computing oder genauer gesagt „Cloud Platform Services“ sind so mannigfaltig, dass es nicht sinnvoll erscheint, die komplette Cloud auf diesem Hype-Zyklus zu verorten. Geht man nach den Marktforschern, ist beispielsweise iPaaS (Integration Platform as a Service), also ein Cloud-basiertes Softwaremodell zur Integration von Daten aus mehreren Anwendungen in eine einzige Lösung, längst auf dem „Plateau der Produktivität“, also dem schnöden Geschäftsalltag angekommen. Auf dem „Pfad der Erleuchtung“ könnte man das Schlagwort „Serverless“ verorten, also das App-Entwicklungsmodell, bei dem Anwendungen auf einer von Drittanbietern verwalteten Serverinfrastruktur erstellt werden. Gehyped werden derzeit Themen wie „Sovereign Cloud“ oder „Superapps“, also das Frontend einer Plattform für Mini-Apps – wobei es freilich eine subjektive Entscheidung ist, ob es schon ins Tal der Enttäuschungen abgerutscht.
Der Unterschied zur Eisenbahn
Das Thema „Eisenbahn“ ist im Hypecycle praktisch durch. Aber im Gegensatz dazu, brachte Cloud Computing bislang immer weitere Aspekte und Teiltechnologien hervor, die als technologischer Impuls wieder von vorne durchstarten, wie ein Hasenbau ins Wunderland. So bringt Cloud Computing seit vielen Jahren eine erstaunliche technologische Neuerung nach der anderen hervor. Derzeit erklimmen schon die Themen „Enhanced Blockchain as a Service“, „Distributed Cloud“ den Gipfel der überzogenen Erwartungen, während sich „Quantum Computing as a Service“ bereits als Innovationstrigger vorne neu einreiht.
Alltags-Business für die Cloud
Cloud Computing zentralisiert Daten an einem Ort, daher sind Hacker-Angriffe hier besonders erftragreich.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Im Lichte des Hypecycles ist Snowflake bereits im Cloud-Business abseits der Hypes angekommen. Deren Data Cloud schafft einheitliche Datenlösungen, indem Datensilos abgebaut und zusammengeführt werden. Artin Avanes, Head of Core Data Platform bei dem Unternehmen, geht darauf ein, welche aktuellen Trends den Cloud-Markt derzeit umtreiben: „Trendthemen wie Datensouveränität und Compliance beeinflussen den Cloud-Markt stark – insbesondere durch die strengen Anforderungen an die Datenresidenz in der EU.“ Wenn Unternehmen in regulierten Märkten weiter expandieren möchten, setzen sie demnach auf regionale Datenzentren. So lasse sich sicherstellen, dass keine Daten die Region verlassen. Auch streng regulierte Arbeitsabläufe werden laut Avanes zunehmend relevant. „Gerade im öffentlichen Sektor, etwa im Umfeld verschiedener Ministerien, hat die Einhaltung diverser Vorschriften höchste Priorität.“ In jedem Fall sei eine sichere Datenplattform für die Nutzung von KI-Technologien unerlässlich. So rücken durch das Boom-Thema „KI“ die Themen Datenresidenz und Compliance stärker in den Fokus.
Hype-Thema „Sovereign Cloud“
Cloud Computing und das Internet ermöglichen ortsunabhängiges Arbeiten.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Apropos Compliance: Aktuell werden souveräne Clouds gehyped. Diese vereinen in der Idealvorstellung Daten-, Software- und betriebliche Souveränität, sodass Unternehmen selbstbestimmt handeln können. „Die harte Wahrheit ist: Die Branche hat sich in dieser Hinsicht nicht wirklich weiterentwickelt“, sagt Shaun O'Meara, CTO von Mirantis. Das sei ein großes Problem, für das Open Source die einzige wirklich praktikable Lösung darstelle. Der ganz entscheidende Punkt beim Aufbau einer Sovereign Cloud ist laut dem CTO, dass man sicherstellen muss, dass man sich nicht an einen vertikal integrierten Stack eines Anbieters bindet, der auf Komponenten eines einzelnen Herstellers angewiesen ist.
Shaun O'Meara, CTO bei Mirantis
(Bild: Mirantis)
„Die Bereitstellung einer wirklich souveränen Cloud erfordert die Implementierung einer Abstraktionsschicht mit offenen Standards, basierend auf Open Source“, so O'Meara. Auf diese Weise habe man Kontrollpunkte für die Infrastruktur in der Hand und die Portabilität von Anwendungen wird unterstützt. Diese Abstraktionsschicht müsse auf einem gängigen Standard wie Kubernetes basieren.
Ein Gang im Hasenbau: „Web3“
Cloud-basierte KI unterstützt mehr und mehr humanoide IT-Administratoren in ihrem Tagesgeschäft.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Man kann Cloud Computing auch als natürliche Fortentwicklung des Internets betrachten. In der Hasenbau-Metapher führt ein besonders breiter Gang in Richtung „Web3“. Das ist ein Überbegriff für Technologien wie Blockchain, die den Besitz und die Kontrolle von Daten im Internet dezentralisieren und damit aus der Kontrolle zentraler und hackbarer Instanzen herausnehmen. Ein Beispiel dafür ist „Agdatahub“. Das ist eine Plattform, bei der Landwirte eine digitale Identität ihrer Betriebe auf der Blockchain erhalten, um den Datenaustausch in Bezug auf landwirtschaftliche Praktiken, Eigentumsverhältnisse, Umwelt- und technische Daten, zu authentifizieren und zu sichern.
Stand: 08.12.2025
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Neue Wege im Umgang mit Daten
Nassima Auvray, Chief Trust Officer, Orange Business
(Bild: Orange Business)
Über die Blockchain kann die Authentizität der Daten mit Landwirtschaftsbezug für Lieferkettenbelange, Steuererklärungen, Versicherungsfragen, Kaufverträge et cetera verwendet werden – eine Daten-Revolution im Stillen. Mitentwickelt hat hier Orange Business, die derlei Technologie nicht auf die Landwirtschaft begrenzt hält. „Wir sind aktiv an der Entwicklung von Datenspeichern in Bereichen wie Energie, Telekommunikation, Bildung, Medien und Landwirtschaft beteiligt, etwa mit Projekten wie Agdatahub“, so Nassima Auvray, Chief Trust Officer bei Orange Business. Die Managerin verweist darauf, dass Orange zusammen mit rund 20 anderen Unternehmen Gründungsmitglied bei Gaia-X ist. Man verfolge das Kredo: „Wir sind überzeugt, dass die Zusammenarbeit in Datenräumen eine einmalige Chance bietet, einen positiven wirtschaftlichen Einfluss in Europa zu erzielen.“
Gaia-X und weiter?
Andrea Wörrlein, Geschäftsführerin, VNC
(Bild: VNC)
Skeptischer in Bezug auf Gaia-X ist Andrea Wörrlein, Geschäftsführerin bei VNC, einem Hersteller für Open-Source-basierte Unternehmensanwendungen. Die Managerin stellt Fragen: „Wann haben wir das letzte Mal etwas Neues von Gaia-X gehört? Wo bitte ist Gaia-X eine echte, praktisch nutzbare Alternative? Welche konkrete Cloud-Lösung kann Gaia-X einem deutschen Mittelständler oder einer Behörde bieten?“ Seit der Ankündigung auf dem Digitalgipfel 2019 sind einige Jahre vergangen, blickt Wörrlein zurück. In dieser Zeit hätten US-amerikanische und chinesische Hyperscaler unglaubliche Plattform-Ökosysteme aufgebaut – und würden dies weiterhin „mit Vollgas“ vorantreiben. Die Praxisrelevanz von Gaia-X hingegen tendiere gegen null und der Rückstand werde täglich größer. Ihr ernüchterndes Fazit lautet: „Gaia-X wird vom Markt nicht angenommen, weil abgesehen vom Konzept des Sovereign Cloud Stack praktisch nichts da ist, was angenommen werden könnte.“ Dem zuletzt genannten SCS, der als Plattform-Layer von Gaia-X fungiert, könne man hingegen durchaus etwas abgewinnen: „Wir haben ihn getestet und unsere Software-Suite VNClagoon kann wunderbar über den SCS bereitgestellt werden. Prinzipiell ist er also ein sinnvoller PaaS-Stack für den Aufbau einer souveränen Cloud.“ Aber solange Gaia-X ein Mauerblümchen bleibe, fehle auch hier die Praxisrelevanz, so die Managerin.
Christian Schmitz, Director AI & Open Source bei Plusserver
(Bild: Plusserver)
Dank ChatGPT und Kollegen hat „KI aus der Cloud“ beziehungsweise „as-a-Service“ – denn nichts anderes ist das Prinzip dahinter – besondere Praxisrelevanz und ist in aller Munde. Der „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ scheint noch lange nicht in Sicht. Auch Christian Schmitz, Director AI & Open Source bei Plusserver, verortet KI ganz vorne bei den Trends, die den Cloud-Markt aktuell prägen. „KI-Dienste und -Modelle werden zunehmend als Cloud-Services angeboten, was Unternehmen den Zugang zu KI-Technologien erleichtert, ohne eigene Modelle entwickeln zu müssen“, so der Manager. Das beschleunige die Innovationsgeschwindigkeit und eröffnet neue Anwendungsmöglichkeiten. Auch Schmitz sieht daran gekoppelt das Thema „Souveränität der Daten“. Dieses gewinne dementsprechend an Bedeutung, „damit Unternehmen und die öffentliche Hand die Kontrolle über ihre Daten behalten, rechtliche und ethische Standards einhalten sowie strategische Vorteile erzielen.“
Im „Backoffice“ der Cloud
Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS Deutschland
(Bild: AWS)
Künstliche Intelligenz setzt aber auch sozusagen im Backoffice der Cloud neue Impulse. Darauf weist Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland, hin. „Nicht zuletzt findet KI auch Einzug in mehr und mehr Dienste der Cloud-Anbieter selbst, zum einen sichtbar für den Nutzer, der dadurch beispielsweise in natürlicher Sprache Anfragen an Cloud-Datenbanken stellen kann.“ Aber auch hinter den Kulissen finde KI Einzug, beispielsweise im Bereich der IT-Sicherheit, der Administration der Dienste, der Kapazitätsplanung.
Vielleicht liegt hierin auch das Geheimnis des Hasenbaus ins Wunderland namens Cloud Computing, oder besser gesagt das Erfolgsrezept: Cloud Computing vermag es neue Impulse technologieübergreifend zu transportieren. Das eine führt zum anderen, wird adaptiert, ausgeliefert, befruchtet das nächste Technologiefeld und führt damit wiederum zu etwas Neuem. Ein Gang führt zum nächsten und eine Technologie ist der Trigger für die nächste. Cloud Computing ist – wenn man so will – ein Vehikel für Innovationen.