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Die Multimedia-Fähigkeiten des Amiga waren Dreh- und Angelpunkt der glanzvollen Präsentation gewesen. Die Computerpresse lobte allenthalben das Grafikpotenzial des neuen Rechners. Mit einem Einstiegspreis von 1295 Dollar für das mit 256 KByte ausgestattete Modell (1595 Dollar, wenn man einen RGB-Farbmonitor dazukaufte) war das unter dem Namen Amiga 1000 vermarktete Gerät sogar relativ preisgünstig: Der Preis für den Apple Macintosh lag zu diesem Zeitpunkt bei knapp 2500 Dollar. Der Atari ST war zwar preiswerter und mit 512 KByte Hauptspeicher ausgestattet; seine Grafikfähigkeiten blieben jedoch ein Stück hinter dem Amiga zurück.
Dennoch gelang es Commodore auf dem amerikanischen Heimatmarkt nicht, aus diesen Vorteilen auch Kapital zu schlagen. Hauptaktionär Irving Gould, der nach Tramiels Rauswurf auch zum CEO des Unternehmens avancierte, war nicht in der Lage, eine stringente Marketingstrategie für den Amiga zu definieren.
Zudem hatte der Amiga mit Kinderkrankheiten zu kämpfen – insofern hatte Chefentwickler Jay Miner Recht behalten, der überzeugt war, dass das Gerät zu früh auf den Markt gekommen war. Die von MetaComCo entwickelte Variante der Programmiersprache BASIC namens ABasiC war nicht fehlerfrei, zudem machten die Anwender immer wieder Bekanntschaft mit der sogenannten „Guru Meditation“, der Absturzmeldung des Amiga
Ähnlich wie der sehr viel bekanntere Blue Screen of Death von Windows gab die Guru Meditation einen Fehlercode aus, der die Analyse des Problems erleichtern sollte, das zum Absturz geführt hatte. Spätere Modelle wiesen zwar eine weitaus stabilere Systemumgebung auf als der Ur-Amiga 1000, aber der Guru blieb bis zuletzt ein unwillkommener Begleiter vieler Fans.
Mit Thomas Rattigan, der 1986 den Chefsessel bei Commodore übernahm, begann schließlich die Blütezeit des Amiga. Rattigan veranlasste die Entwicklung zweier Modellvarianten. nämlich des Amiga 500, der sich an Heimanwender und Computerspieler richtete, und des Amiga 2000 für Anwender wie etwa Grafiker oder Spieleentwickler.
Während der 500er ein Tastaturcomputer nach dem Vorbild der klassischen Heimcomputer C 64 und Apple II war, erhielt der Amiga 2000 ein großes Gehäuse mit viel Platz für Erweiterungskarten. Somit positionierte sich der Amiga 500 als logischer Nachfolger des C 64, und mit dem Amiga 2000 wurden die professionellen User angesprochen.
Erfolg in Deutschland und UK, Flop in USA
Zumindest in den USA endete diese Blütezeit relativ abrupt. Hauptaktionär Irving Gould überwarf sich mit CEO Thomas Rattigan und warf ihn aus der Firma. Angeblich soll Gould darauf gedrängt haben, ein größeres Augenmerk auf IBM-kompatible Rechner zu legen, während Rattigan seine Aufgabe darin sah, das Produktportfolio des Konzerns zu verschlanken und das Potenzial des Amiga zu heben.
Während der Amiga ausgerechnet in seinem Heimatmarkt, den USA, eher eine Randerscheinung blieb, startete der Traumcomputer gerade in Deutschland und in Großbritannien richtig durch. Der Grund dafür lag darin, dass die Commodore-Niederlassungen in Deutschland und in UK sehr unabhängig vom Konzernhauptquartier agieren konnten.
Zudem waren IBM-kompatible Computer zu dieser Zeit in Europa noch zu teuer, als dass sie ernsthaft als Heimrechner in Frage kamen. Der Amiga 500 war für diese Rolle dagegen außerordentlich gut geeignet. In den späten achtziger Jahren war Commodore Trikotsponsor des FC Bayern München (genauer gesagt von 1984 bis 1989), eine Sonderausgabe des Bayern-Trikots aus dem Jahr 1988 trug sogar den Schriftzug „Kiss me, AMIGA.“
Je weniger Worte man über die letzten Jahre von Commodore bis zur Insolvenz im Jahr 1994 verliert, desto besser. Eine Reihe von Fehlentscheidungen der Commodore-Konzernzentrale, darunter der erfolglose Versuch, eine Spielkonsole auf Basis des Amiga zu lancieren, besiegelte das Ende des Unternehmens.
Bis zuletzt konnte der Amiga aber auf eine Reihe eingefleischter Fans zählen, die der Traum-Maschine der achtziger Jahre noch lange treu blieben. Das bisher letzte Update des Amiga-Betriebssystems – das allerdings nicht mehr auf der Original-Hardware lauffähig ist – erfolgte erst im Dezember 2014!
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