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Agnus, Denise, Paula
Als Hauptprozessor des Amiga fungierte wie beim Apple Macintosh – und dem im Frühjahr 1985 gestarteten Atari ST – ein Motorola 68000. Dem Hauptprozessor standen drei Custom-Chips zur Seite: Agnus, Denise und Paula. Agnus übernahm die Aufgabe eines Daten-Hubs, der den Datenverkehr zwischen Prozessor, dem Hauptspeicher und den Custom-Chips Denise und Paula regelte. In Agnus waren die Subsysteme Blitter für das schnelle Schreiben von Daten in den Speicher und Copper für die Synchronisation des Videosignals enthalten.
Hinter dem Namen Denise verbarg sich der Videochip, der im normalen Modus bis zu 640 mal 256 Pixel darstellen konnte. Im sogenannten Interlace-Modus ließ sich die vertikale Auflösung verdoppeln, was aber bei vielen Monitoren der damaligen Zeit zu einem störenden Flimmereffekt führte. Darüber hinaus konnte der Grafikchip für die damalige Zeit revolutionäre 4096 Farben anzeigen. Dies ermöglichte der sogenannte Hold-and-Modify-Modus, quasi eine in der Hardware implementierte Datenkompression.
Der letzte Custom-Chip mit dem Namen Paula war im Wesentlichen der Soundprozessor des Amiga, der vier parallele Acht-Bit-Soundkanäle aufwies. Zudem enthielt Paula den Disketten-Controller des Computers.
Hardwareseitig war der Amiga im Frühjahr 1985 relativ weit gediehen. Mit dem Betriebssystem sah es nicht so gut aus. Commodore wandte sich an die britische Firma MetaComCo, die ein Betriebssystem namens Tripos (Trivial Portable Operating System) für den Motorola 68000 besaß, das sich vergleichsweise leicht an die Amiga-Hardware anpassen ließ.
Tripos war in der Sprache BCPL entwickelt worden, und viele Betriebssystem-Routinen der frühen Amiga-Modelle waren in dieser Sprache verfasst. In späteren Betriebssystemversionen wurden diese Routinen in C neu geschrieben. Dadurch verbesserten sich sowohl die Geschwindigkeit als auch die Stabilität des Systems.
Auf dieser Grundlage entwickelte Robert J. Mical, der in der Amiga-Gemeinde heute noch einen Guru-artigen Status besitzt, die grafische Benutzeroberfläche namens Intuition. Im Gegensatz zum Apple Macintosh, bei dem Aktenordner als grafische Entsprechung von Verzeichnissen verwendet wurden, wurden Verzeichnisse beim Amiga als Schubladen dargestellt.
Außerdem beherrschte das Amiga-Betriebssystem als eines der ersten Systeme im Heimbereich präemptives Multitasking. Das war um so bedeutender, als der Ur-Amiga standardmäßig mit 256 Kilobyte ausgerüstet war. IBM-kompatible PCs kamen erst Jahre später mit OS/2 beziehungsweise Windows NT in den Genuss dieses Features. Zu diesem Zeitpunkt waren auch bereits Speichergrößen von mehreren Megabytes üblich. Allerdings verfügte das Amiga-System über keinen Speicherschutz, der verhindert, dass sich die zeitgleich abgearbeiteten Programme gegenseitig stören.
Die „Dancing Fools“
Allerdings tat sich nun ein neues Problem auf: Jack Tramiels Atari hatte bereits im Januar 1985 den in Rekordzeit entwickelten Atari ST vorgestellt. Um nicht zu sehr in Rückstand zu geraten, peilte Commodore eine Präsentation im Sommer an. RJ Mical und sein Hardware-Kollege Dale Luck arbeiteten deshalb in der Endphase rund um die Uhr. Um wach zu bleiben, ließen sie zu jeder Tages- und Nachtzeit laute Musik durch ihre Büros schallen. Als auch das nicht mehr half, tanzten sie im Takt der Musik wie Irrwische durch die Räume. Von ihren Kollegen bekamen sie deshalb den Namen „The Dancing Fools“ (Die tanzenden Narren) verliehen.
Die offizielle Präsentation des ersten Amiga fand am 23. Juli 1985 im Lincoln Center in New York statt. An der Gala-Veranstaltung nahmen nicht nur Vetreter der Computerbranche und der Presse teil, sondern auch Pop-Art-Künstler Andy Warhol und die Sängerin Debbie Harry von der Gruppe Blondie. Das sollte zeigen: Der Amiga richtete sich nicht nur an technikaffine User, sondern auch an Kreative und Künstler.
Jay Miner, der Vater des Amiga, kam nicht zu der Veranstaltung – er war in Kalifornien geblieben, weil er seinen Hund Mitchie nicht allein lassen wollte, der das Fliegen nicht vertrug. Zudem war Miner davon überzeugt, dass der Amiga noch nicht fertig war und zu früh auf den Markt geworfen wurde. Jay Miner und sein Hund Mitchie waren dennoch zumindest im Geiste dabei: Das Innere des Amiga-Gehäuses trug die Signaturen aller Mitglieder des Entwicklungsteams, und auch Mitchie hatte als Ehrenmitglied einen Pfotenabdruck hinterlassen.
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