Ein Traumcomputer wird 30 Die Amiga-Story

Redakteur: Franz Graser

Vor dreißig Jahren erblickte der Amiga 1000 von Commodore das Licht der Computer-Welt. Vor allem seine Grafik- und Multimediafähigkeiten ließen ihn schnell zur Traum-Maschine werden. Wir blicken auf die abenteuerliche Entstehungsgeschichte der mitunter recht kapriziösen „Freundin“ zurück.

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Der Ur-Amiga 1000 überzeugte vor allem durch seine Grafikfähigkeiten. Das Grafikprogramm „Deluxe Paint“ von Electronic Arts war eine der ersten Anwendungen, die das Potenzial des Rechners ausreizte und galt deshalb als Killerapplikation des Rechners.
Der Ur-Amiga 1000 überzeugte vor allem durch seine Grafikfähigkeiten. Das Grafikprogramm „Deluxe Paint“ von Electronic Arts war eine der ersten Anwendungen, die das Potenzial des Rechners ausreizte und galt deshalb als Killerapplikation des Rechners.
(Bild: Kaiiv/Wikimedia Commons/ CC BY-SA 3.0)

Eigentlich hätte der Amiga-Computer ja eine Spielkonsole werden sollen. Doch der Zusammenbruch des amerikanischen Videospielmarktes im Jahr 1983 verhinderte das. Als Jay Miner, der Chefingenieur der kalifornischen Firma Amiga, Inc. 1984 einen frühen Prototyp der Konsole auf der Consumer Electronics Show (CES) vorstellte, interessierte sich praktisch niemand dafür.

Jay Miner war ein Veteran des Konsolen-Pioniers Atari. Er hatte das Unternehmen aber Anfang der achziger Jahre verlassen, weil das Management nicht sehr an Neuentwicklungen interessiert war. Der 1932 geborene Miner erkannte das Potenzial des Motorola-Prozessors 68000 und seiner 16/32-Bit-Architektur. Die Atari-Manager wollten die Weiterentwicklung der Konsole aber auf den Acht-Bit-Chip 6502 von MOS Technologies beschränken.

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Miner schloss sich deshalb einer neu gegründeten Firma namens Hi-Toro an, die sich nach ein paar Monaten in „Amiga, Inc.“ (das aus dem Spanischen entlehnte Wort bedeutet „Freundin“) umbenannte. Viele Tech-Startups der siebziger und frühen achtziger Jahre bevorzugten Firmennamen, die mit dem Buchstaben A begannen. Die Logik dahinter: Man brauchte in den Telefonbüchern nicht lange zu blättern, um auf die Firma zu stoßen. Amiga vertrieb Joysticks, um sich finanziell über Wasser zu halten. Gleichzeitig war das Joystick-Geschäft eine ideale Tarnung, um vom eigentlichen Entwicklungsziel der Firma abzulenken.

Beinahe wäre die Geschichte von Amiga, Inc. aber eine sehr kurze gewesen. Die ursprünglichen Investoren hatten nach dem sogenannten „Video Game Crash“ das Interesse verloren, neue waren nicht aufzutreiben. Selbst der einstige Marktführer Atari geriet gefährlich ins Schlingern.

Jack Tramiels Gambit scheitert

Auftritt der Mann, der für die Fans des späteren Amiga-Computers zur Nemesis werden sollte: Jack Tramie. Er hatte den Heimcomputer-Pionier Commodore gegründet, musste sein Unternehmen aber wegen eines Zerwürfnisses mit dem Hauptaktionär Irving Gould verlassen. Tramiel, ein Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz, ließ sich dadurch aber nicht beirren und wollte zurück ins Geschäft.

Die Schieflage von Atari bot ihm dafür eine günstige Gelegenheit. Tramiel kaufte die Heimcomputer-Sparte von Atari. Einige der besten Ingenieure von Commodore, unter anderem Shiraz Shivji, der als einer der Väter des C 64 galt, folgten ihm. Tramiel, der stets nach dem Motto „Business is War“ handelte, hatte sich für seinen Rauswurf gerächt.

Commodore sah sich nun um seine besten Köpfe gebracht. Außerdem war ein Nachfolgemodell für den C 64 in weite Ferne gerückt. Denn der C 128 beruhte nach wie vor auf der Acht-Bit-Technik und war bestenfalls eine Zwischenlösung. Die Präsentation des Apple Macintosh Anfang 1984 hatte gezeigt, wohin die Reise ging – sowohl im Hinblick auf die Technik als auch auf das Bedienkonzept.

Auch Jack Tramiel sah sich nach einem Nachfolger für die Acht-Bit-Rechner von Atari um und fand in Amiga, Inc. einen möglichen Kandidaten. Amiga war in schweren Geldnöten. Tramiel fand sich deshalb bereit, dem in Not geratenen kalifornischen Startup mit einem Überbrückungskredit aus der Patsche zu helfen. Amiga, Inc. bekam eine halbe Million Dollar. Der Haken: Sollte Amiga die Summe nicht innerhalb eines Monats zurückzahlen können, würde die von Amiga entwickelte Technik Eigentum von Tramiels Atari.

So billig wollten sich die Kalifornier dann doch nicht verkaufen. Commodore sprang als „weißer Ritter“ ein, bestand aber darauf, dass der Amiga-Computer keine Spielkonsole, sondern ein Heimcomputer werden sollte. Mit dem Geld von Commodore konnte Amiga den Tramiel-Kredit zurückzahlen. Die Ostküstenfirma aus West Chester in Pennsylvania lizenzierte zunächst die Technik von Amiga, Inc. und kaufte die Firma später für 24 Millionen Dollar.

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