Horizonte 2021: Gigaset Das Ende des Tischtelefons

Autor: Ann-Marie Struck

Das Geschäft mit DECT-Telefonen ist seit Jahren rückläufig, aus diesem Grund versucht Gigaset seine Unternehmensstruktur neu auszurichten. Im Fokus steht dabei die Vernetzung: von smarter Kommunikation im Smartphone über Smart Home bis zum smarten Office.

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Die Evolution des Telefons: von schnurgebunden zu DECT. Jetzt kommt die smarte Kommunikation.
Die Evolution des Telefons: von schnurgebunden zu DECT. Jetzt kommt die smarte Kommunikation.
(Bild: Oleksandr Babich - stock.adobe.com_111940233)

Etymologisch setzt sich das Wort Telefon aus dem griechischen „tele“ für weit und „phone“ für Ton, Klang, Stimme zusammen. Wer den „Fernsprecher“ im 19. Jahrhundert genau erfunden hat, ist umstritten. Eines ist jedoch sicher: aus dieser technologischen Entwicklung entstand eine ganze Branche. Doch der Telefonie-Markt ist schon seit Jahren in einer Krise, wie Klaus Weßing, CEO bei Gigaset weiß: „Die Produktion von schnurgebundenen Telefonen haben wir bereits vor 20 Jahren eingestellt.“ Und auch die DECT-Telefonie ist in Summe seit 2015 rückläufig, auch wenn die Coronakrise das Geschäft nochmal deutlich ankurbelte. „Wir waren wegen Corona im DECT-Bereich plötzlich auf Plattform-Niveau vom letzten Jahr. Das haben wir nicht erwartet,“ erklärt Weßing. Jedoch kann sich der deutsche Hersteller darauf nicht ausruhen, auch wenn ihm eigenen Aussagen zufolge die „Konkurrenz allmählich wegstirbt“. Daher versucht Gigaset seit einiger Zeit, das rückläufige Kerngeschäft mit dem Ausbau neuer Geschäftsfelder zu kompensieren, der neue Schwerpunkt: smarte Kommunikation.

Der moderne Arbeitsplatz

Als ursprüngliche Marke der Siemens Home and Office Communication Devices, ist Gigaset seit jeher im Professionals Segment tätig. Demnach plant der Hersteller in den kommenden Jahren neben der DECT-Telefonie auch Produkte für den modernen Arbeitsplatz entwickeln. Um die Kommunikation im klassischen Office nun mit dem Arbeitsplatz zu Hause zusammenzubringen, hat Gigaset eine Partnerschaft mit Unify geschlossen. Im Rahmen dieser Vereinbarung soll einerseits Unify die nächste Endgeräte-Familie für Tischtelefone beziehen, die von Gigaset entwickelt werden. Andererseits hat Gigaset auch Lizenzen an den dafür notwendigen Softwarekomponenten und Schnittstellen erworben, die künftig auch im eigenen Portfolio eingesetzt werden können. Die ersten Produkte sind laut der Homepage für 2022 geplant.

Smartphones „Made in Bocholt“

Doch der Weg von Tischtelefonen hin zur mobilen Kommunikation geht bei Gigaset auch über das Smartphone-Business. Bei den Smartphones, die seit 2018 im Portfolio sind, setzt das Unternehmen mit seinem Fertigungswerk in Bocholt vor allem auf eine nachhaltige Produktion „Made in Germany“. „Das erste seiner Art“, wie im Gespräch betont wird, denn bisher gab es nur ein Handy von Siemens mit diesem Gütesiegel. „Als ehemalige Siemens-Tochter waren und sind wir Made in Germany bei allen unseren Produkten“, betont Weßing. „Da wo wir von Made in Germany sprechen ist auch Made in Bocholt drin.“

Darunter versteht der Hersteller in erster Linie die Produktion in Deutschland, Bocholt – wo seit 1941 Kommunikationsprodukte hergestellt werden. Dabei setzt Gigaset auf technische Innovationen sowie Langlebigkeit. Weshalb nicht nur die Produkte, sondern auch die Fertigung ständig weiterentwickelt werden. „In der Gigaset-Fabrik in Bocholt arbeiten Mensch und Maschine gemäß einer modernen Industrie 4.0-Fertigung zusammen“, erklärt Weßing. Zudem bezieht die CO2-freie Fabrik Ökostrom und versucht Wasser einzusparen.

Damit einher geht auch eine andere Logistik der Lieferketten sowie die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Laut Weßing liege das Nordrhein-Westfälische Bocholt auch im „Zentrum Europas“ und mit dem Schwerpunktmarkt Deutschland und Europa gibt es so kürzere Lieferwege. Natürlich müsse der Hersteller auch Komponenten aus China beziehen, jedoch sei es nachhaltiger nur eine zusammengepresste Platine zu verschicken als schon versandfertige Smartphones.

Und der Nachhaltigkeitsgedanke zeigt sich auch beim Produkt selbst, denn im Gegensatz zu manch einem Mitbewerber ist beispielsweise der Akku des Gigasets GS3 und GS4 austauschbar und der Hersteller bietet einen Reparatur-Service an. „Wir leben in einer Wegwerf-Gesellschaft“, postuliert Weßing. „Wir wollen hingegen reparieren, was geht.“ Außerdem besteht die Versandverpackung zu 99 Prozent aus Recyclingmaterial, da auf Altpapier aus Grasfasern gesetzt wird, das sogar kompostierbar sei. Zudem wird weitestgehend auf Plastikelemente verzichtet. „Und pro Verpackung pflanzen wir einen Baum“, ergänzt Weßing die Liste an umweltfreundlichen Maßnahmen.

Smart Home

Ein weiteres Geschäftsfeld, das ebenfalls von dem Nachhaltigkeits-Konzept profitiert, ist das Smart Home. Das mehr als 13 Komponenten umfassende System des Herstellers wird auch in Europa gehostet. „Cloud Made in Europe“, wie es Weßing beschreibt. Ein Sicherheitsaspekt, den viele Anwender begrüßen. Das Portfolio umfasst die Bereiche: Sicherheit, Komfort, Energiemanagement und Care. Des Weiteren plant Gigaset in den kommenden Jahren das Smart-Home-System zu vereinfachen, indem eine einheitliche Plattform für die unterschiedlichen Schnittstellen geschaffen wird. Demnach wird der Schwerpunkt Vernetzung den Hersteller noch länger begleiten, weshalb auch 5G- sowie WiFi-6-Geräte in Planung sind.

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