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IDC-Studie zu Industrial IoT in Deutschland Corona pusht Investitionen ins IIoT

Autor: Heidemarie Schuster

Die Covid-19-Pandemie und insbesondere der erste Lockdown, der in vielen Ländern weltweit stattgefunden hat, hat vor allem die güterintensiven und exportierenden Branchen schwer getroffen. Doch gerade wegen Corona planen viele Unternehmen in IIoT zu investieren.

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Im Gegensatz zum IoT stehen beim industriellen Internet der Dinge nicht die Verbraucher und Anwender im Mittelpunkt der Konzepte, sondern industrielle Prozesse und Abläufe. Ziele des IIoTs sind die Verbesserung der betrieblichen Effizienz, Kostensenkungen in der Produktion, schnellere Prozesse und die Realisierung neuer Geschäftsmodelle.
Im Gegensatz zum IoT stehen beim industriellen Internet der Dinge nicht die Verbraucher und Anwender im Mittelpunkt der Konzepte, sondern industrielle Prozesse und Abläufe. Ziele des IIoTs sind die Verbesserung der betrieblichen Effizienz, Kostensenkungen in der Produktion, schnellere Prozesse und die Realisierung neuer Geschäftsmodelle.
(Bild: © Mimi Potter – stock.adobe.com)

Wenn die Corona-Pandemie eines gezeigt hat, dann wie wichtig die Digitalisierung ist – in kleinen wie großen Unternehmen und branchenunabhängig. Eine IDC-Studie unter rund 250 industriellen und industrienahen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern, die Ende September zur Umsetzung von Industrial IoT (IIoT) befragt wurden, zeigt, dass fast 40 Prozent wegen Covid-19 ihre Investitionen in IIoT, also die Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen, Werkzeugen und Produkten zur Erzeugung von Daten beispielsweise für Automatisierung und Analysen, erhöhen. Lediglich 18 Prozent der Befragten planen sie zu senken.

Aktuell sehen viele Unternehmen zentrale Vorteile im IIoT zur Bewältigung kurzfristiger Herausforderungen: 53 Prozent wollen Prozesse optimieren und Kosten sparen, 47 Prozent erhoffen sich bessere und schnellere Entscheidungen aufgrund genauerer Daten. Insgesamt planen 59 Prozent der Befragten neue Projekte – auch um den neuen Herausforderungen von Covid-19 zu begegnen.

Und was sind die Vorteile von IIoT?

Ein wesentlicher Mehrwert von IIoT ist die intensive Vernetzung mit weiteren Datenquellen in der Produktion und anderen Abteilungen, zum Beispiel dem ERP oder dem CRM. 58 Prozent der befragten Unternehmen, die bereits IoT-Plattformen im Einsatz haben, haben diese für bessere Einblicke oder neue Services und Produkte bereits umfangreich oder in Pilotprojekten mit anderen IT-Systemen interner Abteilungen vernetzt.

„Großes Potenzial liegt aber auch darin, sich mit externen Partnern zu verbinden“, sagt Marco Becker, Senior Consultant und Projektleiter bei IDC. „Immer mehr Wertschöpfung wird digital und in Kooperationen mit anderen Unternehmen in Ökosystemen stattfinden – zunehmend auch zwischen komplett verschiedenen Branchen. Für die Schaffung neuer, gemeinsamer datenbasierter Geschäftsmodelle haben sich immerhin schon rund 39 Prozent der Nutzer von IoT-Plattformen umfassend oder in Pilotprojekten mit externen Innovationspartnern vernetzt.“

Edge Computing und 5G

Um Teil von Ökosystemen zu werden, müssen Anwenderunternehmen vor allem relevante Daten erzeugen, und in der Lage sein, diese über geeignete Lösungen und Schnittstellen mit Partnern teilen und kombinieren zu können.

Edge Computing ist dafür aus Sicht von IDC aktuell die vielversprechendste Technologie und die Befragten teilen diese Meinung, denn rund 42 Prozent der Befragten haben Edge Computing produktiv oder in Pilotprojekten im Einsatz, weitere 29 Prozent haben Pilotprojekte geplant. Es ermöglicht Unternehmen aller Branchen, relevante Daten nicht nur direkt an Endpunkten zu erfassen, sondern auch an diesen zu empfangen und zu verarbeiten. Beliebt sind beispielsweise Tracking und Monitoring zur Optimierung des Asset-Einsatzes unter den befragten Fertigungsunternehmen, die Kommunikation unter Fahrzeugen im Bereich Automotive oder der Einsatz von autonomen Robotern in der Prozessfertigung bei für Menschen gefährlichen Prozessschritten.

Für Ver- und Entsorger bietet Edge Computing mit Remote Monitoring und Maintenance ausgesprochen hohes Potenzial wegen der teilweise riesigen Gebiete mit schwer zugänglichen Standorten (wie Strom- oder Rohrnetze) und auch Unternehmen aus Transport, Verkehr und Logistik generieren durch Edge Computing mittels Asset- und Fleet-Management einen hohen Mehrwert bei der Fahrzeug-, Güter- und Routenorchestrierung.

5G verschafft IIoT und Edge Computing einen Schub

Obwohl 43 Prozent der Studienteilnehmer kabelgebundene Verbindungen für ihre IIoT-Projekte nutzen, ist 5G der Technologiebaustein, der IIoT und insbesondere die Weiterentwicklung von Edge Computing am stärksten fördert. Seine verschiedenen Anwendungsprofile ermöglichen neue Einsatzszenarien am Edge: Beispielsweise dezentrale und großflächige Anwendungen mit hohen Performance-Anforderungen wie das autonome Fahren oder kleinflächige Anwendungen mit extrem hoher Gerätezahl wie eine automatisierte Fabrik.

Insgesamt setzen momentan bereits 13 Prozent der befragten Unternehmen 5G in Projekten und Pilotprojekten ein, weitere 46 Prozent planen es. 5G kann zudem von Unternehmen lizenziert oder dank Standards wie 5G NR-U unlizenziert genutzt werden, um ein privates Campus-Netzwerk zu realisieren. Viele Unternehmen, darunter einige DAX-Konzerne, haben bereits die 5G-Frequenzen für ihre Standorte lizenziert und auch viele der Studienteilnehmer – insgesamt 66 Prozent derjenigen, die 5G einsetzen oder in der Planung sind – wollen ein privates 5G-Netz aufbauen.

IoT und AI werden zum AIoT

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen (AI/ML) sind momentan bei 49 Prozent der Befragten produktiv oder in Pilotprojekten im Einsatz. AI und ML profitiert von den Massen erzeugter Daten und leitet aus ihnen Maßnahmen und Vorhersagen ab. Für viele Anwendungsszenarien wird vor allem die Verschiebung der AI/ML-Algorithmen in die Endgeräte mithilfe von Edge Computing interessant – beispielsweise in Fahrzeuge oder Kameras und Computer-Vision-Systeme.

Rund 11 Prozent der Befragten planen in Zukunft ihre Betriebsdaten hauptsächlich direkt am Edge in AI/ML-Algorithmen zu verarbeiten. Das Internet of Things wird dadurch zum Artifical Internet of Things (AIoT), das die unternehmensweiten Entscheidungen im zentralen Rechenzentrum um dezentrale Entscheidungen in den Endgeräten ergänzt.

Neue IoT-basierte Geschäftsmodelle sind im Kommen

Das Potenzial, neue Technologien wie Edge Computing und AI/ML auch zur Schaffung neuer Geschäftsmodelle zu nutzen, wird häufig noch nicht genutzt. Obwohl die vorausschauende Wartung ein häufig genutzter IIoT-Anwendungsfall im eigenen Betrieb ist, haben nur rund 27 Prozent der Befragten darauf basierend einen Service für ihren eigenen Kunden umgesetzt oder sind dabei einen solchen umzusetzen.

Ähnliches gilt für die Monetarisierung der eigenen Daten, die nur 25 Prozent umgesetzt haben oder aktuell umsetzen, beispielsweise anonymisierte Nutzungsdaten der eigenen Produkte in der Fertigung oder Umgebungsdaten wie Luftwerte bei Logistikunternehmen. Auch Product-as-a-Service-Geschäftsmodelle, bei denen nicht das Produkt verkauft wird, sondern die Nutzung des Produkts, beispielsweise das Aushubvolumen eines Baggers statt des Baggers selbst, gibt es nur in 22 Prozent der befragten Unternehmen.

Positiv ist der Blick auf die Planungsabsichten: viele Befragte, im Schnitt 37 Prozent, setzen sich mit neuen Geschäftsmodellen auseinander und planen eine Umsetzung für die Zukunft. Dabei sollten Anwender aber nicht außer Acht lassen: Datenbasierte Geschäftsmodelle brauchen einiges an Vorlaufzeit, sowohl für die Bestimmung des Business Cases selbst, insbesondere aber auch für den Aufbau eines verlässlichen Datenstamms.

Fazit und Ausblick von IDC

Covid-19 bremst aktuell einige Unternehmen aus, für andere ist es hingegen der Moment, in denen sich ihre Investitionen in neue Technologie und vor allem auch in IIoT auszahlen. Wie die Studienergebnisse zeigen, ist die Krise für viele gleichzeitig ein Weckruf, längst notwendige Modernisierungen durchzuführen. Aber auch neue Technologien wie Edge Computing und AI/ML sollten nach IDC-Einschätzungen genutzt und eingesetzt werden, um langfristig einen Grundstein für neue Geschäftsmodelle und Services zu legen, die entweder selbstständig erbracht oder in Ökosysteme integriert werden können. Diese Ökosysteme zu entwickeln, entsprechende Partnerschaften aufzubauen und allgemein akzeptierte Standards zu bestimmen, sollte und wird eine der zentralen Aufgaben für industrielle und industrienahe Unternehmen in den kommenden Jahren in Deutschland sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Organisationen haben es in der Hand: Wer die technologischen Voraussetzungen am schnellsten bieten kann, wird auch zuerst attraktiv für innovative Partner und hat damit die meisten Chancen auf Innovationspotenziale.

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