Expansion in Europa Converge aus Kanada kauft Mainzer Bildungsspezialisten Rednet

Autor: Michael Hase

Der kanadische ITK-Dienstleister Converge übernimmt das Mainzer Systemhaus Rednet, das sich auf den öffentlichen Sektor spezialisiert hat. Für das nordamerikanische Unternehmen markiert die Akquisition den Auftakt zur Expansion in Europa.

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Der Dienstleister Converge aus Toronto nimmt den europäischen Markt in den Fokus.
Der Dienstleister Converge aus Toronto nimmt den europäischen Markt in den Fokus.
(Bild: Itan1409 - stock.adobe.com)

Viele Akteure treiben derzeit die Konsolidierung des Channels voran. Dazu zählen größere Systemhäuser, internationale Gruppen und Private-Equity-Gesellschaften. Jetzt kommt hierzulande ein weiterer Player hinzu: Der börsennotierte ITK-Dienstleister Converge aus Toronto hat am vergangenen Donnerstag das Systemhaus Rednet mit Sitz in Mainz übernommen. Das rheinland-pfälzische Unternehmen fokussiert sich auf den öffentlichen Sektor, wo es Behörden, Bildungseinrichtungen und Kliniken mit IT ausstattet. Für die Kanadier, die in den vergangenen vier Jahren rund 20 Reseller und Service Provider in Nordamerika gekauft haben, markiert die Akquisition den Auftakt zur Expansion in Europa.

Thomas Volk, zuletzt CEO bei Cancom, begleitet als Executive Chairman zusammen...
Thomas Volk, zuletzt CEO bei Cancom, begleitet als Executive Chairman zusammen...
(Bild: Converge)

Die Schwerpunkte von Converge Technology Solutions liegen auf IT-Infrastruktur, Advanced Analytics, Cybersecurity und Cloud Computing. Dabei unterhält das Unternehmen strategische Partnerschaften mit führenden Hardware- und Software-Anbietern wie Cisco, Dell, HPE, IBM / Red Hat und VMware ebenso wie mit den Hyperscalern AWS, Google Cloud und Microsoft. Zudem arbeitet es mit rund 80 weiteren Technologiepartnern von Arista bis Zscaler zusammen. Allerdings agiert der ITK-Spezialist nicht primär als Reseller, stellt Thomas Volk, Executive Chairman of the Board, klar. „Converge unterstützt Kunden mit Konzepten und Managed Services.“

Attraktives Portfolio

Bei Rednet sehen die Verantwortlichen in der Übernahme durch den Dienstleister einen Zugewinn an technologischer Kompetenz, wie Gründerin und Vorstand Barbara Weitzel betont. Mit Converge habe man „einen starken Partner an unserer Seite, mit dem wir gemeinsam die Erfolgsgeschichte von Rednet deutschlandweit fortschreiben“. Das Portfolio werde dadurch noch attraktiver. Neben dem Produktverkauf erbringt das 2004 gegründete Unternehmen ein breites Spektrum an Services. 2020 erzielten die Mainzer mit 130 Mitarbeitern einen Umsatz von 134 Millionen Euro.

Converge beschäftigt inzwischen rund 1.250 Mitarbeiter und kam 2020 auf einen Jahresumsatz von 949 Millionen kanadische Dollar (etwa 640 Millionen Euro). Zum Führungsteam des Dienstleisters gehören seit einigen Monaten zwei prominente deutsche Manager: Neben Volk, ehemals CEO bei Cancom und IDS Scheer sowie in internationalen Führungspostionen bei Dell und HP tätig, begleitet auch Doris Albiez den Newcomer beim Aufbau seines Europageschäfts. Die erfahrene Vertriebsfrau, ehemals Geschäftsführerin bei Dell, Channel-Chefin bei IBM sowie Sales- und Marketingverantwortliche bei Ingram Micro, steht als Director dem europäischen Advisory Board von Converge vor.

Ehrgeizige Wachstumspläne

Das Unternehmen, das 2016 gegründet wurde, unterhält bislang rund 50 Standorte in Kanada, den USA und Mexiko. Weitere Zukäufe diesseits des Atlantiks sollen der Rednet-Akquisition folgen. Dafür ist die Kasse gut gefüllt. Erst im Juni verschaffte sich Converge durch eine Kapitalerhöhung die Summe von 172,5 Millionen Dollar. Die Ziele sind ehrgeizig, das Tempo ist hoch: Bis 2025 planen die Kanadier drei bis fünf Akquisitionen pro Jahr. Der Umsatz soll sich bis dahin auf fünf Milliarden Dollar erhöhen.

Als Kunden betreut der Dienstleister vor allem Mittelständler, zu denen in Nordamerika auch Unternehmen mit 10.000 bis 15.000 Mitarbeitern gezählt werden. Converge versteht sich nicht als Gruppe relativ autarker Häuser, sondern als integrierte Organisation. Daher wurden die Backoffice-Funktionen der bisherigen Zukäufe zentralisiert und der Vertrieb, der inzwischen nach Regionen strukturiert ist, neu ausgerichtet. Die ursprünglichen Markennamen werden nach ein bis zwei Jahren abgelöst.

... mit Doris Albiez, der früheren Dell-Deutschlandchefin, die Expansion von Converge in Europa.
... mit Doris Albiez, der früheren Dell-Deutschlandchefin, die Expansion von Converge in Europa.
(Bild: Converge)

Nach Albiez' Überzeugung wird Rednet durch die Übernahme von dem breiten Portfolio des Käufers profitieren. „Converge bietet Produktlinien und Services an, die komplementär zu denen von Rednet sind und die dafür sorgen werden, dass der Education-Spezialist künftig stärker als bisher wachsen kann.“ Tatsächlich machen Vertrieb und Implementierung klassischer Client- und Server-Systeme (etwa von Apple, Dell, HP und Fujitsu) bei dem Systemhaus einen großen Teil des Geschäfts aus. Über Converge haben die Mainzer künftig Zugang zu Lösungskompetenz auf Feldern wie Analytics, Cloud und Security, deren Bedeutung auch im Bildungsmarkt wächst.

Ganzheitlicher Partner

Der nordamerikanische Dienstleister will in Europa nicht nur den öffentlichen, sondern auch den kommerziellen Sektor adressieren. Seine Mission sieht er darin, Kunden bei ihrer Digitalen Transformationen, die fast immer mit einer stärkeren Cloud-Nutzung einhergeht, zu unterstützen. „Beim Übergang in eine hybride Welt kommen bei den Unternehmen viele Themen auf, die sie mit der eigenen IT-Abteilung allein nicht umsetzen können“, erläutert Volk. Deshalb seien sie zunehmend auf Partner angewiesen, und zwar auf solche, die die IT über alle Disziplinen hinweg ganzheitlich abdecken und die neben der Konzeption und Implementierung von Lösungen auch Betriebsaufgaben übernehmen.

Kleineren Systemhäusern fehlen dazu aber die Ressourcen. Darin erkennt der Manager einen Grund dafür, warum viele Unternehmen im Channel von Mitbewerbern übernommen werden oder sich zu größeren Einheiten zusammenschließen. Dieser Trend wird sich nach seiner Einschätzung fortsetzten. Volk weist auf die Konsolidierung in Nordamerika hin, wo die Anzahl der Reseller über die vergangenen Jahre durch Mergers & Acquisitions massiv gesunken sei. „In Deutschland sehen wir jetzt die gleiche Entwicklung.“ Zudem rechnet der IT-Profi damit, dass im Zuge der Marktkonsolidierung noch mehr hiesige Systemhäuser dem Beispiel von Rednet folgen und sich internationalen Dienstleistern anschließen werden. „Dabei wird Converge sicherlich eine Rolle spielen.“

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