Die nackten Zahlen stehen auf Wachstum, bei der wie auch immer gearteten Cloud. Hört man sich in der Branche um, wird deutlich, dass Künstliche Intelligenz den Rechenzentrumshunger beschleunigt und die Cloud als Vehikel für KI von dieser Sonderkonjunktur besonders profitieren kann.
Datenflut, Rechenzentrums-Boom, KI-Datenhunger – Cloud-Dienste werden in steigendem Maße konsumiert.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Exponentielles Wachstum wird oft mit unaufhaltsamer Explosion verwechselt – wie bei der Schachbrett-Geschichte, bei der sich auf jedem Feld die Anzahl der Reiskörner verdoppelt und zum Schluss ganze Reis-Welternten rauskommen. Doch in der Realität gibt es Dämpfungsmechanismen, die Wachstum begrenzen und wie auch immer geartete Exponentialkurven abflachen lassen. Beim Cloud Computing zeigt sich dieser Effekt: Der Cloud-Hunger nimmt im Laufe der Zeit zu, wächst aber nicht in den Himmel. Nachfrage- und angebotsseitige Faktoren wie Infrastrukturkosten, Energieverbrauch und Regulierung bremsen das Tempo trotz des Trends zu einem sich beschleunigenden Wachstum.
Anhaltendes Wachstum
Aktuelle Daten aus dem Jahr 2024 bestätigen das anhaltende Wachstum im Cloud-Computing-Sektor. Laut Fortune Business Insights wurde die Größe des globalen Cloud-Computing-Marktes im Jahr 2023 auf 587,78 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2024 auf 676,29 Milliarden US-Dollar anwachsen. Prognosen zufolge könnte der Markt bis 2032 ein Volumen von 2.291,59 Milliarden US-Dollar erreichen, was einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 16,5 Prozent entspricht.
In Deutschland zeigt der Bitkom Cloud Monitor 2024, dass 81 Prozent der Unternehmen Cloud Computing nutzen, während 14 Prozent die Einführung planen oder diskutieren. Nur fünf Prozent der Unternehmen betrachten das Thema als irrelevant.
Investitionen in Infrastruktur
Elke Anderl, Chief Commerce Officer, T-Systems
(Bild: T-Systems)
Der Telekom-Konzern hat das Wachstum die vergangenen 20 Jahre mit Investitionen in die Cloud und ihre Infrastruktur begleitet und laut Elke Anderl, Chief Commerce Officer bei T-Systems, ist jetzt gerade die Blütezeit der Cloud – „auch angetrieben durch die Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz“. Wir haben die Expertise, die Infrastruktur und die Unternehmen. Mit Blick auf die Zukunft brauche es jetzt „unternehmerischen und politischen Mut, um Europas digitale Zukunft zu gestalten“. Bei der Telekom werden mehrere Themen zusammengebracht: „Mit Cloud, Edge und KI sichern wir kritische Infrastrukturen weltweit. Wenn wir nicht jetzt weiter massiv in Cloud- und KI-Technologien investieren, wird unsere digitale Abhängigkeit zementiert – und zwar für Jahrzehnte.“
Die Deutsche Telekom engagiert sich für die Schaffung einer souveränen europäischen Super-Cloud bei dem europaweiten Projekt 8ra (IPCEI-CIS).
Elke Anderl, Chief Commerce Officer bei T-Systems
Projekt 8ra (IPCEI-CIS)
Optimal wäre es, wenn Workloads und Daten problemlos von einer Cloud in die andere verschoben werden können.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Um den großen Hyperscalern im Markt etwas entgegenzusetzen, engagiert sich die Deutsche Telekom unter anderem beim europaweiten Projekt 8ra (IPCEI-CIS). Dabei werden jene Rechenzentren genutzt, die bereits in Europa vorhanden sind, und so miteinander vernetzt, dass als Ziel eine „Super-Cloud“ herauskommt. Laut Anderl sollen so die Stärken eines europaweiten Netzwerks mit den Vorteilen von BigTech vereint werden. Diese Cloud soll insbesondere im Bereich der digitalen Souveränität überzeugen.
Hintergrund
Künstliche Intelligenz treibt Cloud Computing vor sich her
KI treibt Cloud Computing voran, weil KI-Anwendungen enorme Rechenleistung und große Datenmengen benötigen. Die Cloud bietet die nötige Infrastruktur, um diese Ressourcen flexibel und kosteneffizient bereitzustellen. Unternehmen können so KI-Modelle trainieren und nutzen, ohne teure eigene Hardware zu betreiben. Gleichzeitig profitieren Cloud-Anbieter von der steigenden Nachfrage nach leistungsfähigen Servern und spezialisierten KI-Diensten. Dadurch entwickeln sich beide Technologien gemeinsam weiter.
Digitale Souveränität
Apropos Gegengewicht zu US-amerikanischen Hyperscalern: Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland, berichtet von der Investitionsstrategie des Amazon-Konzerns hierzulande, bei der klare Schwerpunkte im Cloud-Bereich gesetzt werden. „Ein bedeutendes Beispiel ist das Investment von 7,8 Milliarden Euro in die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg bis 2040 – damit unterstreichen wir unser Engagement für die digitale Souveränität Europas“, so der Manager. Hanisch betont, wie wichtig die Wahlfreiheit bei Cloud-Anbietern sei, nämlich ein entscheidendes Merkmal moderner IT-Infrastruktur. „Anders als bei traditionellen Technologieanbietern, die ihre Kunden durch langjährige Lizenzverträge binden, setzen moderne Cloud-Services wie AWS auf ein flexibles Nutzungsmodell“, sagt der AWS-Manager.
Serverless- und Cloud-native-Architekturen
Die Rechenzentren sprießen wie Pilze aus dem Boden.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
In den letzten Jahren habe sich hier einiges getan. So hätten Kunden vermehrt Serverless- oder Cloud-native-Architekturen eingesetzt, die leichter portabel sind. Auch der mittlerweile sehr häufige Einsatz von Infrastructure as Code (IaC) trägt laut Hanisch dazu bei, dass Infrastrukturen und Workloads leichter parallel auf mehreren Anbietern getestet oder bei einem Zwischenfall leicht auf einer anderen Cloud neu aufgebaut werden können. „Letztes Jahr ist mit dem Verzicht auf Datentransferkosten bei der Migration von AWS zu einem anderen Anbieter ein oft genanntes Hindernis gefallen“, spricht er die monetäre Komponente an.
Rechenzentrumskapazitäten werden ausgebaut
Tim Kartali, Head of Global Partner Sales, Ionos
(Bild: Ionos)
Die Beispiele an großen Playern mit Investitionsplänen machen deutlich: In Europa wird ein Rekordausbau der Rechenzentrumskapazitäten stattfinden. Tim Kartali, Head of Global Partner Sales bei Ionos, bestätigt, dass mehr Rechenzentrumskapazitäten allein schon deswegen nötig seien, um der Nachfrage nach KI und Cloud Computing gerecht zu werden. „Da durch neue KI-Anwendungen und die Nutzung von GPUs mehr Strom verbraucht wird, setzen wir bei Ionos auf die Entwicklung von umweltfreundlichen und energieeffizienten Lösungen“, so der Manager. Ionos forscht in diesem Zusammenhang an Methoden, um den Energieverbrauch in Rechenzentren zu reduzieren. Dabei gehe es einerseits darum, bestehende Infrastrukturen zu optimieren und andererseits darum, neuere Technologien wie Flüssigkühlung zu etablieren. Auch neue Serverkonzepte sollen den Stromverbrauch deutlich senken.
Stand: 08.12.2025
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Bei deutschen und europäischen Unternehmen nimmt das Interesse an sicheren und souveränen Cloud-Lösungen spürbar Fahrt auf.
Tim Kartali, Head of Global Partner Sales bei Ionos
Multi-Cloud- und Hybrid-Cloud-Modelle
Fachkräfte mit Knowhow in Sachen Cloud sind extrem gefragt.
(Bild: KI-generiert)
Thorsten Oevel, Regional Sales Director DACH beim Cloud-Marktplatz Pax8, schlägt in dieselbe (KI-)Kerbe: Unternehmen würden zunehmend KI-Technologien in ihre Cloud-Dienste integrieren, um Datenverarbeitung und Prozesse zu optimieren. „Dieser Trend fördert die digitale Transformation und ermöglicht effizientere Geschäftsprozesse“, so der Manager. Außerdem setzen die Unternehmen seiner Beobachtung nach vermehrt auf Multi-Cloud- und Hybrid-Cloud-Modelle, um Flexibilität, Skalierbarkeit und Kosteneffizienz zu maximieren. „So können verschiedene Cloud-Dienste kombiniert und die Vorteile öffentlicher und privater Clouds genutzt werden“, so Oevel. Zudem treibe den Markt das große Thema Sicherheit um: „Angesichts zunehmender Cyber-Bedrohungen und auch zahlreicher Regularien ist für Unternehmen das Thema Cloud-Sicherheit von großer Bedeutung, und das Augenmerk liegt auf robusten Sicherheitsmaßnahmen und Resilienz in den Cloud-Infrastrukturen“, sagt der Pax8-Manager.
Unsicherheiten bei der Datensicherheit
Andrea Wörrlein, Geschäftsführerin von VNC in Berlin, verortet die Impulsgeber für den Cloud-Hunger in erster Linie bei Faktoren wie Big Data, Künstlicher Intelligenz und der immer stärkeren Verlagerung von Prozessen in die Cloud. Die VNC-Chefin hat einen Trend hin zu dezentralen Strukturen mit kleineren, regionalen Rechenzentren erkannt. Stoßrichtung: weg von den Hyperscalern, hin zu regionalen oder lokalen Lösungen. Für diese Entwicklung sei eine ganze Reihe von Gründen verantwortlich: „An erster Stelle stehen da die Unsicherheiten bezüglich der Datensicherheit, die die Einhaltung von Security- und Compliance-Vorgaben für europäische Unternehmen erschweren.“
KI als Treiber für die Cloud
Die Geschäftsmodelle von Hyperscaler-Cloud-Riesen werden von regionalen Anbietern mit guten Angeboten angegriffen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Aber auch die Kosten würden eine große Rolle spielen sowie die Gefahr von Abhängigkeiten. Die Antwort auf diese Gesamtgemengelage sind ihrer Ansicht nach dezentrale Cloud-Anbieter in Europa. Künstliche Intelligenz gewinne in dem Zusammenhang laufend an Bedeutung. „Hier geht es nicht nur um die höhere Sicherheit, sondern auch um den wahren Wert von KI, denn die größten Innovationspotenziale liegen in Abfragen auf den eigenen Datenbestand.“ Auch daraus ergebe sich laut Wörrlein eine Abkehr von den großen Cloud-Anbietern: „KI-Modelle, Daten und Prompts sind in dezentralen Cloud-Netzwerken viel besser und sicherer aufgehoben.“ Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Und wenn sie es doch täten, wäre die Cloud schon da, um diese Metapher völlig zu überstrapazieren. Schließlich zeigt sich, dass neue Technologie-Trends wie Künstliche Intelligenz dem Cloud-Hype nichts wegnehmen. Im Gegenteil: KI sattelt auf und treibt den Trend noch weiter voran.
Kommentar
Ohne Cloud wird Gibberlink zum neuen Binär
Wenn Sie sich fragen, was das für ein Quatsch ist – Gibberlink als neues Binär – haben Sie auf mehreren Ebenen recht. Binär ist eine Codierungseigenschaft, die auf Einsen und Nullen hinausläuft und wird als Adjektiv klein geschrieben. Gibberlink ist ein Protokoll, das die Audio-Kommunikation zwischen Künstlichen Intelligenzen regelt. Wenn beispielsweise eine „Personal AI“ – in USA und China bereits weit verbreitet – Hotels anruft, um Locations mit bestimmten Eigenschaften für eine Hochzeit zu finden und dann bei einer Telefon-Chatbot-KI rauskommt, werden sich die beiden kurz unterhalten, feststellen, dass beide KIs sind und dann auf Gibberlink umschalten. Warum ist nun aber Gibberlink das neue Binär? Hier kommt Star Wars ins Spiel. Teil dieser epischen Weltraum-Geschichte sind piepende Droiden (Roboter), die nur die Sprache Binär sprechen – beispielsweise R2D2. Manche Menschen – wie Luke Skywalker – verstehen Binär, andere nicht. Der Bezug zur Realität: Gibberlink hört sich tatsächlich ziemlich ähnlich wie das fiktive Star-Wars-Binär an. Der Unterschied: In der Robotik ist Gibberlink nach Kenntnisstand des Autors noch nicht angekommen. Gibberlink kommt bislang nur aus der Cloud und nicht aus real existierenden Robotern. Das Tolle an Science Fiction ist aber, dass es einen erahnen lässt, wohin die Reise geht. Und ich rechne fest mit einer Generation an Optimus-Hilfsrobotern (auch bekannt als „Tesla Bot“) aus dem Hause Tesla, die Gibberlink sprechen werden. Optimus Bots funktionieren jetzt schon autark, auch ohne Cloud, mit einer lokalen KI. Nichts spricht dagegen, dass es Gibberlink in dem Zusammenhang dann auch ohne Cloud geben wird. Und nachdem es Hacker und Reverse Engineers gibt, die direkt in Hexadezimalcode programmieren können – warum sollte es nicht auch Ausnahmetalente geben, die Gibberlink direkt verstehen, ähnlich wie in Star Wars? Wie cool ist das denn!