Titelstory IBM Cancom, IBM und der Mainframe

Autor / Redakteur: Wilfried Platten / Sarah Nollau

Ende 2015 hat Cancom mit Xerabit einen Mainframe-Spezialisten zugekauft. Ex-Xerabit-Chef Bernhard Hopp über Zukunftsaussichten, Kundennöte und die Zusammenarbeit mit IBM.

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Bernhard Hopp, Vice President, Cancom
Bernhard Hopp, Vice President, Cancom
(Bild: Cancom)

ITB: Wie wichtig ist für Cancom das Mainframe-Geschäft?

Hopp: Durch die Übernahme der Xerabit hat Cancom seine Kompetenz bei Deep-Datacenter und Mainframe weiter ausgebaut. Unsere langjährigen Erfahrungen und das Knowhow einschließlich unserer unabhängigen Beratung, verbunden mit aktuellem Fachwissen, sind im Markt nicht so häufig anzutreffen.

Welche Kunden brauchen denn noch den Mainframe?

Es sind all die, die auf höchste Sicherheit und Verfügbarkeit genauso wenig verzichten können wie auf schnellen Wiederanlauf nach einem K-Fall. Dies muss betriebswirtschaftlich erfüllt werden, um am Ende nicht das Unternehmen zu gefährden. Sie finden im Markt kein vergleichbares System, das die RAS-Kriterien (Reliability, Availability and Serviceability) annähernd so erfüllt. Hier ist und bleibt der Mainframe einmalig. Zu unseren Kunden zählen Versicherungen, Banken, die Industrie und öffentliche Dienstleister.

Wie läuft üblicherweise die Zusammenarbeit mit IBM?

Wir müssen unsere Fachkompetenz in regelmäßigen Zertifizierungen unter Beweis stellen. Die Projekte selbst müssen über ein spezielles Tool bei IBM vorgestellt werden. Natürlich müssen zuvor Leistungsmessungen durchgeführt, aber auch die zukünftigen Anforderungen analysiert werden, um eine passende und flexible Ziel-Konfigurationen zu erstellen. Letztendlich wird uns ein fester Angebotsprozess als SBO (Special Bit Offering) über ein entsprechendes Preismodell von IBM genehmigt. Den jeweiligen Verkaufspreis schreibt IBM vor.

Passt der Mainframe überhaupt in hybride IT-Infrastrukturen – und wenn ja, wie?

Auf jeden Fall! Die IBM Z Plattform ist für Cloud und Hybrid Cloud bestens geeignet. Auch weil höchste Sicherheit, wie einhundertprozentige Verschlüsselung, Zuverlässigkeit und Vertrauen weiter rasant zunehmen werden. Unverschlüsselte Daten sind für Hacker eine ideale Voraussetzung, diese zu missbrauchen oder unlesbar zu machen. Oft stellt sich bei einem Vergleich aller IT-Kosten (TCO) heraus, dass der zentrale Multihost alles andere als ein Auslaufmodell ist.

Was sind denn typische Anwendungen und Workloads, die auf dem Mainframe gefahren werden?

Es handelt sich hauptsächlich um transaktionsorientierte Daten. Im Prinzip gehören auch alle personenbezogene Daten auf den Großrechner. Selbstverständlich können auf dem Mainframe auch unterschiedliche Plattformen wie z-Linux, aber auch Web- oder Mobile-Applikationen eingesetzt werden.

Wie lange wird es den Mainframe denn überhaupt noch geben?

Ich prophezeie dem Mainframe noch ein langes Leben. Denken wir nur einmal an die nächsten Power-Generationen. Eine z-Next wird vielleicht in zwei Jahren angekündigt und dabei nicht nur die bestehenden Leistungen und Möglichkeiten weiter beschleunigen, sondern auch weitere Co-Operationen von alten und neuen Anwendungen anbieten. Vergessen wir nicht das Thema Sicherheit, welches an Brisanz weiter zunehmen wird. Die Verschlüsselungskompetenz des Mainframes und seine Ausfallsicherheit machen ihn auf jeden Fall unverzichtbar.

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Über den Autor

 Wilfried Platten

Wilfried Platten

Chefredakteur, IT-BUSINESS