Angetestet: Asus Chromebook CX9 (CX9400) Business-Chromebook mit starker Hardware

Autor: Klaus Länger

Bei Chromebooks denken die meisten Menschen an günstige und schwache Mobilrechner für die Schule. Das trifft auf das Asus Chromebook CX9, das mit einem Tiger-Lake-Core-i7 ausgestattet ist, nicht so ganz zu. Was es zu bieten hat, zeigt der Hands-on-Test.

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Mit High-End-Chromebooks wie dem CX9 drängen Google und Asus in den lukrativen Firmenmarkt. Der Stift gehört nicht zum Lieferumfang des 14-Zöllers.
Mit High-End-Chromebooks wie dem CX9 drängen Google und Asus in den lukrativen Firmenmarkt. Der Stift gehört nicht zum Lieferumfang des 14-Zöllers.
(Bild: Asus)

Chromebooks waren zwar für Google in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte und auch dieses Jahr soll der Absatz um mehr als 30 Prozent steigen, aber das Wachstum kommt überwiegend aus den USA. In Deutschland sind die Mobilrechner mit Chrome OS eher eine Randerscheinung. Allerdings macht Google nun auch hierzulande massiv Werbung für Chromebooks und die Notebook-Hersteller bringen attraktive Geräte auf den Markt, die nichts mit Billiggeräten für den Einsatz in Schulen gemein haben. Denn die Chromebooks sollen in Privathaushalten und Firmen die etablierten Windows-Notebooks verdrängen, so jedenfalls der Plan im kalifornischen Mountain View.

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Tiger-Lake-Prozessor und 512-GB-SSD

Das Chromebook CX9 von Asus ist eines dieser leistungsstarken Mobilcomputer der neuesten Generation. Das 14-Zoll-Gerät mit Full-HD-Display wird von einem Intel i7-1165G7 mit vier Cores und integrierter Iris-Xe-Grafikeinheit angetrieben, der auf immerhin 16 GB LPDDR4X als Arbeitsspeicher zugreifen kann. Die Kapazität der M.2-NVMe-SSD ist mit 512 GB für ein Chromebook ebenfalls außerordentlich hoch. Allerdings ist Chrome OS inzwischen nicht nur dafür ausgelegt, Webapplikationen auszuführen und Daten in der Cloud zu speichern. Mittlerweile enthält das Betriebssystem ein Android-Subsystem und kann in einer virtuellen Maschine (VM) Linux-Applikationen ausführen. Dafür wird lokaler Speicherplatz benötigt, den das CX9 mit seiner großen SSD zur Verfügung stellt. Die hohe Leistung des Tiger-Lake-Prozessors sorgt auch dafür, dass nicht nur anspruchsvollere Webanwendungen und Android-Apps flüssig laufen, sondern auch Linux-Programme. Den Linux-Modus muss man allerdings erst in den Chrome-OS-Einstellungen aktivieren und wird dann von einem Terminalfenster begrüßt. Eine grafische Oberfläche für die Installation von Linux-Anwendungen gibt es nicht. Man muss mit der Kommandozeile vorlieb nehmen oder selbst ein GUI-Tool wie das Gnome Software Center oder den KDE App Store installieren. Allerdings sind der Zugriff aus der Linux-VM auf die Schnittstellen und die Grafikbeschleunigung eingeschränkt.

Touchscreen mit optionalem Stift

Mit einem Gewicht von 1,35 kg ist das Chromebook CX9 für einen 14-Zöller leicht, hinterlässt mit seinem Aluminiumgehäuse aber einen stabilen Eindruck. Praktisch: Das Scharnier des Displays hebt beim Aufklappen das Chassis an seiner Hinterseite etwas an und stellt damit das sehr gute Keyboard etwas schräg. Das ist ergonomisch beim Tippen und verbessert die Wärmeabfuhr des Geräts. Eine weitere pfiffige Besonderheit ist das im großen Touchpad einblendbare Ziffernfeld. In der Handballenablage ist zudem ein Fingerabdruckleser für die Anmeldung aus dem Ruhemodus eingelassen. Das helle aber spiegelnde Full-HD-Display mit 100 Prozent sRGB-Abdeckung erkennt Touch-Eingaben, was vor allem für die Nutzung vieler Android-Apps ein großer Vorteil ist. Denn für Smartphones ausgelegte Apps und Spiele können nicht unbedingt mit Touchpad und Keyboard bedient werden. Sie werden auf dem Display des Chromebook allerdings auch nur mit breiten schwarzen Balken links und rechts angezeigt. Der um 180 Grad aufklappbare Bildschirm unterstützt prinzipiell auch Eingaben mit aktiven Stiften, die dem USI-Standard folgen (Universal Sylus Initiative). Allerdings wird kein Stift mitgeliefert.

Das Display selbst ist in einen schmalen Rahmen gefasst, der über dem Panel einer Webcam mit Privacy-Shutter Platz bietet. Die von zwei Mikrofonen flankierte HD-Kamera liefert eine passable Qualität. Die Lautsprecher klingen allerdings trotz Harman-Kardon-Unterstützung etwas blechern.

Bei den Schnittstellen ist Asus großzügig. Neben zwei Thunderbolt-4-Ports im USB-C-Format, einer davon wird durch das Netzteil belegt, gibt es noch einen HDMI-Ausgang und eine USB-A-Buchse sowie einen Micro-SD-Einschub. Für den WLAN-Zugriff ist, wie bei den meisten Tiger-Lake-Geräten, ein Wi-Fi-6-Controller mit Bluetooth 5.0 zuständig, der auch für eine Verbindung mit einem Android-Smartphone sorgt. Mit ihr kann man ein Chromebook mit dem Mobiltelefon automatisch entsperren und von Chrome OS aus auf SMS zugreifen. Die Laufzeit des 50-Wh-Akkus reicht, abhängig von den genutzten Anwendungen, locker für einen Arbeitstag.

Schnelles und vielseitiges Chromebook

Mit dem Chromebook CX9 hat Asus das derzeit wohl schnellste Chromebook an den Start gebracht. Mit seinem Tiger-Lake-Core-i7 schafft es Webanwendungen und Android-Apps mit links und ist für die Nutzung der Linux-VM sehr gut gerüstet. Praktisch für die Android-Nutzung ist die Touch-Funktion des farbstarken Full-HD-Displays. Keyboard und Touchpad sind sehr angenehm beim Arbeiten. Auch die Ausstattung mit 16 GB RAM, großer SSD und Thunderbolt 4 hebt das CX9 aus der Masse der Chromebooks heraus. Das trifft allerdings auch auf den Preis zu: Das Asus-Gerät kostet knapp 1.500 Euro.

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Arbeiten mit Chrome OS

Native Chrome-OS-Applikationen, abgesehen von Betriebssystemkomponenten wie dem Dateimanager und einigen Konfigurationsprogrammen, gibt es eigentlich gar nicht. Man arbeitet primär mit Webapplikationen, die auch bei anderen Betriebssystemen in Chrome-basierten Webbrowsern zur Verfügung stehen oder mit Android-Apps, die über Google Play lokal installiert werden. Für die Nutzung installierter Webanwendungen muss ein Chromebook nicht online sein. Sie funktionieren im Offline-Modus und auch die bearbeiteten Dateien werden auf dem Gerät gepuffert, bis wieder ein Cloudzugriff möglich ist. Primär wird dafür Google Drive verwendet, andere Cloudspeicher wie Onedrive oder Dropbox lassen sich per Webapplikation oder Android-App nutzen. Der Zugriff auf USB-Datenträger und SMB-Shares ist direkt möglich. Die Unterstützung von Peripheriegeräten wie Druckern, Mäusen und Keyboards ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden, immer mehr Hersteller stellen Chrome-OS-Treiber zur Verfügung.

Wer hauptsächlich mit Microsoft Office arbeitet, der kann das auch auf dem Chromebook per Webanwendung machen, allerdings mit etwas reduziertem Funktionsumfang. Die Unterstützung der Office-Apps für Android auf Chromebooks hat Microsoft kürzlich abgekündigt. Für Windows-Anwendungen gibt es auf Chromebooks keine VM-Lösung. Hier bleiben nur der Fernzugriff via Remote-Desktop oder das Experiment mit Linux und Wine.

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