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Roundtable anlässlich des virtuellen FIT-Kongresses Bruch mit Routinen – Raum für Veränderung

Autor: Sylvia Lösel

Eine neue Art miteinander zu arbeiten, zu kommunizieren und Geschäfte zu machen. Die Corona-bedingten Veränderungen im Arbeitsleben haben Raum geschaffen, Neues zu entdecken. Darüber waren sich die Teilnehmer des virtuellen FIT-Roundtable einig.

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Auf dem Weg zu neuen Ufern – Erkenntnisse und Learnings der vergangenen Monate teilten die Teilnehmerinnen des FIT-Roundtables miteinander.
Auf dem Weg zu neuen Ufern – Erkenntnisse und Learnings der vergangenen Monate teilten die Teilnehmerinnen des FIT-Roundtables miteinander.
(Bild: © Romolo Tavani - stock.adobe.com)

Neue Perspektiven, mehr Vertrauen, viel gelernt: das sind drei wichtige Erkenntnisse, die man aus den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen der vergangenen Monate ziehen kann. Diesen Blickwinkel nimmt nicht nur Zukunftsforscher Mathias Horx ein, wenn er in seiner Corona-Rückwärts-Prognose schreibt: „Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen... Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und die Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.“

(Bild: Vogel IT-Akademie)

An diesem Blickwinkel haben sich auch die Teilnehmerinnen des FIT-Roundtables orientiert, der ganz unter dem Zeichen stand, Erkenntnisse miteinander zu teilen und einen Vorgeschmack auf die virtuelle WIN-Award-Verleihung am 26.11. 2020 bieten soll.

Susann Herrmann, Managing Director Bosch Connected Industry, ist wichtig, „dass wir uns ein wenig zurückbesinnen. Es geht nicht immer nur um mehr, schneller, weiter. Sondern auch darum, sich klar zu machen, was man erreicht hat und damit ein Stück zufriedener zu werden. Darum, sich auf das zu besinnen, was jedem Einzelnen wichtig ist und wo er weiter wachsen möchte.“

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Wichtige Erkenntnisse

Mehr Kontakt und Nähe in der virtuellen Welt schaffen, stand für Birgit Schreiber, Leitung Channel Development bei Fujitsu, in den vergangenen Monaten im Mittelpunkt. Denn nur dann schaffe man es, erfolgreichen Vertrieb zu machen, ohne vor Ort zu sein. „Wir haben auch Althergebrachtes über den Zaun geworfen und sind neue Dinge angegangen. Es gibt unzählige tolle Ansätze, und wir haben gemerkt, dass es viele kreative Kollegen gibt.“

In puncto Kreativität gibt Dr. Leila Meckacher allerdings auch zu Bedenken, dass es leider keinen kreativen Austausch in der Kaffeeküche mehr gab, und auch für den Lehrbetrieb stelle sie fest: „Die Stimmung ist live einfach eine andere. Wenn ich nur virtuell unterrichte, sitze ich vor einem Bildschirm und sehe niemanden. Ich habe also keine Rückmeldung. Das ist schon belastend.“

Positive Aspekte

Daniela Stolz, Regional Marketing Director DACH, Sophos, sieht viele positive Aspekte, gerade, wenn es um die virtuelle Zusammenarbeit mit den Kollegen geht: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir wieder für fünf Tage ins Büro zurückkehren. Auch für mich war das Vertrauen in die Kollegen etwas, das ich gelernt habe. Denn das Arbeiten ist wahnsinnig produktiv, und es läuft sehr gut, vielleicht sogar besser. Denn man ist flexibler und hat die Fahrzeiten nicht.“ Bei allen positiven Erkenntnissen sind es aber die kleinen Nuancen, die in einem virtuellen Gespräch verlorengehen. „Wir müssen unbedingt wieder zurück in eine Welt, in der reale Treffen möglich sind. Bis dahin haben wir tolle Tools, die uns unterstützen, aber ich wünsche uns allen sehr, dass das eine befristete Zeit ist.“

Ähnlich sieht das auch Andreas Richter, Head of Marketing and Communications Europe, Logicalis: „Die Nuancen gehen über Video flöten. Bei Bestandskunden geht das schon mal, bei Neukunden ist es allerdings deutlich schwieriger. Wir befinden uns ja in einem Verdrängungsmarkt. Sich da über Video zu positionieren, ist schon eine Herausforderung. Erstaunlich ist die Flexibilisierung, die stattgefunden hat. Manches, das vorher unmöglich erschien, geht jetzt. Entscheidungen wurden schneller herbeigeführt. Diese Agilität kommt uns auch in Zukunft zugute. Aber wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die digitale Nähe finden, wenn die physische nicht möglich ist.“

Schub bei der Digitalisierung

Die Motivation, schnell Lösungen zu finden, findet Sabine Dietrich, Beraterin und Coach, bemerkenswert. „Viele Mittelständler steckten so sehr in ihrem Tagesgeschäft, dass sie nicht auf diese Umstellung vorbereitet waren. Aber sie haben ad hoc Lösungen gefunden, und die haben funktioniert. Ich wünsche mir, dass es künftig eine Balance geben wird zwischen Homeoffice und Präsenz.“

Viktoria Wachter, die am Roundtable für das Bayrische Staatsministerium für Digitales teilnimmt, ergänzt: „Corona hat bei aller Tragik auch einen enormen Schub bei der Digitalisierung ausgelöst. Es sind viele Ideen entstanden, die wir auch künftig nicht wieder verlieren dürfen, auf denen wir aufbauen müssen. Unser Ziel ist, dass wir Behördengänge künftig vollständig online absolvieren können und uns hin zum digitalen Service-Staat entwickeln.“

Viel mehr Disziplin

Ohnehin scheint dieses „einfach machen“ für viele funktioniert zu haben. So beschreibt auch Haike Thurau, D&I Manager bei Computacenter: „Wir hatten uns lange überlegt, wie wir am besten Teams einführen. Und jetzt haben wir es einfach gemacht. Und genauso war das bei unseren Kunden. Wir haben viele auf dem Weg ins Homeoffice begleitet.“

Simone Krüger, Head of IM B2B Marketing bei Samsung, findet einen weiteren positiven Aspekt. „Wie oft haben wir bei Präsenzmeetings auf Leute gewartet? Nun sind diese in Videocalls hoch pünktlich. Es herrscht viel mehr Disziplin. Das ist unglaublich, und gefühlt geht alles ein wenig schneller, weil Abstimmungstermine besser eingehalten werden.“ Stolz ergänzt dies: „Die Erreichbarkeitsquote ist der Wahnsinn. Das ist eine positive Seite.“ Und Herrmann springt auf einen ähnlichen Zug auf: „In großen Unternehmen ist ja oft entscheidend zu wissen, wer was zu welchem Zeitpunkt weiß und macht. Das ist nun dank Collaboration-Tools viel strukturierter und erspart viele Abstimmungsschleifen. Ich wünsche mir, dass das bleibt.“

IT wird für Frauen attraktiver

Da Digitalisierung und IT in aller Munde sind, wird offenbar dieses Berufsfeld auch für Frauen attraktiver, freut sich Meckacher. „Der IT-Bereich ist relevant und das motiviert Frauen, sich mehr in Richtung MINT und Informatik zu orientieren.“ Diesen Trend bestätigt Thurau. „Wir hatten dieses Jahr unglaublich viele Bewerberinnen für unsere Traineeprogramme. Gefragt, warum sie sich denn für einen Job in der IT bewerben, war oft die Antwort, dass dieser Branche die Zukunft gehört. Und viele haben auch festgestellt, dass es hier viele coole Jobs gibt. Das Thema Digitalisierung ist ein super Treiber.“

(ID:46951096)

Über den Autor

 Sylvia Lösel

Sylvia Lösel

Chefredakteurin