Trends in der IT-Storage-Branche Aufschwung mit KI, Security und Green-IT

Von Klaus Länger 6 min Lesedauer

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Der KI-Boom soll auch den Storage-Anbietern steigende Absatzzahlen bescheren. Weitere Themen für die Branche sind der Schutz gegen digitale Angriffe, VMware, Container sowie das Streben nach mehr Nachhaltigkeit.

KI-Systeme benötigen viel und schnellen Storage. Das bringt den Storage-Herstellern und dem IT-Channel zusätzliche Nachfrage für entsprechende Systeme.(Bild:  Production Perig - stock.adobe.com)
KI-Systeme benötigen viel und schnellen Storage. Das bringt den Storage-Herstellern und dem IT-Channel zusätzliche Nachfrage für entsprechende Systeme.
(Bild: Production Perig - stock.adobe.com)

Um 2,1 Prozent ist 2023 der weltweite Markt für externe Enterprise-Storage-Systeme geschrumpft, so die Marktforscher von IDC in einer im März 2024 veröffentlichen Meldung. Allerdings erwarten die IDC-Auguren, dass es schon dieses Jahr wieder aufwärts gehen soll. Für die kommenden fünf Jahre sagen sie ein durchschnittliches Wachstum von 4,3 Prozent voraus. Als Treiber für diese Entwicklung nennen die Analysten die steigende Nachfrage nach Storage-Systemen für KI-Anwendungen. Nachdem in den vergangenen Jahren viel Geld in KI-Server geflossen ist und teilweise auch umgeschichtet wurde, realisieren laut IDC vor ­allem große Unternehmen, dass sie ihr Daten­management und die Storage-Infrastruktur ausbauen müssen, damit ihre KI-Workloads optimal laufen. Die Annahmen von IDC werden gestützt durch die höhere Nachfrage nach Storage-Medien wie Enterprise-SSDs und HDDs mit hoher Kapazität, die bereits zu steigenden Preisen bei den Herstellern führen. Das auf Taiwan beheimatete Marktforschungsunternehmen Trendforce zitiert einen Brief von Western Digital an US-amerikanische Partner, in dem, bedingt durch eine starke Nachfrage und Probleme in der Lieferkette, höhere Preise angekündigt werden.

Storage-Wachstum durch KI-Boom

Das rapide Datenwachstum geht ungebremst weiter, da sind sich alle Marktforscher einig. Und die Künstliche Intelligenz hat einen großen Anteil ­daran. Denn die großen KI-Modelle haben einen enormen Bedarf an Trainingsdaten aller Art, der mit der Erstellung von Videos mittels GenAI noch steigen wird. Alle großen Cloud-Anbieter haben große Rechenzentren mit Unmengen an Servern mit KI-Beschleunigern im Bau oder in Planung. Und die wollen alle möglichst schnell mit Daten gefüttert werden. Daher kommen hochperformante Storage-Systeme mit SSDs zum Einsatz, die fähig sind, Daten mit sehr hoher Bandbreite zu liefern. Schließlich verfügen etwa die Blackwell-B200- und -B100-Tensor-Core-GPUs von ­Nvidia über 192 GB superschnellen HMBe3 – und in einem Server arbeiten acht dieser GPUs. Daher kooperieren Firmen wie NetApp und Pure Storage eng mit dem GPU-Hersteller und bieten mit schnellen SSDs ausgestattete Storage-Systeme für dessen DGX-Server an. „KI wird zum Dauerbrenner“, erklärt dazu die Pure-Storage-Deutschland-Chefin Elke Steinegger. Auf der Pure Accelerate im Juni kündigte ihre Firma mit Evergreen One for AI das erste Storage-as-a-Service-Angebot speziell für KI an. Es soll alle KI-Workloads wie das Training und das Feintuning von Modellen, das Inferencing und Retrieval-Augmented Generation (RAG) mit einer einheitlichen Plattform abdecken, um so zuvor fragmentierte Datensilos zu vereinen.

Aber natürlich haben auch Hersteller wie Dell, HPE, Fujitsu oder NetApp passende Speicherlösungen für GPU-Server im Portfolio. Da bei vielen KI-Workloads die hybride Cloud als ­Basis dient, bieten sich natürlich auch entsprechende Storage-Lösungen an. Hier hat etwa Dell die Software-definierte Cloud-Lösung Apex File Storage for Microsoft Azure auf Basis von PowerScale OneFS entwickelt. Mit den All-Flash-Arrays PowerScale F210 und F710, die ebenfalls unter PowerScale OneFS laufen, bietet der Hersteller neue Systeme an, die anspruchsvolle File-Workloads für das Training und Tuning von KI-Modellen im lokalen Datacenter oder bei Service-Providern bewältigen sollen. NetApp hat mit den Systemen der AFF-A-Serie das Portfolio an hochperformanten All-Flash-Systemen weiter ausgebaut, die auch in KI-Lösungen verwendet werden. Sie kommen beispielsweise in AIPod-Systemen mit Nvidias DGX-H100-KI-Servern zum Einsatz oder im Zusammenspiel mit Lenovo-Servern als konvergente Lösung für Nvidia OVX.

KI für Resilienz und Administration

Neben Storage für KI gibt es auch KI für Storage. Sie soll das Management und den Schutz der ­Daten vereinfachen. Cohesity hat mit Gaia einen Suchassistenten vorgestellt, um mit generativer KI Backup-Daten in Cohesity-Umgebungen durchsuchbar zu machen. IBM und NetApp nutzen die Künstliche Intelligenz um Anomalien bei Zugriffen auf den Speicher schneller zu erkennen und so etwa Ransomware-Angriffe zu unterbinden, noch bevor große Datenmengen korrumpiert werden. Das begrenzt den Schaden und beschleunigt die Wiederherstellung. Bei NetApp nennt sich das „Autonomous Ransomware Protection with Artificial Intelligence“ (ARP/AI). Mit Hilfe der Modelle untersucht die Software Signale auf Dateiebene in Echtzeit und soll so auch bisher unbekannte Ransomware-Angriffe mit einer Erkennungsrate von über 99 Prozent identifizieren. ARP/AI soll in Kürze als Technologievorschau verfügbar sein. Bei IBM erhalten die Flash-System-Produkte ein Update, mit dem eine interne Erkennungs­software und eine Cloud-basierte KI gemeinsam Anoma­lien in weniger als einer Minute erkennen sollen. Mit einer Anomalie-Erkennung wartet auch das neuste Pferd im Fujitsu-Storage-Stall auf, das ­ seit Ende Juni verfügbare Eternus NU200. Das Hybrid-System mit 12 TB bis zu 3,5 PB Kapazität und ­Active-Active-Controller verfügt zudem über ein optimiertes Datenmanagement mit Storage-Pools und Erasure Coding sowie vor allem Unified ­Storage. Da das Eternus NU200 neben File- und Block- auch Object-Storage mit unveränderlichen Snapshots bietet, eignet es sich auch als Backup-Ziel für Lösungen von Veeam, Comvault oder ­Veritas.

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Mit dem Eternus UN200 bietet Fujitsu ein flexibles Storage-System für kleine und mittelständische Unternehmen an, das Block-, File- und Object-Storage mit einem Software-Stack beherrscht.(Bild:  Daniel Schrock)
Mit dem Eternus UN200 bietet Fujitsu ein flexibles Storage-System für kleine und mittelständische Unternehmen an, das Block-, File- und Object-Storage mit einem Software-Stack beherrscht.
(Bild: Daniel Schrock)

Auf KI-Hilfe zur Steigerung von Leistung und Zuverlässigkeit setzt HPE bei den Greenlake-Storage-Lösungen. Mittels AIOps sollen Störungen vorhergesagt und verhindert werden. Beim Release 3 von HPE GreenLake for Block Storage auf der Grundlage von HPE Alletra Storage MP werden mit KI-Hilfe zudem Trendanalysen zur Auslastung erstellt und Latenz-Hotspots pro Speicher-Volume ermittelt. Zudem ist das Release 3 von HPE GreenLake for Block Storage laut Hersteller der branchenweit erste disaggregierte Scale-out-Blockspeicher, bei dem sich Leistung und Kapazität unabhängig voneinander skalieren lassen. HPE vergleicht das Konzept mit Legosteinen, die sich beliebig kombinieren lassen, je nachdem, ob eine möglichst hohe Performance oder eine maximale Kapazität benötigt werden. Laut HPE lässt sich GreenLake for Block Storage unterbrechungsfrei von 15,36 Terabyte auf bis zu 2,8 Petabyte skalieren.

Bei Scality sieht man ebenfalls einen steigenden Bedarf nach S3-Speicherlösungen für eine gegen Ransomware geschützte Datensicherung wie der eigenen Artesca-Software. Daher vertreibt der eng mit Veeam kooperierende Hersteller seine Lösungen nun nicht mehr nur über den Channel seiner Hardware-Partner, vor allem HPE, sondern zusätzlich über die Distribution. Für den DACH-Markt ist Scality eine Partnerschaft mit TD Synnex eingegangen. Pure Storage hat mit dem AI Copilot eine Cloud-basierte GenAI-Lösung präsentiert, die der Unternehmens-IT das Leben erleichtern soll. Sie gibt Storage-Admins Antworten auf Fragen und konkrete Lösungsvorschläge.

Der KI-Copilot von Pure Storage kann bei Fragen oder Problemen sehr detaillierte Empfehlungen geben.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Der KI-Copilot von Pure Storage kann bei Fragen oder Problemen sehr detaillierte Empfehlungen geben.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Alternativen zu vSAN

Ein weiteres Thema, das viele Unternehmen und den Channel umtreibt, ist die Übernahme von VMware durch Broadcom beziehungsweise deren Auswirkungen. Sie machen sich daher Gedanken über mögliche Alternativen zu vSAN, auch wenn sie das VMware-Universum nicht komplett verlassen wollen. Denn vSAN ist künftig nur noch als Subskription und zu einem von der Kapazität ­abhängigen Preis verfügbar. Als Ersatz bieten sich Storage-Lösungen wie SANsymphony von Datacore, vSAN von Starwind oder das von Bytec distribuierte SvSAN von Stormagic an. Letzteres bietet bereits einen hochverfügbaren gemeinsamen Speicher mit nur zwei Nodes. In naher Zukunft müssen sich die Partner zudem mehr mit Speicher- und Backup-Lösungen für Container beschäftigen, da Kubernetes oder andere bei einer wachsenden Zahl von Unternehmen in den produktiven Einsatz kommen. Über CSI-Treiber für die Bereitstellung von persistentem Storage für Container-Orchestrierungssysteme verfügen praktisch alle modernen Systeme für Block- und File-Storage. Zudem bieten Hersteller wie NetApp oder Pure Storage mit Astra und Portworx eigene Speicher- und Datenplattformen für Kubernetes in der hybriden Multi-Cloud an an. Dabei ist Portworx nicht an Storage-Lösungen von Pure Storage gebunden.

Nachhaltigkeit und Vertriebskonzepte

Nachhaltigkeit steht neben Performance, Flexibilität und Sicherheit bei immer mehr Kunden weit oben auf der Liste der Anforderungen, die Storage-Lösungen erfüllen müssen. Die Hersteller reagieren entsprechend. Vor allem die Hersteller von All-Flash-Systemen verweisen auf den geringeren Stromverbrauch der Systeme im Vergleich zu HDD- oder Hybrid-Storage-Lösungen. Zudem steigt die Kapazität der Speichermedien weiter an, da der steigende Bedarf an Speicherplatz auch ­ohne zusätzliche Storage-Systeme gedeckt werden kann.

Beim Vertriebsmodell bemühen sich die meisten Hersteller weiterhin darum, Kunden und Partner von verbrauchsbasierten Konzepten zu überzeugen, bei denen sie selbst als As-a-Service-Anbieter fungieren. Als Vorteile nennen sie eine höhere Flexibilität für die Kunden und wiederkehrende Umsätze für die Partner. Zudem sollen die As-a-Service-Lösungen durch geringeren Overhead und damit weniger Hardware nachhaltiger sein. Allerdings müssen die Hersteller hier noch Überzeugungsarbeit leisten, um Partner und Kunden von den As-a-Service-Angeboten zu überzeugen.

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