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Mitarbeiter in Istanbul
ITB: Zu dieser Praxis im krassen Gegensatz scheint mir Ihr Mitarbeiter-Pool in der Türkei zu sein. Bitte erklären Sie mir, warum das funktioniert und was dahinter steckt?
Landwehrkamp: Seit vergangenem Jahr haben wir diesen Mitarbeiter-Pool. Das sind gut ausgebildete, deutschsprachige Support-Mitarbeiter, die den deutschen Markt bedienen. Wir sehen diese als zusätzliche Einheit, um unsere Services zu erbringen. Wir wollen dort 25 bis 30 Mitarbeiter aufbauen, denn in der Türkei gelingt es uns derzeit schneller, Fachkräfte zu gewinnen. Da viele Arbeiten sowieso per Fernzugriff geschehen, ist es egal, wo unsere Teams sitzen. Es ist jedoch nicht so, dass wir vor Ort türkische Kunden gewinnen wollen, vielmehr halten wir an unserer Strategie fest, im deutschsprachigen Raum zu agieren.
ITB: Das ist sozusagen eine Art Nearshoring?
Landwehrkamp: Das könnte man sagen. Ganz wichtig für unser Kundenklientel, den Mittelstand, ist dabei der Aspekt der deutschen Sprache. Istanbul ist kein Billig-Standort wie Indien. Entscheidend ist vielmehr die große deutschprachige SAP-Community.
ITB: In Ihrer Jahresbilanz sind die Umsätze nach Erlösarten aufgeschlüsselt. Insgesamt beläuft sich der Umsatz auf 186,3 Millionen Euro. Davon werden 14 Prozent mit Software-Lizenzen gemacht, zwei Prozent mit Hardware, 37 Prozent beruhen auf Consulting-Leistungen und der Löwenanteil mit 47 Prozent sind Outsourcing-Services. Was genau definieren Sie als Outsourcing, oder handelt es sich hierbei gar um Cloud-Dienste?
Landwehrkamp: Viele unserer Outsourcing-Erlöse sind Privat-Cloud-Verdienste. Der Kunde hat bereits SAP oder führt es ein, möchte jedoch nicht die Systeme hierfür betreiben. Diese Aufgabe übergibt er an uns, sodass er nur noch seine PCs oder Laptops im Netzwerk hat. Zu den Outsourcing-Services zählen übrigens ebenfalls die Software-Wartungsverträge.
ITB: Sie vermarkten aber auch rein Cloud-bezogen SAP Business Bydesign?
Landwehrkamp: Das stimmt. Vom Umsatzvolumen ist Business Bydesign naturgemäß noch recht klein. Mit über 70 Kunden haben wir wohl momentan die größte Kundenbasis für das Produkt – auch weltweit. Das Produkt ist sehr gut, und unsere Kunden sind äußerst zufrieden damit. Es gibt zudem mittlerweile weitere Cloud-Solutions von SAP für bestimmte Fachbereiche wie zum Beispiel für das Personalmanagement. Damit, so glaube ich, dürfte zusammen mit ERP der Durchbruch kommen.
ITB: Interessant ist, dass All for One Steeb als großer IT-Dienstleister ein eigenes Partnernetzwerk aufgebaut hat. Sie haben sogar ein Businesspartner-Programm dafür entwickelt. Welchen Hintergrund hat das?
Landwehrkamp: Unsere Partner tragen knapp ein Viertel zu unseren Lizenzumsätzen bei. Das sind Dienstleister, die zum Teil andere Branchen abdecken als wir. So haben wir zum Beispiel einen erfolgreichen Partner, der sich auf die Bedürfnisse der Papierindustrie spezialisiert hat. Er kann seinen Kunden jedoch kein Outsourcing oder Know-how in der Personalwirtschaft bieten und greift deshalb auf unsere Mitarbeiter zu, die wir dann in sein Projekt integrieren. Andere Partner beherrschen bestimmte Themen wie CAD oder sind in Regionen vertreten, wo All for One Steeb keinen Standort hat. Auch wenn wir mittlerweile rund tausend Mitarbeiter haben, können wir bei weitem nicht alles selber abdecken und stützen uns deshalb auf gute Partner. Diese profitieren ebenfalls von uns, denn da diese Dienstleister meist kleiner sind als wir, können wir ihnen wiederum dabei helfen, an das SAP-Know-how heranzukommen. SAP unterstützt dieses zweistufige Modell sogar mit einem eigenen Programm, dass sich Extended Business Member nennt.
ITB: Nachdem das abgelaufene Geschäftsjahr für Sie recht erfolgreich war. Was sind Ihre Pläne für das gerade angefangene?
Landwehrkamp: In erster Linie eine gesunde organische Geschäftsentwicklung. Wobei weitere Akquisitionen im Sinne unserer Vier-Säulen-Strategie nicht ausgeschlossen sind. Die neu hinzugekommenen Unternehmen wollen zudem weiter integriert werden.
ITB: Können Sie für das laufende Geschäftsjahr Bilanzzahlen nennen, die sie anstreben?
Landwehrkamp: Wir streben für dieses Geschäftsjahr zwischen 205 bis 210 Millionen Euro an Umsatz an, bei einem Ebit von 10,5 bis elf Millionen Euro.
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