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Wandel im Storage-Markt

All-Flash setzt sich durch

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Unternehmensneutrale Studie: Coldago hat 1.683 Anwenderunternehmen aus den USA und Europa zu Storage-Technologien und -Firmen befragt.
Unternehmensneutrale Studie: Coldago hat 1.683 Anwenderunternehmen aus den USA und Europa zu Storage-Technologien und -Firmen befragt. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Viele neue Storage-Technologien setzen sich in den Unternehmen durch, zeigt eine aktuelle Studie von Coldago. Allerdings heißt das nicht, dass man meist auch neue Firmennamen auf den Geräten entdecken würde. Denn die Anbieterlandschaft wird weitgehend von den Nestoren der IT-Technologie dominiert.

Wie handhaben Unternehmen ihre Storage? Auf welche Technologien setzen sie, in welche Hersteller investieren sie? Das untersuchte eine unabhängig von Herstellern finanzierte Studie des französisch-US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Coldago im Januar 2020.

Anwender wollen 2020 vor allem in die neuen Storage-Technologien All-Flash-Array, Cloud-Storage und All-Flash-NAS investieren.
Anwender wollen 2020 vor allem in die neuen Storage-Technologien All-Flash-Array, Cloud-Storage und All-Flash-NAS investieren. (Bild: Coldago)

Befragt wurden 1.123 US-Firmen und 560 Unternehmen aus Europa (jeweils ein Drittel aus UK, Frankreich und Deutschland). Je die Hälfte der Firmen waren Großunternehmen, die restlichen kleine Firmen oder Mittelständler.

Dabei zeigte sich: Unter den drei meistgenannten neuen Storage-Technologien, in die Unternehmen investieren wollen, rangieren mit All-Flash-Arrays (AFA; EU: 67 %, USA: 62 % – diese Reihenfolge wird bei allen folgenden Zahlen beibehalten) und All-Flash-NAS (AF NAS; 56 % bzw. 58 %) gleich zwei All-Flash-Technologien. Ebenfalls ganz oben auf Platz zwei steht wenig verwunderlich Cloud-Storage (64/61 %). Es folgen Cloud-Object-Storage, NVMe-Arrays, On-Prem-Object-Storage, NVMe oF und das allen Veränderungen trotzende Tape (29/23 %).

Storage-Konsolidierung wichtigste Aufgabe

Nach den technologischen Prioritäten im laufenden Jahr gefragt, gaben die Anwender auf beiden Seiten des Ozeans als Top-Priorität mit weitem Abstand die Konsolidierung ihrer Storage an (82/74 %). Auf Platz Nummer zwei liegt in Europa das Ziel, am Netzwerkrand mehr Object Storage zu implementieren (55/51 %), in den USA die Einführung von All-Flash-NAS (54/61 %). Danach erreicht kein weiteres Ziel Werte über 50 Prozent.

Die Konsolidierung der häufig weit verstreuten Storage ist die Top-Priorität hinsichtlich der zu lösenden Aufgaben der Anwender im Jahr 2020.
Die Konsolidierung der häufig weit verstreuten Storage ist die Top-Priorität hinsichtlich der zu lösenden Aufgaben der Anwender im Jahr 2020. (Bild: Coldago)

Bei den neuen Features, die 2020 implementiert werden sollen, gibt es in den USA und Europa ganz offensichtlich unterschiedliche Prioritäten. Für Europäer rangiert der Aufbau mehrerer Storage-Tiers ganz oben (76/65 %), bei den US-amerikanischen Anwendern ist das Backup in die Cloud das wichtigste Thema (55/68 %), gleich gefolgt von Container-Storage (46/67 %) und WORM-Implementierung (54/67 %). In Europa liegt auf Platz zwei der S3-Zugriff (66/63 %) vor Cloud-Backup, WORM (54/67 %) und NAS (54/45 %). Erwähnenswert ist zudem, dass viele US-Firmen jetzt in Erasure Coding investieren möchten (48/51 %). Der Rest der erwähnten Technologien rangiert bezüglich der Nennungen bei unter 50 Prozent.

Die Giganten behaupten sich

Interessant ist, welche Storage-Firmen derzeit als Top-Marken bei bestimmten Storage-Technologien gelten. Auch hier gibt es teils dies- und jenseits des Ozeans unterschiedliche Vorlieben. So liegen in Europa bei Block-Storage Netapp (75/71 %), Dell (72/68 %) und Infinidat (62/55 %) vorn, in den USA dagegen nimmt Hitachi Vantara den dritten Platz ein (47/67 %).

Bei File-Storage liegt in Europa Netapp (73/67 %) vorn, gefolgt von Dell EMC (58/53 %) und Pure Storage (48/51 %). In den USA sind es ebenfalls Netapp, auf Platz zwei aber Qmulo, das in Europa noch nicht so bekannt ist (42/56 %), und dann Dell/EMC. Pure Storage landet dort auf dem vierten Platz. Neulinge wie Weka I/O nennen immerhin schon mehr als zehn Prozent der Anwender in den USA und der EU.

Und bei Object Storage? Diese ist grundsätzlich anscheinend unbekannter. Auf den Spitzenrängen liegen in Europa Netapp (57/54 %), IBM (54/58 %) und Cloudian (44/48 %), in den USA dagegen liegt IBM vorn, gefolgt von Netapp und Hitachi Vantara (43/52 %). Cloudian liegt auf Platz vier. Es tauchen einige neue Player auf der Hitliste auf: MinIO, Caringo, Scality, Cohesity, Vast Data und Swiftstack. Das beweist die alte Regel, dass neue Technologien meist auch einen neuen Schwarm von Firmen hervorbringen, die diese Chance nutzen, in den Markt zu kommen.

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VMware und Nutanix bei Storage-Virtualisierung gleichauf

Bei HCI-Systemen, in denen auch virtualisierte Server stecken, hat sich VMware (64/70 %) inzwischen vor den Technologiepionier Nutanix (61/66 %) geschoben. Auf dem dritten Rang beiderseits des Ozeans rangiert Microsoft (60/62 %). In Europa ist IBM die Nummer vier (52/56 %), in den USA Dell EMC (51/58 %).

Bei Sekundär-Storage zeigen sich die wohl gravierendsten Bewertungsunterschiede zwischen europäischen und US-Firmen: In Europa hat das Traditionsunternehmen Quantum die Nase vorn (71/67 %), gefolgt von Dell EMC (67/72 %) und auf Platz drei IBM (61/62 %). In den USA dagegen rangiert ganz vorn Spectra Logic (34/78 %), Dell EMC liegt auf Platz zwei, Quantum auf Platz drei und auf Platz vier der Neuling Cohesity (58/65 %), der in Europa noch unbekannter ist.

Wie sieht es bei VMwares Lösung vSAN aus? Kann sie sich oben im Markt der Storage-Virtualisierer behaupten, oder rücken ihr Wettbewerber mit Alternativen auf die Pelle? Die Ergebnisse zeigen: vSAN (75/74 %) liegt zwar sicher im Rennen, dass das aber so bleibt, kann wohl angesichts der vom Markt durchaus wahrgenommenen Alternativen nicht vorausgesetzt werden. Vor allem Nutanix (74/75 %) wägen die Unternehmen anscheinend sehr gründlich gegen VMwares Lösung ab.

Andere häufig erwähnte Alternativtechnologien sind die von Microsoft, Dell EMC, Netapp, IBM/Red Hat, HPE und so weiter. Es bleibt festzustellen, dass es nur wenigen Neulingen ohne Weiteres gelingt, in die führenden Ränge der Storage-Märkte vorzudringen. Dort behaupten sich meist die bekannten Platzhirsche.

NVMe oF, Open-Source-Storage, Storage Services überzeugen

Wie sieht es mit neuen oder relativ neuen Technologien aus? NVMe oF beispielsweise erfreut sich bei den Anwendern schon heute allergrößter Beliebtheit. Die ganz überwiegende Mehrheit (84/86 %) der Nutzer von SAN-Technologien möchte sie implementieren. Dabei liegt als Transportschicht eindeutig TCP/IP vorn, gefolgt von Infiniband. Auf dem dritten Platz liegt Fibre Channel, was zeigt, dass sich die große Zeit dieser Transporttechnik wohl dem Ende zuneigt.

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Bei Open-Source-Storage kann man bereits davon sprechen, dass sie sich durchgesetzt hat. Denn die befragten Anwender sagen zu 88 beziehungsweise 81 Prozent, dass sie diesen Storage-Typ einsetzen wollen; die Mehrheit der Europäer nutzt sie bereits in Projekten, in den USA ist man langsamer (81/74 %). Das mag daran liegen, dass die meisten großen Storage-Vendoren aus den USA kommen.

Einen hohen Durchsetzungsgrad haben inzwischen auch Storage-Services erreicht: 83 beziehungsweise 95 Prozent der Anwender planen ihre Nutzung, 73 beziehungsweise 88 Prozent sind bereits Nutzer. Wer StaaS verwendet, betreibt in Europa vor allen Dingen Test/Development (79/66 %), während in den USA die beliebteste Anwendung Disaster Recovery (56/78 %) ist, gefolgt von Backup (71/76 %) und Prototyping (75/72 %). In Europa liegt der Betrieb von Prototypen auf Platz zwei, Backup auf Platz drei. Viele Anwender sind aber auch noch mit dem Ausprobieren beschäftigt (85/94 %). Für Produktivanwendungen reicht das Vertrauen nur bei etwa der Hälfte der europäischen Anwender (51/62 %).

Noch im Kommen: Software-Defined Storage und Container

Software-Defined Storage wird ebenfalls eher optimistisch betrachtet. Offensichtlich haben Anwender bei der Antwort auf die Frage einzelne Projekte betrachtet, denn die Summe der Antworten ist weit größer als 100 Prozent. 63 beziehungsweise 72 Prozent der Anwender planen, SDS einzusetzen. 52 beziehungsweise 67 Prozent sind derzeit dabei, sie zu testen und zu bewerten, und 44 beziehungsweise 55 Prozent nutzen sie bereits. Eindeutig zeigt sich, dass die US-Anwender hier stärker vorpreschen als die Europäer.

Dagegen können sich Container bei den Storage-Anwendern bislang noch nicht wirklich durchsetzen. 22 beziehungsweise 25 Prozent verneinen eindeutig, dass sie die Technologie nutzen oder nutzen wollen. Nur unter zehn Prozent sagen eindeutig, dass sie derzeit Container implementiert haben wollen oder schon implementiert haben. Die überwiegende Mehrheit derjenigen, die Container befürworten, setzen auf Stateless-Formate. Man hat also noch kein Vertrauen in die sich Stück für Stück entwickelnden Stateful-Kompetenzen der Containertechnologie.

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