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Liegt die Zukunft des Arbeitens im Homeoffice? 6 Trends für die neue Normalität des Arbeitens

Autor / Redakteur: Matthias Hamel / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Was Unternehmen in Sachen Homeoffice anfangs vor große Herausforderungen stellte, funktioniert mittlerweile meist problemlos. Eine wichtige Frage für viele Unternehmen ist nun, wie sich die Homeoffice-Nutzung in der Zukunft entwickeln wird.

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Matthias Hamel von der Consulting-Gesellschaft Altman Solon analysiert nahende Trends im Zusammenhang mit der Arbeit von zuhause aus.
Matthias Hamel von der Consulting-Gesellschaft Altman Solon analysiert nahende Trends im Zusammenhang mit der Arbeit von zuhause aus.
(Bild: © CHRISTOPH VOHLER MUNICH GERMANY / Altman Solon)

In den 1990er oder 2000er Jahren hätte Corona zu einem noch deutlich dramatischeren wirtschaftlichen Einbruch geführt als heute. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Heute können wir von zu Hause arbeiten, vor allem aufgrund der technologischen Entwicklungen der letzten Jahre, unter anderem durch Breitband-Internet, 4G- und 5G-Mobilfunk, Laptops, Smartphones, Tablets, Videokonferenzen, Video-Streaming, E-Commerce, etc.

Die Corona-Krise hat offensichtlich zu einer ungeahnten Beschleunigung der Telearbeit geführt. Innerhalb weniger Wochen haben Millionen Menschen in Deutschland ins Homeoffice gewechselt. Viele können sich auch langfristig vorstellen – zumindest teilweise – flexibler und von zu Hause zu arbeiten. Arbeitgeber können sich – indem sie diese Möglichkeiten anbieten – am Arbeitsmarkt besser positionieren.

Zweifellos wird nicht jede Neuerung nach der Krise bestehen bleiben. Innovation lebt auch vom kreativen zufälligen Austausch auf dem Korridor oder an der Kaffeemaschine – etwas das im Homeoffice kaum nachgebildet werden kann. Dies gilt auch für die Firmenkultur und die Ausbildung neuer Mitarbeiter sowie für viele Branchen, bei denen physische Begegnungen Teil des Geschäftsmodells sind – vom Einzelhandel über Tourismus und Gastgewerbe bis zur Medizin.

Nichtsdestotrotz wird die Corona-Krise einen nachhaltigen Einfluss auf die Gestaltung von Arbeit haben. Im Folgenden wird eine Auswahl entsprechender Trends beschrieben.

Trend #1: Bring your own Broadband (BYOB)

Das BYOB-Konzept kombiniert bereits vorhandene Internetzugänge der Mitarbeiter mit speziellen Zusatzservices der Unternehmen und ermöglicht so deutlich bessere Homeoffice-Funktionalitäten – ein Arbeiten, als ob der Mitarbeiter im Büro wäre. Beispiele hierfür sind Cloud-Kommunikationslösungen, mit denen Mitarbeiter zu Hause genauso erreichbar sind wie früher – sowohl telefonisch als auch via Videokonferenz oder Chat. Ein anderes Beispiel sind Virtual Private Networks und entsprechende Sicherheitslösungen. Dieser nahtlose Service ermöglicht Unternehmen, das volle Potenzial ihrer Mitarbeiter auch im Homeoffice zu nutzen. Für Telekommunikationsfirmen und andere Anbieter dieser Services stellt dies natürlich eine attraktive Umsatzquelle dar.

Trend #2: Die Cloud wird immer wichtiger – nicht nur bei Videokonferenzen

Breitbandinternet und die so genannte „Virtualisierung“ von IT haben uns die Cloud ermöglicht. Cloud-Lösungen arbeiten hocheffizient und skalierbar in Datenzentren und ermöglichen eine standortunabhängige Zusammenarbeit in Echtzeit. Vor allem Kollaborationstools in der Cloud – wie die verschiedenen Videokonferenz-Lösungen – haben einen hohen so genannten „Lock-in-Effekt“, das heißt Kunden bleiben treu, weil Kollegen oder andere Firmen das System nutzen. Ähnliches gilt für Remote Storage Systeme die Cloud-basierten Datenaustausch ermöglichen. Sobald solche Tools in einem Unternehmen einmal Fuß gefasst haben, wird der Wechsel zu anderen Anbietern immer schwerer. Der parallele Einsatz von verschiedenen Tools schränkt diesen Effekt jedoch teilweise ein.

Trend #3: SD-WAN-Lösungen für das Homeoffice

SD-WAN ist eine Technologie, die es Unternehmen relativ einfach ermöglicht, Niederlassungen über verschiedenste Internet-Leitungen zu verbinden: Von DSL über Kabel oder Glasfaser bis zu 4G / 5G. Das Besondere ist, dass die Technologie von den zugrundeliegenden Netzen abstrahiert, sodass Applikationen und Nutzer davon so unabhängig wie möglich sind (natürlich wird eine langsame Internetverbindung hierdurch aber auch nicht schneller.) Dies ermöglicht gleichbleibende Technik in heterogenen Umfeldern und evtl. starke Kosteneinsparungen. Die Technik lässt sich theoretisch auch verwenden, um Homeoffice-Standorte anzubinden – vor allem von Mitarbeitern, die besonders viele oder kritische Daten bearbeiten.

Trend #4: “Mini-Datenzentren” für das Zuhause

Eine Idee, die schon seit geraumer Zeit besteht, ist der Einsatz so genannter Mini-Datenzentren beim Mitarbeiter. Diese Zentren sind meist nicht nur dazu gedacht, um dem entsprechenden Mitarbeiter die Arbeit im Homeoffice zu erleichtern, sondern sie sollen die Rechenzentrumsinfrastruktur des Unternehmens optimieren. So können zum Beispiel wichtige oder zeitkritische Daten nicht nur in firmeneigenen oder zusätzlich angemieteten Datenzentren gespeichert werden, sondern auch bei Mitarbeitern in Städten oder Wohnvierteln, in denen andere Mitarbeiter oder Kunden in der Nähe wohnen. Dadurch wird die IT-Infrastruktur dezentralisiert, Latenzzeiten werden verringert und Kosten gesenkt. Dies hat hohe jedoch technische Anforderungen – zum Beispiel an die Internetanbindung – sodass sich dieser Trend wahrscheinlich in der nahen Zukunft nicht durchsetzen wird.

Trend #5: Unternehmen finanzieren die Homeoffice-IT der Mitarbeiter

Bereits vor Corona wurden Mitarbeitern in vielen Fällen Smartphones und Laptops gestellt und sie konnten so auch von zu Hause aus arbeiten. Corona hat diesen Trend auf eine neue Stufe gehoben. Es lohnt sich für viele Unternehmen, Mitarbeiter zu Hause so effizient wie möglich arbeiten zu lassen, ohne Abstriche bei der Technik wie kleine Bildschirme, schlechte Tastaturen oder langsame Internetzugänge. Das Ergebnis sind teilweise höhere Kosten für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern das Arbeiten sowohl im Büro als auch Homeoffice ermöglichen, aber auch eine höhere Effizienz – vor allem im Lockdown. Dieser Trend bringt natürlich auch neue Umsatzpotenziale zu entsprechenden Anbietern.

Trend #6: IT-Support für Zuhause

Für Unternehmen mit großer Mitarbeiterzahl im Homeoffice steigt natürlich auch das Risiko, dass Gerätefehler oder Sicherheitslücken im Homeoffice zu Problemen führen. So hat die Zahl der Cyber-Angriffe während der Corona-Krise erheblich zugenommen – nicht zuletzt deshalb, weil viele Heimnetzwerke eher unzureichend gesichert sind. Fernunterstützung sowie eventuell sogar ein IT-Außendienst für die Homeoffice-IT wird in diesem Fall wichtiger. Dies ist erneut eine solide Herausforderung für Unternehmen und ein ebenso solides Umsatzpotenzial für Anbieter.

Matthias Hamel.
Matthias Hamel.
(Bild: © CHRISTOPH VOHLER MUNICH GERMANY / Altman Solon)

Fazit

Die Corona-Pandemie hat die Bedeutung und die Potenziale der Telekommunikation für Unternehmen, Mitarbeiter, Investoren und Regierungen massiv erhöht. Telearbeit wird eine deutlich größere Rolle einnehmen als noch vor der Krise. Zweifellos wird sich Vieles „normalisieren“, aber Firmen können und werden sich durch mehr Homeoffice besser positionieren – gegenüber ihren Mitarbeitern, gegenüber dem Arbeitsmarkt und gegenüber den Kunden.

Über den Autor

Matthias Hamel ist Partner und Managing Director bei Altman Solon.

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