Unternehmenssoftware versus Agentic AI 234 Milliarden Dollar SaaS-Ausgaben durch KI in Gefahr

Von Agnes Panjas 4 min Lesedauer

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Während KI-Agenten zunehmend Aufgaben selbstständig übernehmen, wird die Software für Nutzer unsichtbar – und mit ihr das Geschäftsmodell etablierter Anbieter. Laut Gartner sind SaaS-Ausgaben von bis zu 234 Milliarden US-Dollar durch Agentic AI bedroht.

Wertverlust mit Ansage: Gartner warnt, dass bis 2030 etwa 234 Milliarden US-Dollar SaaS-Ausgaben gefährdet sind, weil die Wertschöpfung sich verschiebt.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Wertverlust mit Ansage: Gartner warnt, dass bis 2030 etwa 234 Milliarden US-Dollar SaaS-Ausgaben gefährdet sind, weil die Wertschöpfung sich verschiebt.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Agentic AI verändert die ökonomischen Grundlagen der Softwarebranche“, sagt George Brocklehurst, Managing Vice President bei Gartner, und deutet damit nur vorsichtig das an, worauf sich Softwareunternehmen in Zukunft einstellen müssen. Denn Agentic AI hat das Potenzial, die Umsatzmodelle für Unternehmenssoftware nicht nur grundlegend zu verändern, sondern ihnen förmlich auch die Grundlage zu entziehen.

Nach Einschätzung des Forschungs- und Beratungsunternehmens Gartner sind bis 2030 Ausgaben für Unternehmensanwendungssoftware in Höhe von bis zu 234 Milliarden US-Dollar der sogenannten „Agentic Arbitrage“ ausgesetzt. Das entspricht bis 2030 rund 20 Prozent der Ausgaben für Software as a Service (SaaS) im Bereich Unternehmensanwendungen. Jedoch sollten Softwareanbieter in Anbetracht dieser Prognose nicht sofort das Handtuch werfen: Denn diejenigen, die den Übergang zu ergebnisorientierten Lösungen meistern und agentische Fähigkeiten geschickt in ihre Angebote integrieren, können ihre Position in der Wertschöpfungskette nicht nur behaupten, sondern sogar ausbauen.

Was ist „Agentic Arbitrage“?

Agentic Arbitrage ist ein von Gartner geprägter Begriff, der eine fundamentale Verschiebung in der Wirtschaftlichkeit von Unternehmenssoftware beschreibt. In diesem klassischen „Seat-based-Licensing-Modell“ korrelierte der Umsatz der Softwarehersteller direkt mit der Mitarbeiterzahl eines Kunden: Je mehr Menschen eine Software aktiv nutzten, desto höher stiegen die Kosten für das Unternehmen. Der eigentliche Wert lag dabei in der Bereitstellung der Infrastruktur und der Benutzeroberfläche.

Diese logische Verknüpfung zwischen Nutzeranzahl und Umsatz wird nun durch Agentic AI und die damit verbundene „Agentic Arbitrage“ radikal aufgebrochen. Da KI-Agenten zunehmend in der Lage sind, komplexe Prozesse über verschiedene Anwendungen hinweg selbstständig auszuführen, entfällt die Notwendigkeit für Menschen, sich in verschiedene Softwareoberflächen einzuloggen. Die Software wird im Hintergrund für den Endnutzer quasi unsichtbar. In der Folge verschiebt sich die Wertschöpfung weg vom reinen Tool-Zugang hin zur Bezahlung für konkrete geschäftliche Ergebnisse (Outcomes).

SaaS-pocalypse oder Metamorphose?

„Agentische Systeme liefern Ergebnisse direkt, umgehen dabei traditionelle Anwendungen, die stark auf die Benutzererfahrung (User Experience, UX) ausgerichtet sind, und lassen die eigentliche Software im Hintergrund verschwinden. Damit wird für viele Anbieter von Unternehmenssoftware die bisherige Kopplung von Nutzerwachstum und Umsatzwachstum aufgebrochen“, macht Brocklehurst klar.

Dieser Wandel ist laut Brocklehurst bereits in vollem Gange und wird die Art und Weise, wie Software entwickelt, bepreist und genutzt wird, grundlegend verändern. Laut seiner Prognose wird es „zu einer Neudefinition der ‚SaaS-pocalypse‘ führen und zu einer Aufspaltung des traditionellen SaaS-Marktes, wie wir ihn heute kennen.“ Dabei handele es sich jedoch weniger um eine Apokalypse als vielmehr um eine Metamorphose. SaaS wird Brocklehurst zufolge nicht verschwinden, sondern sich in einer neuen Form weiterentwickeln. Diese Transformation birgt sowohl für etablierte Anbieter als auch für neue Marktteilnehmer Risiken und Chancen.

Fokus verlagert sich von Funktionen auf Ergebnisse

Gartner sieht eine Veränderung bezüglich der zukünftigen Erwartungen von Softwarekäufern. „Unternehmenskunden werden weniger Wert darauf legen, immer neue Tools oder Dashboards zu kaufen“, vermutet Brocklehurst. Vielmehr wollen diese „bessere Ergebnisse, und das Hinzufügen weiterer KI-Funktionen verursacht oft nur höhere Kosten, nicht aber bessere Ergebnisse“.

Bessere Ergebnisse durch KI erfordern Systeme, die über einen längeren Zeitraum hinweg ein tiefgreifendes institutionelles Gedächtnis und den Kundenkontext bewahren können.

George Brocklehurst, Managing Vice President bei Gartner

Einige Anbieter bieten bereits agentische Lösungen an, die eine autonome End-to-End-Workflow-Ausführung und systemübergreifende Orchestrierung ermöglichen sowie Kundenkontext und Wissen erfassen, was zur Steigerung der Geschäftsergebnisse und des ROI beiträgt. Derzeit erfordert dies in der Regel einen hohen Serviceaufwand.

„Da Unternehmen zunehmend agentische KI-Systeme einsetzen, ist die Benutzeroberfläche kein Unterscheidungsmerkmal mehr“, so Brocklehurst. „Der Marktanteil von Legacy-SaaS-Lösungen wird von etablierten Anbietern kannibalisiert und von neuen Marktteilnehmern übernommen, die horizontale agentische Plattformen anbieten.“

Gefahr für etablierte Anbieter und Umsatzchancen für Dienstleister

Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Wachstumschancen zu nutzen, sollten etablierte Softwareanbieter den Übergang von einem interfacebasierten zu einem ergebnisorientierten Mehrwert vollziehen und agentische Fähigkeiten direkt am Ort der Ausführung in ihre Angebote integrieren. Zudem sollten Softwareanbieter ihre Position in der Wertschöpfungskette verteidigen, indem sie nicht nur Daten, sondern auch kundenspezifisches Wissen erfassen und bewahren.

Während dieser Wandel eine existenzielle Bedrohung für Anbieter darstellt, die an veralteten Dashboards und lizenzbasierten Modellen festhalten, eröffnet er erhebliche Umsatzchancen für Anbieter, die Dienste und Plattformen entwickeln und bereitstellen, um agentenbasierte, domänenübergreifende Arbeitsabläufe zu unterstützen.

George Brocklehurst, Managing Vice President bei Gartner

Demnach können KI-native Start-ups und Dienstleister auch zukünftig als agentische Ebene über Unternehmenssysteme hinweg fungieren, wenn sie messbare Ergebnisse statt Funktionen liefern und Unternehmen dabei unterstützen, Arbeitsabläufe rund um KI neu zu gestalten. „Letztendlich können sie nicht nur bestehende Ausgaben erschließen, sondern auch zusätzliches Budget, das durch einen höheren ROI freigesetzt wird“, so Brocklehurst.

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