IT-Trends 2022 Wertschöpfung der Supply Chain steigt

Quelle: Pressemitteilung

Der Schlüssel zum Unternehmenserfolg? Für Ralf Düster, Vorstandsmitglied bei Setlog spielen Einkauf, Beschaffung und Supply Chain Management (SCM) dabei eine wichtige Rolle. Im Folgenden stellt Düster zehn SCM-Trends für 2022 vor.

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Stabile Netzwerke: Immer mehr Unternehmen schließen sich zu SCM-Netzen zusammen.
Stabile Netzwerke: Immer mehr Unternehmen schließen sich zu SCM-Netzen zusammen.
(Bild: foto_by_armand-khoury-unsplash)

Die Auswirkungen der Coronapandemie haben neben der Digitalisierung der Wirtschaft auch den Bereich Supply Chain Management und Einkauf angeschoben. Ralf Düster, Vorstandsmitglied des Bochumer SCM-Softwarespezialisten Setlog, fasst zusammen, welche Trends das Jahr 2022 prägen werden. Seine Analyse basiert auf Gesprächen und Daten von Setlog-Kunden, die das SCM-Tool OSCA einsetzen.

1. Nachhaltigkeitsgesetze zwingen zum Handeln

Die Themen Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung und Social Compliance werden von zentraler Bedeutung für die Wirtschaft. Nach der Weltklimakonferenz von Glasgow fordern Verbraucher, Politiker und Geschäftspartner Firmen zum schnellen Handeln auf.

Neue Gesetze treiben das Tempo an. Im Straßengüterverkehr gibt es einen starken Trend hin zu E-Fahrzeugen und LKW mit Wasserstoffantrieb. Unternehmensvertreter überlegen vermehrt, wie sie Strategien aus der Kreislaufwirtschaft umsetzen können, damit weniger Produkte vernichtet werden. Immer öfter stehen auch Transport- und Produktverpackungen auf dem Prüfstand.

Manager nehmen Themen wie Kohlendioxid-Ausstoß, Ressourcenverbrauch und ihre soziale Verantwortung in der globalen Beschaffung sehr ernst. In Deutschland wurde das Lieferkettengesetz auf den Weg gebracht, die Europäischen Union arbeitet mit Hochdruck an Regelungen.

2. Einkauf und Beschaffung werden überarbeitet

Die Pandemie hat gezeigt: Unternehmen müssen, abhängig von der Branche, individuelle Wege im Einkauf gehen, um resilienter zu werden. Analysen von Automobilherstellern können beispielsweise ergeben, dass Re- oder Nearshoring bestimmter Produkte bzw. Komponenten Sinn macht. Unter Umständen ist das zwar teurer, doch werden die Lieferketten dadurch stabiler. Im Konsumgüterbereich hingegen macht es aufgrund des enormen Kostenunterschieds zwischen Europa und den USA auf der einen Seite und Asien auf der anderen eher Sinn, die Produktion weitestgehend in Fernost zu belassen.

Weiterhin gilt: Wenn es um den Gewinn einer Firma geht, bekommen Einkauf, Beschaffung und Supply Chain Management immer mehr Bedeutung. Der Grund: Die Möglichkeiten im unteren und mittleren Warensegment höhere Preise durchzusetzen, sind rar geworden.

Preise werden für den Kunden durch Einkaufsplattformen immer transparenter. Die Gewinne werden heute durch Beschaffung – oder genauer – durch Prozessoptimierungen erzielt. Im Einkauf der Zukunft wird kollaborativ gedacht – und alle Partner einer Kette richten danach ihr Handeln aus. Zudem werden die Bestände der Unternehmen aufgrund vermehrter Störungen des Netzwerks – etwa durch Umweltkatastrophen, Streiks oder Viruskrankheiten – neu geplant.

Die Disruption im globalen Transport hat gezeigt: Für bestimmte Branchen, die von wenigen Lieferanten abhängig sind, ist es unter Umständen notwendig, höhere Sicherheitsbestände aufzubauen und das Bestellwesen generell zu überdenken.

3. Versorgungsketten werden von Versorgungsnetzwerken abgelöst

Die Kollaboration von Unternehmen mit Einkaufbüros, Lieferanten, Fabriken, Prüflaboren, Technikern, Logistikdienstleistern und Händlern wird immer wichtiger. Deshalb werden Firmen im kommenden Jahr versuchen, ihre Business-Netzwerke weiter zu stärken.

Seit dem Beginn der Coronapandemie haben sie festgestellt, dass ihre firmenzentrierten Systeme nicht ideal funktionieren. Sie werden daher Tools und Plattformen nutzen, die das sichere Teilen von Daten ermöglichen, die enge kollaborative Arbeitsabläufe in puncto Prognosen, Bestellungen, Lieferungen, Produktion, Kapazitäten und Lagerbestände in Echtzeit unterstützen. Da diese Zusammenarbeit, das optimale Nutzen von Daten und der optimierte Informationsfluss Fehler, Verzögerungen, Durchlaufzeiten und Ineffizienzen eliminieren, können alle Beteiligten Kosten senken und ihre Wettbewerbsfähigkeit mithilfe von Unternehmensnetzwerken verbessern.

4. Personalmanagement wird bedeutender

Studien zeigen: Zu den größten Herausforderungen der Unternehmen in Industriestaaten zählt der Mangel an Arbeitskräften. Das gilt für Fachkräfte im Bereich Transport und Zoll genauso wie für hochqualifizierte Experten im Supply Chain Management.

In Europa herrscht in vielen Ländern ein starker Mangel an Lkw-Fahrern – allein in Deutschland sind es 80.000 offene Stellen. Verbände fordern seit Jahren bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Firmen bleiben nur dann erfolgreich, wenn sie großes Augenmerk auf den Bereich Recruiting legen. Sie müssen auch Kooperationen mit Hochschulen eingehen. Und sie kommen nicht umher, bewährte Mitarbeiter im Supply Chain Management weiterzubilden, denn die Komplexität ihrer Aufgaben nimmt weiter zu.

5. ERP-Silos werden abgeschafft

Fakt ist: Kleine Unternehmen stützen sich auf ein bis zwei, manche Konzerne auf 20 oder mehr ERP-Systeme. Schon vor der Pandemie kamen die Ineffizienzen dieser selbstkonstruierten Silos zutage. Covid-19 wirkte als Verstärker. Das Nebeneinander der Systeme hat Bestandspuffer künstlich aufgestockt, Informationsverzögerungen verursacht und hohe IT-Kosten für Schnittstellen, Wartung und Upgrades mit sich gebracht.

Firmen werden diese Silos abtragen, da sie sich weder die Kosten, den Aufwand noch den damit verbundenen Ärger länger leisten können. Die beste Lösung ist die Verlagerung der Supply Chain-Workflows auf eine kollaborative Netzwerk-Plattform, die über alle Silos hinweggeht und sowohl eine Datenteilung als auch einen echten Datentransfer produktions-, abteilungs- und unternehmensübergreifend ermöglicht.

Sogenannte Best of Breed-Lösungen durch intelligente REST-API Schnittstellen in einer intelligenten IT-Architektur brechen die Silos auf und ermöglichen ein echtes kollaboratives, unternehmensübergreifendes Arbeiten mit optimalem Datenaustausch.

6. Lieferketten werden als Chance gesehen

Wegen Materialengpässen und der Coronapandemie brachen in manchen Unternehmen erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Lieferketten. Vermehrt fragen sich Manager, ob sie künftig weiter auf die alten Lieferantenbeziehungen und Logistikketten setzen sollen? Viele analysieren und bewerten Zulieferer, Transitzeiten aber auch das eigene Bestell- und Beschaffungsmanagement neu.

Statt nur auf die Listenkosten zu schauen, wird für jedes kritische Teil ein Risikoaufschlag – abhängig vom Land und anderen Kriterien – berechnet. Wer sein Netzwerk neu aufstellt, kann stabile Ketten als Chance im weltweiten Wettbewerb sehen.

7. Supply Chain-Organisatoren nutzen moderne Technologien

Unternehmen erkennen immer mehr, dass tagtäglich tausende Entscheidungen mit dutzenden Parametern gefällt werden müssen. Jahrelange Erfahrung der Manager helfen dabei nicht. Firmen müssen neuen Technologien wie etwa Künstlicher Intelligenz bei Entscheidungen vertrauen.

Die Besten der Besten werden Prozesse stärker automatisieren und die Vorteile künstlicher Intelligenz im Bereich präskriptive Analytik sowie autonomer Agenten nutzen, um Effizienzgewinne zu erzielen. Manager werden Softwaretechnologien für die Supply Chain einführen, um die Widerstands- und Wettbewerbsfähigkeit der Firmen zu erhöhen.

Die Folge: Die neuen Automatisierungstechnologien beseitigen Dutzende von Positionen und Rollen innerhalb der Organisation. Dank moderner Technologien können Unternehmen von der Planung bis zur Auslieferung Tempo erzeugen, Puffer abbauen und Prozesse effizient steuern.

8. Abstimmung von Angebot und Nachfrage wird optimiert

Immer mehr Unternehmen setzen auf Technologien, welche die Nachfrage mit dem verfügbaren Angebot innerhalb der Lieferfristen optimal in Einklang bringen. Wenn sich die Gesamtsituation ändert, müssen bisweilen Produkte den Aufträgen, nahezu in Echtzeit, neu zugeordnet werden, um das Service-Level hochzuhalten und die Kosten gleichzeitig zu minimieren.

Unternehmen, die Software und Algorithmen einsetzen, um Nachfrage und Angebot global zu steuern, werden gegenüber dem Wettbewerb einen Schritt voraus sein. Schnelle Veränderungen bei Angebot und Nachfrage machen dann eine Prognose unmöglich, die auf der Vergangenheit basiert.

Die beste Strategie lautet: Firmen müssen agile Ansätze ausarbeiten, um die Nutzung von Ressourcen und Produktionskapazitäten permanent zu optimieren. Moderne Demand Planning-Software und Business Intelligence-Tools sind hier, je nach Industrie und Produkt, von immer größerer Bedeutung.

9. Omnichannel ist alternativlos

Die Jahre 2020 und 2021 zeigten: Damit Unternehmen erfolgreich bleiben sowie schneller und resilienter werden, müssen die Potenziale in allen Kanälen ausgeschöpft werden – stationärer Handel, Großhandel, E-Commerce, Cross-Docking, Drop-Shipping, Direct-to-Consumer, Vertriebspartner und Plattformen.

Nur wer sich daran hält, bleibt weiter im Geschäft, wenn einer der Kanäle schwächelt. Firmen müssen zudem die Nachfrage konsolidieren und einen Blick auf jedes Glied in der Kette werfen können, damit sie fähig sind, Service-Levels und Einnahmen zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten zu senken. Dafür brauchen sie eine leistungsfähige SCM-Software.

10. Direct-to-Costumer macht den Unterschied

Wer diesen Kanal noch nicht optimiert hat, dem kann die Konkurrenz schnell davonlaufen. Manager müssen die Produktion und Lieferung von „Losgröße 1“ im Griff haben, das Retourengeschäft beherrschen und eine Lösung für die letzte Meile auf den Weg bringen.

Zudem benötigen sie eine Technologie im E-Commerce-Bereich, welche die von den Kunden gewünschte Vielzahl an Wahlmöglichkeiten und Artikelvarianten bewältigen kann. Hierzu gehören im B2B- aber auch im B2C-Markt Streckengeschäfte, sogenannte Drop-Shipments, die mit der notwendigen Transparenz von SCM-Lösungen geschaffen und optimiert werden. So können Händler Waren an Kunden verkaufen, ohne diese wirklich physisch im Bestand zu haben.

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