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Immersive Technologien in Deutschland Virtual, Mixed und Augmented Reality auf dem Vormarsch

Autor: Heidemarie Schuster

Eine Umfrage von Avanade und Wakefield zeigt, dass immersive Technologien in Deutschland besonders für den Handel interessant sind. Zudem ergibt sich, dass deutsche Unternehmen bei der Nutzung von Augmented Reality und Co. aufgeschlossener sind, als beispielsweise US-amerikanische Firmen.

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Wenn es um den Einsatz von Virtual, Mixed und Augmented Reality in Unternehmen geht, bilden die USA das Schlusslicht.
Wenn es um den Einsatz von Virtual, Mixed und Augmented Reality in Unternehmen geht, bilden die USA das Schlusslicht.
(Bild: Photocreo Bednarek - stock.adobe.com)

Wakefield hat im Auftrag von Avanade Führungskräfte und IT-Entscheider aus Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitern in den USA und Deutschland sowie weiteren Ländern zu immersiven Technologien, also zu Virtual, Mixed und Augmented Reality befragt. Demnach planen hierzulande 89 Prozent der Unternehmen den Einsatz dieser Technologien innerhalb der nächsten drei Jahre oder sie haben bereits mit ersten Projekten angefangen. In den Vereinigten Staaten von Amerika hingegen liegt dieser Wert bei 75 Prozent. 22 Prozent planen dort sogar, gar nicht auf immersive Technologien zu setzen – ein Wert, der in Deutschland bei 10 Prozent liegt. Verschwindend gering ist hier wie dort (USA: 3 %, Deutschland: 1 %) der Prozentsatz der Unternehmen, die sich bereits als voll ausgerüstet sehen.

Andere große Wirtschaftsnationen scheinen ebenfalls mehr auf Virtual, Mixed und Augmented Reality zu vertrauen als die USA: Unternehmen aus Frankreich (90 %), dem Vereinigten Königreich (87 %) oder Japan (94 %) planen, entsprechende Technologien zu verwenden. An der Spitze liegt Frankreich bei der Implementierung: 24 Prozent der Befragten gaben an, dass sich zugehörige Projekte bereits in der Umsetzung befinden – ein Wert, der nochmals über den 21 Prozent in Deutschland und deutlich vor den 17 Prozent in den USA liegt. Auch beim Blick auf die internationalen Zahlen der Studie – erhoben wurden die Zahlen neben den bereits genannten Ländern in Australien, Italien, Kanada, den Niederlanden, Schweden und Spanien – bilden die USA das Schlusslicht: Nur 8 Prozent der Gesamtheit aller Befragten planen keinen Einsatz von Virtual, Mixed und Augmented Reality.

Geplante Einsatzszenarien

Bei den geplanten Einsatzszenarien ist auffällig, dass in Deutschland Stimme und Sensoren eine wesentlich stärkere Rolle spielen als in den USA: Am wichtigsten erscheint den Unternehmen hierzulande die Nutzung von Stimm-Interfaces wie etwa Amazon Echo oder Google Home (54 %), gefolgt von Virtual-Reality-Anwendungen im engen Sinn (48 %) und Sensorik- oder geräteübergreifenden Applikationen (jeweils 47 %, Mehrfachnennungen möglich). Am wenigsten interessant erscheinen in Deutschland Augmented-Reality-Szenarien, die digitale Informationen in die physische Welt einblenden: 38 Prozent der deutschen Unternehmen sehen hier gute Geschäfts-Chancen, in den USA sind es 51 Prozent. Geräteübergreifende Szenarien sind in den USA mit 55 Prozent an der Spitze. Im Vereinigten Königreich sind Stimmassistenten ebenfalls an der Spitze mit 51 Prozent. Ganz anders in Frankreich: Dort scheint die Skepsis gegenüber solchen Anwendungen deutlich zu überwiegen, denn nur 29 Prozent der Unternehmen sehen dort Potenzial; führend sind für sie vor allem geräteübergreifende Anwendungsfälle.

Bei der Nutzung sehen die deutschen Unternehmen das größte Potenzial im Handel: 50 Prozent aller Befragten kann sich vorstellen, dass immersive Technologien dort Vorteile bieten. Vernetzte Zusammenarbeit (47 %), die Erkundung von Örtlichkeiten etwa über virtuelle Rundgänge oder immersive Werbung folgen mit 47, 41 und 40 Prozent (Mehrfachnennungen möglich). Den geringsten Nutzen sehen deutsche Entscheider bei der Simulation von Arbeitsabläufen und der Personalgewinnung. Wenig überraschend werden noch ungeklärte Fragen im Hinblick auf Datenschutz und IT-Sicherheit als größte Herausforderungen für den Einsatz immersiver Technologien genannt (40 %). Aber auch die Gefahr, zu früh und mit zu hohen Kosten zu investieren, sowie den Geschäftsnutzen nicht gut genug zu fassen, treibt die Unternehmen hierzulande um (je 37 %). Am zuversichtlichsten sind die Entscheider, wenn es um die Technologie selbst geht; hier sehen nur 28 Prozent Probleme. Ganz anders in den USA: Dort ist die Frage nach dem finanziellen Mehrwert ebenso wichtig wie Datenschutz (je 38 %). Dafür sind dort 34 Prozent bei der Technologie skeptisch und nur 29 Prozent bei den Kosten.

„Es ist interessant zu sehen, dass deutsche Unternehmen grundsätzlich recht zuversichtlich sind, was immersive Technologien angeht. Dass gleichzeitig der tatsächliche Mehrwert für das eigene Geschäft noch häufig unklar ist, darf jedoch als Alarmsignal gelten. Auf der einen Seite muss man auch mal den Mut haben, ein Innovationsprojekt ohne abgesicherten Business Case zu implementieren, um ein Unternehmen in diese Richtung zu mobilisieren. Auf der anderen Seite ist mittelfristig ein klarer Nutzen zu identifizieren und abzuliefern“, erklärt Robert Gögele, Geschäftsführer von Avanade Deutschland. „Beim Blick auf den Handel lässt sich zum Beispiel konstatieren, dass es natürlich interessante Anwendungsszenarien für Virtual, Mixed und Augmented Reality gibt. Doch unsere Retailer sind etwa im Vergleich zu den USA deutlich weniger fortgeschritten, wenn es um den Cloud-Einsatz geht. Diese Pflicht-Aufgabe ist jedoch die Bedingung dafür, viele der Innovationen wie immersive Technologien sinnvoll zu nutzen. In den Vereinigten Staaten haben ganze Handelsketten ihr Geschäft auf Microsoft Azure gezogen, um etablierten Online-Riesen etwas entgegensetzen zu können. Diesen Schritt in die Cloud braucht auch der deutsche Handel, andernfalls werden die nächsten Jahre extrem schwer und auch kostenintensiv sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Rad nochmal neu erfunden und ohne die Skaleneffekte der Hyperscaler wirtschaftlich implementiert werden kann.“

(ID:46409284)

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