Kostenexplosionen, IT-Sicherheit und Compliance-Richtlinien führen dazu, dass immer mehr deutsche Unternehmen auf externe Infrastruktur-Ressourcen zurückgreifen oder ihre eigenen Rechenzentren aufrüsten, um sie für die Zukunft fit zu machen.
Der Betrieb eines eigenen Rechenzentrums bringt immer mehr Herausforderungen mit sich.
(Bild: monsitj - stock.adobe.com)
Rechenzentren sind Energiehungrig, werden gerne zum Ziel von Hacker und müssen zahlreiche Richtlinien erfüllen. All das sind Gründe für Unternehmen, ihre eigenen Datacenter zu überdenken. Der IDC-Studie „Datacenter in Deutschland 2022“ zufolge, für die 150 Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern im August 2022 befragt wurden, ist das auch der Fall.
Die meisten IT-Entscheider befinden sich im Spannungsfeld zwischen IT-Investitionen für das klassische Datacenter und der Diversifizierung der IT-Ressourcen in Public-Cloud-Services, Colocation, klassischem Outsourcing oder Edge Computing. Dabei gilt es, einerseits getätigte Investitionen zu schützen und andererseits ausreichende Mittel für die Modernisierung der IT-Ressourcen zu beschaffen. Das gelingt der Mehrheit der Befragten immer besser, aber häufig setzen Kosten, Neupositionierungen der Unternehmen oder Personalknappheit Grenzen.
Die Herausforderungen
An erster Stelle der Business-Herausforderungen eines Rechenzentrums sehen die IT-Entscheider die Gewährleistung von IT-Sicherheit und Compliance (32 %). Kosten und Produktivität (29 %) werden auch für IT-Entscheider immer wichtiger und die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die steigenden Energiepreise zwingen die Verantwortlichen im Datacenter zum sofortigen Handeln. Die erforderliche Modernisierung (29 %) kann im Datacenter sowohl mit dem Austausch der baulichen Anlagen als auch mit neuer IT erreicht werden. Das Problem besteht für viele Entscheider in der Erreichung sofort erzielbarer Kosteneffekte im Datacenter als auch in der langfristigen Positionierung des Datacenters als eine Quelle der digitalen Infrastruktur des Unternehmens.
Die Rolle des Datacenter verschiebt sich
„Die strategische Position des Datacenters im Unternehmen verschiebt sich“, sagt Matthias Zacher, Senior Consulting Manager bei IDC und Projektleiter der Studie. „Unsere Studie belegt, dass Agilität, Sicherheit, Datenhoheit, Nachhaltigkeit und Kostenflexibilität nur mit einer Kombination aus verschiedenen IT-Infrastruktur Ressourcen sichergestellt werden kann“.
Das Datacenter war und ist für viele Unternehmen die zentrale Instanz für den Betrieb ihrer geschäftskritischen Anwendungen. Heute sinkt der Stellenwert dieser Nutzungsform, denn die Entscheider können aus einer Vielzahl von Plattformen und Nutzungsmodellen wählen. Somit überrascht es nicht, dass 74 Prozent externe Ressourcen vollständig oder teilweise für ihre geschäftskritischen Anwendungen nutzen. Diese Entwicklung wird zum Teil von den Anbietern von Standardsoftware getrieben, die neue Releases oder Funktionsbausteine nur noch als Public-Cloud-Service bereitstellen. „Allerdings sehen wir nicht, dass sich der Stellenwert der Datacenter vollständig wandelt. Eigenentwickelte Lösungen, hochgradig modifizierte Standardanwendungen und spezielle Anforderungen wie zum Beispiel High Performance Computing rechtfertigen weiterhin Investitionen in Datacenter”, so Zacher.
Datacenter sind die zentrale IT-Ressource
Entscheider müssen genau abwägen, welche Rolle das Datacenter im Infrastruktur-Mix strategisch aussehen soll. Die Umfrage zeigt, dass es weiterhin die zentrale IT-Ressource ist. Immerhin 35 Prozent der Unternehmen planen eine umfassende Modernisierung ihrer Datacenter und weitere 25 Prozent werden neue Datacenter errichten. Um die aktuellen Marktanforderungen zu beherrschen und die Fachbereiche optimal zu unterstützen, müssen die Facilities, also die baulichen und ausstattungsspezifischen Komponenten, und die IT stärker aufeinander abgestimmt werden.
Wie steht es also mit den Facilities aus? Die Top-Priorität ist hier die Senkung des Stromverbrauchs wegen der steigenden Energiekosten (47 %). Ebenso steht eine gesteigerte bessere Nachhaltigkeit (41 %) auf der Tagesordnung. Die signifikanten Energiekosten der Datacenter haben ganz klar einen wirtschaftlichen Impact und stellen für viele Unternehmen eine massive Belastung dar. Weitere Prioritäten sind die Beschaffung neuer Fläche für den Aufbau oder die Anmietung von Rechenzentrums-Ressourcen zur Unterstützung von Edge Computing (46 %) und eine Verbesserung der Kapazitätsplanung durch Prognose- und Analyse-Tools (34 %).
Der Wert von Edge Computing liegt in der Verlagerung von Rechenkapazität an den physischen Ort, an dem die Daten erstellt werden. Dadurch lässt sich die Zeit bis zur Wertschöpfung verkürzen und Geschäftsprozesse und Entscheidungen können außerhalb der zentralen IT-Umgebung sofort umgesetzt werden. Mit Software-Tools für Datacenter Infrastruktur Management (DCIM) lassen sich IT- und Facility-Management stärker verzahnen. Der Einsatz solcher Lösungen steht allerdings in den befragten Unternehmen noch am Anfang.
Stand: 08.12.2025
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Die IT-Prioritäten sind ebenfalls facettenreich. An erster Stelle stehen die Verbesserung von Datensicherheit und Compliance (40 %). Beides erfordert regelmäßige Aufmerksamkeit und regelmäßiges Handeln. Hier kommen viele Unternehmen an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Ein absolut wichtiger Punkt ist für die Entscheider die schnellere Bereitstellung von Anwendungen (38 %). In vielen Unternehmen genügt die vorhandene Schlagzahl nicht mehr. Die IT-Infrastruktur, also Rechenpower, Storage und Netze, bildet hierfür die Grundlage. Hohe Leistungen sind möglich, aber nicht um jeden Preis. Das zeigt das Bemühen um die Senkung der Netzwerk- und Konnektivitätskosten (36 %).
Bau und Modernisierung von Rechenzentren
Vorerst bleibt das eigene Datacenter für viele Unternehmen aus Compliance-Gründen oder um IT-Investitionen zu schützen die erste Wahl. Immerhin planen 25 Prozent der Unternehmen den Bau neuer Rechenzentren und weitere 35 Prozent eine umfassende Modernisierung. 49 Prozent dieser Unternehmen müssen die Kontrolle über ihre Daten sicherstellen. Damit werden direkt die Themen Datensouveränität und Datenhoheit abgesichert. 44 Prozent der Entscheider sind der Meinung, dass für die vollständige Kontrolle über alle Betriebsabläufe ein unternehmenseigenes Datacenter notwendig ist.
Jedes Unternehmen benötigt eine vollständige Kontrolle über die Betriebsabläufe. Aus Sicht von IDC lässt sich dieses Ziel auch mit externen Ressourcen erreichen. Das ist allerdings eine anspruchsvolle Aufgabe. Immerhin 41 Prozent der Entscheider, die umfassend auf unternehmenseigene Datacenter setzen, erklären, effizienter als ein Cloud-Anbieter arbeiten zu können. 33 Prozent nennen strenge Compliance-Vorgaben als Grund für eigene Datacenter.
Ein Punkt bleibt in der Diskussion mitunter unberücksichtigt. Wenn Unternehmen ihre Datacenter schließen oder verkleinern, müssen bei den kommerziellen Datacenter-Providern, Colocation-Anbietern und Hyperscalern neue Rechenzentren entstehen. Das ist deutlich anhand von Datacenter-Neubauten an etablierten und auch neuen Standorten zu beobachten. Einerseits, um näher am Kunden zu sein und andererseits, um komplexe Genehmigungsverfahren zu vermeiden und Kostenvorteile zu nutzen, sodie Marktforscher.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit hält mit hoher Geschwindigkeit Einzug in Unternehmen in Deutschland. 21 Prozent der Befragten verfügen derzeit über eine unternehmensweite Nachhaltigkeitsstrategie und weitere 46 Prozent haben ein Nachhaltigkeitsprogramm auf den Weg gebracht. Großunternehmen sind hier schon etwas weiter vorangeschritten als Organisationen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden.
IDC erwartet in den kommenden Jahren eine Weiterentwicklung hin zu einem umfassenden unternehmensweiten Ansatz in den meisten Organisationen. Aus Datacenter-Perspektive ist Nachhaltigkeit ein harter Businessfaktor. 5 Prozent beziehen ganz oder teilweise grüne Energie und 77 Prozent arbeiten an der Reduzierung ihres Stromverbrauchs. Nachhaltigkeit wird sich zukünftig immer stärker neben anderen Business-Faktoren etablieren und Unternehmen langfristig auf einer strategischen Ebene begleiten.
Datensouveränität
Digitale Souveränität und Datensouveränität beziehungsweise Datenhoheit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es um die vollständig selbstbestimmte Kontrolle der Erhebung, Speicherung, Nutzung und Verarbeitung eigener Daten. Für 34 Prozent der Entscheider ist die digitale Souveränität eine grundlegende Komponente der IT- und Businessstrategie. Die Befragung zeigt, dass deutlich mehr sehr große Unternehmen das Thema digitale Souveränität auf der Agenda haben als der in Deutschland starke Mittelstand. Hier gibt es noch großen Nachholbedarf.
Weitere 56 Prozent entwickeln das Thema Datenhoheit schrittweise weiter. Hier sind die Anbieter klar gefordert. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren nur wenige marktfähige Angebote der Provider und Hyperscaler. Diese Situation hat sich gewandelt. Sowohl die Hyperscaler als auch lokale Anbieter gehen verstärkt mit Angeboten für die souveräne Cloud an den Markt. Das ist vor dem Hintergrund der steigenden Nutzung externer Offerings aus IDC-Sicht auch dringend erforderlich.
Fazit von IDC
Das Gesamtfazit ist eindeutig. Die Datacenter durchlaufen aktuell eine weitreichende Transformation. Diese Transformation verfolgt zwei wesentliche Zielrichtungen. Die Entscheider positionieren zum einen die Rolle ihrer Datacenter in der Nutzung der unterschiedlichen Bezugsmodelle für IT-Infrastruktur neu. Das ist ein notwendiger Schritt, um aus der Vielfalt der unterschiedlichen Lösungsansätze den optimalen Ressourcen-Mix für das Unternehmen zu schaffen. Zum anderen nutzt Informationstechnologie immer stärker cloudbasierte Services unterschiedlichster Form und fast jedes Datacenter wird mittelfristig selbst zur Cloud werden oder zumindest in cloudbasierte Prozesse eingebunden sein. Parallel dazu müssen die Ad-hoc-Herausforderungen angegangen werden. Kostensenkungen und Kostentransparenz, die Nutzung von standardbasierter IT, Automatisierung der Abläufe, intelligente Lösungen und eine engere Verzahnung von Facility und IT – zusammengefasst eine Industrialisierung der Abläufe im Datacenter – ist ein zentraler Lösungsansatz. Hier sehen wir viele Unternehmen bereits auf dem richtigen Weg.