Mobilcom-Debitel und Shiftphone Teil II: Nachhaltige Smartphones, geht das?

Von Ann-Marie Struck

Nachhaltigkeit ist aktuell in aller Munde. Insbesondere werben viele Smartphone-Hersteller mit dem Buzzword. Doch wie nachhaltig ist die proklamierte Nachhaltigkeit wirklich und was verstehen die einzelnen Hersteller darunter. Wir geben einen Überblick.

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Recycling, Reparatur, kurze Lieferketten sowie bestimmte Materialien – es gibt einige Möglichkeiten, Smartphones nachhaltiger zu machen.
Recycling, Reparatur, kurze Lieferketten sowie bestimmte Materialien – es gibt einige Möglichkeiten, Smartphones nachhaltiger zu machen.
(Bild: tonefotografia - stock.adobe.com)

Ein Trendthema ist Nachhaltigkeit, denn immer mehr Konsumenten interessieren sich, wie und wo Konsumgüter produziert werden. Das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für IT-Produkte. Aktuell werben immer mehr Smartphone-Hersteller mit dem Label „Nachhaltigkeit“. Dabei gibt es viele Ansatzpunkte: beim Strom, bei der Auswahl der Materialien, bei der Produktion, der Produktlebensdauer, der Verpackung und dem Recycling.

In Teil Ihaben wir den Hersteller Gigaset sowie das Social Business Fairphone genauer unter die Lupe genommen. Nun folgen zwei weitere bekanntere Player aus dem Markt:

Rephone steht für Recycling

Lang war es still um Mobilcom-Debitel. Jetzt präsentiert der Dienstleister ein Smartphone mit dem Label „CO2-neutral“: das Rephone. Der Schwerpunkt liegt damit eindeutig auf der Kompensation von CO2. Das möchte die Freenet-Tochter durch vier Aspekte schaffen: Recycling, Reparatur, lokale Produktion sowie CO2-Kompensation.

Das Rephone wurde von 4G Systems für die Freenet-Tochter entwickelt. Gefertigt wird das Smartphone bei Gigaset in Bocholt und nutzt folglich denselben Ökostrom. Außerdem seien, wie bei Gigaset selbst, durch die lokale Produktion die Lieferwege verkürzt, was wiederum CO2 spare. Allerdings ist es nicht möglich, auf Teile aus Asien zu verzichten, deshalb gibt es, Mobilcom-Debitel zufolge, für diese eine CO2-Kompensation, die in Kooperation mit Meo Carbon Solutions in verschiedenen Projekten umgesetzt wird.

Auch Gigaset hat schon einmal den CO2-Fußabdruck berechnet und ihn durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen. Das erfolgte jedoch nur für die Verpackung des GS4 und nicht für das gesamte Gerät. Für jede kompensierte Tonne CO2 wurde über ClimatePartner ein neuer Baum gepflanzt. Das plant der Hersteller nun auch für die Verpackung des neuesten Modells zu tun.

Doch was unterscheidet das Rephone von einem Gigaset? Für Rüdiger Kubald, Pressesprecher Mobilfunk bei Freenet, ist das Recycling einer der Hauptunterschiede, schließlich bestehe die abnehmbare Rückseite des Smartphones aus „Recyclat“. Das sind recycelte Materialien von Sysplast aus Nürnberg.

Außerdem sind die Bauteile des Rephone nicht wie sonst üblich verklebt, sondern verschraubt, was einen schnellen und unkomplizierten Austausch gewährleisten soll. Für alle Nutzer, die nicht die geschicktesten Hände haben, um die Reparaturen selbstständig durchzuführen, bietet Mobilcom-Debitel einen lokalen Repair-Service in über 500 Shops deutschlandweit an.

Zudem erhalten Kunden eine Recycling-Prämie. Und Kunden, die nach fünf Jahren ihr Gerät zurückgeben, erhalten neben dem Restwert des Smartphones eine zusätzliche Prämie von 25 Euro. Auch die Verpackung des Rephones kommt ohne Plastik aus und besteht aus einer Grasverpackung aus Schleswig-Holstein.

Shiftphone will zur Veränderung anregen

Ein weiterer Hersteller aus Deutschland ist Shiftphone. Das Familienunternehmen aus Hessen rühmt sich nicht nur mit dem Label „Nachhaltigkeit“, sondern wie Gigaset und Mobilcom-Debitel auch mit der Aussage „aus Deutschland“. Wie Fairphone setzen die Hessen auf faire Materialien und die Geräte sollen sich darüber hinaus auch reparieren lassen.

Als Social Business sieht sich Shiftphone dem Gemeinwohl verpflichtet, was sich nicht nur im Produkt, sondern auch im Unternehmenskonzept zeigt. Zwar wird das Shiftphone immer wieder als „Smartphone aus Deutschland“ betitelt, produziert wird es jedoch in China, aber zu deutschen Arbeitsbedingungen. Dem Wirkungsbericht des Unternehmens nach sei die fertige Produktion in China, wo ein Großteil der Smartphone-Komponenten wie Chips oder Platinen hergestellt werden, umweltschonender als diese nach Deutschland zu transportieren und dort zusammenzubauen. Für die Angestellten in China sollen sich die Arbeitsbedingungen jedenfalls ohne Fließbandarbeit, mit einer 40-Stunden-Woche, freien Wochenenden und deutlich mehr Gehalt merklich verbessert haben. Außerdem kommt das Shiftphone in einer plastikfreien Verpackung aus Recyclingpapier sowie nichtbeschichtetem Naturkarton.

Gleichwohl wird nicht nur bei der Produktion, sondern auch bei Rohstoffen und Lieferketten auf Fairness Wert gelegt. Ähnlich wie bei Fairphone achten auch die Hersteller des Shiftphone auf faire Materialien, weshalb eigenen Angaben zufolge nur faires Gold verwendet wird. Den wichtigen Rohstoff Zinn bezieht der Hersteller nun von FairLötet aus Hamburg. Und statt des umstrittenen Coltan aus dem Kongo, setzt Shiftphone Keramik ein.

Den größten Einfluss für Nachhaltigkeit sieht Shiftphone beim Produkt selbst. Der modulare Aufbau des Smartphones sorgt dafür, dass es auch Laien reparieren können. Außerdem können Ersatzteile wie ein neuer Akku leicht bestellt werden. Zudem soll sich das Device sogar selbst nachrüsten lassen, wenn die Technik veraltet ist. Des Weiteren können Anwender eine Upgrade-Option nutzen und auf ein aktuelles Gerät zu wechseln. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Smartphone jederzeit zurückzugeben. Dabei wird der Wert des Geräts ermittelt und dem Kunden ein entsprechender Restbetrag ausgezahlt. Selbst wenn das Gerät kaputt sein sollte, erhält der Kunde sein Gerätepfand von 22 Euro zurück.

Für viele Verbraucher spielt auch die Software eine entscheidende Rolle bei der Lebensdauer eines Smartphones. Werden keine Updates mehr gewährleistet, kaufen sie sich schneller ein neues Mobiltelefon, auch wenn das Gerät noch funktioniert. Bezüglich des Betriebssystems geht Shiftphone einen Sonderweg: Der Anwender wählt das Betriebssystem selbst aus. Das Gerät ist dafür extra ausgelegt. Zu einem Garantieverlust komme es nur dann, wenn der softwareseitige Eingriff so massiv sei, dass er tatsächlich zu Hardwaredefekten führe.

Jeder kann etwas für die Umwelt tun

Deutlich werden zwei Punkte: Erstens gibt es ein wirklich nachhaltiges und umweltfreundliches Smartphone nicht. Zweitens hat ein Umdenken im Markt stattgefunden. Immer mehr IT-Hersteller setzen sich mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit auseinander. Auch wenn das Produkt (noch) nicht allen Kriterien entspricht, ist es ein Schritt in die richtige Richtung, und wie sich zeigt, können Hersteller an vielen Stellschrauben bei der Smartphone-Produktion drehen, um ihre Produkte umweltfreundlicher zu machen.

Gleichzeitig müssen auch die Konsumenten umdenken. „Wir müssen weg von dieser Wegwerfgesellschaft“, bringt es Raphael Dörr, Pressesprecher bei Gigaset auf den Punkt.

Anbieter Gigaset Fairphone Rephone Shiftphone
Produktion Deutschland Niederlande Deutschland China mit dt. Arbeitsbedingungen
Rohstoffe nicht fair fair nicht fair fair
Strom Ökostrom aus Deutschland Ökostrom Ökostrom aus Deutschland /
Gerät verschraubt, nicht verklebt, austauschbarer Akku, Akku-Safe-Technologie modularer Aufbau, austauschbarer Akku, Rückseite aus recycelten Polycarbonat modularer Aufbau, austauschbarer Akku, Rückseite aus Recyclat modularer Aufbau, austauschbarer Akku
Software Update auf Android 12 dauerhafter Software-Support Nutzer entscheiden selbst
Recycling Reparatur-Service Selbstständige Reparatur, pro verkauftes Smartphone selbe Menge Elektromüll recycelt, Ersatzteile Recycling-Prämie, Repair-Service im Shop oder selbst Eigenständige Reparatur oder Service, Ersatzteile sowie Upgrades, Umweltpfand
Verpackung Plastikfrei, Wellpappe Plastikfrei Plastikfrei, Grasfaser aus Deutschland Plastikfrei, Naturkarton, Recyclingpapier
CO2-Kompensation für die Verpackung des GS4 und GS5 / für jedes Rephone /

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