Neue Ansätze im IT-Service-Geschäft Teccle Group: Startup mit ungewöhnlichem Start

Autor Michael Hase

Mit zwei Paukenschlägen betritt die Teccle Group die Bühne des Channels. Innerhalb weniger Wochen hat das Frankfurter Startup den Managed Service Provider ADD und das Cloud-Beratungshaus Acontech übernommen. Sie decken zwei Kernthemen der Dienstleistungsgruppe ab.

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Sie bilden die Geschäftsführung der Teccle Group (v. l.): Klaus Kaiser, Sven Kalisch, Markus Wolf und Thomas Schmidt.
Sie bilden die Geschäftsführung der Teccle Group (v. l.): Klaus Kaiser, Sven Kalisch, Markus Wolf und Thomas Schmidt.
(Bild: Teccle Group)

Newcomer im Channel brauchen normalerweise ein paar Jahre, bis sie eine Struktur und ein gewisses Profil ausgebildet haben. Dass ein Unternehmen quasi am Reißbrett geplant und die verschiedenen Einheiten, die zum ausgearbeiteten Geschäftsmodell passen, am Markt eingekauft werden, ist dagegen eher ungewöhnlich. Überhaupt ist bei der Teccle Group, die im August 2020 gegründet wurde, vieles anders als bei klassischen Systemhäusern. Und das soll auch so sein. Denn die vier Geschäftsführer, die das Frankfurter Startup leiten, wollen unter dem Claim „IT-Services neu gedacht“ einen modernen Dienstleister für den Mittelstand aufbauen. „Es ist an der Zeit für neue Ansätze in der IT-Branche“, betont Klaus Kaiser, Managing Partner des Unternehmens.

Modern bedeutet konkret, dass Kaiser und seine Mitstreiter unter IT-Dienstleistung kein Zeit-gegen-Geld-Geschäft verstehen, sondern Managed Services, sprich kontinuierliche, standardisierte Leistungen, die gegen monatliche Gebühr erbracht werden. Und modern heißt zugleich „Cloud first“, weshalb Cloud-Beratung von Anfang an zu den Kernkompetenzen von Teccle gehört. „Der Motor unserer Gruppe wird ein Managed Cloud Provider sein, um den herum wir alles andere aufbauen“, erläutert der ehemalige Microsoft-Manager.

Zwei Akquisitionen in vier Wochen

Noch ist vieles Konzept. Zwei wesentliche Schritte hat das hessische Unternehmen indes schon vollzogen. In dieser Woche hat es offiziell den Managed Service Provider ADD IT & Consulting aus Saarbrücken übernommen. Bereits Ende des vergangenen Jahres gab Teccle den Kauf des Born-in-the-Cloud-Unternehmens Acontech mit Hauptsitz in Fürth bekannt. Bis zum Ende des Quartals sind zwei weitere Akquisitionen geplant. Ziel ist, unter dem Dach der Gruppe acht bis zwölf Dienstleister zu vereinen, die operativ eigenständig bleiben und weiterhin unter ihrer Marke auftreten. Zugleich sollen sie sich innerhalb der Organisation mit ihren Kernkompetenzen ergänzen, sodass sich Synergien nutzen lassen. Idealerweise wird sich jedes einzelne Haus in diesem Konstrukt schneller und besser entwickeln, als ihm das aus eigener Kraft möglich wäre, so die Idee.

„Die Chance, in der Teccle Group unsere Leistungen fokussiert weiter auszubauen, gleichzeitig von den Kompetenzen der anderen Gruppenmitglieder zu profitieren und dennoch eine hohe Autonomie zu behalten, hat uns von der Lösung überzeugt“, berichtet Siegbert Gergen, Geschäftsführender Gesellschafter bei ADD. Gemeinsam mit seinem Partner Jörg Zimmerling wird er weiterhin das operative Geschäft des Dienstleisters verantworten. Zudem haben sich die beiden Unternehmer im Zuge des Verkaufs finanziell an der Teccle Group beteiligt. ADD agiert bereits seit mehr als 30 Jahren am Markt. Die Saarländer, die derzeit rund 30 Mitarbeiter beschäftigen, stellen Infrastrukturservices in einem eigenen Rechenzentrum bereit. Darüber hinaus unterstützen sie Kunden beim Betrieb von Cloud-Szenarien auf Azure.

Digitalisierungspartner

Bei Acontech handelt es sich um einen Dienstleister, der sich zu 100 Prozent auf Cloud fokussiert. Das Unternehmen, das Stefan Zenkel vor knapp zehn Jahren gegründet hat, verfolgt einen ausgeprägten Beratungsansatz und versteht sich als Digitalisierungspartner seiner Kunden. Angebote wie Microsoft 365 und Azure dienen dem Microsoft-Partner als Mittel, um Arbeitsweisen zu verändern, Organisationsstrukturen und Prozesse neu zu gestalten oder innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Mit diesem Ansatz ist Acontech schnell gewachsen und beschäftigt inzwischen gut 50 Mitarbeiter. Wie Gergen und Zimmerling wird auch Zenkel das von ihm gegründete Unternehmen weiterhin führen, und auch er beteiligt sich als Gesellschafter an Teccle. Zudem wird der Experte innerhalb der Gruppe als Technischer Leiter für Cloud Computing agieren.

Ihn habe die Möglichkeit, „an der Entwicklung der Gruppe aktiv mitzuwirken“, dazu bewogen, Acontech zu verkaufen, teilt Zenkel mit. Als erste Beteiligung könne sein Unternehmen die Teccle Group von Anfang an federführend mitgestalten. Eine klassische Übernahme durch ein größeres Systemhaus oder einen Finanzinvestor wäre für ihn dagegen nicht in Frage gekommen. Auch in Zukunft werde sich der Dienstleister auf die Microsoft-Cloud fokussieren. Durch die Vernetzung mit Experten, die Kompetenzen auf anderen Technologiefeldern besitzen, und durch die agile Zusammenarbeit innerhalb des Verbunds könne Acontech die Geschäftsentwicklung „mit mehr Kraft“ vorantreiben.

Für den Aufbau einer solchen Gruppe ist Kapital erforderlich, das offenbar in ausreichendem Maß vorhanden ist. Hinter Teccle steht die Bremer Beteiligungsfirma FMC, die die Akquisitionsstrategie finanziert. Anteile am Unternehmen halten auch Kaiser und seine Mitgeschäftsführer Sven Kalisch, Thomas Schmidt und Markus Wolf. Die drei Finanzexperten bildeten zuvor das Team der Frankfurter Investmentfirma Kalisch & Schmidt Mittelstandspartner (KSM). Nicht zuletzt gehören die Eigentümer der übernommenen Dienstleister zum Kreis der Gesellschafter, da das Teccle-Modell eine Rückbeteiligung an der Gruppe vorsieht. Als Geschäftsführer wirken sie zudem bei zentralen Entscheidungen mit und bestimmen gemeinsam mit dem Frankfurter Führungsteam die Strategie.

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Investoren steigen in den ITK-Channel ein

Die Beteiligungsgesellschaft FMC, die als Investor den Aufbau der Teccle Group finanziert, steht in einer Reihe mit Unternehmen wie Aurelius, Fulcrum, Triton, VR Equitypartner oder Waterland. Sie alle haben in den vergangenen ein, zwei Jahren vermehrt in Systemhäuser und andere Dienstleister investiert. Noch vor einigen Jahren war der IT-Channel für Private-Equity-Gesellschaften relativ uninteressant, wie der Uelzener Berater Mike Bergmann beobachtet. Er hat den Kauf von Acontech durch Teccle begleitet. Nach seinen Worten war das Geschäftsmodell von Systemhäusern für Finanzinvestoren lange Zeit nicht transparent genug. „Mit der zunehmenden Standardisierung und der Industrialisierung des Service-Geschäfts ist es für sie wesentlich kalkulierbarer geworden, sich an IT-Dienstleistern zu beteiligen.“

Full Service Provider

Auf Kaisers Agenda für künftige Beteiligungen stehen weitere Cloud-Spezialisten, aber auch traditionell ausgerichtete Häuser. Denn „Cloud first“ heißt für ihn nicht „Cloud only“. Nach seiner Überzeugung ist es nicht sinnvoll, alles das, was Unternehmen heute On Premises betreiben, pauschal in die Cloud zu migrieren. „Die aktuellen und zukünftigen Anforderungen, die sich bei der Digitalisierung des Mittelstands stellen, können nur durch hybride Szenarien abgebildet werden.“ Da die Teccle Group als Full Service Provider auftreten wird, müsse sie somit auch klassische Systemintegration anbieten. Nur so könne sie den Bedarf der Kunden ganzheitlich bedienen. „Deutsche Mittelständler, also Unternehmen mit 100 bis 2.000 Seats, brauchen einen Trusted Advisor, der die wesentlichen IT-Felder aus einer Hand abdeckt.“

Auch wenn Teccle mit den ersten Zukäufen ein hohes Tempo anschlägt, ist Größe nach Auskunft Kaisers nicht das Ziel, das er und seine Geschäftsführerkollegen anstreben. Bei den Akquisitionen geht es vielmehr darum, möglichst schnell ein differenziertes Dienstleistungsportfolio mit breit gefächerter Expertise aufzubauen. Langfristig soll die Zahl der Beteiligungen aber nicht allzu stark wachsen. „Wir wollen agil bleiben“, sagt der IT-Profi. „Das ist für uns die oberste Maxime.“

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