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IDC: „Ein unumkehrbarer Weg wurde eingeschlagen“

SAP und Open Source: Ein offenes Geheimnis?

14.12.2010 | Autor / Redakteur: Rüdiger Spies, Independent Vice President / Katrin Hofmann

Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications, IDC Central Europe
Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications, IDC Central Europe

Im Jahr 2014 werden laut einer IDC-Studie 10,2 Prozent aller Anwendungs-Software auf Linux laufen. Bei SAP sind es heute schon 20 Prozent. Unübersehbar ist demnach das hohe Interesse des Herstellers – aber warum?

Im Vergleich zu 2009 wird sich die Anwendungs-Software auf Linux im Jahr 2014 verdoppeln. Damit ist Linux als Basis für Enterprise Applications nach wie vor die am schnellsten wachsende Plattform. Ob das auch für den LAMP-Stack (Linux, Apache, MySQL, PHP) gilt, ist angesichts der Übernahme von MySQL durch Oracle und eine veränderte IBM-Position bei Java – IBM unterstützt jetzt OpenJDK und nicht mehr Apache – fraglich.

Auβer Frage steht allerdings, dass SAP sich über die letzten Jahre dem Thema Open Source deutlich geöffnet hat. Sowohl die SAP-interne Nachfrage als auch die Nachfrage nach benötigten Brücken zwischen SAP-Systemen und Open-Source-Lösungen haben kräftig zugenommen. Allerdings kann man von SAP in Zukunft keine Enterprise-Software nach einer Open-Source-Lizenz erwarten – und das ist auch gut so, denn Open-Source-Lizenzmodelle eignen sich heute nicht für Software-Systeme, von denen Wohl und Wehe von Großunternehmen abhängen. Dennoch, die Brücken zwischen SAP-Systemen und Open-Source-Lösungen werden stabiler. Da wundert es auch nicht, dass SAP-Neuinstallationen bereits heute zu zirka 20 Prozent auf Linux laufen. Dieser Wert liegt um rund 100 Prozent höher als der Durchschnitt aller Anwendungs-Software.

SAPs eigenes Datenbankangebot MaxDB wurde nur relativ kurzzeitig am Markt als eine wichtige Technologie für die Unterstützung von SAP-Anwendungen positioniert. Heute ist MaxDB in einer Community-Edition als Freeware für Nicht-SAP-Anwendungen verfügbar. Daneben nutzt SAP eine Vielzahl von Open-Source-Elementen und -Produkten für die eigene Entwicklung, wie JRuby, Ruby on Rails, JQuery und die Eclipse-Plattform. Im Jahre 2009 wurde SAP zum Strategic Developer für die Eclipse-Plattform und mit 1,8 Millionen Lines-of-Code der drittgrößte Contributer. Außerdem fiel 2009 die Entscheidung, acht Apache-Projekte zu unterstützen. Darüber hinaus hält SAP eine Reihe von Beteiligungen an Open-Source-Firmen wie Alfresco, Zend/PHP, Jaspersoft, Intalio, Groundwork, MuleSoft und Black Duck. Gerade durch die Kooperation mit und die Investition in Black Duck wird deutlich, dass SAP sich mit der eigenen Entwicklungsmannschaft ernsthaft mit Open Source als Basis für zukünftige Entwicklungen auseinandersetzt.

Ursachen für Open-Source-Ausrichtung

Warum hat SAP diesen Weg eingeschlagen? Wie sich zeigt, setzen immer mehr SAP-Kunden Open-Source-Lösungen und -Technologien gezielt ein. SAP muss also ein nachhaltiges Interesse daran haben, seinen Kunden aufzuzeigen, dass sie ihr Open-Source-Know-how auch in SAP-Umgebungen sinnvoll einsetzen können. Damit ergibt sich potenziell ein größerer adressierbarer Markt für zusätzliche Lizenzen, auch bei bereits bestehenden Kunden.

Außerdem ist SAP offenbar daran interessiert, die Produktivität der eigenen Entwicklungsmannschaft durch den Einsatz von Open-Source-Komponenten zu verbessern. Darüber hinaus besteht durch ein Engagement in Open-Source-Projekten für SAP eine Chance, eine Standardisierung von SAP-Anforderungen positiv zu beeinflussen und frühzeitig neue Entwicklungsrichtungen zu erkennen. Weiterhin besteht zumindestens die Möglichkeit, Entwicklungskosten durch gemeinsame Projekte mit anderen Partnern zu senken.

Fazit: SAP ist heute wesentlich aktiver in der Open-Source-Community als noch vor zwei Jahren. Ein unumkehrbarer Weg wurde eingeschlagen, der sich an mannigfaltigen Eckpunkten erkennen lässt. Anderseits hat SAP noch ein beträchtliches Stück Weg vor sich, um auch bei einem breiten Publikum als vollwertiger Unterstützer der Open-Source-Community zu gelten. Kunden sollten SAP ermutigen, den Weg zum gemeinsamen Vorteil weiter zu verfolgen, und noch stärker nach der SAP-Position und den Open-Source-Plänen fragen.

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