Porting-Projekt ermöglicht Outsourcing der Beteiligungskundenmanagement-Software Racon migriert Raiffeisen Landesbank auf .net

Redakteur: Dr. Andreas Bergler

In rekordverdächtiger Geschwindigkeit hat die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich ihre Beteiligungskundenmanagement-Software auf .net übertragen. Verantwortlich für das Projekt zeichnet die konzerneigene IT-Tochter Racon zusammen mit dem Softwarehaus Fecher.

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Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich verfügt über 20 Bankstellen in Linz und Traun.
Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich verfügt über 20 Bankstellen in Linz und Traun.
( Archiv: Vogel Business Media )

Als IT-Tochter des Raiffeisenkonzerns entstanden, entwickelt, vertreibt und betreut die Linzer Racon Software GmbH Softwarelösungen für Banken. Eine Anzahl ihrer in den 90er Jahren entstandenen Applikationen baut auf dem Entwicklungswerkzeug Team Developer von Gupta auf. Damals wegen ihrer hohen Produktivität ausgewählt, macht diese proprietäre Technologie es heute schwer, den Betrieb der Anwendungen an Outsourcer zu übergeben oder neue Entwickler dafür zu finden. Im Beteiligungskundenmanagement (BKM) der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich sorgte eine Portierung nach .net vom migrationserfahrenen Beratungs- und Softwarehaus Fecher für den notwendigen Befreiungsschlag.

»Ende 2006 hatte sich eine Liste verschiedener Änderungswünsche angesammelt«, erläutert Rudolf Strubreiter, Prokurist bei Racon. »Da mussten wir uns entscheiden, ob wir in eine Weiterentwicklung der alten Gupta-Anwendung investieren oder einen grundsätzlichen Neuanfang wagen wollten.« Als Antwort auf einige der Kundenanforderungen hatte die Entwicklungsabteilung einen Wechsel auf das .net-Framework empfohlen. »Besonders der Wunsch nach Data Mining wäre in der alten Umgebung nur mit großer Mühe zu realisieren gewesen«, weiß Markus Strobl, technischer Produktverantwortlicher für das Projekt BKM bei Racon.

Hinzu kam, dass Betrieb und Weiterentwicklung der BKM-Anwendung an einen Outsourcer übergeben werden sollten. Hierfür war die Cubido in Leonding ausgewählt worden, die über große .net-Expertise verfügte, aber keinerlei Gupta-Erfahrung aufweisen konnte. »Wie wir es auch drehten und wendeten, wir mussten auf .net wechseln«, erinnert sich Strubreiter.

Neuentwicklung oder Migration?

Damit blieb noch die Frage nach dem richtigen Weg. »Wenn Zeit und Geld keine Rolle gespielt hätten, wäre aus technischer Sicht eine Neuentwicklung unsere erste Wahl gewesen«, erläutert Strobl. »Dann wären Altlasten kein Thema gewesen.« Allerdings war dieser Weg nicht praktikabel: Die Software war kaum dokumentiert, so dass für eine Neuentwicklung keine brauchbaren Spezifikationen zur Verfügung standen. Außerdem war der Zeitdruck groß, weil der Kunde die Änderungen dringend benötigte.

Einen Ausweg fand Racon in der automatisierten Umsetzung des vorhandenen Codes auf die .net-Plattform, die der Migrationsspezialist Fecher vorschlug. Als Mitglied von »The Porting Project«, einem internationalen Zusammenschluss von Consultinghäusern mit Gupta- und .net-Erfahrung, konnte dieser die Umstellung als toolbasierte Dienstleistung zum Festpreis anbieten. »Wir konnten uns kaum vorstellen, dass das wirklich funktioniert und haben viel manuelle Nacharbeit befürchtet«, erinnert sich Strobl. »Aber wir wollten diese Möglichkeit zumindest evaluieren.«

Für einen Versuch mit der automatisierten Migration bot sich BKM auch unter den anderen Gupta-Anwendungen der Racon geradezu an. Nach einer ersten Code-Analyse waren mit einem überschaubaren Umfang von 134.500 SAL-Zeilen und 150 Dialogen sowie einer bereits weitgehend bestehenden Trennung von Geschäftslogik und Benutzerschnittstelle die Voraussetzungen bestens. So sandte Racon Ende Februar 2007 den Gupta-Code an Fecher und erhielt nach zwei Wochen eine nach C# übersetzte .net-Version zurück, die bereits voll funktionsfähig war. »Im Grunde waren nur noch kosmetische Korrekturen nötig, etwa von unschönem Umbruch von Feldbeschriftungen«, sagt Strobl. »Lediglich einen Bug im Porting Project Framework haben wir noch gefunden, den wir aber selbst beheben konnten.«

Generationswechsel auf Knopfdruck

Für die Tests wurde die neue .net-Anwendung parallel zur alten Gupta-Version installiert. Da beide Versionen mit der identischen SQL-Server-2005-Datenbank arbeiteten, konnten Testfälle mit denselben Daten durchgespielt werden. Allerdings wurde dabei überraschend eine Reihe von Fehlern gefunden, die bereits in der Gupta-Version enthalten waren. Erst nach deren vollständiger Behebung konnte die Fachabteilung Anfang Mai grünes Licht für den Einsatz der neuen Software bei den Anwendern, rund 30 Betriebswirten und Controllern, geben.

Der Übergang auf die neue Softwaregeneration erfolgte völlig reibungslos. Da die Bedienung der portierten Anwendung gegenüber der alten Version unverändert blieb, konnten die Nutzer ohne neuerliche Schulung sofort weiterarbeiten. Auch die Performance war unverändert gut, so dass der Wechsel aus Anwendersicht weitgehend unbemerkt vonstatten ging.

Zeitgleich übernahm der neue Betreiber Cupido die Verantwortung für die neue Anwendung, den SQL Server 2005 und die zugehörigen Windows 2003 Terminal Server im Racon-Rechenzentrum in Linz. »Wir hatten Cupido von Anfang an in das Projekt eingebunden«, betont Strubreiter. So hatten deren .net-Experten bereits zu Beginn einen portierten Prototypen analysiert. »Schließlich wollten wir von vornherein dafür sorgen, dass unser Outsourcer auch die Weiterentwicklung übernehmen kann. Heute machen wir nur noch die fachlichen Vorgaben und Cupido übernimmt die technische Umsetzung«

Etappenziel erreicht

Dabei profitieren die Entwickler ganz besonders von den erweiterten Möglichkeiten der modernen .net-Plattform, zielen die wesentlichen Anforderungen der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich für die zukünftige Entwicklung ihrer strategischen Applikation doch auf serverseitige Auswertungen wie die Erstellung von Rentenreports oder die Anbindung neuer Unternehmen. »Dafür ist .net geradezu prädestiniert«, betont Strobel.

Im Vergleich zu einer Neuentwicklung auf Basis von .net liegen die Portierungskosten erheblich unter der prognostizierten Summe für ein solches Projekt. Die Einsparung beträgt für Racon als IT-Tochter der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich geschätzte 70 Prozent.

Auch Strubreiter zeigt sich mit dem Ergebnis der automatisierten Portierung ausgesprochen zufrieden. »Wir haben gesehen, dass die automatisierte Portierung grundsätzlich funktioniert und unsere Altanwendungen so innerhalb kürzester Zeit eine moderne Basis erhalten. Die Zusammenarbeit mit Fecher hat bestens funktioniert, so dass weiteren gemeinsamen Projekten absolut nichts im Wege steht.«

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