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Deutsche vertrauen der Hausbank, doch Amazon und Co. holen auf

PSD2 beendet das Bankenmonopol auf Kontodaten

| Autor: Sarah Gandorfer

Die Konkurrenz zur Bank holt auf: Mehr als jeder Vierte vertraut Amazon, im Vorjahr war es noch jeder fünfte Befragte.
Die Konkurrenz zur Bank holt auf: Mehr als jeder Vierte vertraut Amazon, im Vorjahr war es noch jeder fünfte Befragte. (Bild: Antonio - stock.adobe.com)

Trotz Vorlaufzeit und einer breiten Medienberichterstattung sind die neue EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 und ihre Auswirkungen bei vielen deutschen Verbrauchern nicht angekommen. Dabei müssen Banken jetzt Schnittstellen für Fintech-Firmen bieten.

Zu Monatsbeginn trat die Zahlungsdienste-Richtlinie Payment Services Directive2 (PSD2) nach anderthalb Jahren Vorlaufzeit in Kraft. Sinn dieses Gesetzes ist es:

  • die Sicherheit im Zahlungsverkehr zu erhöhen,
  • den Verbraucherschutz zu stärken,
  • Innovationen zu fördern und
  • den Wettbewerb im Markt zu steigern.

Das geschieht unter anderem bei der Anmeldung zum Online-Banking durch die 2-Faktor-Authentifizierung. Papierhafte iTAN-Liste können jetzt nicht mehr verwendet werden. Was den Wettbewerb betrifft, müssen Banken ab sofort anderen, bei der Finanzaufsicht registrierten Unternehmen Einblick in Kontodaten gewähren, wenn der Kontoinhaber dem zustimmt.

Laut einer Online-Umfrage mit 1.000 Verbrauchern im Auftrag des Informationsdienstleisters Crifbürgel hatten 59 Prozent der befragten Teilnehmer im August 2019 noch nie von PSD2 gehört. Die übrigen 41 Prozent kannten zwar den Begriff, doch nur 7 Prozent der Befragten wussten auch, was sich dahinter verbirgt. Als wichtigste Quelle zum Thema PSD2 nannten 15 Prozent der Befragten ihre Bank, dann erst folgen klassische Medien mit 11 Prozent sowie soziale Medien mit 10 Prozent.

Paypal und Co.

Nur rund jeder sechste Befragte (17 %) hat schon einmal Services genutzt, für die er den Zugriff auf sein Bankkonto erlaubt hat. Hierzu zählen beispielsweise Online-Vergleichsseiten oder Banking-Apps. 83 Prozent geben an, bisher keine solchen Dienste genutzt zu haben. Allerdings verwenden 70 Prozent der Befragten diverse Finanz-Apps externer Anbieter: 59 Prozent tätigen damit Überweisungen, zum Beispiel mit Paypal. 35 Prozent der Befragten prüfen ihren Kontostand mit einer Mobile-Banking-App wie Numbrs und weitere 24 Prozent nutzen Apps zum Bezahlen mit dem Smartphone. „Dass solche Funktionen auch mit Kontodaten arbeiten, die EU-Richtlinie daher auch für Paypal und Co. gilt, und wie Zugangswege und Bezahlvorgänge genau verlaufen, erschließt sich den Nutzern offenbar noch nicht vollständig“, sagt Christian Bock, Geschäftsführer bei Crifbürgel. „Nutzen schlägt hier also Wissen.“

Bisher gaben die User solchen Diensten oft einfach die Login-Daten zu ihren Konten und diese griffen dann auf die Daten zu. Das wird mit PSD2 anders: Die Anbieter brauchen nun die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer, gesichert durch PIN und andere Authentifizierungen – je nach Vorgabe der Bank muss die Einwilligung alle drei Monate erneuert werden. Überdies werden die Anbieter nun von der BaFin überwacht, das war zuvor nicht der Fall. Mit der PSD2-Richtlinie wird also der Verbraucherschutz gestärkt und es werden neue Services möglich: So können Vergleichsportale künftig nicht nur die günstigsten Versicherer oder Stromanbieter auflisten, sondern auf Basis der Kontodaten des Kunden prüfen, ob er oder sie für Versicherung oder Strom zu viel bezahlt.

45 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass bei ihnen Benachrichtigungen, wenn sie zum Beispiel bei Stromanbieter- oder Versicherungswechsel Geld sparen können, großen Anklang finden würde. 34 Prozent würden es auch begrüßen, wenn sie unverbindlich individuelle Angebote für Kredite oder einen neuen Stromtarif erhalten.

Schutz vor Cyberkriminalität

Es gibt außerdem PSD2-basierte Angebote, die dabei helfen, die Identität des Kunden und seine Daten vor Missbrauch zu schützen. Dazu überwachen Spezialisten die vom Kunden registrierten Daten, wie etwa Name und Adresse, Kontonummer oder Kreditkartendaten, im Internet sowie im Dark Web und geben Bescheid, wenn verdächtige oder gar gestohlene Daten auftauchen. Eine solche Benachrichtigung finden 64 Prozent der Befragten deutlich interessanter als Versicherungen oder persönliche Hilfestellungen (39 %) im Falle eines Identitätsdiebstahls.

Dabei ist es für 65 Prozent der Befragten bei der Wahl eines solchen Sicherheitsanbieters besonders wichtig, dass sie den Zugriff auf ihre Bankdaten jederzeit widerrufen können. 55 Prozent erlauben den Zugriff, wenn der Anbieter europäische Datenschutzstandards einhält und weitere 55 Prozent teilen ihre Bankdaten, wenn sie bereits gute Erfahrungen mit dem jeweiligen Anbieter gemacht haben.

Als vertrauenswürdigster Anbieter gilt für 67 Prozent die eigene Hausbank. Sie konnte gegenüber dem Vorjahreswert von 64 Prozent nochmal 3 Prozentpunkte zulegen und verweist andere Banken und Kreditinstitute mit nur 30 Prozent auf die hinteren Plätze. Amazon vertrauen bereits 26 Prozent der Befragten. Andere Konzerne wie Google (15 %) und Facebook (8 %) rangieren bei der Frage „Wem würden Sie beim Zugriff auf Ihre Bankdaten vertrauen?“ dagegen auf den hinteren Rängen. Auch Anbieter wie Numbrs (10 %) und N26 (12 %) stehen kaum besser da.

Doch die Wettbewerber der alteingesessenen Geldinstitute holen auf: Im Vergleich zum Vorjahr legte Amazon 6 Prozentpunkte zu, N26 und Numbrs jeweils 4, selbst Google und Schlusslicht Facebook konnten 2 Prozentpunkte gutmachen. Bei der eigenen Hausbank waren es immerhin noch 3, bei den anderen Banken dagegen nur ein Prozentpunkt.

„Das Rennen ist eröffnet. Trotz möglicher Datenschutzbedenken stehen internationale Web-Konzerne wie etwa Amazon bald gleichauf mit den Unternehmen der deutschen Kreditwirtschaft“, betont Bock. „Die Befürchtung vieler Banken, den Kontakt zum Kunden zu verlieren, ist also durchaus begründet. Ihr oberstes Ziel muss daher sein, ihre Angebotspalette mit PSD2 zu erweitern, eigene Partner-Netzwerke aufzubauen und so den Kunden Mehrwerte zu bieten, die diese sinnvoll und attraktiv finden.“

Umstellung lockt Betrüger

Aktuell nutzen Cyberkriminelle den Start der PSD2 und die damit verbundene Verwirrung, um Bankdaten abzugreifen. In Phishing-Mails geben sich Betrüger als Bank oder Zahlungsdienstleister wie Paypal aus. Sie fordern den Empfänger auf, ihre Daten wegen der PSD2 auf gefälschten Banken-Websites einzugeben. Sie drohen anderenfalls damit, ein Konto einzufrieren, wenn der Kunde der Aufforderung nicht nachkommt.

Wer solch eine zweifelhafte Mail erhält, sollte keinesfalls Links anklicken oder Dateianhänge öffnen. Banken und Zahlungsdienstleister fragen grundsätzlich niemals Kundendaten oder Zugangsdaten zum Konto per Mail oder Telefon ab.

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