Onlineshops der stationären Händler wachsen langsamer Online-Handel wird 80 Milliarden-Marke knacken

Autor: Sarah Gandorfer

Die Verbraucherbefragung „Interaktiver Handel in Deutschland“ zeigt, dass der E-Commerce im Aufschwung ist. Zwar sind einige Bereiche, wie Bekleidung und Reisen, wegen Corona ins Stocken geraten, doch dafür konnten andere kräftig zulegen.

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Harte Arbeit in kriselnden Zeiten hat sich für den Onlinehandel gelohnt.
Harte Arbeit in kriselnden Zeiten hat sich für den Onlinehandel gelohnt.
(Bild: © borussensass - adobe.stock.com)

Schon in der Halbjahresbilanz brillierte der Online-Handel mit guten Zahlen, nun legte er auch im dritten Quartal mit einem Plus von 13,3 Prozent überdurchschnittlich zu. Das sind 11,6 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahresquartal. Kumuliert erhöhte sich der E-Commerce-Umsatz seit Jahresbeginn im Vergleich mit den ersten neun Monaten 2019 um 10,6 Prozent auf 56.034 Millionen Euro. Dennoch liegt das im Jahr 2020 aufgelaufene Wachstum prozentual noch leicht unter dem Schnitt der Vorjahre. Grund ist der pandemiebedingte Einbruch, der sich vor allem im Bekleidungssektor bemerkbar macht. Die Tatsache, dass die Menschen während des Lockdowns weniger das Haus verlassen und im Homeoffice bleiben und sich deshalb nicht nach den jüngsten Modetrends kleiden, macht sich bemerkbar. Wobei auch dieser Bereich mittlerweile wieder auf normalem Wachstumskurs ist.

Rückzug ins Private

Weiterhin auffällig bleibt der so genannte Cocooning-Effekt: Wegen Covid-19 ziehen sich die Leute von der Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurück. Das Geld, das nicht in Reisen fließen konnte, investierten die Deutschen entsprechend gern in Haus- und Gartenmöbel. Der Cluster Einrichtung legte mit 19,5 Prozent auf 3.205 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer zu (3. Q. 2019: 2.682 Mio. EUR inkl. USt). Überdurchschnittlich oft bestellten die Deutschen auch ihre Medikamente online. Diese Warengruppe wuchs von 220 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer im dritten Quartal 2019 auf 312 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer im Vergleichszeitraum 2020.

Deutlich schwächer als der Gesamtmarkt entwickelte sich das Cluster „Unterhaltung“, welches nur um 6,1 Prozent auf 6.079 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer zulegen konnte (3. Q. 2019: 5.730 Mio. EUR inkl. USt). Abkoppeln konnten sich auch hier die Video- und Musik-Downloads als Ersatz für Kino und Konzerte. Diese Kategorie legte online um 18,7 Prozent auf 717 Millionen Euro zu (3. Q. 2019: 605 Mio. EUR).

„Obwohl seit Juli alle Läden wieder geöffnet haben, verlassen sich viele Verbraucher weiter auf die belastbaren Lieferstrukturen des Online- und Versandhandels,“ so Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh). „Im Vergleich der Vertriebskanäle ist erneut sichtbar geworden, dass die reinen Distanzhändler den größten Teil des Marktwachstums im E-Commerce an sich ziehen konnten.“

Von Juli bis September 2020 verzeichnete die Branche im Online-Handel 19.329 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer (3. Q. 2019: 17.063 Mio. EUR inkl. USt). Im gesamten Interaktiven Handel (Online- und klassischer Versandhandel) kauften im dritten Quartal 2020 die Verbraucher Waren für 19.650 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer (3. Q. 2019: 17.467 Mio. EUR inkl. USt). Demnach hat der Onlinehandel inzwischen einen Anteil von 98,4 Prozent am Gesamtumsatz des Interaktiven Handels. Die digitalen Dienstleistungen wie elektronische Tickets, Downloads, Hotelbuchungen oder ähnliches, verloren weiterhin massiv und erreichten mit einem Umsatz von 1.702 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer nur noch ein Drittel des Vorjahreswertes von 5.099 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer.

Mehr als 80 Milliarden

Es gibt Unterschiede zwischen reinen Online-Händlern und denen, die neben ihrem Ladengeschäft einen Internetshop betreiben. So konnten die Shops der stationären Händler nur um 6,7 Prozent an Umsatz hinzugewinnen und erzielten somit 2.692 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer (3. Q. 2019: 2.522 Mio. EUR inkl. USt) und stehen damit für nur knapp 14 Prozent des E-Commerce. Vor Jahresfrist waren es noch 14,8 Prozent Marktanteil, im dritten Quartal 2019 knapp 15 Prozent. Um etwas mehr als 1,1 Milliarden Euro legten hingegen die Online-Marktplätze auf insgesamt 9.075 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer zu. Prozentual ist das ein Wachstum von 13,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (7.965 Mio. EUR inkl USt). Am stärksten konnten erneut die Shops der klassischen Versandhändler wachsen. Sie erreichten 3.495 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer, 17,3 Prozent mehr als im dritten Quartal 2019 (2.980 Mio. EUR inkl. USt). Mit einem Wachstumssprung um 10,9 Prozent auf 2.957 Millionen Euro (3. Q. 2019: 2.688 Mio. EUR) verpassten die reinen Onlinehändlern im dritten Quartal nur knapp die Grenze von 3 Milliarden Euro, lagen aber auch leicht unter dem Marktwachstum.

Trotz der Delle im ersten Quartal wird der E-Commerce-Umsatz allein mit Waren nach Einschätzung des bevh in diesem Jahr die 80 Milliarden-Marke erreichen. Für den Gesamtmarkt des Interaktiven Handels mit physischen Gütern rechnet der Bundesverband mit einem Wachstum von zehn Prozent auf rund 82 Milliarden Euro brutto. „Je nach Entwicklung der kommenden drei Monate kann der gesamte E-Commerce, inklusive Dienstleistungen, noch die 90 Milliarden Euro-Grenze überspringen. Sobald Reisen und Veranstaltungen wieder online gebucht werden, wird das Marktvolumen des E-Commerce mit Endverbrauchern sicher mehr als 100 Milliarden Euro inklusive Umsatzsteuer erreichen,“ prognostiziert Wenk-Fischer.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS