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Finanzierungsmonitor 2019

Mittelstand droht finanzielle Überforderung durch Digitalisierung

| Autor: Sarah Gandorfer

Unternehmen fragen größere Kreditvolumina und längere Laufzeiten nach, um sich das derzeit niedrige Zinsniveau längstmöglich zu sichern.
Unternehmen fragen größere Kreditvolumina und längere Laufzeiten nach, um sich das derzeit niedrige Zinsniveau längstmöglich zu sichern. (Bild: © Bits and Splits - stock.adobe.com)

Der deutsche Mittelstand kommt mittlerweile schlechter an Kredite als noch vor einem Jahr. Zudem befürchten viele beim Thema „Digitale Transformation“, das ihnen hierbei das Geld ausgeht. Dennoch herrscht keine allgemeine Krisenstimmung.

Die mittelständischen Unternehmen scheinen sich bereits jetzt auf konjunkturell schwierigere Zeiten vorzubereiten. Das geht aus der Studie „Finanzierungsmonitor 2019“ hervor, die der digitale Mittelstandsfinanzierer Creditshelf herausgegeben hat. Hierfür wurden 200 Finanzentscheider aus Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen befragt.

47 Prozent der deutschen Mittelständler beklagen, dass ihr Geschäft von den aktuellen globalen Handelsstreitigkeiten stark beeinflusst wird. Des Weiteren verzeichnet die Hälfte der Betriebe einen schlechteren Zugang zu Krediten als noch vor zwölf Monaten.

„Wie unsere Studie weiter zeigt, haben die Unternehmen aber noch nicht komplett auf Krisenstimmung geschaltet“, äußert sich Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von Creditshelf, zu der Umfrage. „So rechnet die Mehrheit der befragten Finanzentscheider damit, dass nach den bereits 2018 erfolgten Anpassungen zunächst keine weiteren Verschlechterungen der Finanzierungskonditionen folgen werden.“

Dass es zu einer konjunkturellen Trendwende kommen soll, prophezeien sowohl das Ifo-Institut wie auch Deloitte. Auch das Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) präsentiert sich eher verhalten. Viele Unternehmen scheinen den Umschwung zu spüren und beginnen sich entsprechend vorzubereiten. „Wir beobachten auf unserer Plattform, dass die Unternehmen tendenziell größere Kreditvolumina und längere Laufzeiten nachfragen, um sich das immer noch niedrige Zinsniveau so lange wie möglich zu sichern“, führt Bartsch aus.

Prof. Dr. Dirk Schiereck, der den „Finanzierungsmonitor“ seit seiner ersten Auflage im Jahre 2016 wissenschaftlich begleitet, beobachtet zwar eine erhöhte Aufmerksamkeit aber noch keine wirkliche Unruhe. „Die aktuellen Erfahrungen mit Strafzöllen und Einfuhrkontingenten sollten dennoch Warnung genug an die Unternehmen sein, eine wetterfeste Finanzierungsstruktur aufzubauen, falls dies noch nicht geschehen ist“, mahnt der Finanzierungsexperte der TU Darmstadt.

Digitalisierung als Flaschenhals

Hinzu kommt das Thema Digitalisierung, an dem kaum ein Weg vorbeiführt, will man wettbewerbsfähig bleiben. So befürchten zwei von drei mittelständischen Firmen, dass die Digitale Transformation ihres Betriebs sie finanziell überfordern könnte. Besonders die Dienstleistungsbranche blickt deshalb angespannt in die Zukunft.

„Unter den Dienstleistern befürchten besorgniserregende 71 Prozent der Unternehmen, dass ihnen mitten im digitalen Umbruch die finanzielle Kraft ausgehen könnte“, erläutert Bartsch das Studienergebnis. „Die aktuelle Kreditpolitik der Banken könnte also dafür sorgen, dass der Großteil des Sektors nicht in der Lage sein wird, die nun wichtigen Weichenstellungen in Richtung digitaler Geschäftsmodelle vorzunehmen. Seit der Finanzkrise neigen Banken nämlich dazu, schnelle und unbesicherte Kredite seltener an Mittelständler auszugeben.“ Bei 33 Prozent der Mittelständler sind die Betriebsmittelkredite nur bis zu einem Drittel mit Sicherheiten unterlegt.

Der „Finanzmonitor 2019“ zeigt allerdings auch, dass der Vorwurf, der Mittelstand hätte im jahrelangen Konjunkturhoch mit gut gefüllten Auftragsbüchern zu wenig an die Zukunft gedacht, nicht stimmt. Drei Viertel der für die Studie befragten Finanzentscheider räumen dem der Digitalisierung in ihrer Investitionsplanung eine wichtige oder sogar sehr wichtige Bedeutung ein. Dennoch befürchten 68 Prozent, dass der Faktor Finanzierung bei der Digitalisierung ihres Gewerbes zum Flaschenhals werden könnte.

„Gerade für Mittelständler war der anhaltende wirtschaftliche Boom in den vergangenen Jahren Fluch und Segen zugleich“, findet Schiereck. „Denn wenn ein Unternehmen bereits an der Grenze seines Kreditrahmens arbeitet, um Projekte und Aufträge vorzufinanzieren, bleibt trotz bester Absichten für Investitionen in die Zukunft oft schlichtweg zu wenig finanzielle Luft.“

Betriebsmittelfinanzierung

Dabei schätzen die Studienteilnehmer die Offenheit klassischer Banken gegenüber immateriellen Vermögenswerten mit 69 Prozent als gut ein. Nur drei Prozent halten diese für „gar nicht offen“ und 28 Prozent für „weniger offen“. Derzeit finanzieren 44 Prozent der befragten ihre Betriebsmittel zu 26 bis 50 Prozent über klassische Kredite. Bei 18 Prozent liegt dieser Wert sogar bei 51 bis 75 Prozent.

Befragt nach der Zusammenarbeit mit den Banken antwortet ein Drittel (31 %) „partnerschaftlich“ und 46 Prozent „eher partnerschaftlich“. Zudem fanden die Meisten die Zusammenarbeit als „unbürokratisch (27 % beziehungsweise 40 %), „schnell“ (31 % beziehungsweise 46 %), „günstig“ (35 % beziehungsweise 46 %) und „flexibel“ (35 % beziehungsweise 40 %). Weniger als ein Drittel hat demnach also eher negative Erfahrungen in puncto Kooperationsbereitschaft der Banken gemacht. Besonders wichtig ist den Finanzentscheidern die Geschwindigkeit der Kreditzusage. Denn 15 Prozent brauchen diese innerhalb einer Woche; 35 Prozent innerhalb von zwei Wochen. Nur für elft Prozent spielt das Tempo kaum eine Rolle.

Auch wenn sich gerade mittelständische Betriebe in vergangenen Phasen des wirtschaftlichen Abschwungs immer wieder erfolgreich auf ihre Innovationskraft besonnen haben, könnte es diesmal anders laufen, glaubt Creditshelf-Vorstand Bartsch: „Es geht aktuell nicht darum, vorhandenes Knowhow zu reaktivieren, sondern neues, zum Teil branchenfremdes Wissen aufzubauen. Da die Unternehmen dabei nicht auf Zeit spielen sollten, führt kein Weg daran vorbei, bei Digitalisierungsprojekten auch abseits der klassischen Kreditgeber nach neuen, innovativen Finanzierungspartnern zu suchen.“

Für 2019 planen 38 Prozent der Befragten einen Kredit für ihre Betriebsmittel aufzunehmen. 33 Prozent wollen Aufträge vorfinanzieren und 30 Prozent einen neuen Standort eröffnen. Auf Platz vier bei der Finanzierung steht die Realisierung von Digitalisierungsprojekten (28 %).

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