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ifo-Geschäftsklimaindex, Deloitte CFO Survey und HDE-Konsumbarometer

Deutsche Wirtschaft schaut pessimistisch in die Zukunft

| Autor: Sarah Gandorfer

Die Erwartungen der Gewerbe an ihr Geschäft sinken weiterhin.
Die Erwartungen der Gewerbe an ihr Geschäft sinken weiterhin. (Bild: magele-picture - stock.adobe.com)

Dank der Europäischen Zentralbank liegen die Zinsen auf einem Rekordtief von Null Prozent. Das Jahr 2018 war geprägt von technischen Weiterentwicklungen rund um die Digitalisierung. Die deutsche Wirtschaft florierte. Für das neue Jahr sehen die Wirtschaftsprognosen allerdings nicht ganz so rosig aus.

Sowohl das ifo-Institut wie auch Deloitte halten eine Trendwende des derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwungs hierzulande für wahrscheinlich. Auch das Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) ist auf dem niedrigsten Niveau seit dessen Start im Oktober 2016.

So ist der ifo-Geschäftsklimaindex im Dezember auf 101,0 Punkte gefallen, nach 102,0 Punkten im November. Die Unternehmen waren erneut weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Die Erwartungen trübten sich ebenfalls weiter ein.

Gute Lage in Großhandel und Baugewerbe

Gerade im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index deutlich gesunken. Der Grund waren vor allem die Erwartungen der Unternehmen. Diese sind erstmals seit Mai 2016 negativ. Entsprechend korrigierten die Firmen ihre Produktionspläne nach unten. Auch die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich etwas. Sie liegt allerdings weiterhin auf einem hohen Niveau.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima merklich verschlechtert. Die Dienstleister waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden als im Vormonat. Entsprechend fielen die Erwartungen weniger optimistisch aus.

Im Handel sank der Index gleichfalls leicht. Während sich im Großhandel das Geschäftsklima leicht verbesserte, gab es im Einzelhandel etwas nach.

Im Bauhauptgewerbe verharrte das Geschäftsklima auf dem sehr hohen Niveau des Vormonats. Die Baufirmen schätzten ihre aktuelle Lage noch einmal etwas besser ein. Die Erwartungen hingegen fielen leicht.

Verbraucher sind verhalten

Nach dem Rückgang im Vormonat ist das HDE-Konsumbarometer im Januar von 100,12 auf 99,30 Punkten gefallen. Dieser Wert markiert den bisherigen Tiefststand, seitdem es berechnet wird. Damit hat der Konjunkturpessimismus der privaten Haushalte zu Beginn des Jahres 2019 weiter zugenommen. Ähnlich wie Unternehmen und Konjunkturforschungsinstitute erwarten die Verbraucher eine Abkühlung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums. Für das Barometer werden monatlich 2.000 Personen zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und zu anderen konsumrelevanten Faktoren befragt.

Seit Beginn des HDE-Konsumbarometers im Oktober 2016 war die Stimmung noch nie so schlecht.
Seit Beginn des HDE-Konsumbarometers im Oktober 2016 war die Stimmung noch nie so schlecht. (Bild: HDE)

Der HDE fordert deshalb Maßnahmen zur Entlastung der Verbraucher, um die gute Binnenkonjunktur auf Dauer zu stärken. „Die Binnenkonjunktur braucht positive Impulse. Gerade kleine und mittlere Einkommen sollten deutlich entlastet werden“, fordert HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Als Zeichen der Verlässlichkeit von Politik sei es außerdem wichtig, den Solidaritätszuschlag - so wie ursprünglich zugesagt - zu streichen oder zumindest abzubauen.

Brexit, China und USA verunsichern

Der halbjährlich erscheinende „Deloitte CFO Survey“, für welchen 180 CFOs deutscher Großunternehmen befragt wurden, zeichnet auch kein besseres Bild. Zwar hält der Aufschwung in Deutschland weiterhin an. Doch scheint eine Trendwende laut den Analysten wahrscheinlich.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass bei den deutschen Großunternehmen in puncto Investitionswille eher Vorsicht regiert – und wenn sie Investitionen planen, dann bevorzugt im eigenen Heimatmarkt.

Politische Unsicherheiten, etwa der Handelskonflikt zwischen China und den USA oder der ungewisse Ausgang der Brexit-Verhandlungen, führen dazu, dass fast jedes fünfte Unternehmen die eigene Globalisierungsstrategie überprüft. Dies gilt besonders für die chemische Industrie (38%) und den Maschinenbau (33%).

Des Weiteren sehen 65 Prozent der befragten CFOs den Fachkräftemangel als den größten Risikofaktor für ihr Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten. Das ist mit einem Plus von 14 Prozent ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Der Fachkräftemangel verschiebt damit das ersten Mal seit langer Zeit die geopolitischen Risiken (60% der Nennungen) auf Platz 2 in der Risiko-Skala.

Gemäß Deloitte seien die Auswirkungen des Fachkräftemangels keinesfalls abstrakt, sondern betreffen die Unternehmen sehr konkret. So steigen bei drei Vierteln die Kosten der Personalrekrutierung und 39 Prozent beklagen entgangene Wachstums-Chancen. Rund ein Viertel gibt sogar an, dass die Produktivität unter dem Mangel an Fachkräften leidet.

Aktuell scheint der Fachkräftemangel so ausgeprägt zu sein, dass es nicht allein um fehlende Fähigkeiten und Kompetenzen geht, sondern vor allem um einen Mangel an Fachkräften an sich. 44 Prozent der Unternehmen beschreiben ihre Situation in dieser Weise. Besonders dramatisch ist die Situation im Technologie/ IT-Bereich: Hier spüren 57 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel am stärksten. Aber auch die Bereiche Fertigung, Forschung und Entwicklung sind stark betroffen.

Kostenreduktion als Hauptziel

Den pessimistischen wirtschaftlichen Aussichten wollen die CFOs meist durch Senkung der indirekten Kosten zu Leibe rücken. Zumindest misst fast die Hälfte der Befragten dem Thema eine hohe oder sehr hohe Priorität zu, gut ein Drittel immerhin eine erhöhte Priorität.

Bei den indirekten Kosten schätzen 51 Prozent einen Anstieg der Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten und 36 Prozent einen Anstieg der Produktionsgemeinkosten. Die Hauptgründe für die Erhöhung des Kostenniveaus sind laut Studie vor allem steigende Personalkosten und höhere Regulierungsanforderungen.

Für die Optimierung der indirekten Kostenbereiche setzen die Unternehmen auf einen Mix aus eher traditionellen Maßnahmen und innovativen Ansätzen. Das höchste Potenzial hat aus Sicht der befragten CFOs dabei die Prozessstandardisierung, gefolgt von der Automatisierung transaktionaler Prozesse (einschließlich Robotics Process Automation). Bei den Ansätzen zur Prozessoptimierung nennen die Unternehmen vorranging und auf jeweils ähnlich hohem Niveau das Continious Improvement, den Lean-Ansatz und das Demand Management.

Zudem kommen im Rahmen der organisatorischen Maßnahmen funktionsübergreifenden Zusammenarbeit sowie der Aufgabenbündelung die höchste Bedeutung zu. Daneben setzen die Firmen jedoch weiterhin auf klassische Organisationsmaßnahmen wie Shared Services und Outsourcing.

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