Meckernde Waschmaschinen und Bier kaufende Kühlschränke Mit Atom, Centrino 2 und Common Building Blocks in die Intel-Zukunft

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Mit Centrino 2 bringt Intel frischen Wind in die Notebook-Branche. Künftige Atom-CPU-Generationen sollen neben Netbooks auch braune und weiße Ware erobern. IT-BUSINESS sprach mit Channel-Chef Dirk Claasen über die Entwicklung.

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Dirk Claasen, Channel-Chef bei Intel
Dirk Claasen, Channel-Chef bei Intel
( Archiv: Vogel Business Media )

ITB: Für viel Wirbel und einen Peak im Intel-Aktienkurs sorgte die Einführung der Atom-Prozessoren. Welche Bedeutung messen Sie dieser Produktsparte bei?

Claasen: Ich denke, viele haben sich noch gar keinen Begriff davon gemacht, was für einen revolutionären Ansatz wir mit diesen Prozessoren eigentlich fahren. Während wir früher CPUs für Desktops, Notebooks und Server entwickelt haben, sind wir hier in ein völlig neues Marktsegment vorgedrungen, das bisher von ARM-Prozessoren dominiert war. In der Praxis sah das so aus, dass Hersteller von Geräten, die auf entsprechende Prozessoren ausgelegt waren, die Lizenzen für ARM-Prozessoren gekauft haben. Diese Basistechnologie wurde implementiert und relativ viel selbst hinzu entwickelt, was zu einer sehr fragmentierten Technologie geführt hat. Der Vorteil von Atom-Prozessoren liegt vor allem in der Intel-Kompatibilität der einzusetzenden Software. Das führt beispielsweise dazu, dass HTML-Seiten optimal auf Atom-Hardware dargestellt werden. Die Softwarekompatibilität spielt aber auch in puncto Vernetzung eine große Rolle. Ich gehe fest davon aus, dass wir – spätestens zur zweiten oder dritten Generation – Atom-CPUs in vielen vernetzten Alltagsgegenständen vorfinden werden: weißer Ware, brauner Ware, Autos. Hier darf ruhig ein wenig Phantasie eingesetzt werden: Wie wäre es beispielsweise mit einer Waschmaschine, die RFID-Chips in meiner Kleidung scannt und mich alarmiert, wenn ein Kleidungsstück für 90-Grad-Wäsche nicht geeignet ist...

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ITB: Klingt genauso gut, wie der Bier bestellende Kühlschrank, von dem immer wieder die Rede ist. Aber konnten die Neuerungen auf Produktseite auch in bare Münze verwandelt werden? Wie sehen denn die Ergebnisse im soeben beendeten, zweiten Quartal aus?

Claasen: Intel hat im zweiten Quartal den Rekordumsatz von 9,47 Milliarden US-Dollar erzielt und wir lagen damit am oberen Ende unserer Erwartungen. Gegenüber dem Vorjahr konnten wir eine Steigerung um neun Prozent erzielen. Noch weitaus besser hat sich das Quartal auf das operative Ergebnis ausgewirkt. Dort hatten wir eine sehr starke Steigerung um 67 Prozent auf 2,26 Milliarden Dollar. Damit hat sich der Nettogewinn auf 1,6 Milliarden Dollar oder 0,28 US-Cent pro Aktie verbessert. Die Atom- und die neue Centrino-2-Prozessortechnologie hatte dabei noch keinen Einfluss. Dies wird erst in der zweiten Jahreshälfte zum Tragen kommen.

ITB: Welche Rolle hat der Channel bei dem Umsatz gespielt?

Claasen: Für meinen Verantwortungsbereich des Channels in Deutschland und Österreich kann ich ihnen versichern, dass wir das beste Q2-Ergebnis seit Bestehen des Channels hatten. Vor allem in Deutschland war die Nachfrage immens, und wir haben eine Steigerung zum Vorjahr von sagenhaften 86 Prozent erzielt. Dies ist vor allem den Umsätzen der Desktop-CPUs zu verdanken. Mehrere Effekte kamen hierbei zusammen. Während der Desktop-Markt für den Channel nur einen geringen Anteil am Wachstum hatte, konnten wir gegenüber dem Vorjahr viele Prozentpunkte an Marktsegment-Anteilen von unserem Wettbewerb zurückgewinnen. Zudem hat der Channel eine starke Position im Desktop-Bereich, da sich die internationalen OEMs auf das Hype-Segment der Notebooks und Nettops stürzen. Wir sehen also Effekte, dass der Channel von den großen OEMs hier Marktanteile zurückgewinnt. Offensichtlich ist dies im Retail-Geschäft geschehen. Viele Channel Premier Partner setzen immer größere Mengen an PCs über kleinere Handelsketten ab. Aber auch das Serversegment ist um fast 40 Prozent gewachsen – getrieben durch die Markteinführung unseres Modular Servers, der ein neues Blade-Konzept für den Mittelstand darstellt.

Lesen Sie im nächsten Teil mehr über die strategische Bedeutung von Centrino 2 und Wimax.

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