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Wege aus der Nachwuchslücke

Mit Academy gegen den Arbeitskräftemangel

| Autor: Wilfried Platten

Der Bedarf an qualifiziertem IT-Nachwuchs ist ungebrochen.
Der Bedarf an qualifiziertem IT-Nachwuchs ist ungebrochen. (Bild: kyo - stock.adobe.com)

In zwölf Wochen zum IT-Spezialisten? Das Versprechen der Academic-Work-Tochter Academy ist ebenso groß wie die Skepsis des kritischen Betrachters. Der erste Kurs in Deutschland ist bereits im Juli gestartet.

Ob es an der Kundschaft liegt? Die Klientel des Münchner Systemhauses Microstaxx kommt vorwiegend aus dem Bereich Forschung & Lehre. Da verwundert es kaum, dass das Rekrutierungsproblem bezüglich qualifizierten Nachwuchses mit Hilfe von Academic Work – des zweitgrößten Personaldienstleisters in Schweden – und dessen 100-prozentiger Tochter Academy gelöst werden soll.

Wie für so viele ihrer HR-Kolleginnen und -Kollegen sind auch für Barbara Burkner, Prokuristin und Manager Human Resources/Finance, die herkömmlichen Quellen zur Rekrutierung geeigneter IT-Spezialisten praktisch versiegt: „Egal ob Hersteller, Kunden oder Dienstleister, wir fischen letztlich alle im selben Teich“. Und der ist, um im Bild zu bleiben, gnadenlos überfischt. Denn der Bedarf an IT-Expertise wächst ständig: „Kaum ein Berufsbild wird in Zukunft ohne entsprechendes Knowhow auskommen.“

Barbara Burkner, Prokuristin und Manager Human Resources/Finance bei Microstaxx
Barbara Burkner, Prokuristin und Manager Human Resources/Finance bei Microstaxx (Bild: blende11_Fotografen)

Dabei wurden alle Register bereits gezogen: „Wir behandeln unsere Mitarbeiter wie edle Rennpferde: intensive interne Weiterbildung, dedizierte Ausbildungspfade mit Mentoring und Coaching, hohe Wertschätzung und natürlich ein entsprechendes Gehalt.“ Trotzdem sind offene Stellen unbesetzt, können Projekte mangels Personalmasse und -klasse nicht gestemmt werden. Zeit also, neue Wege zu gehen.

Die Skills sind egal

Und genau hier kommt Academy ins Spiel. In Skandinavien ist die Mutter Academic Work eine etablierte Größe, in Deutschland ging Anfang 2018 die erste Java-Klasse an den Start. Dieser offene Kurs ist aber nur der Auftakt zu der nächsten Stufe des Recruitment-Konzepts, den sogenannten Customized Klassen, die exklusiv für einen bestimmten Kunden – im aktuellen Fall eben Microstaxx – konzipiert und durchgeführt werden. Beiden gemeinsam sind die eher ungewöhnlichen Zulassungsvoraussetzungen für die Kandidaten: „Potenziell ist die Teilnahme offen für jeden“, so Academy-Geschäftsführer Philipp Leipold. „Skills spielen erst einmal keine Rolle.“ Die potenziell geeignet IT-Spezialisten der Zukunft sollen vielmehr drei Kriterien erfüllen, beziehungsweise mitbringen:

  • Hohe Unzufriedenheit mit der aktuellen beruflichen Situation,
  • einen daraus resultierenden starken inneren Veränderungsdruck und
  • die generelle Bereitschaft für eine Idee zu brennen.

Trotzdem bringen viele der Kandidaten eine akademische Ausbildung mit. „Wir wollen Teilnehmer, die alles auf eine Karte setzen, wie bei einer Expedition“, so Leipold.

Academy-Geschäftsführer Philipp Leipold
Academy-Geschäftsführer Philipp Leipold (Bild: www.sallbergcollective.com)

Ermittelt wird die Ausprägung dieser existenziellen Grundstimmung in einem 2-Phasen-Grobfilter: In der ersten Stufe ist das ein Online-Test. Wer diese Hürde nimmt, der durchläuft mehrere Interview-Prozesse sowie weitere psychometrische Tests. Nimmt man dann noch das lediglich 12-wöchige Ausbildungsprogramm dazu dann wird klar, dass Geschwindigkeit in dem Academy-Konzept eine zentrale Rolle spielt. „Für uns ist dieses Accelerated Learning ein wichtiger Pluspunkt, denn bei interner Schulung müssen wir in der Regel acht bis neun Monate einplanen“, so HR-Chefin Barbara Burkner.

Die mentale Stärke zählt

Ob darunter nicht zwangsläufig die Qualität leiden muss? „Für uns, und damit letztlich unsere Kunden, steht die Ermittlung der mentalen Stärke im Mittelpunkt“, beschreibt Leipold das wichtigste Selektionskriterium. Konkret wird sie an fünf Punkten festgemacht:

  • Belastbarkeit
  • Logisches Denken
  • Stressresistenz
  • Technologie-Affinität
  • Extreme Fokussierung

Wer jetzt auf den immer noch sehr beliebten Einsatz konfrontativer Techniken zur Ermittlung der mentalen Stabilität und Filterung des Kaders setzt, sieht sich getäuscht: „Das wäre kontraproduktiv. Die Kandidaten sind schon nervös genug, die adaptiven Tests werden immer schwerer. Wer diesen Prozess durchläuft, ist ganz sicher stressresistent. Deshalb sind wir immer hart in der Sache, aber weich in der Kommunikation.“

Das Gehalt steht fest

Während der Ausbildungszeit sind die Kursteilnehmer per Arbeitnehmerüberlassungsvertrag an den Arbeitgeber in spe ausgeliehen. Im Falle der ersten offene Klasse wurden aus über 800 Bewerbern 15 Kursteilnehmer ausgewählt. Und jeder von ihnen hat bereits einen Arbeitsvertrag mit einem Mindestgehalt von 42.000 Euro in der Tasche, erfolgreiches Bestehen vorausgesetzt. „Aber das Scheitern kann aufgrund der intensiven Betreuung durch unserer Recruiter praktisch ausgeschlossen werden. Jeder Kursteilnehmer wird individuell betreut mit wöchentlicher Challenge. Da kann falls notwendig früh und gezielt nachgesteuert werden.“ Im Schnitt verlässt nur einer von 15 Teilnehmern den Kurs, so die Erfahrungswerte aus anderen Ländern.

Microstaxx ist einer der raren Platinum-Partner von HPE und wurde im Juni 2018 auf der Aruba Atmosphere als bester DACH-Partner ausgezeichnet. Folgerichtig ist das zum 1.1.2019 startende erste Schulungsprogramm thematisch auf Aruba ausgerichtet. Es umfasst rund 20 Prozent allgemeine Themen wie Scrum-Schulungen (Projektmanagement für agile Softwareentwicklung) oder Business Englisch, 65 Prozent Aruba-Schulungen und 15 Prozent Microstaxx-spezifische Inhalte (Wertevermittlung, Ticketsystem, usw.). Um diese passend einfließen lassen zu können, kamen die Academy-Projektmanager vorab für eine Woche zur „Bestandsaufnahme“ (Work Shadowing) ins Haus.

Vor allem aber werden die „Trockenkurse“ von Beginn durch die konstruktive Mitarbeit an realen Projekten ergänzt. Auch dies ist für Barbara Burkner ein wichtiger Pluspunkt: „Die spätere Einarbeitungszeit wird dadurch drastisch reduziert, ein produktiver Einsatz ist also viel früher möglich.“

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