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Alle Aktivitäten der OEM-Partner lösen weitere Spekulationen aus Microsofts Surface-Ankündigung wirbelt weiter Staub auf

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Harry Jacob / Harry Jacob

HP gibt dem Software-Riesen bei Windows RT einen Korb, und der OEM-Vorstand von Microsoft wirft hin – alles Zufall? Vor dem Hintergrund der Surface-Ankündigung sind sind Gerüchten und Spekulationen Tür und Tor geöffnet.

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Mit dem Einstieg von Microsoft in den Tablet-Markt ist das Verhältnis zu den OEMs angeknackst. Jetzt wird jede Bewegung im Markt als Reaktion gedeutet.
Mit dem Einstieg von Microsoft in den Tablet-Markt ist das Verhältnis zu den OEMs angeknackst. Jetzt wird jede Bewegung im Markt als Reaktion gedeutet.

Quo vadis, Microsoft? Die Tatsache, dass Microsoft nun den eigenen OEM-Partnern Konkurrenz macht und zwei eigene Tablets in den Markt bringt, hat diese geschockt und Analysten völlig überrascht. Alles im Umfeld von Microsoft, was derzeit mit Tablets und OEMs zu tun hat, steht jetzt natürlich unter Generalverdacht, eine Folge der Surface-Strategie zu sein. Die Dementis, es gebe keinen Zusammenhang, verhallen ungehört – zu schön sind die Theorien, die sich aus Spekulationen und Gerüchten ergeben.

Punkt 1: Die Personalfrage

Der bislang für die OEM-Partnerschaften zuständige Vorstand Steven Guggenheimer hat sich laut Konzernmitteilung eine Auszeit genommen. Gerüchten zufolge ist er jedoch aus Verärgerung über den Umgang mit den Original Equipment Manufacturers (OEMs) von seinem Posten zurückgetreten. Er soll aber irgendwann ins Unternehmen zurückkehren und dann eine andere Tätigkeit aufnehmen. Welche das sein könnte, gab Microsoft nicht bekannt. Ein Sprecher betonte jedoch, der Wechsel sei seit längerem geplant. Es gebe keinen Zusammenhang mit der Tablet-Strategie.

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Falls doch, dann musste Guggenheimer, der jahrelang eng und vertrauensvoll mit den OEM-Partnern zusammengearbeitet hatte, vermutlich die meiste Kritik von Seiten der OEMs einstecken. Seine Aufgabe übernimmt nun jedenfalls der bisherige Marketingchef der OEM-Abteilung, Nick Palmer. Er muss versuchen, die Beziehungen zu den Hardware-Herstellern wieder zu kitten.

Punkt 2: Das Windows-RT-Dilemma

HP hat angekündigt, keine Windows-RT-Tablets zu produzieren – zumindest vorerst nicht. Marlene Somsak, eine Konzernsprecherin von HP, teilte mit, man werde sich „auf x86-kompatible Modelle fokussieren“. Insider berichten, HP habe bereits an einem ARM-basierten Tablet gearbeitet. Die CPUs sollte Qualcomm liefern. Doch nach der Ankündigung von Microsoft, eigene Tablets unter dem Namen „Surface“ zu vertreiben, seien die Arbeiten an dem ARM-Modell zurückgestellt worden.

Speziell bei Windows RT – also dem Betriebssystem für ARM-basierte Tablets – gibt es starke Kritik an Microsoft. 85 US-Dollar soll eine Lizenz kosten, für die OEMs viel zu viel. Im Vergleich zu Android, das quasi kostenlos zu haben ist, könnten so keine wettbewerbsfähigen Preise erzielt werden, lautet die Kritik. Daher werden sich angeblich in den kommenden Wochen noch weitere Hersteller dem Schritt des weltweiten größten PC-Herstellers anschließen.

Attraktiver Consumer-Markt verloren?

Microsoft bringt dies in eine schwierige Situation. Denn Windows RT ist nicht jedem OEM zugänglich. Nur eine kleine Zahl von Anbietern sollte die Möglichkeit erhalten, ARM-basierte Windows-Tablets anzubieten. Falls dies ein Versuch gewesen sein sollte, das Angebot schmal zu halten und den auserwählten Partnern dadurch bessere Margen zu sichern, kann dieser Versuch bereits als gescheitert betrachtet werden.

Zum einen durch überraschende Surface-Konkurrenz, die bei den OEMs Befürchtungen auslöste, preislich nicht mit Microsoft konkurrieren zu können, da der Konzern ja keine Lizenzkosten zu zahlen habe, wie ein Anbieter meint. Zum anderen, weil der Preiswettbewerb nicht auf den Kreis der RT-Tablets beschränkt werden kann, sondern durch die Android-Geräte vorgegeben wird.

Die billigeren ARM-Tablets dürften den größten Teil des Marktes ausmachen, da sie eher die Consumer ansprechen. Die teureren x86-basierten Modelle dagegen haben nur ein begrenztes Marktpotenzial im Segment der Business-Anwender. Wenn nun ausgerechnet die RT-Partner abspringen, dann zahlt Microsoft einen hohen Preis für sein Hardware-Abenteuer.

Alternative Gründe

Auch in diesem Fall gibt es keine Bestätigung, dass die Entscheidung von HP tatsächlich mit der Tablet-Strategie von Microsoft zusammenhängt.

Es gibt jedoch konkurrierende Gerüchte, die auf technische Probleme bei den (auch von HP verwendeten) Halbleitern verweisen. Demnach funktioniere Windows RT noch nicht auf ARM-kompatiblen Chipsätzen von Qualcomm und Texas Instruments (TI). Der Analyst Patrick Moorhead behauptet, die beiden Chip-Hersteller hätten Probleme bei der Programmierung der Schnittstellen, auf die Windows RT aufsetzt. Lediglich Nvidia habe es bislang geschafft, funktionsfähige Treiber zu liefern, deshalb basiere das Microsoft-eigene RT-Tablet auf dem Tegra-Chipsatz.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, warum Microsoft der Spionage bezichtigt wird.

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