Das Geschäft mit Digital Signage und Pro-AV ist im Umbruch. Lösungen werden immer wichtiger, auch wenn innovative Hardware weiterhin eine große Rolle spielt. Zudem rücken KI und Nachhaltigkeit stärker in den Fokus.
2024 begrüßte ein riesiges transparentes Display die Besucher der ISE. Auch dieses Jahr wird es wieder spektakuläre Installationen geben.
(Bild: Integrated Systems Europe)
Anfang Februar wird Barcelona wieder zum Digital-Signage- und Pro-AV-Mekka. Denn dort findet mit der ISE die Leitmesse der Branche statt, zu der wieder Scharen von Herstellern, Händlern, Integratoren und Kunden pilgern werden, um ihre Produkte und Lösungen auszustellen oder sich über sie zu informieren. Für uns ist das Anlass, bei wichtigen Distributoren aus diesem Sektor nachzufragen, wie sie die aktuelle Lage der Branche beurteilen und wo sie die aktuellen Markttrends, Technologien und Lösungen sehen, mit denen der Channel weiter Wachstum generieren kann kann.
Mit Micro-LED-Displays wie Samsungs The Wall lassen riesige Displays mit enormer Auflösung realisieren.
(Bild: Samsung)
Bezüglich der Auswirkungen der Wirtschaftslage auf das Geschäft mit Pro-AV und Digital Signage gibt es durchaus unterschiedliche Bewertungen. So sieht Mike Finckh, Geschäftsführer des VAD Concept International, derzeit „erstaunlich wenig Auswirkungen“. Die Kunden, die noch im Geschäft sind, hätten realisiert, dass man an Digital Signage nicht sparen dürfe. Auch Mihael Vrhovski, Produktmanager in der Business Unit Digital Signage bei api, sieht derzeit keinen Rückgang bei der Nachfrage. „Die Mehrzahl der Projekte wird langfristig geplant, daher finden auch der Roll-Out und die Installation statt.“ Wenn Projekte zurückgestellt werden, dann noch in der Planungsphase, so Vrhovski.
Wir erleben, dass erfolgreiche Projekte heute eine intensivere Vorarbeit erfordern.
Florian Kinscher,, ITZ Display Solutions.
Florian Kinscher, Director Display Solutions beim VAD ITZ Display Solutions.
(Bild: ITZ Display Solutions)
Weniger positiv beurteilt Florian Kinscher, Director Display Solutions beim VAD ITZ Display Solutions, die Lage und erklärt: „Die aktuelle Wirtschaftslage sorgt branchenübergreifend für eine spürbare Zurückhaltung bei Investitionen – das gilt auch für Digital Signage. Entscheidungsprozesse dauern länger, Budgets werden sorgfältiger geprüft.“. Ähnlich sieht es Markus Hollerbaum, Geschäftsführer und Chief Sales Officer bei Siewert und Kau. Allerdings stellt er auch fest, dass weiter investiert wird, „wenn die zu erwarteten Ergebnisse klar messbar sind“ und den Unternehmen direkte Vorteile bringen, wie etwa eine gefestigte Kundenbindung oder einen erhöhten Verkauf. Kinscher betont den Wert stabiler Partnerschaften. Projekte erfordern zwar mehr Vorarbeit, funktionieren „aber mit der richtigen Strategie und verlässlichen Partnern genauso stabil wie zuvor.“
Integrierte Lösungen liegen im Trend
Kunden fragen weniger nach einzelnen Produkten, sondern vermehrt nach umfassenden, integrierten Lösungen aus einer Hand.
Norman Winter, Kern & Stelly
Norman Winter, Leiter Marketing DACH bei Kern & Stelly.
(Bild: Lutz Blum)
Ein wichtiges Element für erfolgreiche Projekte sind integrierte Lösungen, weiß Norman Winter, Leiter Marketing DACH bei Kern & Stelly, und nennt als Beispiele kollaboratives und Arbeiten, Unified Communication, aber auch das digitale Klassenzimmer. Der Schlüssel dafür liege in der richtigen Software, die einfach und intuitiv bedienbar sein müsse. „Besonders interessant sind dabei die Cloud-basierten Modelle unserer Anbieter, sowie KI gestützte Systeme“, ergänzt Winter.
Ingram Micro setzt laut Atila Kaplan, Executive Director Category Management bei dem Distributor, ebenfalls auf Komplettlösungen, die Partnern zur Verfügung gestellt werden. Dazu zählen Vorkonfiguration, die projektbezogene Anlieferung und Installation sowie ergänzende Finanzdienstleistungen. „Diese umfassenden Angebote ermöglichen es unseren Partnern, ihren Kunden maßgeschneiderte Lösungen zu bieten“, so Kaplan.
Wir setzen in unserem Angebot insbesondere auf die Bereitstellung von Komplettlösungen.
Atila Kaplan, Ingram Micro
Atila Kaplan, Executive Director Category Management bei Ingram Micro.
(Bild: Gudrun Kaiser)
Samsung stellte auf der letztjährigen ISE die Cloud-native All-in-One Plattform VXT vor, die für alle B2B-Displays verwendet wird. Sie ist offen für Erweiterungen von Drittanbietern für vertikale Anwendungen, die auch auf externe Daten zugreifen können.
Laut den Analysten von Invidis werden bei Digital-Signage-Software APIs für die Verbindung zu Datenquellen im Unternehmen immer wichtiger, bei der Software selbst kommen Cloud- oder Hybridlösungen zum Einsatz. Winter sieht generell eine stärkere Verschmelzung von AV- und IT-Branche, „angetrieben durch die fortschreitende Digitalisierung und die rasanten Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz“.
Künstliche Intelligenz wird zunehmend zum Innovationstreiber im Digital-Signage-Markt.
Markus Hollerbaum, Siewert & Kau
Markus Hollerbaum, Geschäftsführer bei Siewert & Kau.
(Bild: Intuitive Fotografie / Siewert & Kau)
Für Hollerbaum hängt der Erfolg der Partner einerseits von externen Faktoren wie aktuellen Markttrends und technologischen Innovationen ab, andererseits müssen diese auch die Bedürfnissen der Endkunden kennen. Zudem sei „die Bereitstellung von maßgeschneiderten, wertschöpfenden Dienstleistungen extrem wichtig geworden“. Die Künstliche Intelligenz „wird zunehmend zum Innovationstreiber im Digital-Signage-Markt“, so der Siewert-und-Kau-Geschäftsführer weiter. Denn sie biete neue Möglichkeiten für die individuelle Ansprache von Kunden, etwa im Retail, durch personalisierte Inhalte und Echtzeitanalysen. Viele Prozesse, die heute noch manuell oder halbautomatisch ablaufen, können mit KI effizienter gestaltet oder komplett automatisiert werden, ergänzt Winter. Dabei müssten Risiken und Gefahren von KI berücksichtigt werden, „ohne die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung zu bremsen“. Laut Vrhovski kommen immer mehr KI-gestützte Lösungen auf den Markt, „am PoS, bei Behörden und Ämtern, oder auch im Hotel- und Gastgewerbe“, allerdings setzte die DSGVO bei den Anwendungsmöglichkeiten Grenzen.
Stand: 08.12.2025
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Aktuelle Display-Technologien
Technologisch tut sich ebenfalls einiges. So hat Samsung seine Micro-LED-Technologie weiterentwickelt und auf der letzten ISE ein transparentes Display präsentiert. Auf der CES zeigte das Unternehmen einen Spiegel mit integriertem Micro-LED-Display. Generell bewegt sich der Markt weiter in Richtung Micro LED. Die Displays liefern eine hervorragende Bildqualität und lassen sich auf fast jede Größe skalieren. Allerdings ist die Technologie bisher noch sehr kostspielig. So kostet eine Kachel bei Samsungs The Wall bei einer Auflösung von 960 x 540 Pixel gut 13.000 Euro. Allerdings ist man in der Industrie zuversichtlich, durch Fortschritte bei der Produktion deutlich niedrigere Preise zu erreichen. Der taiwanische Hersteller AUO will binnen fünf Jahren das Niveau von OLED-Displays erreichen. Stratacache baut in den USA gerade eine Micro-LED-Produktion in einer ehemaligen Hynix-Fab auf.
Aber auch bei OLED steht die Entwicklung nicht still. LG, einer der führenden OLED-Hersteller, hat mit der Micro-Lens-Array-Technologie (MLA) eine Möglichkeit gefunden, die Helligkeit von OLED-Panels zu erhöhen, ohne dafür mehr Energie zu benötigen, was auch die Haltbarkeit beeinträchtigt.Dabei wird auf die organische Schicht des Panels eine weitere Schicht aufgebracht, die die pro Pixel einige Tausend mikroskopisch kleine Linsen enthält, die dafür sorgen, dass das Licht, das bisher im Innern der Panels als Streulicht verloren gegangen ist, nun in Richtung des Betrachters gelenkt wird.
Eine Technologie, die vor allem Displays mit vorwiegend statischem Inhalt viel sparsamer machen kann, ist ePaper. Hier im Digital-Signage-Sektor aktive Hersteller sind etwa Sharp/NEC und Philips. Beide nutzen dabei farbige Panels vom Marktführer E Ink, die nun auch in größeren Formaten und mit bis zu 60.000 Farben verfügbar sind. In ePaper-Lösungen und Digital Out of Home (DOOH) sieht Kinscher von ITZ Display Solutions vielversprechende Chancen, da Deutschland noch viel stärker analog aufgestellt sei, wie andere Länder, „was Raum für Wachstum bietet“.
Mit leistungsfähigen Laserprojektoren wie dem Epson EB-PU2216B können Theaterkulissen durch digitale Bilder ersetzt werden, die sich an eine dreidimensionale Umgebung anpassen.
(Bild: Abigail Photos)
Projektoren habe Vorteile überall dort. wo große Bilder mit wenig Aufwand erzeugt werden sollen, etwa bei Veranstaltungen oder in Hörsälen. Mit der Kombination mehrerer Beamer und der passenden Software können hier sehr große und auch gewölbte Leinwände genutzt werden. Epso wird auf der ISE eine entsprechende Lösung präsentieren. Zudem ermöglichen Projektoren mit den passenden Objektiven eine Darstellung auf komplexen Oberflächen.
Nachhaltigkeit: Vor allem bei großen Projekten ein Kriterium
Das Thema Nachhaltigkeit spiele bei den Kunden generell eine größere Rolle, erklärt Winter und verweist auf Ausschreibungen, bei denen entsprechende Nachweise und Zertifikate nötig sind. Vrhovski ergänzt, dass die Bedeutung des Energieverbrauchs mit der Größe des Projekts steige. Dabei werde öfter auf LED gesetzt, da sich Videowalls hier einfacher reparieren und damit auch nutzen lassen. Die Partner können „mit der passenden Beratung und Lösungsfindung“ weitere Potenziale erschließen, so der api-Produktmanager. Auch bei den Kunden der Ingram-Micro-Pertner sieht Kaplan, dass Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auch im Bereich AV und Digital Signage zunehmend an Bedeutung gewinnen. „Sie sind häufig wesentliche Faktoren bei der Produktauswahl“, so der Executive Director Category Management.
Green Signage ist wichtig, muss sich allerdings rechnen. Mehrkosten sind ein Showstopper.
Mike Finckh, Concept International
Mike Finckh, Geschäftsführer von Concept International
(Bild: Concept International)
Auch Hollerbaum verweist auf den steigenden Stellenwert des Energieverbrauchs „insbesondere bei größeren Rollouts“. Der Concept-International-Chef Finck gibt allerdings zu bedenken, dass Green Signage wichtig sei, aber sich auch rechnen müsse. „Mehrkosten sind ein Showstopper.“
Digitalpakt Schule als Chance für den Channel
Ein wichtiger Umsatzbringer für die Branche war der Digitalpakt Schule. Nun soll doch noch eine Neuauflage kommen. Für Hollerbaum bietet der Digitalpakt 2.0 „enormes Potenzial im Bildungssektor. Interaktive Displays und begleitende Fortbildungsmaßnahmen schaffen neue Projektmöglichkeiten und stärken den Einsatz moderner Technologien in Schulen und Bildungseinrichtungen.“ Allerdings warnt der Manager vor der bremsenden Bürokratie.
Im Bildungssektor sind die Partner gefordert, Beratung und passende Schulungen anzubieten.
Mihael Vrhovski, Api.
Mihael Vrhovski, Produktmanager, BU Digital Signage, Api.
(Bild: nadla)
Vrhovski gibt zu bedenken, dass teilweise noch die Infrastruktur fehle. Beide betonen, dass die Partner mit Beratungs- und Schulungsleistungen gefordert seien. Finck erwartet für Hardware-Lieferanten wie Concept International Umsatz durch das Upgrade von Whiteboards mit SDMs und OPCs. Das Geschäft ziehe langsam an.