Im Vorfeld des Service Provider Summits erklären Jens-Gero Boehm, VP Channel Sales DACH, und Holger Pfister, General Manager DACH bei Suse, wie sichere und souveräne KI-Lösungen den Markt revolutionieren und betonen dabei die Stärken Europas im KI-Wettbewerb.
Für Service Provider hält der KI-Boom so einige Chancen bereit. Dabei dürfen sie die daraus resultierenden Risiken aber nicht außer Acht lassen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
IT-BUSINESS: Wie verändert der anhaltende KI-Boom die Geschäftsmodelle von Service Providern, und welche Chancen sowie Risiken ergeben sich daraus für die Branche?
Jens-Gero Boehm: Der KI-Boom stellt für Service Provider eine Chance und ein Risiko zugleich dar. Entscheidend wird sein, dass die Unternehmen die Möglichkeiten der KI nutzen, während sie gleichzeitig die potenziellen Risiken minimieren. Daher muss der Service Provider darauf achten, eine offene, sichere und flexible KI-Lösung aufzubauen, so wie sie Suse AI bietet. Die FIS-ASP, der erste Suse Service Provider, der die Suse AI Lösung einsetzt, nutzt die Chancen der Suse AI Lösung und beschreibt auch mögliche Risiken von KI. FIS-ASP stellt den Kunden und internen Geschäftsbereichen innovative und sichere privater KI-Umgebungen bereit. Suse AI ermöglicht es FIS-ASP, die Kontrolle über sensible Daten zu behalten und gleichzeitig strenge gesetzliche und Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Die Lösung leistet somit auch einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der digitalen Souveränität.
Service Provider, die KI frühzeitig und effektiv einsetzen, können sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Für Kunden kann der Aufbau einer eigenen KI-Infrastruktur sehr kostspielig sein, denn neben den Kosten für die Lösung ist der Aufbau spezialisierten Fachwissens erforderlich. Kunden werden daher die Nutzung von KI-Umgebungen bei Service Providern bevorzugen, um einen schnellen messbaren ROI zu erzielen. Sie profitieren von spezialisiertem Fachwissen, fortschrittlicher Technologie und flexiblen Lösungen, ohne erhebliche Investitionen tätigen zu müssen. Entscheidend wird aber sein, wie die Service Provider mit den Risiken in Bezug auf Datenschutz und Sicherheit umgehen.
Zusätzlich wird KI bei Automatisierung und Effizienzsteigerung trotz der Investitionskosten Service Providern neue Chancen bieten. Weitere Chancen liegen in der Analyse großer Datenmengen, die Service Provider zur Optimierung ihrer Strategien nutzen können.
Eine verantwortungsvolle Implementierung von KI wird unerlässlich sein, um die Möglichkeiten von KI zu nutzen, aber auch gleichzeitig potentielle Risiken zu minimieren. Die Suse KI-Lösung (Suse AI) für Partner und Service Provider ist digital souverän und darauf ausgerichtet, Kunden zu helfen, offene, sichere und flexible KI-Lösungen aufzubauen.
IT-BUSINESS: Was würde einen sinnvollen KI-Business-Case für KMU ihrer Meinung nach auszeichnen?
Jens-Gero Boehm: KI-Lösungen müssen unbedingt auf Partner ausgerichtet sein. KI nach dem Gießkannenprinzip – eine Lösung für alle – kann nicht auf die individuellen Anforderungen der KMU ausgerichtet sein. Wir haben auf der KubeCon in London, im Rahmen einer kurzen Trendumfrage, Besucher nach dem ROI ihrer implementierten KI-Lösung gefragt: 35 Prozent der Befragten gaben an, keinen ROI zu sehen und nur rund 17 Prozent sahen einen geringen bis mittleren ROI. Auch wenn dies kein repräsentatives Ergebnis ist, zeigt es doch einen deutlichen Trend. Folglich müssen wir uns die Frage stellen, wie wir KI-Lösungen besser machen können, damit sie Unternehmen einen echten Nutzen bringen. Eine KI-Lösung muss auf Channel-Partner ausgerichtet sein, denn nur sie können ihren Kunden helfen, die für sie passende, offene, sichere und flexible KI-Lösungen aufzubauen.
Jens-Gero Boehm, Area Vice President Channel Sales, DACH bei Suse
(Bild: SUSE)
Suse stellt dafür erstens eine KI-Plattform bereit, die es den Kunden ermöglicht, ihre eigenen generativen KI-Lösungen mit den Large Language Models (LLMs) ihrer Wahl zu betreiben, sowohl On-Premises als auch in Cloud-Umgebungen, zur Wahrung der Datensouveränität. Zweitens muss der Fokus auf Sicherheit und Compliance liegen, um so den hohen Anforderungen an Datensicherheit und regulatorische Vorgaben zu entsprechen. Drittens muss diese KI-Plattform offen für Partnerlösungen sein, die so eigenständige, angepasste Kundenlösungen entwickeln können.
Ein gutes Beispiel für eine solche Lösung hat unser Partner FIS-ASP, basierend auf der Suse KI-Plattform entwickelt. Im Rahmen unseres Suse KI-Programms, bieten wir Partnern dabei die Möglichkeit, eng mit unseren Experten zusammenzuarbeiten und aktiv an der Entwicklung zukünftiger KI-Lösungen mitzuwirken. So können wir gemeinsam Lösungen schaffen, die unseren Kunden Flexibilität und Sicherheit bieten, zugeschnitten auf ihre Bedürfnisse.
IT-BUSINESS: Die europäische IT-Branche steht im Wettbewerb mit investitionsfreudigen Konkurrenten aus den USA und China, insbesondere in den Bereichen Cloud, KI und Cybersecurity. Wie kann es Europa gelingen, nicht den Anschluss zu verlieren?
Holger Pfister: Europa ist in einer starken Position. Entgegen allen Unkenrufen besitzen wir in Europa ein hohes Potential an Innovationskraft. Beispiele wie Deepl aus Deutschland zeigen, dass wir durchaus in der Lage sind, uns mit den Platzhirschen aus den USA zu messen und sie auch übertreffen können. Europa hat eine äußerst rege Open Source Community und SoftwareHersteller, die innovative Unternehmenslösungen anbieten – auch wenn einige vielleicht etwas kleiner als die US Riesen sind. Gerade in den Bereichen Cloud, KI und Cybersecurity haben wir sichere und offene Lösungen, mit denen Kunden ihre Wechselfähigkeit und digitale Souveränität sichern können. Diese Innovationskraft und Stärke müssen wir weiter fördern. Wir brauchen in Europa einen Masterplan für Open Source und damit die Chance, unabhängiger, effizienter und noch innovativer zu werden. So stärken wir nicht nur die digitale Souveränität und unsere eigene Wirtschaft, sondern werden auch Vorreiter bei der Nutzung nachhaltiger Technologien werden.
Stand: 08.12.2025
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IT-BUSINESS: Inwiefern haben Regulierungen wie DORA, NIS2 und der Data Act Ihre Compliance- und Sicherheitsstrategien beeinflusst?
Holger Pfister: Suse Produkte zeichnen sich durch “eingebaute” Sicherheit aus und bauen auf unserer zertifizierten Sicherheitsarchitektur auf. Die NIS2-Vorschriften betreffen fast 30.000 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in Deutschland, aufgrund von Abhängigkeiten in Lieferketten sind jedoch deutlich mehr Organisationen verpflichtet, die Vorgaben zu erfüllen. Eine eigenständige Evaluierung der gesamten Software Supply Chain ist für Software-Anwender kaum zu leisten. Der zeitliche Aufwand dafür wäre enorm – gleichzeitig bestünde das Risiko, für eine übersehene Sicherheitslücke haftbar gemacht zu werden.
Suse vereinfacht diesen Prozess für alle Lösungen, die auf Suse Linux Enterprise Server (SLES) ausgeführt werden: Das Betriebssystem ist vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nach Common Criteria EAL 4+ zertifiziert und hat damit eine umfassende Evaluierung der Produkt-, Entwicklungs- und Sicherheitsupdate-Prozesse erfolgreich abgelegt. Natürlich nutzen unsere Lösungen zusätzlich höchste aktuelle Verschlüsselungstechnologien, um Sicherheit und Integrität sensibler Daten zu gewährleisten, basierend auf den von der US-Regierung entwickelten Federal Information Processing Standards (FIPS) 140-2 und 140-3.
Holger Pfister, General Manager DACH bei Suse
(Bild: SUSE)
Im Rahmen von NIS2 und DORA können wir mit unseren Lösungen sicherstellen, dass Unternehmen die Resilienz ihrer IT-Infrastruktur und die Sicherung der Betriebskontinuität erreichen. Das gleiche gilt auch für den Data Act. Zusätzlich sind wir führend an der Weiterentwicklung von Confidential Computing Lösungen beteiligt, einer Technologie, mit der erstmals Data-in-Use vor unberechtigten Zugriffen geschützt werden kann. Ein gutes Beispiel für eine sichere Lösung in Zusammenarbeit mit unseren Partnern ist die gemeinsam mit Bechtle, Fujitsu, Intel und VNC entwickelte Archivierungslösung, die den höchsten deutschen und EU-Sicherheitsrichtlinien entspricht und so einen wichtigen Beitrag zu Rechtssicherheit und Digitaler Souveränität leistet.
IT-BUSINESS: Cloud-Strategien sind ein entscheidender Faktor für digitale Souveränität. Welche Entwicklungen sehen Sie in diesem Bereich, und welche Rolle spielen europäische Anbieter im globalen Wettbewerb?
Holger Pfister: Die wachsende Abhängigkeit von US-Softwareanbietern, die ihre Angebote immer stärker mit Cloud-Services verbinden, birgt Risiken für Europa. Viele Kunden befinden sich in einem „Vendor Lock-in“, was bedeutet, dass der Wechsel zu anderen Anbietern – trotz gegenteiliger Beteuerungen – aufwändig und kostspielig ist. Die Hoheit über Daten und IT-Infrastruktur wird zunehmend von diesen Unternehmen beeinflusst – eine Situation, die besonders im Hinblick auf Datenschutz und Datensouveränität kritisch ist. Open Source-Software ist daher zentral für die Steigerung der Resilienz in der Gesellschaft, der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung.
Eine diversifizierte Cloud-Strategie ist eine Lösung für mehr Unabhängigkeit: Die Kombination mehrerer Cloud-Dienste, um eine flexible und sichere Infrastruktur zu schaffen. Nicht nur die Nutzung mehrerer Anbieter ist wichtig, sondern auch die Integration von Lösungen, die eine bessere Transparenz bieten. Die Cloud-Lösungen müssen eine klare Datenhoheit besitzen, damit Unternehmen jederzeit Kontrolle über die eigenen Daten haben, unabhängig vom Anbieter. Ein sicherer und selbstbestimmter Cloud-Betrieb, bei vorzugsweise europäischen Anbietern, die lokale Datenschutzanforderungen als Vertrauensgarant verankern, ist der Grundstein für eine resiliente IT-Landschaft.