Disposition im Lager, Techniker-Einsätze und Logistik KI ist der Gamechanger in Sachen ERP und BI

Von Dr. Stefan Riedl 4 min Lesedauer

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KI nutzt die strukturierten Daten aus ERP- und BI-Systemen, um Muster zu erkennen und mit maschineller Präzision Schlussfolgerungen zu ziehen. Carsten Schröder, CEO of Cloud ERP bei Haufe X360, skizziert seine Sicht auf die disruptiven Effekte auf das Business rund um Enterprise Ressource Planning.

Künstliche Intelligenz hat besonderes Talent in den Bereichen der Disposition und Einsatzplanung bewiesen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Künstliche Intelligenz hat besonderes Talent in den Bereichen der Disposition und Einsatzplanung bewiesen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Es gilt die Faustformel: Je präziser und umfassender die Daten, desto leistungsfähiger wird die KI. Kurz gesagt: Ein ERP-System liefert erst das wertvolle Fundament, auf dem KI dann ihre Lernprozesse aufbaut. Vor diesem Hintergrund bringen KI-Anwendungen ERP- und BI-Systeme auf ein völlig neues Level, ist Carsten Schröder, CEO of Cloud ERP bei Haufe X360 überzeugt. „Denn sie [Künstliche Intelligenzen] können mehr als nur Daten analysieren, sie können auch prognostizieren und Entscheidungen treffen“, so der Manager. „Dabei verarbeitet sie viel mehr Informationen in viel kürzerer Zeit als ein Mensch.“ Das sei ein echter Turbo für datengetriebene Geschäftsentscheidungen.

Einflüsse auf die Software-Entwicklung

Carsten Schröder, CEO of Cloud ERP, Haufe X360(Bild:  Haufe X360)
Carsten Schröder, CEO of Cloud ERP, Haufe X360
(Bild: Haufe X360)

KI und Machine Learning revolutionieren auch die Produktentwicklung, weiß Schröder. Software-Hersteller können Innovationen und Releases viel schneller ausliefern, weil mit KI sowohl die Entwicklung als auch das Testen der Software zukünftig automatisiert werden können.

Das geht auch an Haufe X360 nicht spurlos vorbei. „Damit sich KI-Anwendungen einfach in unsere ERP-Lösung integrieren lassen, entwickeln wir gemeinsam mit unseren Partnern Schnittstellen“, sagt Schröder. „Und wir sorgen dafür, dass unser ERP immer passgenau die Daten liefert, die eine KI benötigt, um ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen.“

Grenzen verschwimmen

Die Grenzen zwischen KI und ERP verschwimmen zunehmend, postuliert der CEO. In Zukunft werden seiner Überzeugung nach KI-Funktionalitäten als selbstverständlich in ERP-Lösungen erwartet. Haufe360 wappnet sich hierfür mit strategischen Partnerschaften mit Acumatica und Microsoft. Acumatica hat bereits in allen ERP-Modulen KI-Applikationen integriert.

Eine Frage der Rechenpower

KI braucht bekanntlich enorme Rechenleistung – und genau hier liegt laut Schröder ein Vorteil von Cloud-ERP-Systemen: „Nutzer können die Leistung nach Bedarf hochskalieren, ohne teure Server anzuschaffen und instand zu halten.“ Das ist effizienter und kostengünstiger als bei On-Premise-Systemen, so seine Überzeugung.

Pilotprojekt mit Microsoft

Der CEO verrät, dass bei Haufe360 gerade ein Pilotprojekt mit Microsoft am Anfang steht. Dabei geht es um KI im Kundensupport. Und das geht so: Die KI liest und analysiert Support-Tickets, die bei dem ERP eingehen. Sie erkennt relevante Stichworte und Themen und leitet die Tickets dann automatisch an die richtigen Abteilungen oder Experten weiter – inklusive erster Problemlösungs-Hilfe. „Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch bares Geld“, formuliert Schröder die Motivation hinter dem Projekt.

KI in der Disposition

Der Manager nennt ein Fallbeispiel für die Fähigkeiten der KI im ERP-Umfeld: Ein Unternehmen produziert Maschinen und bietet zusätzlich einen Außendienst-Support an. Dem wird ein mehrstündiger Termin vom Kunden kurzfristig abgesagt. Jetzt sind aber die eingeplanten Techniker des Serviceteams mit ihrem Fachwissen und den speziellen Werkzeugen und Ersatzteilen in ihrem Fahrzeug nicht einfach bei anderen Kunden einsetzbar. Weil andere Aufträge andere Kenntnisse und Teile erfordern. An dieser Stelle kommt die KI ins Spiel. Sie kann den gesamten Dispositionsplan in Sekundenschnelle den neuen Anforderungen anpassen: Teams werden neu zusammengestellt, Ersatzteile den neuen Teams und ihren Fahrzeugen zugeteilt und im Lager angefordert. Die Streckenführungen werden auch neu berechnet. So können die Kapazitäten, die durch den Ausfall frei werden, wieder genutzt werden – statt ungenutzt zu verfallen.

Revolution in der Lagerhaltung

„Eine KI revolutioniert die Lagerhaltung und den Einkauf, indem sie Daten aus Produktion, Einkauf, Lager und Buchhaltung im ERP analysiert“, führt der CEO aus. Die KI findet dabei saisonale Muster und optimiert Bestände und Einkaufsstrategien in Echtzeit. So lassen sich unnötige Lagerhaltungskosten und Engpässe zuverlässig vermeiden. Wenn die KI Optimierungspotenziale erkennt, greift sie sofort ein und sorgt so für maximale Effizienz, auch in saisonalen Spitzenzeiten.

Allgemein formuliert – so postuliert es der Haufe360-Manager – lässt sich KI in allen Geschäftsbereichen gewinnbringend einsetzen, um Prozesse zu optimieren oder sogar manuelle Abläufe zu automatisieren: „Bei Service und Support, in Vertrieb und Marketing, bei Produktion, Buchhaltung, Datenanalyse oder in der Logistik.“

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Konsequenzen für den Channel

Was bedeutet das für IT-Dienstleister und Systemhäuser? Nach der Auffassung von Schröder müssen IT-Dienstleister ihren Kunden in Zukunft ERP- und BI-Systeme liefern, in die sich problemlos KI-Anwendungen integrieren lassen. Und sie müssen selbst mit den KI-Anwendungen umgehen können, sie konfigurieren, individuell anpassen und die Endnutzer schulen.

„Mit KI tut sich für IT-Dienstleister ein völlig neues Geschäftsfeld auf“, so der ERP-Profi. „Wer sich mit seinen KI-Kenntnissen vom Wettbewerb abhebt, kann durch Implementierungen, Anpassungen, Beratung und Support neue Einnahmequellen erschließen.“ Auch im individuellen Training von KI-Anwendungen für die Anforderungen einzelner Unternehmen sieht er große Umsatzpotenziale für Systemhäuser.

„Kollege KI“ kann programmieren

IT-Dienstleister und Systemhäuser können von einer KI Code programmieren lassen, was deutlich die Kosten senkt, so Schröder. „Aber auch Software-Anpassungen nach Kundenwünschen, das Testen von bestimmten Szenarien oder das Entwickeln von Software-Architekturen kann KI übernehmen.“ Das bedeute seiner Auffassung nach auch, dass solche Leistungen billiger für Kunden werden und Software-Entwickler sich breiter aufstellen müssen, um sich vom Wettbewerb abzuheben – etwa als Anbieter von Komplettlösungen oder durch das Erschließen völlig neuer Geschäftsfelder.

KI-Anwendungen und Big Data benötigen enorme Rechenleistungen. Deshalb müssen nicht nur IT-Dienstleister und Systemhäuser entsprechend leistungsfähige IT-Infrastrukturen nutzen können, sondern auch ihre Kunden. Und da wird der Weg in vielen Fällen unweigerlich in die Cloud führen. Gerade auch mit Blick auf zukünftige Entwicklungen.

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