Aktueller Channel Fokus:

IT-Security

1&1 IONOS setzt auf den Channel

Kampfansage an die großen Hyperscaler

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

1&1 IONOS will den Hyperscalern etwas entgegensetzen.
1&1 IONOS will den Hyperscalern etwas entgegensetzen. (Bild: © chainat - stock.adobe.com)

Die fünf großen Hyperscaler (AWS, Microsoft Azure, Google, Alibaba und IBM) teilen sich zwei Drittel des Marktes auf. Wenn es nach 1&1 IONOS geht, soll sich diese Marktdominanz relativieren. Nicht das Schwert der Wettbewerbshüter soll es richten, sondern Angebote für KMUs.

„Durch den Zusammenschluss zwischen ProfitBricks und 1&1 Internet zu 1&1 ­IONOS, ist in Deutschland eine Alternative zu den großen Hyperscalern aus den USA und China entstanden“, sagt Hans Nijholt, Head of Product Management Professional Business, 1&1 IONOS. Zur Erinnerung: Im Herbst vergangenen Jahres fusionierten 1&1 Internet und ProfitBricks.

Mit mehr als acht Millionen Kundenverträgen zum Start war der Anbieter von Cloud-Infrastruktur, Cloud-Services und Hosting-Dienstleistungen von Anfang an relativ gut aufgestellt. Vom Hosting von Homepages über Shop-Systeme bis hin zur Nutzung einer Enterprise-Cloud-Infrastruktur auf eigenen Servern hat sich das Unternehmen breit in Digitalisierungsdingen aufgestellt. Doch reicht das, um gegen die großen Hyperscaler zu bestehen, die ihre globale Präsenz sowie ihre Markt- und Preissetzungsmacht zu nutzen wissen?

Positionierung im Markt

Zumindest hat man bei 1&1 IONOS klare Vorstellungen davon, was die Selbstverortung im Markt angeht: „Von der Zielgruppe und Ausrichtung her konzentrieren wir uns auf den professionellen Markt im KMU- und Enterprise-Segment, allerdings mit dem Anspruch, auf derselben Augenhöhe und vor allem mit direkten Ansprechpartnern für unsere Kunden aufzutreten.“ Der oberste Produktmanager im Professional-Business-Segment stellt die rhetorische Frage: „Wer bekommt bei den großen Hyperscalern denn im Zweifel Priorität? Firmen wie Netflix oder KMUs aus Deutschland, wenn schnell reagiert werden muss?“

Die Speisekarten-Metapher

Die Zielgruppe ist vielversprechend. „Insbesondere KMUs haben hierzulande teilweise noch einen weiten Weg zu gehen, was das Thema Cloud-Transformation angeht“, sagt Nijholt. Größte Hürde ist seiner Einschätzung nach die Komplexität des Themas und die Vielzahl an möglichen Herangehensweisen. Passgenaue und flexible Lösungen für den Mittelstand sollen den entscheidenden Vorteil bei der Positionierung gegen AWS, Microsoft Azure, Google, Alibaba und IBM in Sachen Cloud bringen. Nijholt stellt folgende Metapher auf: „Stellen Sie sich das Angebot der Hyperscaler als Speisekarte vor, die hunderte, teilweise unbekannte Gerichte enthält. 1&1 IONOS setzt dem eine einfache Karte entgegen, mit wenigen schmackhaften Gerichten, die aber sehr flexibel ergänzt werden können.“

„Hosted Private Cloud“ statt „Public Cloud“

Hans Nijholt, Head of Product Management Professional Business, 1&1 IONOS
Hans Nijholt, Head of Product Management Professional Business, 1&1 IONOS (Bild: 1&1 IONOS)

Für viele potenzielle Kunden geht der Schritt in die Public Cloud zu weit, sagt ­Nijholt. „Sie können die Vorteile einer Cloud-Infrastruktur im Sinne einer ‚Hosted Private Cloud‘ nutzen, bei der Infrastruktur in unserem Rechenzentrum gemietet wird.“ Der Einsatz dieser dedizierten Hardware würde sich im Tagesgeschäft ebenso flexibel gestalten, wie die Nutzung von Public-Cloud-Ressourcen. Viele nutzen die 1&1-IONOS-Rechenzentren für klassisches Cloud-Backup. Aber auch Infrastrukturen mit Kubernetes-Container, beispielsweise für DevOps-Ansätze, sind bereits ein großes Thema. Noch etwas Zukunftsmusik, aber dennoch auf dem Schirm des Unternehmens sei der Serverless-Computing-Ansatz.“ Angesprochen werden sollen damit vor allem Kunden, die kein Budget für Beratungsfirmen haben, also jene, die das Thema mit ihren eigenen IT-Ressourcen stemmen wollen. Dem entsprechend wurden auch die Werkzeuge für Administratoren und Partner konzipiert: Die hybriden Infrastrukturen können in einem vergleichsweise einfach gehaltenem Dashboard gemanaged werden, bei dem das Rechenzentrum und die angebundenen Cloud-Dienste in einem Low-Code-Ansatz „aufgemalt“ werden können.

Rahmenbedingungen

Auch der CLOUD Act könnte Kunden bringen: Er spielt laut Nijholt in dem Zusammenhang eine Rolle, „denn er passt grundsätzlich nicht zur DSGVO, was dessen Anforderung an Datenschutz und Datensicherheit angeht. Die rechtliche Situation spielt uns hier in die Karten, da wir als Nicht-US-Unternehmen nicht dazu gezwungen werden können, US-Behörden Zugriff auf Daten zu gewähren.“ Sein Kollege Heiko Binder, Head of Agency Business bei 1&1 IONOS, ergänzt: „Wir arbeiten eng mit Digitalagenturen zusammen. Auffällig ist hierbei die ausgeprägte Datenschutzsensibilisierung.“ Häufig – so Binder – bekommen Agenturen die direkte Vorgabe von ihren Kunden, keine Hosting-Lösungen von Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU zu nutzen; mitunter geben die Auftraggeber sogar Listen freigegebener Hosting-Anbieter heraus. Als deutsches Unternehmen mit Rechenzentren in Deutschland und Europa spiele diese Begebenheit 1&1 IONOS tendenziell in die Hände.

Partnerprogramm und Kanalarbeiten

Heiko Binder, Head of Agency Business, 1&1 IONOS
Heiko Binder, Head of Agency Business, 1&1 IONOS (Bild: 1&1 IONOS)

Binder beschreibt die Channel-Strategie: „Unser Partnerprogramm richtet sich aktuell primär an Digitalagenturen, Freelancer, Webdesigner – ich fasse diese Gruppe mal als ‚Web-Professionals‘ zusammen.“ Realisiert wird von ihnen „alles von der kleinen Vereins-Homepage bis zur Business-Plattform“. Darüber hinaus gibt es auch MSPs, Software- und Systemhäuser sowie Systemintegratoren, die auf die Dienste setzen, „und die wir in einer weiteren Ausbaustufe unseres Partnerprogramms ebenso gezielt ansprechen werden“, kündigt Binder an. Allen gemein sei, dass sie verlässliche Tools für das Management ihrer Kunden und für das Arbeiten mit Hosting-Produkten brauchen.

Drei Kernaspekte der „Kampfansage“

Momentan ist das Partnernetzwerk praktisch in einer Aufbauphase und dabei offen und kostenlos für alle. Zunehmend sollen aber Qualitätskriterien und Qualifizierungsmaßnahmen eine wachsende Rolle spielen werden, „auch wenn zum Start bewusst keine Hürden eingezogen wurden“, sagt Binder. Drei Kernaspekte sollen der Kampfansage an die großen Hyperscaler Gewicht verleihen: „Passende Produkte für Web-Professionals, schneller Experten-Support durch namentlich bekannte Ansprechpartner und professionelle Partner-Tools, über die Zugriffsrechte und Endkunden gemanaged werden können.“

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45965386 / Cloud)