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6,6 Milliarden Euro für die Staatskasse

Jetzt geht's los mit 5G!

| Autor: Sarah Böttcher

6,6 Milliarden Euro spült die 5G-Frequenzauktion in die Staatskasse.
6,6 Milliarden Euro spült die 5G-Frequenzauktion in die Staatskasse. (Bild: denisismagilov - stock.adobe.com)

Nach insgesamt 19 Wochen und 497 Auktionsrunden ist die Versteigerung der 5G-Mobilfunkfrequenzen beendet. Die längste Mobilfunkauktion in der Geschichte Deutschlands ist zugleich die teuerste und umstrittenste.

Dass Deutschland der Digitalisierung hinterherhinkt und immer mehr ins internationale Hintertreffen gerät ist kein Geheimnis. Mit dem Ende der 5G-Frequenzauktion soll sich das nun endlich ändern. Trotz zahlreicher kritischer Stimmen ist nun mit dem Ende der Auktion laut Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, der „Startschuss für 5G in Deutschland“ gefallen.

Nach 19 Wochen und 497 Auktionsrunden wurde die Versteigerung am gestrigen Mittwoch für insgesamt 6.549.651.000 Euro für beendet erklärt. Um die gegen Ende festgefahrene Auktion zu beschleunigen hatte die Bundesnetzagentur erst Anfang des Monats eine Regeländerung vorgenommen. Zuvor lag das Mindestzusatzgebot, genannt Mindestinkrement, bei zwei Prozent des bisherigen Höchstgebots, was je nach Frequenzblock knapp drei Millionen Euro ausmachte. Durch die Erhöhung des Mindestinkrement wurde eine Zusatzzahlung von mindestens 13 Millionen Euro nötig.

Für die bisher längste und vor allem teuerste Mobilfunkauktion in Deutschland erwarteten Experten Einnahmen in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro. Weit gefehlt: Rund 6,6 Milliarden Euro spült die Auktion letztendlich in die deutsche Staatskasse. Zum Vergleich: Während der jüngsten Mobilfunkauktion 2015 lagen die Einnahmen bei 5,08 Milliarden Euro. Versteigert wurden diesmal Blöcke im 2-GHz- und 3,6-GHz-Frequenzbereich (insgesamt 420 MHz), wobei die 2-GHz-Frequenzen aufgrund ihrer deutlich höheren Reichweite auch deutlich teurer gehandelt wurden. Allerdings werden diese auch erst ab 2021 oder sogar erst 2026 nutzbar sein. Der Grund für den höheren Wert der Auktion soll die Tatsache sein, dass dieses Mal vier anstatt drei Mobilfunkanbieter teilgenommen haben. Durch den Einstieg von Drillisch verstärkt sich der Wettbewerb am Markt, wodurch letztendlich die deutsche Wirtschaft und die Verbraucher profitieren werden.

Wofür wird 5G benötigt?

5G bietet vor allem für die Industrie zahlreiche Vorteile. Im Unterschied zu den Vorgängernetzen LTE (4G) und UMTS (3G) kann die 5. Mobilfunkgeneration deutlich flexibler auf Anwenderbedürfnisse zugeschnitten werden. Aufgrund der höheren Datenrate, der geringeren Latenzzeit und Störungsanfälligkeit, bildet 5G die technische Grundlage für das Internet der Dinge (IoT). Zahlreiche Anwendungen im Bereich Industrie 4.0, Smart City und Smart Farming können so realisiert werden. Doch neben der Industrie ist die Technologie beispielsweise auch bedeutend für das autonome Fahren oder die Telemedizin. So werden selbstfahrende Autos, Video-Sprechstunden mit einem Arzt oder auch Haushaltsroboter, die als Übertragungseinheit zwischen Arzt und Patient dienen, bald zur Realität. Und in den eigenen vier Wänden wird unterbrechungsfreies Video-Streaming möglich und Virtual Reality (VR) Einzug halten. Die Vorteile können allerdings nur dann ausgeschöpft werden, wenn die Mobilfunkstationen an das Glasfasernetz angebunden werden.

5G – Fluch und Segen?

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Bitterer Nachgeschmack

Doch die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G verwendet werden. Mit den Einnahmen soll vorrangig der Netzausbau und somit die digitale Infrastruktur in Deutschland vorangetrieben werden. „Das Ende der Frequenzauktion ist gleichzeitig der Startschuss für den 5G-Ausbau in Deutschland,“ erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg. Doch der gute Ansatz hinter der Auktion wird überschattet durch die Höhe der Auktionssumme: „Die Netzbetreiber wurden in ein Auktionsverfahren gezwungen, in dem sie allein für das Recht der Frequenznutzung rund 6,6 Milliarden Euro in die Hand nehmen mussten. Diese Mittel fehlen ihnen jetzt bei den ohnehin hohen Investitionen in die Netze der Zukunft. Umso wichtiger sind jetzt verlässliche Rahmenbedingungen sowie einfache, schnelle Verwaltungsverfahren für die neuen Mobilfunkstandorte,“ kritisiert Berg.

So sieht es auch Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone Deutschland, und fordert ein „Reinvestitions-Programm“: „Die Auktion ist beendet. Leider haben wir als Branche aber einmal mehr viel Geld für Lizenzpapiere ausgeben müssen, das wir lieber in den Netzausbau investiert hätten. Umso wichtiger ist jetzt, dass Politik und Branche gemeinsam ein Reinvestitions-Programm erarbeiten, mit dem die Erlöse direkt in den Mobilfunkausbau fließen. Denn nur so schafft Deutschland das, was für eine digitale Zukunft neben 5G am nötigsten ist: das Schließen der letzten großen Funklöcher.“ Unter seinem Vorschlag versteht Ametsreiter beispielsweise ein „5G-Bündnis, bei dem die Netzbetreiber die Gelder, die in 5G-Frequenzen geflossen sind, in neue Mobilfunk-Stationen investieren können. Das wäre ein riesiger zusätzlicher Schub für den Netzausbau. Noch können wir den entstandenen Schaden gemeinsam reparieren.“ Denn mit „dem Auktionserlös hätte man circa 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können“, betont auch Dirk Wössner, Vorstand der Telekom Deutschland.

Auch Telefónica steht dem Ende der Auktion kritisch gegenüber: „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass eine Frequenzvergabe über eine Auktion kontraproduktiv für den Mobilfunkausbau in Deutschland war. Der Verlauf der Auktion hat gezeigt, dass das Design sowie die nicht ausreichende Menge an zur Verfügung gestellten Frequenzen die Kosten in die Höhe getrieben haben. Diese Investitionsmittel wären aus Verbrauchersicht und für den Wirtschaftsstandort Deutschland deutlich besser im Netzausbau aufgehoben,“ erklärt Valentina Daiber, Chief Officer for Legal & Corporate Affairs bei Telefónica.

Gewinner der Auktion

Von den 41 Frequenzblöcken entfallen die meisten auf die Deutsche Telekom – der Konzern konnte sich 13 Blöcke für 2,17 Milliarden Euro sichern. Auf Vodafone entfallen 12 Blöcke für 1,88 Milliarden Euro und auf Telefónica 9 für 1,42 Milliarden Euro. Neueinsteiger Drillisch konnte sich 7 Blöcke für 1,07 Milliarden Euro sichern. Die Tochterfirma von United Internet hat bisher kein eigenes Netz, stattdessen nutzt sie Antennen der Konkurrenz. Als Neueinsteiger hat Drillisch Ausnahmeregelungen und muss daher weniger in der Fläche ausbauen als seine Konkurrenten.

Und wer ist letztendlich der Gewinner der Auktion? Gegen Ende der Auktion musste der Neueinsteiger einen kleinen Rückschlag hinnehmen, da er am Ende noch überboten wurde und damit einen Block weniger bekam als in dem wochenlangen Ringen angestrebt. Die Deutsche Telekom und Vodafone haben hingegen gut abgeschnitten. So betont Wössner: „Wir haben das Spektrum erhalten, das wir wollten. Nach einer langen Auktion herrscht jetzt Klarheit.“ Auch Ametsreiter zieht ein positives Fazit: „Die Auktion ist beendet. Und wir haben die Frequenz-Ausstattung bekommen, auf die wir abgezielt haben.“ Telefónica hat hingegen eher mäßig abgeschnitten.

„Startschuss für 5G in Deutschland“

Nun kann es also endlich losgehen mit dem neuen Mobilfunkstandard in Deutschland. Die großen Netzbetreiber zeigen sich zuversichtlich und kooperationsoffen. „Wir wollen jetzt loslegen. Dafür ist es wichtig, die vor der Auktion nicht vollständig geklärten Rahmenbedingungen festzulegen,“ erklärt Wössner. So sind beispielsweise die Bedingungen für lokales Spektrum, die sogenannten Campus-Netze, noch zu klären. „An allem haftet nach wie vor große Unsicherheit, bis hin zu der Grundsatzfrage, ob diese Frequenzversteigerung auch langfristig überhaupt rechtens ist. Das müssen letztlich die Gerichte entscheiden. Deutschland muss ein weltweit führender 5G-Standort werden. Dies wird nur gelingen, wenn die bestehenden Unsicherheiten ausgeräumt werden,“ betont Berg.

Die Deutsche Telekom möchte „den Netzausbau im ländlichen Raum gemeinsam mit den Wettbewerbern angehen“ und wird dazu Gespräche aufnehmen. Auch Telefónica setzt für einen beschleunigten Ausbau auf die Ausweitung kommerzieller Kooperationsmodelle: „Wir sind bereit, eng mit investitionswilligen Wettbewerbern im Netzausbau zusammenzuarbeiten. Nur im Schulterschluss aller Beteiligten kann diese wichtige Phase für die digitale Zukunft des Landes gelingen“, ist CEO Markus Haas überzeugt.

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